{"id":10472,"date":"2026-06-20T11:02:57","date_gmt":"2026-06-20T09:02:57","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/baerbel-bas-und-der-8-stunden-tag-dieses-gesetz-ist-rueckwaertsgewandt-37572886-html-2\/"},"modified":"2026-06-20T11:02:57","modified_gmt":"2026-06-20T09:02:57","slug":"baerbel-bas-und-der-8-stunden-tag-dieses-gesetz-ist-rueckwaertsgewandt-37572886-html-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/baerbel-bas-und-der-8-stunden-tag-dieses-gesetz-ist-rueckwaertsgewandt-37572886-html-2\/","title":{"rendered":"Meinung: Nat\u00fcrlich muss der 8-Stunden-Tag aufgeweicht werden, Frau Bas!"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Ministerin B\u00e4rbel Bas ziert sich, die Arbeitszeitregeln grundlegend neu zu gestalten. Das ist r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt \u2013 und das Gegenteil jenes Aufbruchs, den diese Koalition verspricht.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Der Referentenentwurf f\u00fcr ein neues Arbeitszeitgesetz ist eine herbe Entt\u00e4uschung. Was Arbeitsministerin B\u00e4rbel Bas da vorgelegt hat, ist so mutlos und aus der Zeit gefallen, dass es den Zusatz \u201eReform\u201c nicht verdient. Nach dem Willen der SPD-Vorsitzenden soll der Achtstundentag nicht pauschal abgeschafft werden. Vielmehr soll die M\u00f6glichkeit, die t\u00e4gliche durch eine w\u00f6chentliche H\u00f6chstarbeitszeit zu ersetzen, allein Unternehmen mit Tarifbindung vorbehalten sein.\u00a0<\/p>\n<p>Der Vorschlag steht nicht nur im Widerspruch zur Vereinbarung im Koalitionsvertrag, er hat auch nichts mit der Lebenswirklichkeit deutscher Unternehmen zu tun, die seit Jahren ein flexibles und modernes Arbeitszeitgesetz fordern.\u00a0<\/p>\n<p>Es war richtig, dass CDU, CSU und SPD im Koalitionsvertrag verabredet hatten, endlich die Voraussetzungen f\u00fcr neue Arbeitszeitregeln zu schaffen. Ohne Vorbehalte, ohne Ausnahme, ohne Wenn und Aber. An diese Einigung f\u00fchlt sich B\u00e4rbel Bas offenbar nicht l\u00e4nger gebunden, wenn sie nun einen Tarifvertrag zur Voraussetzung f\u00fcr ein modernes Arbeitszeitgesetz macht. Mit dem Gesetzentwurf kommt die Arbeitsministerin allein den Forderungen der Gewerkschaften entgegen, die sich zuletzt massiv gegen die geplanten \u00c4nderungen der t\u00e4glichen H\u00f6chstarbeitszeit gewehrt hatten.\u00a0<\/p>\n<h2>Das Gesetz von Bas ist das Gegenteil von Aufbruchstimmung<\/h2>\n<p>F\u00fcr den Koalitionspartner und die Arbeitgeberverb\u00e4nde ist die Volte eine Provokation. CDU-Generalsekret\u00e4r Carsten Linnemann erkl\u00e4rte, dass der Entwurf \u201ekeine Grundlage\u201c f\u00fcr weitere Diskussionen zu dem Thema sei. Arbeitgeberpr\u00e4sident Rainer Dulger donnerte: \u201eWer kein Vertrauen in das Miteinander von Arbeitgebern und Besch\u00e4ftigten hat, kann von uns Arbeitgebern kein Vertrauen in gute Gesetzgebung erwarten.\u201c Ein harter Satz vor dem Hintergrund, dass die Sozialpartner erst vor einer Woche im Kanzleramt mehrere Stunden mit den Spitzen der Koalition \u00fcber die Reformnotwendigkeiten gesprochen hatten.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Die Kritik ist nicht nur nachvollziehbar, sondern auch absolut berechtigt. Die geplanten Einschr\u00e4nkungen im Arbeitszeitgesetz wirken ideologisch verbr\u00e4mt, r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt und wie das genaue Gegenteil des Reformwillens, mit dem die Bundesregierung gegen schlechte Umfragewerte und den \u00f6konomischen Stillstand in diesem Land ank\u00e4mpfen wollte. Das Arbeitszeitgesetz \u00e0 la B\u00e4rbel Bas verbreitet Ern\u00fcchterung, aber sicher keine Aufbruchstimmung.