Bezahlen: Was Trump an Brasiliens Bezahlsystem Pix ärgert

80 Prozent der Brasilianer nutzen Pix – für Visa & Co. wird das Zahlungssystem zum Problem. Die Trump-Regierung sieht US-Kreditkarten benachteiligt und verhängt Zölle

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80 Prozent der Brasilianer nutzen Pix – für Visa & Co. wird das Zahlungssystem zum Problem. Die Trump-Regierung sieht US-Kreditkarten benachteiligt und verhängt Zölle

In Brasilien beliebt – aber US-Präsident Donald Trump ein Dorn im Auge: Millionen von Menschen nutzen in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas das digitale Bezahlsystem Pix. Egal, ob sie am Strand eine gekühlte Kokosnuss kaufen oder ihre Miete bezahlen. Doch die US-Regierung, die am Mittwoch neue Zölle gegen Brasilien in Kraft setzte, wähnt eine Benachteiligung großer Kreditkartenunternehmen und wirft Brasília „unlauteren Wettbewerb“ vor.

Eingeführt worden war das elektronische Echtzeit-Bezahlsystem von der brasilianischen Zentralbank BCB im Jahr 2020. Seitdem hat sich Pix rasant verbreitet: 80 Prozent der rund 212 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer nutzen es. Nach BCB-Angaben ist Pix mit einem Anteil von 54 Prozent an allen Transaktionen das beliebteste Zahlungsmittel des Landes.

Pix habe es erfolgreich geschafft, Millionen Menschen zu erreichen, „die zuvor vom traditionellen Bankensystem ausgeschlossen waren“, hebt Außenminister Mauro Vieira hervor. Bei den Menschen auf den Straßen stößt Pix auf Gegenliebe: „Früher musste man Bargeld und jede Menge anderes Zeug im Portemonnaie mit sich herumtragen“, erzählt die 32-jährige Ingrid Ferreira in der Hauptstadt Brasília. „Jetzt reicht es, das Handy zu nehmen und eine Pix-Überweisung zu machen – das hat das Leben für alle wirklich einfacher gemacht.“

An seinem Getränkestand am berühmten Copacabana-Strand von Rio de Janeiro verweist Paulo Ricardo Conceição auf einen weiteren Vorteil: „Wir müssen keine Gebühren zahlen, um Pix zu nutzen“, sagt er der Nachrichtenagentur AFP. Bei Kreditkarten gebe es hingegen „Jahresgebühren, Bankgebühren und Gebühren für dies und das“.

Genau das ist aus Sicht der Trump-Regierung, die sich in der Vergangenheit gegen Forderungen im eigenen Land stemmte, ein ähnliches Bezahlsystem auch in den USA einzuführen, ein Problem: Washington wirft Brasiliens Zentralbank vor, als Eigentümerin und Regulierungsbehörde von Pix in einem Interessenkonflikt zu stehen und US-Unternehmen zu benachteiligen.

Kritisiert wird vor allem, dass die BCB vorschreibt, dass Banken Pix auf den Startseiten ihrer Apps anzeigen müssen – und keine Nutzungsgebühren erheben dürfen. Das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) moniert, dass dies US-Anbieter dazu zwinge, „ihren brasilianischen Konkurrenten ohne Gegenleistung zu bewerben“.

Aus brasilianischen Regierungskreisen heißt es, dass die Kritik aus den USA auch auf den Beschwerden von Kreditkartenunternehmen fuße. Deren Anteil an den Transaktionen in Brasilien sei seit 2020 von 23 Prozent auf 15 Prozent gesunken.

Brasilien weist die Kritik der Trump-Regierung zurück

Wissenschaftler Marco Sanfins von der staatlichen Universität Fluminense verweist darauf, dass ein großer Teil der brasilianischen Bevölkerung in Jobs im „informellen Dienstleistungssektor“ arbeite, wozu beispielsweise Straßenhändler oder die Fahrer von Lieferdiensten zählen. „Es handelt sich um Kleinunternehmer, die weitgehend den großen Kreditkartenunternehmen ausgeliefert waren und Gebühren zahlen mussten“, sagt er zu AFP.

Die Regierung in Brasília kontert die Vorwürfe aus Washington zudem mit dem Argument, dass Pix durch die rasante Verbreitung des digitalen Bezahlkosmos auch die Online-Aktivitäten insgesamt gesteigert habe – was wiederum US-Unternehmen wie Google zugutekomme.

Darüber hinaus gibt es in Brasilien die Ansicht, dass Washington Pix und ähnliche Systeme als potenzielle Bedrohung für die internationale Vorherrschaft des Dollars betrachtet. Vergleichbare Bezahllösungen gibt es auch in Kenia, Nigeria, Indien und Kolumbien.

Und auch in Europa gibt es angesichts der vielfach als unberechenbar empfundenen Handelspolitik der Trump-Regierung vermehrt Bestrebungen, unabhängiger von US-Diensten zu werden. So treiben Politik und Europäische Zentralbank (EZB) das Projekt eines digitalen Euro voran, um die eigene Souveränität zu stärken. Zudem gibt es das von Banken initiierte Zahlungssystem Wero.

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