{"id":10290,"date":"2026-06-19T06:06:18","date_gmt":"2026-06-19T04:06:18","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/usa-gegen-iran-lukjanows-bilanz-der-zweiten-runde-der-konfrontation\/"},"modified":"2026-06-19T06:06:18","modified_gmt":"2026-06-19T04:06:18","slug":"usa-gegen-iran-lukjanows-bilanz-der-zweiten-runde-der-konfrontation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/usa-gegen-iran-lukjanows-bilanz-der-zweiten-runde-der-konfrontation\/","title":{"rendered":"USA gegen Iran: Lukjanows Bilanz der zweiten Runde der Konfrontation"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von\u00a0<\/em><em>Fjodor\u00a0<\/em><em>Lukjanow<\/em><strong><\/strong><\/p>\n<p>Das unmittelbare Ergebnis ist die Wiederherstellung der Freiheit der Schifffahrt durch die Stra\u00dfe von Hormus, deren Sperrung ja gerade die Folge des Angriffs der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran war. Mit anderen Worten: Am Ende einer weiteren kostspieligen Runde milit\u00e4rischer Zerst\u00f6rungen mit den entsprechenden Opfern ist man wieder dort angelangt, wo man angefangen hat.<strong><\/strong><\/p>\n<p>Zur Erinnerung: Dies ist bereits die zweite Episode dieser Saga\u00a0\u2012 die erste ereignete sich genau vor einem Jahr und wurde als &#8222;Zw\u00f6lftagekrieg&#8220; bezeichnet. Sie endete damals auf dieselbe Weise, nur ohne die Verabschiedung formeller Dokumente. Allerdings gibt es auch jetzt noch kein Dokument, zumindest vorerst nur eine Darstellung davon, und selbst diese weist unterschiedliche Interpretationen und unterschiedliche Schwerpunkte auf. Wie dem auch sei, l\u00e4sst sich eine Zwischenbilanz ziehen \u2013 insbesondere was die Auswirkungen des Konflikts auf die Gesamtsituation betrifft. Erstens sind die Grenzen der Macht unter den Bedingungen dieser neuen Art von Krieg sehr deutlich geworden.<strong><\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Das gesamte milit\u00e4rische Potenzial der USA und Israels (man k\u00f6nnte noch die Kapazit\u00e4ten der Golfstaaten hinzuf\u00fcgen) ist unvergleichlich gr\u00f6\u00dfer als das Irans. Dieser Vorteil reichte jedoch nicht aus, um einen schnellen und eindeutigen Sieg zu erringen.<\/em><strong><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Gegenma\u00dfnahmen Teherans waren vielschichtig \u2013 Druck auf milit\u00e4rische Einrichtungen, Angriffe auf logistische und infrastrukturelle Ziele sowie der Einsatz von mit Iran verb\u00fcndeten Kr\u00e4ften und Gruppierungen in der Region. Letztere blieben entgegen den Erwartungen einsatzf\u00e4hig, obwohl sie durch eine gezielte Kampagne Israels in den vorangegangenen zwei Jahren geschw\u00e4cht worden waren.<strong><\/strong><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich erwies sich die Blockade einer strategisch wichtigen Verkehrsader \u2013 der Stra\u00dfe von Hormus \u2013, zu der Iran bisher noch nie gegriffen hatte, als \u00e4u\u00dferst wirksames Mittel, dem kaum etwas entgegenzusetzen war.