\u00a0<\/p>\n<p>Nur wenige Unternehmen w\u00fcrden von den neuen M\u00f6glichkeiten des Arbeitszeitgesetzes profitieren. Gerade noch ein Viertel aller Unternehmen sind an einen Tarifvertrag gebunden, Tendenz fallend. Auch bezogen auf die Zahl der Besch\u00e4ftigten f\u00e4llt die Mehrheit der Arbeitnehmer nicht unter einen Tarifvertrag. Schon vor diesem Hintergrund macht es keinen Sinn, das neue Arbeitszeitgesetz an die Existenz eines Tarifvertrags zu binden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Dort, wo in Deutschland Jahr f\u00fcr Jahr neue Arbeitspl\u00e4tze entstehen, bei den dynamisch wachsenden Start-ups, sind Tarifvertr\u00e4ge ein Fremdwort. Sie passen einfach nicht zu den Anforderungen einer modernen Arbeitswelt, die oft ein Maximum an Flexibilit\u00e4t erfordert. Im vergangenen Jahr hat Deutschland fast 3600 Unternehmensgr\u00fcndungen verzeichnet \u2013 so viel wie nie zuvor. Die Bundesregierung sollte stolz sein auf diese neue Gr\u00fcnderkultur und diese weiter f\u00f6rdern. Den jungen Unternehmen b\u00fcrokratische Steine in den Weg zu legen, w\u00e4re ein fataler Irrtum.\u00a0<\/p>\n<h2>Die meisten Arbeitnehmer akzeptieren neue Regeln<\/h2>\n<p>Nicht nur f\u00fcr Start-ups ist ein Achtstundentag ein Anachronismus. Alle Unternehmen befinden sich durch geopolitische und technologische Entwicklungen in einer Transformation, die punktuell immer wieder Mehrarbeit erfordert. Die allermeisten Arbeitnehmer akzeptieren die ver\u00e4nderten Anforderungen, solange die w\u00f6chentliche Arbeitszeit eingehalten wird. Sie haben schlie\u00dflich ein nicht geringes Interesse daran, dass ihr Unternehmen zukunftsfest aufgestellt und der eigene Arbeitsplatz sicher ist \u2013 selbst wenn daf\u00fcr auch mal zehn Stunden am Tag gearbeitet werden m\u00fcssen. Einen solchen Pragmatismus w\u00fcnscht man sich auch von der zust\u00e4ndigen Arbeitsministerin.\u00a0<\/p>\n<p>Doch davon ist wenig zu sp\u00fcren. F\u00fcr die SPD-Vorsitzende mag es ein willkommenes parteitaktisches Kalk\u00fcl sein, R\u00fccksicht auf die Interessen der m\u00e4chtigen Gewerkschaften zu nehmen. Dem Land hilft es nicht. Angesichts der schweren Krise, in der Deutschland steckt, sollte sich Bas an den politischen Leitsatz erinnern: \u201eErst das Land, dann die Partei.\u201c\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Der Krampf mit dem Arbeitszeitgesetz wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Gro\u00dfe Koalition. Wenn nicht einmal ein so kleines Vorhaben gelingt, wie will die Bundesregierung grundlegende Strukturreformen bei Steuern, Rente oder im Gesundheitssystem hinbekommen? Reformen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner und parteitaktische Spielchen kann sich Deutschland nicht l\u00e4nger leisten. Es ist an der Zeit, dass Kanzler Merz diese Botschaft allen Kabinettsmitgliedern klarmacht. Von einem Weiter-so profitiert allein die AfD.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel ist eine \u00dcbernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland geh\u00f6rt. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Ministerin B\u00e4rbel Bas ziert sich, die Arbeitszeitregeln grundlegend neu zu gestalten. 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