{"id":10281,"date":"2026-06-18T21:04:57","date_gmt":"2026-06-18T19:04:57","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/trotz-aller-rhetorik-washington-behaelt-oberhand-bei-iran-deal-was-bedeutet-das-fuer-russland\/"},"modified":"2026-06-18T21:04:57","modified_gmt":"2026-06-18T19:04:57","slug":"trotz-aller-rhetorik-washington-behaelt-oberhand-bei-iran-deal-was-bedeutet-das-fuer-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/trotz-aller-rhetorik-washington-behaelt-oberhand-bei-iran-deal-was-bedeutet-das-fuer-russland\/","title":{"rendered":"Trotz aller Rhetorik: Washington beh\u00e4lt Oberhand bei Iran-Deal \u2013 Was bedeutet das f\u00fcr Russland?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Thomas J. Penn<\/em><\/p>\n<p>Wenn Sie den offiziellen Begr\u00fcndungen f\u00fcr milit\u00e4rische Interventionen und Sanktionen geglaubt haben \u2013 Massenvernichtungswaffen, Demokratie oder nukleare Nichtverbreitung \u2013, dann haben Sie ein zentrales Motiv der US-Politik \u00fcbersehen. Ein wesentlicher Faktor war und ist der Erhalt der finanziellen und geopolitischen Hebelwirkung der USA, vor allem durch die Kontrolle \u00fcber globale Energiestr\u00f6me und das internationale Finanzsystem. Was gerade mit Iran passiert, passt in dieses Muster. Der entscheidende Effekt liegt jedoch nicht nur im Nahen Osten: Das Abkommen gibt Washington zus\u00e4tzlichen Spielraum, um den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu erh\u00f6hen, ohne direkt milit\u00e4risch in Europa aktiv zu werden.<\/p>\n<p>Als der Krieg in der Ukraine begann, war dieses Muster bereits sichtbar. Washington baute dort ein Bollwerk auf, um Russland einzud\u00e4mmen und seine Handlungsfreiheit einzuschr\u00e4nken. Da Russland \u00fcber ein gro\u00dfes nukleares Arsenal verf\u00fcgt, kam ein direkter milit\u00e4rischer Konflikt nicht infrage. Stattdessen setzte man auf Stellvertreterdruck, Sanktionen und wirtschaftliche Schw\u00e4chung. \u00c4hnliche Strategien hatte Washington bereits in Venezuela angewandt. Die Vorw\u00e4nde wechseln, das Ziel der Eind\u00e4mmung von Herausforderern bleibt jedoch bestehen.<\/p>\n<p><strong>Das alte Muster<\/strong><\/p>\n<p>Im Irak wurde Saddam Hussein mit der Behauptung, das Land besitze Massenvernichtungswaffen, angegriffen. Ein begleitender Faktor war, dass er Teile seiner \u00d6lexporte in Euro abrechnen wollte und damit das bestehende Finanzsystem herausforderte. Die Invasion diente nicht nur der Beseitigung eines Diktators, sondern auch der Wiederherstellung der Kontrolle \u00fcber einen wichtigen \u00d6lproduzenten und der Abschreckung anderer Staaten, die vom etablierten System abweichen wollten.<\/p>\n<p>Venezuela folgte einem \u00e4hnlichen Muster. Die Maduro-Regierung versuchte, Alternativen zum bestehenden System zu entwickeln. Washington antwortete mit Sanktionen, bis die venezolanische Wirtschaft so weit geschw\u00e4cht war, dass eine R\u00fcckkehr in die internationalen Handelsstrukturen als einzige realistische Option blieb. Es ging dabei nicht ausschlie\u00dflich um Menschenrechte oder Demokratie, sondern auch um die Sicherung der Kontrolle \u00fcber wichtige Energiestr\u00f6me.<\/p>\n<p>In Syrien stand weniger Assad selbst im Zentrum als die Schw\u00e4chung der Iran-Russland-Achse und die Verhinderung von Pipeline-Projekten, die au\u00dferhalb der bestehenden Kontrollstrukturen verlaufen k\u00f6nnten. Ziel war es, die Region so fragmentiert zu halten, dass sich keine starken alternativen B\u00fcndnisse bilden konnten.<\/p>\n<p><strong>Iran<\/strong><\/p>\n<p>Der j\u00fcngste Konflikt und das darauf folgende Abkommen entstanden nicht allein wegen der Anreicherungsgrade. Iran verf\u00fcgt \u00fcber gro\u00dfe \u00d6lvorkommen und hatte begonnen, engere wirtschaftliche Beziehungen zu China aufzubauen, die teilweise au\u00dferhalb der etablierten Finanzkan\u00e4le liefen. Gleichzeitig kontrolliert das Land die strategisch wichtige Stra\u00dfe von Hormus. Washington erh\u00f6hte den Druck durch gezielte Angriffe und eine Seeblockade. Da Iran keinen nuklearen Schutzschild wie Russland besitzt, verhandelte es aus einer schw\u00e4cheren Position.