Rath checkt ein: Kitzhof in Kitzbühel: Ein Haus mit Charme und Seele

Wer nach Kitzbühel reist, erwartet alpine Kulissen, prominente Namen, das Hahnenkammrennen. Und Hotels, die sich etwas auf sich einbilden. Das „Kitzhof Mountain Design Resort“ ist anders – und hat unseren Kolumnisten beeindruckt

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Wer nach Kitzbühel reist, erwartet alpine Kulissen, prominente Namen, das Hahnenkammrennen. Und Hotels, die sich etwas auf sich einbilden. Das „Kitzhof Mountain Design Resort“ ist anders – und hat unseren Kolumnisten beeindruckt

Es sind oft die kleinen Dinge, die verraten, wie ein Haus für seine Gäste tickt. Oder besser: sein Direktor. Schon bei der Ankunft im „Kitzhof“ fällt mir die „101 Besten“-Flagge ins Auge, das von mir initiierte Hotel-Ranking. Im Eingangsbereich begrüßt mich ein weiteres „101 Besten“-Schild, und auch mein Zimmerschlüssel trägt die Nummer 101. Zufall? Wohl kaum, hier hat sich jemand Gedanken gemacht. Genau wie bei der handgeschriebenen Karte auf dem Zimmer, der kleinen Schokoladentorte und den vielen weiteren Aufmerksamkeiten, die dort auf mich warten.

Marketingleiterin Anna Thanner nimmt sich auch am Feiertag, der in meinen Aufenthalt fällt, persönlich Zeit für eine Hausführung. Gastfreundschaft ist hier kein abstraktes Konzept, sondern Teil der Unternehmenskultur. Was mich an zwei andere Häuser erinnert: das „Achental“ im Chiemgau, unweit des Chiemsees, und den neuen „Chiemgauhof“. Hinter allen drei Hotels stehen die Gründer der Motel One Group, Ursula Schelle-Müller und Dieter Müller, die sich mit diesen individuellen Häusern ein zweites Unternehmerleben aufgebaut haben. Was alle ihre Business-Engagements zusammenführt: Menschen und Prozesse in Harmonie.

Kitzhof: Haus mit Bestlage und Seele

Das „Kitzhof Mountain Design Resort“ liegt nur wenige Gehminuten vom historischen Zentrum von Kitzbühel entfernt. Von vielen Zimmern fällt der Blick auf Dächer, Kirchtürme und Berge der Gamsstadt. Direkt gegenüber erliegt die Streif, Schauplatz des legendären Hahnenkammrennens.

Die Lage ist ein Pfund, doch sie allein erklärt nicht, warum der „Kitzhof“ so hervorragend funktioniert. Mit seinen 160 Zimmern, Studios und Suiten bewegt sich das 4-Sterne-Superior-Haus jenseits der klassischen Boutiquehotels und wirkt dennoch erstaunlich persönlich. Das hat viel mit General Manager Johannes Mitterer zu tun. Seit mehr als zehn Jahren steht er an der Spitze des „Kitzhofs“ und hat ihm spürbar seinen Stempel aufgedrückt. 

„Wenn Mitarbeiter sich wohlfühlen und mit Leidenschaft arbeiten, spüren das die Gäste sofort“, umreißt er sein Führungscredo. Ja, das sagen viele Hoteldirektoren. Doch „Kitzhof“, so mein Eindruck, wird er täglich mit echtem Leben gefüllt. Johannes Mitterer führt ihn mit einer Mischung aus Erfahrung, Gelassenheit und Liebe zum Detail. Mitarbeiter berichten, dass der Direktor ihnen Freiräume lässt und dabei selbst ständig auf der Suche nach Verbesserungen ist.

Das Berghotel, nur ganz neu gedacht

Architektonisch gelingt dem „Kitzhof“ ein Kunststück. Das Haus bedient sich typischer alpiner Elemente – rustikales Holz, Leder, Naturstein, historische Fotografien und Jagdmotive –, vermeidet dabei aber konsequent allzu üppigen Hüttenkitsch. Das Ergebnis: ein traditionelles Alpenhotel, aber modern interpretiert.

