{"id":10088,"date":"2026-06-17T19:04:58","date_gmt":"2026-06-17T17:04:58","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/wirecard-sechs-jahre-nach-pleite-treten-die-verfahren-auf-der-stelle-37547108-html-4\/"},"modified":"2026-06-17T19:04:58","modified_gmt":"2026-06-17T17:04:58","slug":"wirecard-sechs-jahre-nach-pleite-treten-die-verfahren-auf-der-stelle-37547108-html-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/wirecard-sechs-jahre-nach-pleite-treten-die-verfahren-auf-der-stelle-37547108-html-4\/","title":{"rendered":"Sechs Jahre nach der Pleite: Wirecard-Verfahren treten auf der Stelle"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Im Wirecard-Skandal kommt die juristische Aufarbeitung kaum voran. Wegen ungekl\u00e4rter Verfahrensfragen liegt der Anleger-Musterprozess f\u00fcr Monate lahm. Anklagen gegen weitere Ex-Manager h\u00e4ngen seit Jahren in der Schwebe\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Sechs Jahre nach der Wirecard-Pleite im Juni 2020 kommt die juristische Aufarbeitung des Skandals in Bayern nicht von der Stelle. Sowohl in dem Musterverfahren f\u00fcr geprellte Anleger als auch im Strafprozess gegen Ex-Konzernchef Markus Braun wurde k\u00fcrzlich deutlich, dass die Entscheidungen noch l\u00e4nger auf sich warten lassen werden. Ferner liegen im Wirecard-Komplex seit mehreren Jahren Anklagen gegen weitere fr\u00fchere Verantwortliche vor. Nach Informationen von Capital hat das zust\u00e4ndige Gericht aber bis heute nicht entschieden, ob es in diesen F\u00e4llen zu Strafprozessen kommt.<\/p>\n<p>In dem Wirecard-Musterverfahren vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht, in dem die Anspr\u00fcche Tausender Aktion\u00e4re unter anderem gegen den Wirtschaftspr\u00fcfer EY geb\u00fcndelt sind, ging es bis heute lediglich um Fomalit\u00e4ten und Verfahrensfragen. Zuletzt f\u00fchrte die Ernennung des neuen Gerichtspr\u00e4sidenten Reinhard R\u00f6ttle, der auch das Wirecard-Musterverfahren leiten soll, zu weiteren Verz\u00f6gerungen.\u00a0<\/p>\n<p>Der von der bayerischen Staatsregierung ernannte Richter war zuvor als Leiter der Generalstaatsanwaltschaft in M\u00fcnchen am Rande auch mit Wirecard befasst. Darauf wies R\u00f6ttle im Fr\u00fchjahr selbst hin. Daraufhin stellten mehrere Verfahrensparteien, darunter EY, Befangenheitsantr\u00e4ge. Die Antr\u00e4ge gegen seinen eigenen Pr\u00e4sidenten wurden zwar im Mai vom Bayerischen Obersten Landesgericht abgewiesen. Allerdings lie\u00df es zu, die Entscheidung vor dem Bundesgerichtshof anzufechten.\u00a0<\/p>\n<h2>Zust\u00e4ndigkeit immer noch ungekl\u00e4rt<\/h2>\n<p>Bis zur Kl\u00e4rung des BGH d\u00fcrften im Musterverfahren nur Schritte unternommen werden, die \u201ekeinen Aufschub dulden\u201c, verf\u00fcgte das Gericht. Verfahrensbeteiligte rechnen damit, dass der Prozess \u00fcber Monate oder gar mehr als ein Jahr lahm liegen werde.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Auch in einer weiteren Frage, die wesentliche Auswirkungen auf das Musterverfahren hat, m\u00fcssen die Prozessparteien auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs warten. Dabei geht es darum, ob Testate unter das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) fallen und die Anspr\u00fcche gegen EY \u00fcberhaupt im Musterverfahren verfolgt werden k\u00f6nnen \u2013 oder ob sie in Einzelverfahren am Landgericht, die wegen des Musterprozesses seit Jahren ausgesetzt sind, entschieden werden m\u00fcssen. Nachdem das Bayerische Oberste Landesgericht in einem Teilmusterentscheid festgestellt hatte, dass Testate nicht unter das KapMuG in der 2020 geltenden Fassung fallen, riefen Anlegervertreter im Fr\u00fchjahr 2025 den BGH an. Seither h\u00f6rte man wenig aus Karlsruhe \u2013 abgesehen von mehr als 20 Fristverl\u00e4ngerungen <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/wirecard-anlegeranwalt--generalbundesanwalt-schaltet-sich-ein-37169564.html\" class=\"external-link\">und einer Gef\u00e4hrderansprache bei dem Anlegeranwalt Elmar Vitt, f\u00fcr die der verantwortliche BGH-Richter den Staatsschutz einschaltete.<\/a><\/p>\n<h2>H\u00e4ngepartie bei Wirecard-Klagen seit Ende 2021<\/h2>\n<p>Schon seit Dezember 2022 und mehr als 200 Verhandlungstagen l\u00e4uft dar\u00fcber hinaus am Landgericht M\u00fcnchen I der Strafprozess gegen Ex-Wirecard-CEO Braun, der unter anderem wegen Bilanzbetrug und Untreue angeklagt ist. Zwischenzeitlich war ein Urteil f\u00fcr Ende 2025 erwartet worden. K\u00fcrzlich setzte das Gericht aber noch weitere Verhandlungstermine bis kurz vor Weihnachten an. Die \u201eKonkretisierung der Termine\u201c sei allerdings \u201erein vorsorglich\u201c und lasse \u201ekeinen R\u00fcckschluss auf ein etwaiges Ende der Hauptverhandlung\u201c zu, erkl\u00e4rte ein Gerichtssprecher.<\/p>\n<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hatte die ermittelnde Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen I schon vor l\u00e4ngerer Zeit weitere Anklagen im Wirecard-Komplex erhoben. Zu den Angeschuldigten z\u00e4hlt der langj\u00e4hrige Wirecard-Finanzvorstand Burkhard Ley, gegen den Ende 2023 Anklage erhoben worden ist. Im Fall eines Gesch\u00e4ftspartners des fl\u00fcchtigen Wirecard-Vorstands Jan Marsalek, der mit Marsalek Gelder des Konzerns veruntreut haben soll, liegt die Anklage sogar seit Dezember 2021 vor. Sowohl Braun als auch Ley weisen s\u00e4mtliche Vorw\u00fcrfe der Strafverfolger zur\u00fcck.<\/p>\n<p>In den weiteren F\u00e4llen hat das Landgericht M\u00fcnchen I bis heute nicht entschieden, ob es zu einer Hauptverhandlung kommt, wie ein Gerichtssprecher auf Anfrage von Capital mitteilte. Als Grund f\u00fcr die jahrelange H\u00e4ngepartie gab er an, die Kammer sei \u201ederzeit durch vorrangig zu bearbeitende Haftsachen stark ausgelastet\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Im Wirecard-Skandal kommt die juristische Aufarbeitung kaum voran. Wegen ungekl\u00e4rter Verfahrensfragen liegt der Anleger-Musterprozess f\u00fcr Monate lahm. 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