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist ein Rahmenabkommen, in dem Iran Zugest\u00e4ndnisse bei seinem Nuklearprogramm macht und im Gegenzug Sanktionserleichterungen f\u00fcr \u00d6lexporte und damit verbundene Dienstleistungen erh\u00e4lt. Das iranische \u00d6l kann nun wieder st\u00e4rker in den internationalen Markt integriert werden.<\/p>\n<p><strong><em>Wichtig ist hier eine Klarstellung<\/em><\/strong>: Iran kehrt nicht zur direkten Nutzung des US-Dollars f\u00fcr den internationalen Handel zur\u00fcck \u2013 das verbieten die weiterhin geltenden prim\u00e4ren Sanktionen. Allerdings haben die neuen Sanktionsausnahmen (Waivers) f\u00fcr iranische \u00d6lexporte und die damit verbundenen Bankdienstleistungen den Weg f\u00fcr Transaktionen \u00fcber das internationale Bankensystem (einschlie\u00dflich SWIFT) deutlich geebnet. Dadurch ist es nun m\u00f6glich, iranisches \u00d6l auch in US-Dollar abzurechnen, ohne dass ausl\u00e4ndische Banken sekund\u00e4re US-Sanktionen riskieren.<\/p>\n<p>Dieser Dollar-Pfad ist jetzt offen und stellt f\u00fcr viele Marktteilnehmer den Weg des geringsten Widerstands dar, weil \u00d6l global traditionell in Dollar gehandelt wird. Er muss jedoch nicht genutzt werden \u2013 K\u00e4ufer k\u00f6nnen weiterhin in Yuan, Euro oder anderen W\u00e4hrungen abrechnen.<\/p>\n<p>Bisher kaufte China iranisches \u00d6l weitgehend in Yuan und mit einem deutlichen Sanktionsabschlag. Durch die \u00d6ffnung f\u00fcr weitere K\u00e4ufer und Banken wird dieser exklusive, stark rabattierte Kanal aufgebrochen. Das erh\u00f6ht das globale \u00d6langebot und kann den Preis f\u00fcr China tendenziell verteuern, w\u00e4hrend es gleichzeitig den weltweiten \u00d6lpreis nach unten dr\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>Wirkung auf Russland<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Russland ist das Abkommen relevant. Mit mehr iranischem \u00d6l auf dem Markt gewinnt Washington indirekt Einfluss auf das globale Angebot und die Preisentwicklung. Russlands Staatshaushalt ist stark von Energieeinnahmen abh\u00e4ngig. Ein anhaltend niedriger \u00d6lpreis verst\u00e4rkt den wirtschaftlichen Druck, der bereits durch Sanktionen und den Krieg in der Ukraine besteht.<\/p>\n<p>Da ein direkter milit\u00e4rischer Konflikt mit Russland wegen dessen nuklearer F\u00e4higkeiten zu riskant ist, setzt Washington auf indirekte Mittel: wirtschaftliche Schw\u00e4chung, Begrenzung alternativer B\u00fcndnisse und nun auch den \u00d6lpreis als zus\u00e4tzliches Druckinstrument. Ziel ist nicht ein klassischer milit\u00e4rischer Sieg, sondern die Erh\u00f6hung der Kosten f\u00fcr eine Politik au\u00dferhalb des bestehenden Systems.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Was in Iran passiert ist, folgt einem wiederkehrenden Muster: gezielter Druck auf Staaten, die versuchen, sich st\u00e4rker unabh\u00e4ngig vom bestehenden System zu positionieren, kombiniert mit der \u00d6ffnung von Auswegen, die Washington strategisch n\u00fctzen. Die Vorw\u00e4nde \u00e4ndern sich, aber das grundlegende Ziel \u2013 die Eind\u00e4mmung ernsthafter geopolitischer und wirtschaftlicher Alternativen \u2013 bleibt erkennbar.<\/p>\n<p>Russland hat sich bisher besser behauptet als viele erwartet hatten. Dennoch zeigt das Iran-Abkommen, dass Washington weiterhin \u00fcber wirksame indirekte Instrumente verf\u00fcgt. Ob diese langfristig ausreichen, um eine multipolare Entwicklung aufzuhalten, bleibt offen.<\/p>\n<p><em><strong>Thomas J. Penn<\/strong>\u00a0ist US-Amerikaner und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Er war Unteroffizier der Infanterie bei der US Army. Penn studierte Finanzwirtschaft und Management und verf\u00fcgt \u00fcber umfangreiche Erfahrungen auf den Finanzm\u00e4rkten. Sie k\u00f6nnen ihn auf Twitter unter\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/twitter.com\/ThomasJPenn?ref_src=twsrc%5Egoogle%7Ctwcamp%5Eserp%7Ctwgr%5Eauthor\">@ThomasJPenn<\/a>\u00a0erreichen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211;\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/283410-medien-bund-plant-rasches-bundestagsmandat\/\">Medien: Bund plant rasches Bundestagsmandat f\u00fcr Bundeswehreinsatz in der Stra\u00dfe von Hormus<\/a><em><br \/><\/em><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v79a2po\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Thomas J. 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