Banknoten-Entwürfe: Neue Euroscheine: Das sagen die Designer zu ihrem Vogel-Motiv

Gisela Goppel und Florian Toperngpong haben einen der zehn Entwürfe für die neuen Euroscheine gestaltet. Im Interview erzählen sie, warum die Vögel für Europa stehen – und was sie über die Memes denken

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Gisela Goppel und Florian Toperngpong haben einen der zehn Entwürfe für die neuen Euroscheine gestaltet. Im Interview erzählen sie, warum die Vögel für Europa stehen – und was sie über die Memes denken

Frau Goppel, Herr Toperngpong, ihr Design für die neuen Euroscheine wird auf Social Media gefeiert und in Memes verarbeitet. Haben Sie das erwartet?
GISELA GOPPEL: Erwartet haben wir es nicht. Wir sind selbst nicht so viel auf Social Media aktiv, bekommen aber immer wieder Bilder zugeschickt. Ich finde es total witzig. Gerade die Wortschöpfungen: Der „Zwanni“ wird zum „Zwitschi“, oder „kannst du mir mal einen Storch leihen“. Das Design scheint die Menschen zu inspirieren, selbst kreativ zu werden – und das freut uns.

FLORIAN TOPERNGPONG: Offenbar fühlt sich eine junge Zielgruppe angesprochen, die vielleicht noch gar nicht bei den Europawahlen teilnehmen darf. Aber bei dieser Abstimmung können sie sich einbringen. Das finde ich sehr wichtig.

Warum haben Sie sich entschieden, beim Wettbewerb zu den neuen Euroscheinen mitzumachen?
Goppel: Ich weiß gar nicht mehr, wo ich die Einladung gesehen habe. Wir fanden die Herausforderung aber sehr spannend. Geldscheine sind ein sehr spezielles Medium, das aber sehr viele Menschen nutzen. Es steckt jedenfalls viel Arbeit drin.

Das müssen Sie einmal genauer erklären: Wie designt man einen Geldschein?
Toperngpong: Man muss sich erst mal mit ein bisschen gesundem Menschenverstand hinsetzen: Wie benutzen die Menschen einen Geldschein? Wie sieht es aus, wenn er im Portemonnaie liegt? Manchmal schauen nur kleine Ecken raus, oder er ist gefaltet. Auch bei schlechtem Licht muss ich ja sofort sehen, wie viel Geld ich habe. Und dann gibt es noch eine ganze Reihe an Sicherheitsmerkmalen, die wir beachten mussten: den Silberstreifen am Rand, kleine graue Punkte auf allen Scheinen und das sogenannte optical variable element. Das ist eine Art Hologramm, das sich bewegt, wenn ich den Schein drehe. All das kannten wir zuvor nicht, war aber sehr wichtig zu beachten. 

Frau Goppel, Sie sind als Tochter eines Biologen aufgewachsen. War damit klar, dass Sie sich für das Motiv „Flüsse und Vögel“ entscheiden?
Goppel: Nee, wir haben auch für „Europäische Kultur“ Entwürfe gezeichnet. Aber ich freue mich schon sehr, dass unser Vogeldesign in die Endauswahl gekommen ist. Uns war wichtig, dass jeder Vogel auf dem Schein in seiner Einzigartigkeit erscheint, weil das eine Metapher ist: Auch in Europa ist jede Kultur einzigartig und es ist wichtig, dass wir diese Diversität haben. 

Wie schlägt sich diese Idee auf den Scheinen nieder?
Toperngpong: Es gab eine lange Vorrecherche. Wie sieht der Vogel aus, wie ist die Flügelstellung in verschiedenen Bewegungen? Dafür haben wir sehr viele Skizzen gezeichnet.

Goppel: Es ging uns darum, die Persönlichkeit der Vögel zu zeigen. Die Bienenfresser sind zum Beispiel in der Gruppe unterwegs, oder der Basstölpel hat ein spannendes Jagdverhalten. Der schießt mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde in das Wasser. Das ist total irre. Und so war es eigentlich bei jedem Vogel: Wenn man sich mit ihnen ein bisschen auseinandersetzt, sind alle so faszinierend.

Toperngpong: Bei der Basstölpel haben wir übrigens das Hologramm direkt eingebaut. Wenn man den Schein kippt, sieht man, wie der Vogel die Flügel anlegt. So soll es jedenfalls aussehen, wenn unser Entwurf ausgewählt wird.

Über sechs Millionen Menschen haben laut EZB bereits an der Umfrage teilgenommen. Warum interessiert die Menschen offenbar immer noch so sehr, wie ihr Bargeld aussieht?
Toperngpong: Geld spielt einfach eine riesige Rolle im Leben, und gerade die Scheine kennt man von klein auf. Wenn dieser Gegenstand, den man als Kind schon in der Hand hatte, plötzlich neu gemacht wird, spielt das in das Leben aller Menschen rein. Ich glaube, deswegen wollen viele mitdenken und sich einbringen.

Sie sind gemeinsam mit neun anderen Designs in der Auswahl. Ist dort eines dabei, das Sie gern selbst entworfen hätten?
Goppel: Wir finden alle total spannend. Die Themen waren für alle gleich und trotzdem kamen so unterschiedliche Entwürfe heraus. Die verschiedenen Herangehensweisen sind wirklich interessant.

Toperngpong: Ich könnte keinen Favoriten ausmachen. Alle sind auf ihre Art herausragend. Ich lese mich dann auch ein bisschen in das Konzept dahinter ein und finde es sehr spannend, in welche Richtung gedacht wurde. Da sind echt tolle Kollegen dabei. Es ist Wahnsinn, dass wir zu diesem Kreis gehören.

Haben Sie beide schon abgestimmt?
Toperngpong: Ja klar.

Goppel: Nein. Gerade ist noch zu viel los. Und dafür will ich mir Zeit nehmen.

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