{"id":10360,"date":"2026-06-19T14:08:06","date_gmt":"2026-06-19T12:08:06","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/politisches-risiko-zentralbanken-bringen-ihre-goldbarren-zurueck-in-ihre-heimatlaender\/"},"modified":"2026-06-19T14:08:06","modified_gmt":"2026-06-19T12:08:06","slug":"politisches-risiko-zentralbanken-bringen-ihre-goldbarren-zurueck-in-ihre-heimatlaender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/politisches-risiko-zentralbanken-bringen-ihre-goldbarren-zurueck-in-ihre-heimatlaender\/","title":{"rendered":"Politisches Risiko: Zentralbanken bringen ihre Goldbarren zur\u00fcck in ihre Heimatl\u00e4nder"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p>Trotz des j\u00fcngsten R\u00fcckgangs der Goldpreise, der durch den Konflikt zwischen den USA und Iran verursacht wurde, bleiben die Zentralbanken weltweit weiterhin die wichtigsten K\u00e4ufer des Edelmetalls. Dar\u00fcber hinaus beabsichtigen sie, ihre Goldreserven im Laufe des n\u00e4chsten Jahres aufzustocken, wie eine neue Studie des World Gold Council zeigt. Gold bleibt f\u00fcr sie ein gutes Instrument zum Schutz vor Inflation, geopolitischen Turbulenzen und W\u00e4hrungsrisiken.<\/p>\n<p>Die Zentralbanken haben in den letzten vier Jahren durchschnittlich 1.000 Tonnen Gold pro Jahr gekauft. Das ist doppelt so viel wie im vergangenen Jahrzehnt. Laut einer Umfrage unter 74 Zentralbanken erwarten fast neun von zehn der befragten W\u00e4hrungsh\u00fcter f\u00fcr das kommende Jahr einen Anstieg der weltweiten Goldreserven, wobei 45 Prozent einen Anstieg ihrer eigenen Best\u00e4nde prognostizieren. Nur ein Prozent der Befragten geht davon aus, dass ihre Reserven schrumpfen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Umfrage ergab zudem, dass die Zentralbanken es zunehmend vorziehen, Goldbarren im eigenen Land statt im Ausland zu lagern. Sie verzichten zunehmend auf die Nutzung internationaler Lagerst\u00e4tten wie der Bank of England und der Federal Reserve Bank of New York. Wladimir Tschernow, Analyst bei Freedom Global, erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der Goldpreis ist gegen\u00fcber den H\u00f6chstst\u00e4nden vom Januar stark zur\u00fcckgegangen. Zu Jahresbeginn stieg der Preis auf \u00fcber 5.400 US-Dollar pro Unze, w\u00e4hrend er sich derzeit im Bereich von 4.300 bis 4.370 US-Dollar bewegt: Der R\u00fcckgang gegen\u00fcber dem H\u00f6chststand betr\u00e4gt etwa 20 Prozent. Die Preise begannen zu sinken aufgrund eines st\u00e4rkeren US-Dollars, der Erwartungen einer straffen Geldpolitik der Federal Reserve und des teilweisen R\u00fcckzugs der Anleger aus sicheren Anlagen nach dem Abklingen der geopolitischen Panik.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der Preisverfall bei Gold vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts schrecke die Zentralbanken jedoch nicht ab. Marina Nikischowa, Chefanalystin der russischen Bank Senit, meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Im Gegenteil, der Preisr\u00fcckgang wird von den Zentralbanken als strategische Kaufgelegenheit wahrgenommen. Ihre Entscheidung ist durch eine Verschiebung der Priorit\u00e4ten bedingt: Geopolitische Sicherheit r\u00fcckt in den Vordergrund, nicht der kurzfristige Gewinn.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Tschernow hebt hervor, dass die Zentralbanken Gold nicht wie private Anleger kaufen, die t\u00e4glich auf den Preis achten. F\u00fcr sie sei es ein Reservewert f\u00fcr die kommenden Jahre. Der Experte f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ein Kursr\u00fcckgang ist zwar unangenehm, \u00e4ndert aber nichts am Wesentlichen: Gold ist nicht von den Verpflichtungen eines bestimmten Staates abh\u00e4ngig, kann nicht gedruckt werden, birgt kein Kreditrisiko und bew\u00e4hrt sich in Zeiten von Sanktionen, Kriegen, hoher Inflation und Misstrauen gegen\u00fcber W\u00e4hrungen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist der Goldpreis seit 2022 stark gestiegen, und selbst nach der j\u00fcngsten Korrektur liegt Gold weiterhin deutlich \u00fcber den Niveaus der vergangenen Jahre, so Tschernow.