Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Die Erntebilanz des Deutschen Bauernverbandes fällt schlecht aus. Nun wächst die Sorge, dass auch Grundnahrungsmittel und andere Lebensmittel teurer werden könnten
Bauernpräsident Joachim Rukwied hatte schon schönere Termine. „Für uns Landwirte enttäuschend“ sei die Ernte ausgefallen. Man leide seit Jahren unter niedrigen Preisen, gleichzeitig seien die Kosten gestiegen. Und jetzt das: Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), muss eine schwache Erntebilanz verkünden. Getreide, aber auch Kartoffeln und Zuckerrüben blieben hinter den Erwartungen zurück. „Die Situation in vielen Betrieben ist wirtschaftlich sehr angespannt. In manchen Betrieben ist sie schlichtweg toxisch“, sagte Rukwied bei der Vorstellung der Erntebilanz am Dienstag.
Vor allem die Dürre schlägt sich nun auch in der Landwirtschaft nieder. Insgesamt geht der Deutsche Bauernverband von einer Getreideernte von 41,9 Millionen Tonnen aus – das wären etwa 7 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Auch beim Winterweizen liege die Erntemenge 7 Prozent unter den Werten aus dem Jahr 2025, beim Winterraps gar 20 Prozent. Bei Kartoffeln, die noch geerntet werden, zeichnet sich ebenfalls ein schwaches Ergebnis ab.
Für Bauernhöfe ist die Lage dramatisch. Vor allem im Süden fehlt Futter – teilweise mussten Betriebe bereits Tiere schlachten. Mit der schwachen Ernte wächst die Sorge, dass auch für die Verbraucher Lebensmittel knapper und damit teurer werden.
Die Erntebilanz des DBV ist keine offizielle Statistik. Sie basiert auf dem, was die Landesverbände melden und was Landwirte in Befragungen angeben. Diese Zahlen werden dann mit der Fläche multipliziert. Ende August will Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) seinen Erntebericht vorstellen.
Wie schlecht genau die Ernte ausfällt, ist von Region zu Region unterschiedlich. „Wir haben ein gewisses Nord-Süd-Gefälle“, sagte Rukwied am Dienstag. „Die Ernteerträge im Süden und im Westen Deutschlands lagen deutlich unter denen im Norden.“ Das liege auch daran, dass es vor allem im Süden viel zu wenig geregnet habe. Die Pflanzen dort seien daher eher in einem schlechten Zustand.
Trotzdem dürften das Brötchen und der Kuchen jetzt nicht sofort teurer werden. „Für die Verbraucherpreise ist der Effekt kleiner, als die Erntezahlen vermuten lassen“, sagt Geraldine Dany-Knedlik. Sie leitet das Konjunkturteam am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Der Rohstoffwert von Getreide in einem Brot sei im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Außerdem bestimme nicht die deutsche Ernte den Preis für Getreide.
Die meisten Agrargüter werden weltweit an Börsen gehandelt. Wenn hierzulande also Getreide fehlt, kann es durch Importe ausgeglichen werden. Die Preise am Weltmarkt wiederum werden derzeit vor allem durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine bestimmt – die Ukraine ist einer der größten Getreideexporteure der Welt. Der Getreidepreis ist zwar durch den Krieg angestiegen, liegt aber weit unter dem Niveau bei Ausbruch des Krieges im Jahr 2022
„Spürbar wird eine schwache Ernte eher bei Futtermitteln sowie bei Obst und Gemüse, und selbst dort reden wir über Zehntelpunkte bei einer Nahrungsmittelinflation“, sagt Dany-Knedlik. Tatsächlich sind Nahrungsmittel im Juli 2026 im Vergleich zum Vorjahr nur 0,4 Prozent teurer geworden. Die Preise für Butter, Speisefette oder Molkereiprodukte sind sogar gesunken. Wie sich die Preise für Lebensmittel entwickeln, hängt auch von Faktoren wie Lieferketten und Transport ab.
Die schwache Ernte sei deshalb ein „regional konzentrierter Angebotsschock und keine Konjunkturgröße“, sagt Dany-Knedlik. Land- und Forstwirtschaft stünden nur für rund ein Prozent der Bruttowertschöpfung. Für die deutsche Volkswirtschaft sei weniger das eine Dürrejahr ein Risiko, als die Häufung von Hitze und Niedrigwasser. Aus einem Wetterrisiko entstünden dauerhaft höhere Risikoaufschläge und Kapitalkosten.
Trotzdem fordert der Bauernverband jetzt ein Sofortpaket von der Bundesregierung. „Die Politik muss jetzt liefern“, sagte Rukwied. Er will, dass die Bundesregierung das Hilfspaket der EU für Düngemittel auf 180 Mio. Euro aufstockt. Außerdem sollen von den direkten finanziellen Hilfen der EU schon im Oktober 80 Prozent ausgezahlt werden. Die Steuer auf Diesel soll, wenn es nach Rukwied geht, sofort sinken – auch wenn die Bundesregierung ohnehin bereits niedrigere Agrardieselsteuern durchgesetzt hat. Landwirtschaftsminister Rainer hat bereits ein Entgegenkommen signalisiert: Man wolle die Betriebe wissen lassen, „sie bleiben nicht alleine“.
Ökonomin Geraldine Dany-Knedlik ist skeptisch, was derartige Hilfen angeht. „Die Politik sollte mit Hilfsmaßnahmen eher vorsichtig sein und die gesamte Bilanz abwarten“, sagte sie zu Capital. „Die Landwirtschaft ist bereits einer der am meisten subventionierten Sektoren. Um solche Eingriffe zu rechtfertigen, müsste es ein Marktversagen geben – und das sehen wir bisher nicht.“