{"id":10537,"date":"2026-06-20T22:07:35","date_gmt":"2026-06-20T20:07:35","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/wie-der-ukraine-krieg-zum-konflikt-mit-der-nato-fuehren-kann\/"},"modified":"2026-06-20T22:07:35","modified_gmt":"2026-06-20T20:07:35","slug":"wie-der-ukraine-krieg-zum-konflikt-mit-der-nato-fuehren-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/wie-der-ukraine-krieg-zum-konflikt-mit-der-nato-fuehren-kann\/","title":{"rendered":"Wie der Ukraine-Krieg zum Konflikt mit der NATO f\u00fchren kann"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p>Im Ukraine-Krieg behalten die russischen Streitkr\u00e4fte weiterhin entlang der gesamten Front die Initiative. In den vergangenen Tagen konzentrierten sich die russischen Operationen vor allem auf den Donbass, wo sie wieder etliche strategische Durchbr\u00fcche erzielen konnten. Ziel ist offenbar die Eroberung der verbliebenen ukrainischen Stellungen bei den Industriest\u00e4dten Kramatorsk und Slawjansk. Den Weg dahin haben bis vor wenigen Tagen zwei befestigte St\u00fctzpunkte, das bedeutende Malaja Piskunowka und Rai-Alexandrowka, blockiert. Beide sind inzwischen von russischen Einheiten erobert worden, und der Vormarsch der Russen hat sich wieder beschleunigt. Von der erh\u00f6hten Lage von Malaja Piskunowka aus k\u00f6nnen russische Kr\u00e4fte nun weite Teile von Slawjansk sowie die Zufahrtswege zur Stadt unter Feuer nehmen. Derweil befinden sich die K\u00e4mpfe um Konstantinowka in der Endphase. Die verbliebenen ukrainischen Einheiten sind eingeschlossen, s\u00e4mtliche Nachschubwege unter russischer Kontrolle.<\/p>\n<p>Parallel dazu f\u00fchrten russische Streitkr\u00e4fte gro\u00dfangelegte Drohnen- und Raketenangriffe auf milit\u00e4rische Ziele in mehreren ukrainischen St\u00e4dten durch. Ukrainische Kr\u00e4fte griffen indes Br\u00fcckenverbindungen zur Krim an, um die Versorgung der Halbinsel mit Treibstoffen zu st\u00f6ren. Inzwischen ist das wenige Tage andauernde Problem jedoch wieder gel\u00f6st, und die langen Autoschlangen vor den Tankstellen auf der Krim sind \u00fcbereinstimmenden Berichten zufolge verschwunden.<\/p>\n<p>In der vergangenen Woche und zu Beginn dieser Woche unternahm die Ukraine drei separate Angriffe auf Ziele in Moskau. Der j\u00fcngste Angriff in der Nacht zum 18. Juni mit mehr als 360 ukrainischen Drohnen aller Art ist nach russischen Angaben der gr\u00f6\u00dfte Versuch dieser Art seit Beginn des Konflikts. 80 ukrainische Langstreckendrohnen wurden abgefangen. Keine drang bis ins Zentrum der russischen Hauptstadt durch. Dennoch fielen Tr\u00fcmmerteile abgeschossener Drohnen auf eine Raffinerie im S\u00fcden der Millionenstadt und entfachten dort ein Gro\u00dffeuer. Die dicken schwarzen Rauchschwaden, die anschlie\u00dfend \u00fcber Teilen Moskaus zu sehen waren, lieferten dem illegalen Pr\u00e4sidenten Selenskij genau rechtzeitig zum Treffen der G7-Staatschefs in der franz\u00f6sischen Badestadt Evian-les-Bains die gew\u00fcnschten Bilder.<\/p>\n<p><em>&#8222;Seht her, wir haben Moskau in Brand gesetzt, wir k\u00f6nnen den Krieg gegen die Russen gewinnen. Wir brauchen nur noch etwas mehr Zeit, und von Euch allen brauchen wir noch mehr Waffen und Geld!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte sinngem\u00e4\u00df der Begleittext gewesen sein, mit dem Selenskij diese Bilder zum Erfreuen seiner G7-Partner-in-Crime pr\u00e4sentiert hat.<\/p>\n<p>Nach diesen Angriffen auf die russische Hauptstadt lassen sich aus der \u00f6ffentlichen Reaktion der russischen F\u00fchrung zwei Schlussfolgerungen ziehen. Erstens scheint der Kreml weitreichenden ukrainischen Schl\u00e4gen auf Energieproduktionsanlagen keine strategische Bedeutung beizumessen. Die Bedrohungslage bleibe unter Kontrolle, so die Stimmen des Kommentariats aus Moskau; der Ausgang des Konflikts werde letztlich auf dem Schlachtfeld entschieden, wo Russland \u00fcber einen deutlichen Vorteil verf\u00fcge.