{"id":10072,"date":"2026-06-17T18:05:10","date_gmt":"2026-06-17T16:05:10","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/altana-chef-deutschland-ist-unsere-innovationszentrale-37550382-html\/"},"modified":"2026-06-17T18:05:10","modified_gmt":"2026-06-17T16:05:10","slug":"altana-chef-deutschland-ist-unsere-innovationszentrale-37550382-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/altana-chef-deutschland-ist-unsere-innovationszentrale-37550382-html\/","title":{"rendered":"Podcast: Altana-Chef: \u201eDeutschland ist unsere Innovationszentrale\u201d"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Viele Chemiekonzerne stecken in der Krise, bei Altana laufen die Gesch\u00e4fte bestens \u2013\u00a0auch weil das Unternehmen nur noch zehn Prozent des Umsatzes in Deutschland macht. Wieso der Chef dennoch an den Standort glaubt<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p><em>Der Chemiekonzern Altana sitzt in Wesel am Niederrhein, besch\u00e4ftigt mehr als 8000 Menschen weltweit und produziert Spezialchemikalien, zum Beispiel Zusatzstoffe f\u00fcr Lacke und Batterien oder Isoliermaterialien f\u00fcr Elektromotoren. Das Unternehmen hat 2025 \u00fcber 3 Mrd. Euro umgesetzt, nur etwa ein Zehntel davon in Deutschland. Altana geh\u00f6rt zur Beteiligungsgesellschaft SKion der BMW-Gro\u00dfaktion\u00e4rin und Quandt-Erbin Susanne Klatten. SKion hat sie mittlerweile an ihre Kinder \u00fcbergeben, ist aber weiter Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin<\/em><\/p>\n<p><strong>CAPITAL: Herr Babilas, in letzter Zeit wird viel \u00fcber Deutschland geklagt. Sie jedoch warnen davor, den Standort schlecht zu reden. Wieso?<\/strong><br \/>MARTIN BABILAS: Es gibt in Deutschland tats\u00e4chlich viele Herausforderungen. Die muss man auch klar benennen. Ich bin nur der Meinung, es ist nicht angemessen, diesen Standort komplett schlecht zu reden. Man kann auch heute noch in Deutschland erfolgreich arbeiten. Wir haben als Land erhebliche St\u00e4rken: eine sehr gute industrielle Basis, die duale Berufsausbildung, tolle Universit\u00e4ten, Netzwerke zwischen Unternehmen und Universit\u00e4ten. Da ist also ganz viel, mit dem man wuchern kann, und das immer noch zum Erfolg vieler Unternehmen beitr\u00e4gt. Wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre anguckt, hat sich allerdings einiges ver\u00e4ndert, und Deutschland muss jetzt bestimmte Hausaufgaben machen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Welche sind das?<\/strong><br \/>Dazu z\u00e4hlt beispielsweise die wirklich komplett aus dem Ufer gelaufene B\u00fcrokratie, die zur\u00fcckgeschraubt werden muss, und das mutig. Im Alltag halten uns zu viele Dinge auf. Zu den Aufgaben geh\u00f6rt auch das Thema Energiekosten. Wir haben mittlerweile Wettbewerbsnachteile, insbesondere gegen\u00fcber Nordamerika, aber auch gegen\u00fcber einigen asiatischen L\u00e4ndern. Diese Nachteile sind auf Dauer nicht tragbar und stehen auch der Energietransformation im Weg. Dann sind da die Themen Digitalisierung und Ausbau der Infrastruktur. Wir haben an vielen Stellen Nachholbedarf. Deutschland muss jetzt mutige politische Schritte gehen, damit wir das wieder in die Spur kriegen.<\/p>\n<p><strong>Die Bundesregierung ist jetzt seit einem guten Jahr im Amt. Wie gucken Sie auf dieses Jahr?