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Nach Jahren der Flaute berappelt sich die deutsche Wirtschaft allmählich. Viele Konjunkturdaten weisen nach oben und auch die Stimmung dreht sich. Kommt der langersehnte Aufschwung?
Die Daten zeigten zuletzt fast alle nach oben. Im Mai – dem aktuellsten Berichtsmonat – zogen Industrieaufträge, Produktion, Exporte, Baugenehmigungen und Einzelhandelsumsatz an. „Der Datenfluss aus Deutschland hat zuletzt auf der positiven Seite überrascht“, fasst der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, zusammen. In der angeschlagenen Industrie sind die Auftragsbücher mittlerweile so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn der Statistik 2015.
Auch die Reichweite des Auftragsbestands liegt mit 8,9 Monaten auf Rekordniveau. Der Wert gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne Neugeschäft theoretisch produzieren müssten, um vorhandene Bestellungen abzuarbeiten. „Im Schatten des Krieges im Nahen Osten zeichnet sich endlich eine Trendwende in der deutschen Industrie ab“, sagt ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.
In den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sie sich im Juli bereits den dritten Monat in Folge aufgehellt, wie das Ifo-Institut bei seiner Umfrage unter 9000 Managern aller Branchen herausfand. Allerdings: Das Barometer liegt mit 86,6 Zählern immer noch deutlich unter dem unmittelbar vor Ausbruch des Irankriegs im Februar erreichten Wert von 88,5 Punkten.
„Die deutsche Wirtschaft ist bereit, Schwung aufzunehmen“, sagt Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe. „Für die Gesamtwirtschaft zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend ab.“ Das sehen auch Anleger und Analysten so: Das Barometer für deren Konjunkturerwartungen stieg im Juli ebenfalls den dritten Monat in Folge.
Zum einen die schon genannten besseren Konjunkturdaten. Zum anderen auch politische Entscheidungen. „Das Reformpaket scheint Wirkung zu zeigen – insbesondere die exportorientierten Sektoren sowie die Binnennachfrage verzeichnen stabile Zuwächse“, sagt ZEW-Präsident Achim Wambach zu dem Anfang Juli von der Bundesregierung verkündeten 34-Punkte-Reformpaket. Es umfasst etwa eine Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, den Abbau von Berichts- und Dokumentationspflichten sowie die Digitalisierung der Verwaltung.
Hinzu kommt: Die staatlichen Milliarden für Infrastruktur und Verteidigung kommen zunehmend in der Wirtschaft an. Dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie zufolge meldete der öffentliche Hochbau im Mai ein Auftragsplus von gut 27 Prozent, der sonstige Tiefbau sogar von 40,4 Prozent. „In ersterem werden unter anderem Baumaßnahmen für Hochschulen, aber auch Bundeswehrbauten und in letzterem unter anderem der Brückenbau subsumiert“, so der Verband.
Sie ist im Frühjahr zumindest nicht geschrumpft, wenn Ökonomen richtig liegen: Trotz der enormen Belastungen und Verunsicherung von Verbrauchern wie Unternehmen durch den Irankrieg rechnen die von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Ökonomen mit einer Stagnation im zweiten Quartal. Einige halten sogar ein leichtes Wachstum für möglich, wenn das Statistische Bundesamt an diesem Donnerstag seine erste Schätzung veröffentlicht.
Käme es so, wäre das der dritte Quartalszuwachs in Folge nach plus 0,3 Prozent Anfang 2026 und 0,2 Prozent Ende 2025. Für das Gesamtjahr sieht es dennoch mau aus: Die meisten Experten rechnen nur mit einem Wachstum von etwa einem halben Prozent. Erst für 2027 sind die Prognosen optimistischer: Dann soll ein Plus von deutlich mehr als einem Prozent drin sein.
Noch nicht, sagen viele Volkswirte. „Die Konjunktur wird auch im zweiten Halbjahr unter den hohen Energiepreisen leiden“, betont Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Vergangene Woche flammten die Kämpfe im Nahen Osten wieder auf, was die Ölpreise zeitweise über die Marke von 100 Dollar je Fass getrieben hat. Das belastet nicht zuletzt die Verbraucher. Benzin und Diesel verteuerten sich massiv, was den Konsumenten viel Kaufkraft entzieht.
So rechnen Ökonomen damit, dass die Inflationsrate im Juli auf 2,7 Prozent nach oben schnellt, nachdem sie im Juni noch auf 2,3 Prozent gesunken war. Dazu trug auch der Tankrabatt der Regierung bei, der mittlerweile aber ausgelaufen ist.
Unternehmen, Verbände und nicht zuletzt auch die Bundesbank sehen Reformbedarf zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Grund für die jüngste Exportschwäche seien nicht nur Preise oder konjunktureller Gegenwind, sondern auch strukturelle Faktoren, schreibt die deutsche Notenbank in ihrem aktuellen Monatsbericht.
Es komme darauf an, die Standortbedingungen zu verbessern und die Exportwirtschaft produktiver, innovativer und anpassungsfähiger zu machen. Das Rezept der Bundesbank: „Verlässliche Rahmenbedingungen für private Investitionen, bessere Voraussetzungen für Forschung, Entwicklung sowie für junge, innovative Unternehmen, eine beschleunigte Digitalisierung und insbesondere geringere Bürokratiekosten.“