<\/p>\n<p>Allerdings sei es auch unvorteilhaft, alle Reserven ausschlie\u00dflich in Gold zu halten. Welche Nachteile hat das Edelmetall? Der Experte erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Gold bringt im Gegensatz zu Anleihen keine Zinsen ein. Seine Lagerung und sein Transport kosten Geld. Bei einem starken Preisanstieg besteht das Risiko, zu teuer zu kaufen. Und wenn ein Land einen zu gro\u00dfen Anteil seiner Reserven in Gold h\u00e4lt, verliert es an Flexibilit\u00e4t, da f\u00fcr Zahlungen, Devisenmarktinterventionen oder die St\u00fctzung des Haushalts ohnehin liquide W\u00e4hrungen und Geldmarktinstrumente ben\u00f6tigt werden.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Interessant ist der Trend, dass die Zahl der Banken, die ihr Gold im eigenen Land und nicht in London oder New York lagern, stark gestiegen ist. Nikischowa sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Bis 2022 war die Lagerung von Gold in London oder New York aufgrund der Liquidit\u00e4t und des Vertrauens der Standard. Nun \u00e4ndert sich diese Strategie.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Zentralbanken holen ihr Gold zur\u00fcck ins eigene Land, denn die Einfrierung von 300 Milliarden US-Dollar an Reserven der Russischen F\u00f6deration hat gezeigt, dass Verm\u00f6genswerte im Ausland keine Garantie, sondern ein politisches Risiko darstellen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Aber das gesamte Gold im eigenen Land zu lagern, ist aus Sicht einer Aufsichtsbeh\u00f6rde ebenfalls nicht gut \u2013 man kann es nicht so schnell verkaufen wie beispielsweise den Yuan. Tschernow hebt hevor:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ein Teil der Reserven wird in London, New York, bei der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich oder in anderen Finanzzentren belassen, weil es dort einfacher ist, schnell Transaktionen durchzuf\u00fchren, das Metall als Sicherheit zu nutzen, es gegen Devisenliquidit\u00e4t einzutauschen und \u00fcber eine gut ausgebaute Marktinfrastruktur zu agieren. Daher geht der Trend derzeit weniger in Richtung einer vollst\u00e4ndigen R\u00fcckf\u00fchrung des Goldes ins eigene Land als vielmehr in Richtung Diversifizierung. Das hei\u00dft, ein Teil verbleibt im Inland, ein Teil befindet sich aber dennoch in verschiedenen ausl\u00e4ndischen Lagerst\u00e4tten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Russland weicht allerdings von diesem weltweiten Trend ab. Gerade die Russische F\u00f6deration begann im Jahr 2014 damit, in gro\u00dfem Umfang Gold f\u00fcr ihre W\u00e4hrungsreserven aufzukaufen. Doch in den letzten Jahren kaufe Moskau kein Gold mehr auf, sondern verkaufe es sogar, um das Haushaltsdefizit zu decken, das durch den R\u00fcckgang der \u00d6l- und Gaseinnahmen und hohe Ausgaben entstanden ist, so Nikischowa. Seit Mitte 2025 hat das russische Finanzministerium damit begonnen, Verm\u00f6genswerte aus dem Nationalen Wohlstandsfonds (FNW) zu ver\u00e4u\u00dfern. Im Januar 2026 erreichten die Verk\u00e4ufe von Yuan und Gold aus diesem Fond einen Rekordwert von 244,4 Milliarden Rubel (fast 3 Milliarden Euro). Diese Mittel dienten dazu, die entgangenen Haushaltseinnahmen auszugleichen.