<\/strong><br \/>Da darf und muss noch mehr kommen. Die Bundesregierung hat viele Reformen angek\u00fcndigt, aber vom Ank\u00fcndigungs- in den Handlungsmodus sind wir nur in Teilbereichen gekommen. Ich hoffe sehr, dass in den n\u00e4chsten Monaten einiges passiert.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Lassen Sie uns auf das Unternehmen schauen. Altana ist ein Anbieter von Spezialchemie. Was versteht man darunter und wo begegnen wir Ihren Produkten im Alltag?<\/strong><br \/>Es gibt keine trennscharfe Definition. Die vielleicht beste ist, dass Sie typischerweise f\u00fcr Produkte unseres Hauses keine chemische Formel einfach so an die Wand malen k\u00f6nnen. Unsere Produkte sind typischerweise erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig. Ein Beispiel: Wir sind ein f\u00fchrender Anbieter der Dichtungsmasse, die in Flaschenverschl\u00fcssen steckt. Wir haben vor einigen Jahren eine Innovation auf den Markt gebracht, die hilft, 0,3 Gramm aus dem Verschluss an Stahl bzw. Blech rauszunehmen. Das klingt wenig, aber bei 300 Milliarden verkauften Flaschen jedes Jahr kommen schon ganz sch\u00f6ne Mengen zusammen. Da reden wir \u00fcber 90.000 Tonnen Stahl, die Sie einsparen k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Welches sind Ihre Blockbuster und wichtigsten Produkte?<\/strong><br \/>Richtige Blockbuster, die Sie beispielsweise aus der Pharmabranche kennen, haben wir nicht. Das ist auch ein charmanter Aspekt, weil es das Gesch\u00e4ft stabiler macht. Das gr\u00f6\u00dfte Produkt, das wir im Unternehmen haben \u2013 und ich sage Ihnen ganz ehrlich, das kann ich Ihnen nicht mal nennen \u2013 macht nur den Bruchteil eines Prozents von unserem Gesamtumsatz aus. Das Produktportfolio ist also sehr kleinteilig.<\/p>\n<p><strong>Sie selbst sind seit 1998, also seit fast 30 Jahren, bei Altana. Haben Sie in dieser Zeit einmal ernsthaft \u00fcber einen Wechsel nachgedacht?<\/strong><br \/>1998 habe ich das nicht geahnt, so etwas plant man ja nicht. Ich hatte \u00fcber diese fast 30 Jahre immer wieder interessante Herausforderungen und Aufgabenstellungen \u2013 die manchmal auch eine Nummer zu gro\u00df waren. Ich w\u00fcrde au\u00dferdem sagen: Ich war in den letzten 28 Jahren fast ein bisschen zu besch\u00e4ftigt, um da intensiv dr\u00fcber nachzudenken.<\/p>\n<p><strong>Sie sagten eben, manches war eine Nummer zu gro\u00df. Was waren das f\u00fcr Momente oder Situationen?<\/strong><br \/>2001 wurde ich, in noch relativ jungen Jahren, zum Beispiel gebeten, den Bereich Unternehmensentwicklung der damaligen Chemiesparte aufzubauen, Altana hatte ja auch mal eine Pharmasparte. Mittlerweile bin ich seit 18 Jahren im Vorstand, da gab es auch immer wieder interessante Momente, den R\u00fcckzug von der B\u00f6rse zum Beispiel.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Die BMW-Gro\u00dfaktion\u00e4rin und damalige Altana-Eigent\u00fcmerin Susanne Klatten verkaufte die Pharmasparte, nahm das Unternehmen von der B\u00f6rse und integrierte es in ihre Beteiligungsgesellschaft SKion. Wie erinnern Sie sich an diese Zeit?