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Die Machtexzesse in den USA, in China und Russland lösen starke Gegenreaktionen auf der ganzen Welt aus. Eine Chance, die Europa ergreifen sollte – politisch und wirtschaftlich
Was haben die Philippinen, Armenien und Kanada gemeinsam? Die drei Staaten auf drei Kontinenten befreien sich gerade aus den Fängen der Supermächte vor ihrer Haustür. Die Philippinen wehren sich seit Neuestem furchtlos gegen die ständigen Provokationen chinesischer Kriegsschiffe in ihren Hoheitsgewässern. Armenien sagt sich öffentlich von Russland los – nach 100 Jahren der Unterordnung. Und Kanada sucht den Anschluss an Europa, um die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten in Verteidigungs- und Wirtschaftsfragen zu beenden. Die Loslösungsprozesse dieser Länder verlaufen nicht geradlinig, aber sie lassen sich kaum noch umkehren. Und sie eröffnen deshalb große außenpolitische und wirtschaftliche Chancen für Europa.
Die Staaten reagieren auf die Arroganz der Macht. Dieser Ausdruck stammt aus einem Essay des amerikanischen Senators J. William Fulbright aus dem Jahr 1966. Der Demokrat warnte seine Landsleute damals vor Egoismus, vor Selbstgerechtigkeit und imperialistischen Ambitionen. Was der Außenpolitiker damals schrieb, hört sich an wie ein früher Weckruf gegen die Politik Donald Trumps. Dass sich der langjährige treue Verbündete Kanada so schnell und so konsequent von seinem Nachbarn im Süden verabschiedet, geht einzig und allein auf das Konto des amerikanischen Präsidenten.
Ähnlich in Armenien. Der große Nachbar Russland behandelt das kleine Land im Kaukasus seit jeher als Vasallen. Aber erst der große Verrat Wladimir Putins an den Sicherheitsinteressen Armeniens und sein Versuch, es in den Krieg mit der Ukraine hineinzuziehen, brachten einen Bruch, der nicht mehr zu heilen ist. Ähnliches gilt für die Philippinen, die durch die Drohungen Xi Jinpings gegen das benachbarte Taiwan zunehmend die eigenen Belange in Gefahr sehen und das aggressive Verhalten im Südchinesischen Meer als Vorbereitung eines großen Kriegs in der Region deuten.
Ein Zurück zum Status quo ante wird es in all diesen Fällen nicht geben. Selbst nach Machtwechseln in Washington, Peking und Moskau nicht. Abgeschreckt durch die Arroganz der Macht suchen viele Länder neue außenpolitische und vor allem wirtschaftliche Partnerschaften. In der Regel geht es nicht um eine „Einheitsfront“ oder Allianzen, sondern um pragmatische Zweckbündnisse. Aber auch sie eröffnen große Möglichkeiten, vor allem für die EU. So wäre der Abschluss des Mercosur-Abkommens mit Lateinamerika wohl ohne die Verärgerung über Trumps Zölle nicht vorangekommen.
Notwendig ist eine entschlossenere und schnellere Außenpolitik, um die Chancen auch zu nutzen. Und auch die Wirtschaft, vor allem in der Bundesrepublik, muss mehr tun. Der erste Schritt wäre, sich aus der übergroßen Fixierung auf die USA und China zu lösen. Statt die 45. Delegation nach Peking loszuschicken, wäre es viel sinnvoller, sich vor Ort in anderen Ländern Asiens oder Lateinamerikas umzuschauen und sich auch um kleinere Märkte zu kümmern. Und oft sind sie gar nicht so klein, wie viele denken: Die Philippinen sind ein Land mit 120 Millionen Einwohnern.