Kolumne: Berichtssaison zeigt die Widerstandskraft der Unternehmen

Angesichts der vielen globalen Störfaktoren war kaum Optimismus angebracht. Umso erstaunlicher ist, wie gut viele Konzerne im ersten Halbjahr abgeschnitten haben — nur die Autoindustrie nicht

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Angesichts der vielen globalen Störfaktoren war kaum Optimismus angebracht. Umso erstaunlicher ist, wie gut viele Konzerne im ersten Halbjahr abgeschnitten haben — nur die Autoindustrie nicht

Angesichts etlicher krisenhafter Entwicklungen in der Welt konnte man nicht optimistisch auf die jetzt langsam zu Ende gehende Berichtssaison zum ersten Halbjahr blicken. Daher ist es bemerkenswert, wie anpassungsfähig und robust viele börsennotierte Unternehmen der allgemeinen Unbill trotzen. 

Nehmen wir etwa den Energiekonzern Shell aus Großbritannien. Dort produzierten dessen Raffinerien mit einem Auslastungsgrad von 102 Prozent der normalen Spitzenkapazität. Vor allem fokussierten sich die Briten auf die Produktion von Kerosin und Diesel – beides knappe Güter. Ähnlich gingen andere Ölunternehmen vor. Manche von ihnen verschoben Instandhaltungsmaßnahmen und Modernisierungen in ihren Produktionsstätten, um zum Wohle der Kunden und der Eigentümer auf die aktuellen Engpässe zu reagieren. So etwa PBF Energy aus New Jersey.

Eher erwartungsgemäß lief es in der Halbleiterindustrie. Alle wesentlichen Marktteilnehmer berichteten über starke Nachfrage nach Computerchips. Überdies vermeldeten Taiwan Semiconductor, Micron, Nvidia, Infineon, Texas Instruments, Marvell Technology, Intel, STMicroelectronics, Samsung Electronics, SK Hynix etc. volle Auftragsbücher für die kommenden Jahre. 

Spannend verlief auch die Berichtssaison bei Software- und Internetaktien. Besonders der Ausbau des Cloud-Geschäftes trieb die Zahlenwerke von SAP, Microsoft, Alphabet und Amazon an. Derweil trat die Substitution klassischer Software durch Lösungen der Künstlichen Intelligenz bislang nicht in dem Umfang ein, wie das mancherorts befürchtet wurde. Interesse zog die Berichterstattung des iPhone-Herstellers Apple auf sich. Während die Dienstleistungen des Unternehmens schwächelten, konnten aufgrund von Komponentenmangel nicht die Anzahl an Telefonen und Computern verkauft werden wie gewünscht. 

Problemfall Autoindustrie

Wenig Erfreuliches war auch aus dem Automobilsektor zu vernehmen. Deutsche Hersteller verlieren rasch Marktanteile in China und die Zollsituation in Amerika hat den dortigen Markt schwieriger gemacht. Zudem stören inkonsistente Staatseingriffe die wahre Struktur von Angebot und Nachfrage. Während etwa in den USA staatliche Förderungen für Elektroautos zusammengestrichen wurden, werden solche Fahrzeuge in Deutschland und Europa stark durch steuerliche Privilegien und Förderprogramme bezuschusst. 

Überraschend positive Signale sendete der Chemiesektor aus. Branchenriesen wie BASF, LyondellBasell und Dow Chemical berichteten über bessere Verkaufspreise für ihre Chemikalien. Zudem scheinen die vielen Restrukturierungsmaßnahmen erwünschte Wirkungen zu entfalten. Bei BASF zeigen sich erste Früchte der Strategie, Neuinvestitionen auf Nordamerika und China zu konzentrieren, um die dortigen Standortvorteile zu nutzen. 

Stark präsentierte sich im ersten Halbjahr auch der Finanzsektor. Banken und Broker profitieren von höheren Zinsen und gestiegenen Handelsaktivitäten an den Kapitalmärkten. Ein Übriges trug die hohe Anzahl von Unternehmensübernahmen bei. Mit einer Fortsetzung dieses Trends wird gerechnet.

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