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Die Google-Mutter Alphabet steigert Umsatz und Cloud-Wachstum deutlich, doch die massiven KI-Investitionen drücken den freien Cashflow erstmals ins Minus. Das sorgt für Enttäuschung an der Börse
Vor mehr als 20 Jahren ist Google an die Börse gegangen und hat seitdem noch nie Geld verbrannt. Doch im zweiten Quartal war es nun so weit: Wegen der enormen Investitionen in die KI-Infrastruktur sank der freie Cashflow der Google-Mutter Alphabet für die drei Monate bis Ende Juni auf minus 5,9 Mrd. US-Dollar. Analysten hatten mit deutlich weniger gerechnet.
Die milliardenschweren Investitionen in neue Rechenzentren sollen weiter ausgeweitet werden. „Wir haben unsere Rechenkapazitäten in den vergangenen drei Jahren sehr deutlich erweitert. Dennoch übersteigt die Nachfrage das Angebot“, sagte Finanzchefin Anat Ashkenazi bei einer Telefonkonferenz am Mittwoch. Im laufenden Jahr sollen 195 bis 205 Mrd. Dollar in den Ausbau der KI-Infrastruktur fließen, fügte die Managerin hinzu. Bislang war sie von 180 bis 190 Mrd. Dollar ausgegangen.
Bei Anlegern kamen diese Aussichten nicht gut an. Die Alphabet-Aktie rutschte im nachbörslichen Handel an der Wall Street um mehr als drei Prozent ab. „Obwohl die Umsätze weiter steigen, belastet das enorme Investitionstempo mittlerweile den freien Cashflow der Unternehmen, also wie viel Liquidität ihnen tatsächlich zur Verfügung steht“, erläuterte Oliver Grass, Portfoliomanager der Fürst Fugger Privatbank.
Die Cloud-Sparte der Tochter Google verbuchte das stärkste Wachstum ihrer Geschichte. Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 24 Prozent auf 119,8 Mrd. Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit Erlösen von knapp 117 Mrd. Dollar gerechnet. „Diese Ergebnisse zeigen, dass unser ganzheitlicher KI-Ansatz messbaren Mehrwert liefert“, sagte Konzernchef Sundar Pichai.Der Gewinn lag bei 112,1 Mrd. Dollar. Davon waren jedoch rund 99 Mrd. Dollar ein reiner Buchgewinn durch die Aufwertung von Beteiligungen. Alphabet hält unter anderem Anteile an Elon Musks Weltraumfirma SpaceX und dem KI-Entwickler Anthropic.
Top-Thema an der Börse ist jedoch weiterhin der Ausbau der KI-Infrastruktur. Die großen US-Technologiekonzerne werden 2026 voraussichtlich mehr als 700 Mrd. Dollar in den Bau neuer KI-Rechenzentren stecken. Den Analysten der Bank Morgan Stanley zufolge wird sich diese Summe im kommenden Jahr auf mehr als eine Billion Dollar erhöhen. Skeptiker bezweifeln, dass diese enormen Summen jemals wieder eingespielt werden könnnen.
Dabei stiegen die Umsätze von Google Cloud im zweiten Quartal deutlich schneller als von Analysten erwartet. Sie legten um 82 Prozent auf 24,8 Mrd. Dollar zu. Im vorangegangenen Quartal hatte diese Alphabet-Sparte mit einem Zuwachs von 63 Prozent die Konkurrenten Amazon Web Services (AWS) und Microsoft hinter sich gelassen. Diese wollen ihre Zahlen in der kommenden Woche vorlegen.
Neben der Cloud-Sparte war Google Search ein weiterer Lichtblick der Alphabet-Bilanz. Dank neuer KI-Funktionen greifen Nutzer häufiger auf die Suchmaschine zurück, wodurch die Werbeeinnahmen steigen. Diese legten im Berichtszeitraum um gut 14 Prozent auf 81,6 Mrd. Dollar zu und übertrafen die Markterwartungen ebenfalls.
Bei der Weiterentwicklung des KI-Modells Gemini ist Google jedoch ins Hintertreffen geraten. Während die Rivalen OpenAI und Anthropic immer neue Versionen vorstellen, die sich vor allem an Geschäftskunden richten, verschob Google die für Juni geplante Veröffentlichung seines neuesten KI-Spitzenmodells Gemini 3.5 Pro.