<strong><\/strong><\/p>\n<p>Zweitens ist die innere Stabilit\u00e4t ein entscheidender Faktor f\u00fcr den milit\u00e4rischen Erfolg, was Iran unter Beweis gestellt hat. Die Vernichtung eines erheblichen Teils der milit\u00e4risch-politischen F\u00fchrung des Landes gleich zu Beginn der Kampagne hatte keine vernichtende Wirkung. Und nach einer Reihe von Anzeichen zu urteilen, trug dies sogar zur moralisch-politischen Mobilisierung der herrschenden Schicht und zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei, in der noch zu Beginn des Jahres eine Spaltung zu beobachten war. Der Schaden, den Iran bereit ist zu ertragen, ist offensichtlich gr\u00f6\u00dfer als der, der f\u00fcr die USA und ihre Verb\u00fcndeten in der Region akzeptabel ist, und auch dies ist ein Faktor der Widerstandsf\u00e4higkeit. Es ist klar, dass die Islamische Republik erheblichen Schaden erlitten hat\u00a0\u2012 der Wiederaufbau wird langwierig und kostspielig sein. Doch die Grundlagen daf\u00fcr sind erhalten geblieben und haben sich angesichts des Auftretens eines zus\u00e4tzlichen Faktors wie der Geb\u00fchren f\u00fcr die Durchfahrt durch die Meerenge sogar gefestigt.<strong><\/strong><\/p>\n<p>Drittens: das allgemeine Kr\u00e4fte- und Einflussgleichgewicht in der Region. Vor dem Krieg wuchs die \u00dcberzeugung, dass die Position Irans im Zuge der innenpolitischen Krise und der Erosion der &#8222;Achse des Widerstands&#8220; unter den Angriffen ihrer Feinde schw\u00e4cher werde. Diese \u00dcberzeugung war eines der Motive f\u00fcr die von den USA und Israel geplante Milit\u00e4raktion, die als entscheidender Schlag zur Zerschlagung des Regimes und zur L\u00f6sung der &#8222;Iran-Frage&#8220; gedacht war. Diese Kalkulation hat sich nicht bewahrheitet, und nun gibt es Gr\u00fcnde, von einer Wiederherstellung der geopolitischen M\u00f6glichkeiten Irans zu sprechen. Einerseits haben sich die Beziehungen zwischen Iran und den Golfmonarchien aufgrund der Angriffe auf deren Einrichtungen versch\u00e4rft \u2013 die Monarchien hegen sicherlich den Wunsch nach Rache. Andererseits: Wenn Iran standgehalten hat, ohne der gemeinsamen Strafaktion der beiden wichtigsten Milit\u00e4rm\u00e4chte dieser Region nachzugeben, und diese ihre Ziele nicht erreichen konnten, wird das Arsenal der Golfstaaten f\u00fcr einen Konflikt mit Iran erst recht nicht ausreichen. Somit ist die Idee, einen Kompromiss im Sicherheitsbereich mit Iran zu finden \u2013 die in den letzten Jahren immer wieder auftauchte und wieder verschwand \u2013, erneut aktuell.<strong><\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Am wenigsten Grund zur Zufriedenheit hat Israel. Keine der Fragen, zu deren L\u00f6sung die israelische F\u00fchrung diesen Krieg vorangetrieben und die Beteiligung der USA daran angestrebt hatte, wurde gel\u00f6st. Dies k\u00f6nnte innenpolitische Folgen haben, da die Unzufriedenheit mit dem israelischen Ministerpr\u00e4sidenten Benjamin Netanjahu und seinen Koalitionspartnern ohnehin schon zunimmt.<\/em><strong><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In Israel stehen Wahlen bevor, und diese werden sicherlich im Zeichen dieser Kriegsphase stehen, f\u00fcr deren Ausgang Netanjahu sowohl von rechts als auch von links kritisiert werden wird (auch wenn diese Begriffe in der heutigen israelischen Politik eher relativ sind). Es ist klar, dass sich Israel in Bezug auf den Libanon nicht dem Diktat Washingtons beugen wird \u2013 die Israelis betrachten den S\u00fcden des Nachbarlandes als Zone zur Gew\u00e4hrleistung der unmittelbaren physischen Sicherheit ihrer Bev\u00f6lkerung und werden dort weiterhin nach ihren eigenen Vorstellungen handeln. Das Wei\u00dfe Haus wird Tel Aviv wahrscheinlich h\u00f6chstens ermahnen, ohne jedoch Ma\u00dfnahmen zu ergreifen. Iran k\u00f6nnte, wie es vor einigen Tagen der Fall war, Israel in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden gezielte Schl\u00e4ge versetzen, um sein Interesse zu bekunden, und dabei eine ebenso dosierte Reaktion mit demselben Ziel erhalten.