<\/strong><br \/>Das war nat\u00fcrlich eine ganz spannende Phase. Sie war auch von erheblichen weltwirtschaftlichen Verwerfungen gepr\u00e4gt. Im September 2008 fiel Lehman Brothers, der Fall der Investmentbank l\u00f6ste die Finanzkrise aus. Angela Merkel und Peer Steinbr\u00fcck traten vor die Kameras und sagten, die Spareinlagen seien sicher. In dieser Phase machte unsere Aktion\u00e4rin dieses Angebot, weil sie eine unternehmerische Chance erkannte. Das war ein sehr mutiger Schritt.<\/p>\n<p><strong>Hat der R\u00fcckzug von der B\u00f6rse die Unternehmenskultur ver\u00e4ndert?<\/strong><br \/>Um ehrlich zu sein: gar nicht so sehr. Wir waren vorher schon im Mehrheitsbesitz der Familie. Eine fundamentale kulturelle Ver\u00e4nderung war aus meiner Sicht damit nicht verbunden, aber nat\u00fcrlich viel Organisatorisches. Ihr Kalender ist ein anderer, wenn Sie als Vorstand eines kapitalmarktorientierten Unternehmens agieren. Diese Freir\u00e4ume konnten wir dann auf das Unternehmen fokussieren.<\/p>\n<p><strong>Wie nah dran ist die Eigent\u00fcmerfamilie im t\u00e4glichen Gesch\u00e4ft?<\/strong><br \/>Susanne Klatten ist unsere stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und in den Aufsichtsratssitzungen nat\u00fcrlich pr\u00e4sent. Sie nimmt an der Meinungsbildung und Diskussion teil, wenn es um die fundamentalen strategischen Entscheidungen geht. Im Tagesgesch\u00e4ft haben wir als Vorstand einen gro\u00dfen Handlungsspielraum.<\/p>\n<p><strong>Altana hat 2025 einen Rekordgewinn verzeichnet. Dabei steckt die Chemiebranche in Deutschland seit Jahren in der Krise, unter anderem wegen hoher Energiepreise. Warum scheint Sie das weniger zu betreffen?<\/strong><br \/>Das Jahr 2025 ist f\u00fcr uns im Vergleich zu der Entwicklung der allgemeinen Industrie in Deutschland und Europa tats\u00e4chlich gut gelaufen. Wir haben gegen den Trend ein leichtes operatives Wachstum erzielt im Umsatz und eine Ergebnissteigerung. Das ist aus unserer Sicht ein St\u00fcck weit eine Best\u00e4tigung des langfristigen Weges, den wir gehen, unabh\u00e4ngig von konjunkturellen Zyklen in das Unternehmen zu investieren, in Innovation und in Nachhaltigkeit. Dazu kommt unsere Finanzkraft. Das andere ist das Thema Energieintensit\u00e4t. Unsere Prozesse sind energie\u00e4rmer als die vieler andere Unternehmen in der Branche. Gleichzeitig sind wir weltweit in allen wichtigen M\u00e4rkten pr\u00e4sent, auch mit eigener Produktion. Dort sind wir Teil von lokalen Wertsch\u00f6pfungsketten. Wir k\u00f6nnen also mit Dingen wie Herausforderungen in grenz\u00fcberschreitenden Wertsch\u00f6pfungsketten und Zollthemen ganz gut umgehen.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Verdienen Sie in Deutschland Geld?<\/strong><br \/>Ja. Wir verdienen Geld in allen wesentlichen M\u00e4rkten, in denen wir t\u00e4tig sind, auch in Deutschland. Das ist unser Anspruch. Wir machen in Deutschland noch etwa 10\u00a0Prozent unseres Umsatzes. Vom Markt her gedacht ist die Bedeutung des Landes also nicht mehr so entscheidend. Deutschland ist aber die Innovationszentrale. Viele unserer Entwicklungen und Patente kommen nach wie vor hierher. Deswegen hat Deutschland f\u00fcr uns als Basis und als Kraftzentrum nach wie vor eine hohe Bedeutung.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Viele Chemiekonzerne stecken in der Krise, bei Altana laufen die Gesch\u00e4fte bestens \u2013\u00a0auch weil das Unternehmen nur noch zehn Prozent des Umsatzes in Deutschland macht. 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