Modekonzern: Hugo Boss: Frasers sichert sich fast 48 Prozent der Anteile

Das Übernahmeangebot von Frasers bei Hugo Boss ist formal gescheitert, strategisch aber ein Erfolg: Die Briten kontrollieren nun fast die Hälfte der Anteile und bauen ihren Einfluss aus

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Das Übernahmeangebot von Frasers bei Hugo Boss ist formal gescheitert, strategisch aber ein Erfolg: Die Briten kontrollieren nun fast die Hälfte der Anteile und bauen ihren Einfluss aus

Der britische Großaktionär Frasers Group hat seinen Anteil an Hugo Boss weiter aufgestockt und die vollständige Übernahme des Bekleidungsherstellers knapp verfehlt. Frasers habe seine Beteiligung an dem Modekonzern auf 47,89 Prozent ausgebaut, teilten die Briten am Dienstag mit. Sie versuchten bereits seit Mitte Juni das Ruder bei den Schwaben zu übernehmen. Im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Angebots bewertete Frasers das Unternehmen mit rund 2,7 Mrd. Euro.

Frasers hatte 38 Euro je Aktie geboten, kaum mehr als den Börsenkurs. Am Dienstagmorgen lagen die Boss-Titel an der Frankfurter Börse mit 37,88 Euro knapp unter der Marke. Der Boss-Vorstand hatte das Angebot als zu niedrig abgelehnt. Die Briten wollten mit der Offerte ohnehin nur die Schwelle von 30 Prozent der Anteile überschreiten, um ein Pflichtangebot zu vermeiden, das voraussichtlich teurer gewesen wäre. Neben der direkten Beteiligung ist Frasers Stillhalter von Put-Optionen im Volumen von weiteren 30,1 Prozent an Hugo Boss. Zweitgrößter Aktionär des Modekonzerns ist die italienische Unternehmerfamilie Marzotto mit 14,4 Prozent.

Hugo Boss-Vorstandschef Daniel Grieder sagte nun, man schätze das Vertrauen und die Unterstützung, die die Aktionäre dem Unternehmen während der gesamten Angebotsphase entgegengebracht hätten. Er begrüße die Unterstützung der Frasers Group für die langfristige strategische Ausrichtung. Das Modeunternehmen werde am eingeschlagenen Kurs festhalten. 

Aufsichtsratschef Stephan Sturm sagte, man begrüße das anhaltende, langfristige Engagement der Frasers Group für Hugo Boss und setze auch weiterhin auf eine konstruktive Beziehung zu ihr als größter Einzelaktionär. Frasers hatte Sturm eigentlich absägen wollen, dann aber eingelenkt.

Frasers in Deutschland schon bei Puma aktiv

Frasers ist ein Einzelhandelskonglomerat, hinter dem der Unternehmer Mike Ashley steckt. Der Gruppe gehört der Sportfachhändler Sports Direct. Darüber hinaus hält sie zahlreiche Beteiligungen – unter anderem am Onlineshop Asos. Auch in Deutschland sind die Briten keine Unbekannten. So hatten sie Interesse an der Kette Sportscheck, die dann aber nach Italien verkauft wurde. Außerdem wurde im Frühjahr der Einstieg bei Puma bekanntgegeben. 

Dem schwäbischen Bekleidungshersteller hatte im zweiten Quartal die maue Konsumstimmung insbesondere in Europa sowie der laufende Konzernumbau zugesetzt. Der Umsatz ging im Jahresvergleich insgesamt um zehn Prozent auf 905 Mio. Euro zurück. Vor allem in den Kernmärkten wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich verzeichnete Hugo Boss eine geringere Nachfrage. Zudem machten sich Schließungen im eigenen Einzelhandel sowie eine geringere Fläche im Großhandel bemerkbar. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um 28 Prozent auf 59 Mio. Euro. Das Konzernergebnis schrumpfte um 32 Prozent auf 34 Mio. Euro.

Hugo Boss war Eigentum von Finanzinvestor

Konzernchef Grieder ist seit rund fünf Jahren im Amt und hat das Unternehmen durch eine radikale Neuausrichtung zur Lifestyle-Marke umgebaut. Er fokussierte sich auf Digitalisierung, starkes Marketing sowie eine jüngere Zielgruppe. Der Konzern hat weltweit 20.000 Beschäftigte – davon mehr als 4400 in Deutschland.

Der Bekleidungshersteller gehörte eine Zeitlang dem Finanzinvestor Permira, der 2007 über den Kauf des italienischen Modeunternehmens Valentino an die Hugo-Boss-Mehrheit gekommen war. 2009 löste der Investor den deutschen Hersteller aus dem italienischen Konzern heraus und brachte ihn in die Holding Red & Black ein. Valentino ging 2012 an einen Investor aus dem Golfstaat Katar. 2011 trennte sich Permira dann erstmals von Anteilen an Hugo Boss. Weitere Anteilsverkäufe erfolgten in den Folgejahren.

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