Mein Zimmer greift dieses Konzept auf. Während Holz, Leder und Loden eine warme Atmosphäre schaffen, sorgen klare Linien für Ruhe und Moderne. Auf dem Balkon versinke ich für einen Moment in der erhabenen Bergwelt, denn die Alpen werden durch die großen Fensterfronten zu einem wichtigen Teil des Interieurs. Während Designhotels oft kühl wirken und manches Berghotel in Gemütlichkeit erstickt, findet der „Kitzhof“ souverän die Mitte zwischen beiden Welten.

Eine Küche mit Bodenhaftung

Am Abend zeigt sich die Qualität eines Hotels oft im Restaurant. Auch hier überzeugt der „Kitzhof“ weniger durch Effekte denn durch die Verlässlichkeit, die Küchenchef Jürgen Bartl und sein Team auf den Teller bringen. Regionale Spezialitäten wie Tafelspitz oder Tiroler Bachsaibling finden sich ebenso auf der Karte wie internationale Gerichte. Ich entscheide mich für den Klassiker schlechthin: das traditionell gebackene Wiener Schnitzel vom Milchkalb, serviert mit Petersilienkartoffeln und einem knackigen Vogerlsalat (Feldsalat). Die Panade ist goldgelb und herrlich luftig, das Fleisch wunderbar zart.

Ebenso bemerkenswert wie die Speisen ist das Gespräch mit einer Servicemitarbeiterin, die ganz selbstverständlich erzählt, wie gerne sie hier arbeitet. Sie mag den Respekt, die Wertschätzung. Dass ich Hoteltester bin, ist ihr nicht bewusst. Und das verleiht ihrem Statement noch mehr Glaubwürdigkeit. In Zeiten eines chronischen Fachkräftemangels sind solche Sätze wichtiger als jede Auszeichnung.

Zwischen Pool und Berggipfel

Auch der Wellnessbereich folgt der Philosophie des Hauses. Das rund 900 Quadratmeter umfassende Spa mit Innenpool, Saunen, Dampfbad und Behandlungsräumen bietet alles, was man von einem Hotel dieser Kategorie erwartet. Interessant ist die Atmosphäre: Die großen Fenster holen die Bergwelt ins Haus, die Grenzen zwischen Innen und Außen verschwimmen.

Wer lieber aktiv unterwegs ist, findet rund um Kitzbühel ein nahezu unerschöpfliches Angebot. Ein Tipp des Concierge führt mich auf die Bichlalm, ein wunderschönes Bergrestaurant oberhalb von Kitzbühel. Mit etwas Glück lassen sich dort Murmeltiere beobachten – mir bleibt dieses Vergnügen verwehrt. Vielleicht liegt es an der Uhrzeit, denn mittags dösen die Nager lieber in ihrem unterirdischen Bau.

Lohnenswert ist auch ein Spaziergang durch die Altstadt, früh am Tag, ehe die Tagesgäste kommen und die Gassen noch den Einheimischen gehören. Wer die Region von ihrer ruhigeren Seite erleben möchte, fährt zum Schwarzsee, über dem in den Morgenstunden eine fast meditative Stille liegt.

Chancen für die Besten-Liste?

Während ich auf der Terrasse sitze, begleitet mich das Glockengeläut der Dorfkirche. Die Mitarbeiter grüßen freundlich, mein Blick wandert hinüber zur Streif, der legendären Ski-Abfahrt des Hahnenkammrennens. Alles wirkt so entspannt, selbstverständlich, unaufgeregt.

Das „Kitzhof Mountain Design Resort“ versucht nicht, die Luxushotellerie neu zu definieren. Das Haus dient einfach „nur“ seinen Gästen. Mit viel Aufmerksamkeit, Haltung und Mitarbeitern, die ihren Job lieben. Ob das reicht, um im Ranking „Die 101 Besten Hotels Österreich & Südtirol 2027“ vertreten zu sein, entscheidet sich im Herbst. Eine wichtige Voraussetzung bringt es jedenfalls mit, die man nicht kaufen kann: eine Seele.

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