<\/p>\n<p>Laut Nikischowa biete der Preisverfall technisch gesehen ein g\u00fcnstiges Zeitfenster f\u00fcr den Kauf von Gold, doch politisch und wirtschaftlich k\u00f6nne die Zentralbank der Russischen F\u00f6deration dies nicht tun, da das Haushaltsdefizit im ersten Quartal 2026 4,6 bis 5,9 Billionen Rubel (54,7 bis 70,1 Milliarden Euro) erreicht habe. Und selbst die Blockade der Stra\u00dfe von Hormus und der Anstieg der \u00d6lpreise in den letzten drei bis vier Monaten h\u00e4tten nicht geholfen. Die \u00d6l- und Gaseinnahmen des Haushalts Russlands seien zwar stark gestiegen, doch das Haushaltsdefizit bleibe bestehen. Nikischowa erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Idee, die Reserven durch den Kauf von Gold aufzustocken, ist logisch, aber derzeit steht unser Staat vor einer anderen Aufgabe \u2013 dem \u00dcberleben des Haushalts hier und jetzt, und nicht der strategischen Ansammlung.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Au\u00dferdem habe Russland ohnehin schon einen sehr hohen Goldanteil in seinen Reserven, f\u00fcgt Tschernow hinzu. Nach Angaben der Bank von Russland belief sich der Wert des monet\u00e4ren Goldes des Landes in den internationalen Reserven zum 1. Juni 2026 auf rund 326 Milliarden US-Dollar bei einem Gesamtvolumen der Reserven von rund 747 Milliarden US-Dollar. Tschernow meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Gold macht bereits einen sehr bedeutenden Teil des W\u00e4hrungspuffers aus. Daher w\u00fcrde ich nicht sagen, dass Russland dringend und aggressiv Gold aufkaufen muss. Es ist logisch, die Reserven mit Gold aufzustocken, insbesondere angesichts der Sanktionen und der eigenen F\u00f6rderung, aber dies sollte besser schrittweise und im Rahmen der Haushaltsregel erfolgen, wenn zus\u00e4tzliche \u00d6l- und Gaseinnahmen vorhanden sind.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Prognosen der Analysten f\u00fcr Gold sind recht optimistisch: In der zweiten Jahresh\u00e4lfte wird der Preis wieder steigen. So rechnet J.P. Morgan f\u00fcr das vierte Quartal 2026 mit einem Durchschnittspreis von 6.000 US-Dollar pro Unze und einem Wachstumspotenzial auf bis zu 6.300 US-Dollar im Jahr 2027. Die Analysten von State Street rechnen in ihrem Basisszenario mit 4.750 bis 5.500 US-Dollar bis Ende 2026. Bei der UBS liegt das Kursziel f\u00fcr Ende 2026 bei etwa 6.200 US-Dollar. Tschernow fasst zusammen:<\/p>\n<p><em>&#8222;Bis zum Jahresende w\u00fcrde ich mit hoher Volatilit\u00e4t rechnen. Sollte die Federal Reserve eine straffe Geldpolitik verfolgen, der US-Dollar stark bleiben und sich die geopolitische Lage etwas beruhigen, k\u00f6nnte Gold noch eine Weile unter den H\u00f6chstst\u00e4nden vom Januar notieren. Doch das langfristige Bild f\u00fcr Gold bleibt positiv: Die Zentralbanken kaufen weiterhin Gold, die Staatsverschuldung weltweit ist hoch, die W\u00e4hrungsrisiken sind nach wie vor vorhanden und die geopolitische Lage bleibt instabil. Daher k\u00f6nnte Gold im Basisszenario ein teurer Verm\u00f6genswert bleiben, allerdings ohne Garantie f\u00fcr eine schnelle R\u00fcckkehr zu den H\u00f6chstst\u00e4nden. Auf Sicht von mehreren Jahren werden die Nachfrage der Zentralbanken und das Bestreben der L\u00e4nder, unabh\u00e4ngigere Reserven zu halten, den Preis st\u00fctzen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/economy\/2026\/6\/18\/1428009.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 18. Juni 2026 auf der Website der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Olga Samofalowa<\/strong> ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0<strong>\u2013<\/strong>\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/nordamerika\/281471-cia-agent-hortet-mehr-als-300-goldbarren-zu-hause\/\"> CIA-Agent hortet mehr als 300 Goldbarren zu Hause \u2013 FBI greift durch und findet noch Luxusuhren<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v78xwea\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Trotz des j\u00fcngsten R\u00fcckgangs der Goldpreise, der durch den Konflikt zwischen den USA und Iran verursacht wurde, bleiben die Zentralbanken weltweit weiterhin die wichtigsten K\u00e4ufer des Edelmetalls. 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