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Seit dem Frühjahr ist es sehr ruhig um Gold und Silber geworden. Das eine Edelmetall korrigierte im Kurs – das andere brach regelrecht ein. Nun steigt die Laune wieder
Es ist schon etwas kurios. Mit einem Plus von rund 65 Prozent gehörte Gold im vergangenen Jahr zu den renditestärksten Anlageklassen und doch hat es den Anlegern seit dem Frühjahr wenig Spaß bereitet. Von 5595 US-Dollar in der Spitze ging es fast 30 Prozent abwärts. Mit dem Ausbruch des Irankriegs kippte die Stimmung. Seither befindet sich der Goldpreis in einer Korrekturphase und hat inzwischen mehr als seine gesamten seit Jahresbeginn erzielten Gewinne wieder abgegeben.
Die Schwankungsbreite ist entsprechend groß. „Die annualisierte Volatilität des Edelmetalls liegt laut World Gold Council bei rund 30 Prozent – und damit über dem langfristig üblichen Niveau von etwa 10 bis 18 Prozent“, so die Experten von Ophirum.
Zu schaffen machen dem Goldkurs die veränderten Zinserwartungen und neue Inflationssorgen. Sie lassen Anleger an einer baldigen Lockerung der Geldpolitik zweifeln. Noch vor wenigen Monaten rechneten viele Marktteilnehmer mit Zinssenkungen der US-Notenbank. Inzwischen preisen die Terminmärkte sogar wieder die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen ein.
Im großen Bild spricht aber wenig gegen Gold – im Gegenteil. Die weltweite Staatsverschuldung nimmt weiter zu und liegt in vielen Staaten am point of no return. Viele Industrieländer kämpfen mit chronischen Haushaltsdefiziten, zahlreiche Notenbaken kaufen weiterhin Gold im großen Stil – und die anhaltenden geopolitischen Spannungen sorgen weiter für Unsicherheit.
Kursrückgänge speziell bei Gold ziehen die Nachfrage an. „Nach Angaben des World Gold Council sind Indonesien und Malaysia wieder zu Käufern geworden, nachdem sie längere Zeit eher passiv waren. Der Kreis der staatlichen Goldnachfrager wächst und stützt die Nachfrage“, so die Experten von CMC Markets.
Bei Silber ist die Lage im Korrekturvergleich weit üppiger als bei Gold. „Nachdem der Kurs die Marke von 120 Dollar überschritten hatte, ist er zuletzt auf weniger als 60 Dollar zurückgefallen – eine glatte Halbierung“, so Lars Reichel von Gettex. Die Analysten von Wisdomtree meinen, dass selbst bei 60 US-Dollar je Unze – einem Niveau, das immer noch um etwa 70 Prozent über dem Vorjahreswert liegt – mit einer gewissen Sparsamkeit in der Industrie zu rechnen sei.
Ein wichtiger Bereich, den es zu beobachten gilt, ist die Nachfrage aus der Solarbranche. In China wurden die Solarinstallationen im Jahr 2025 vorzeitig durchgeführt, da die Haushalte den Änderungen der Stromtarife zuvorkommen wollten. Daher dürfte die Silbernachfrage aus Chinas Solarsektor in diesem Jahr geringer ausfallen. Das könnte jedoch teilweise durch eine stärkere Solarnachfrage in anderen Regionen ausgeglichen werden, da die politischen Bemühungen zur Abkehr von Kohlenwasserstoffen vor dem Hintergrund des Irankriegs an Intensität gewinnen.
Auch bei Silber ist die Korrektur somit weit fortgeschritten, denn bei beiden Metallen kam es zu einer Bereinigung, wodurch ein Teil der Überbewertung, die sich zu Beginn des Jahres aufgebaut hatte, aufgebrochen wurde. Bei Gold betonen die Experten von Ophirum noch eine weitere Entwicklung. „Obwohl die US-Renditen und der Dollar auf hohem Niveau verharren, hat sich Gold von seiner jüngsten Korrektur trotzdem schon wieder kräftig erholt. Das ist bemerkenswert – und lehrreich zugleich. Denn es zeigt: Die einst recht zuverlässig geltenden Zusammenhänge zwischen steigenden Zinsen, einem starken Dollar und einem schwächeren Goldpreis funktionieren nicht mehr wirklich – zumindest nicht immer“, so Experte Önder Ciftci.