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Jedes Jahr wieder zerbrechen die Deutschen sich bei der Steuererklärung den Kopf. Was muss angegeben werden? Was kann man abschreiben? Das soll bald einfacher werden.
Die Steuererklärung kostet uns jedes Jahr Zeit und Nerven. Das möchte die Bundesregierung künftig ändern: Das Ziel ist eine weitgehend automatisierte Steuererklärung, bei der das Finanzamt einen fertigen Entwurf erstellt. Doch die geplante Vereinfachung könnte nicht nur Vorteile bringen.
Ein erster Schritt hin zur Automatisierung ist bereits erfolgt. Seit dem 1. Juli können 11,5 Millionen Menschen einen neuen digitalen Service der Finanzverwaltung nutzen. Entwickelt wurde er in Bayern, dort, wo auch das Online-Finanzprogramm Elster erstellt wurde. Per App erhalten ausgewählte Steuerpflichtige schon jetzt einen vom Finanzamt erstellten Vorschlag, den sie direkt übernehmen oder um fehlende Angaben ergänzen können. Langfristig soll so die „Steuererklärung mit einem Klick“ möglich werden.
Parallel läuft in Hessen, Thüringen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein das Projekt „Amsel“. Auch dort verschicken die Finanzämter automatisch erstellte Vorschläge. Bislang profitieren davon allerdings nur Menschen mit unkomplizierten Steuerfällen, etwa mit Einkünften aus einer Angestelltentätigkeit, einer Rente oder einer Pension.
Bis Herbst 2026 beabsichtigt die Koalition, ein Steuervereinfachungsgesetz vorzulegen. Diskutiert wird unter anderem eine Arbeitstagepauschale, die verschiedene Werbungskosten wie Fahrtkosten, Homeoffice-Tage oder das häusliche Arbeitszimmer zusammenfassen könnte. Das würde für Arbeitnehmer und Finanzämter vieles leichter machen.
Thomas Matena von „Wiso Steuer“ warnte gegenüber „T-Online“ jedoch: „Die Einführung einer solchen Pauschale wäre zunächst einmal eine große Vereinfachung, da sie bestehende Teilregelungen bündelt. Aus Sicht der Finanzverwaltung ist das attraktiv. Die Frage muss aber erlaubt sein, ob diese Vereinfachung nicht einfach auf dem Rücken der Steuerzahler erfolgt.“
Denn mehr solcher Pauschalen schaffen zwangsläufig Gewinner und Verlierer. Wer bislang nur geringe Werbungskosten hatte, könnte profitieren. Arbeitnehmer mit langen Arbeitswegen oder hohen tatsächlichen Ausgaben könnten dagegen zukünftig schlechtergestellt sein.
Dieser Artikel ist eine Übernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland gehört. Auf Capital.de wird er für sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.