<strong><\/strong><\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Trumps Aufgabe bestand darin, sich aus einem unangenehmen und aussichtslosen Konflikt zu befreien, und der angek\u00fcndigte &#8222;gro\u00dfe Deal&#8220; scheint ihm dies zu erm\u00f6glichen. Mit der Erf\u00fcllung der Bedingungen ist, ehrlich gesagt, nicht zu rechnen: Iran hat nicht die Absicht, einen solchen Trumpf wie das Atomprogramm (was auch immer darunter verstanden wird) aus der Hand zu geben, und die USA werden alles daran setzen, das iranische Geld nicht auszuzahlen und den Gro\u00dfteil der Sanktionen gegen Teheran nicht aufzuheben. Es kann also noch lange verhandelt werden. Das Risiko eines neuen Krieges zwischen Iran und den USA bleibt nat\u00fcrlich bestehen und ist sp\u00fcrbar. Aber es scheint, als h\u00e4tten alle bereits verstanden, dass dessen Ausgang derselbe sein wird wie der des aktuellen Konflikts.<strong><\/strong><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <\/em><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/globalaffairs.ru\/articles\/kratkoe-soderzhanie-lukyanov\/\"><em>Russischen<\/em><\/a><em>.\u00a0Der Artikel ist am 16. Juni 2026 zuerst auf der Homepage von &#8222;Russia in Global Affairs&#8220; erschienen.<\/em><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Fjodor Lukjanow<\/em><\/strong><em>\u00a0ist Chefredakteur der Zeitschrift <\/em><em>&#8222;Russia in Global Affairs&#8220;<\/em><em> seit deren Gr\u00fcndung im Jahr 2002, Vorsitzender des Pr\u00e4sidiums des Rates f\u00fcr Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik Russlands seit 2012, wissenschaftlicher Direktor des Internationalen Diskussionsclubs <\/em><em>&#8222;<\/em><em>Waldai<\/em><em>&#8220; sowie<\/em><em>\u00a0Forschungsprofessor an der Nationalen Forschungsuniversit\u00e4t <\/em><em>&#8222;<\/em><em>H\u00f6here Schule f\u00fcr Wirtschaft<\/em><em>&#8222;<\/em><em>.<\/em><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema \u2012<\/strong>\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/283450-g7-fordern-waffenruhe-im-libanon\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">G7 fordern Waffenruhe im Libanon und begr\u00fc\u00dfen Iran-Deal<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\">\n                                                <iframe title=\"Herber R\u00fcckschlag f\u00fcr Trumps Kriegspolitik - Die Absichtserkl\u00e4rung von USA und Iran\" allowtransparency=\"true\" height=\"300\" width=\"100%\" style=\"border: none; min-width: min(100%, 430px);height:300px;\" scrolling=\"no\" data-name=\"pb-iframe-player\" src=\"https:\/\/www.podbean.com\/player-v2\/?from=embed&amp;i=mvpy6-1aefb09-pb&amp;square=1&amp;share=1&amp;download=1&amp;fonts=Arial&amp;skin=f6f6f6&amp;font-color=&amp;rtl=0&amp;logo_link=&amp;btn-skin=7&amp;size=300\" loading=\"lazy\" allowfullscreen=\"\"><\/iframe>\n                    <\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von\u00a0Fjodor\u00a0Lukjanow Das unmittelbare Ergebnis ist die Wiederherstellung der Freiheit der Schifffahrt durch die Stra\u00dfe von Hormus, deren Sperrung ja gerade die Folge des Angriffs der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran war. 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