<\/p>\n<p>Zweitens geht Moskau davon aus, dass die Ukraine und ihre europ\u00e4ischen Unterst\u00fctzer den Eindruck ukrainischer Erfolge oder zumindest einer ukrainischen \u00dcberlegenheit erzeugen wollen. Solche Aktionen sollen aus Sicht Kiews dazu f\u00fchren, dass mehr Russen den Krieg nicht mehr als etwas Fernes, sondern als direkte Bedrohung ihres Alltags wahrnehmen. Aber eigentlich m\u00fcsste man dies in Kiew besser wissen. Denn in der Vergangenheit haben vergleichbare Situationen in Russland traditionell zu einer st\u00e4rkeren Unterst\u00fctzung der politischen F\u00fchrung gef\u00fchrt. So auch jetzt. Medienberichten zufolge liegt laut aktuellen Umfragen die Zustimmung f\u00fcr Pr\u00e4sident Wladimir Putin \u2013 nach einem zwischenzeitlichen leichten R\u00fcckgang \u2013 jetzt bei 89 Prozent.<\/p>\n<p>Dennoch beobachtet Moskau die Aktivit\u00e4ten des kollektiven Westens mit wachsender Unruhe und tiefem Misstrauen. Russische Stellen werfen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern offen vor, die Langstrecken-F\u00e4higkeit der Ukraine durch die Lieferung moderner Drohnensysteme zu verbessern. Besonders Aufsehen erregten \u00c4u\u00dferungen des deutschen Luftwaffeninspekteurs Generalleutnant Neyman. Er hatte in einem Interview mit dem britischen <em>Telegraph<\/em> erkl\u00e4rt, die NATO werde im Konfliktfall Ziele auf der Krim, in Kaliningrad, Sankt Petersburg und auf der Kola-Halbinsel angreifen, und Deutschland sei &#8222;bereit, heute Nacht in den Krieg zu ziehen&#8220;. Die Aussagen fielen nur wenige Tage vor dem 85. Jahrestag des deutschen \u00dcberfalls auf die Sowjetunion und l\u00f6sten in Russland scharfe Kritik aus.<\/p>\n<p>Auch die Ergebnisse des G7-Gipfels wurden in Moskau negativ aufgenommen. Das Abschlusskommuniqu\u00e9 mit seiner fortgesetzten Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine und dem verst\u00e4rkten wirtschaftlichen Druck auf Russland stie\u00df auf deutliche Ablehnung. Viele mittlere Kreml-Vertreter sehen zudem keinen echten Willen der USA zu einer diplomatischen L\u00f6sung. Trotz gegenteiliger \u00f6ffentlicher \u00c4u\u00dferungen von Pr\u00e4sident Trump setze Washington weiterhin auf nachrichtendienstliche Unterst\u00fctzung und milit\u00e4rische Nachschublieferungen an die Ukraine.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund w\u00e4chst in Moskau die Sorge vor einer Eskalation. Unter den politischen Strategen des Kremls gibt es divergierende Auffassungen \u00fcber das weitere Vorgehen vor den Wahlen zur Staatsduma im Herbst. Eine Fraktion argumentiert, Russland f\u00fchre derzeit nur einen &#8222;halben Krieg&#8220;. Gr\u00f6\u00dfere Schl\u00e4ge, die als direkte NATO-Beteiligung wahrgenommen werden, k\u00f6nnten als Rechtfertigung genutzt werden, um eine existenzielle Bedrohungslage auszurufen und damit zus\u00e4tzliche wirtschaftliche Ma\u00dfnahmen sowie eine neue Mobilisierungsrunde zu rechtfertigen. Die gegnerische Fraktion warnt jedoch vor den Risiken einer solchen Eskalation und davor, dass eine Versch\u00e4rfung der Konfrontation au\u00dfer Kontrolle geraten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Gesamttemperatur der Eskalation steigt dennoch weiter. Au\u00dfenminister Sergei Lawrow schrieb in einem Beitrag f\u00fcr die Zeitschrift <em>International Life<\/em>, die aktuelle Eskalation bewege sich auf einen direkten Konflikt zwischen Russland und der NATO zu, der schnell zu einem Austausch von Nuklearschl\u00e4gen f\u00fchren k\u00f6nne. Kremlnahe Quellen berichten, dass derzeit vor allem die Frage diskutiert werde, welches Eskalationsniveau noch akzeptabel sei. Der Druck nehme zu, und es wachse die Sorge, dass irgendwann eine massive und gewaltsame Reaktion ausgel\u00f6st werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2014\u00a0<strong>\u00a0<\/strong><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/283230-luftwaffenchef-neumann-verspricht-russland-vollen-zorn-nato\/\">Martialische Drohungen: Luftwaffenchef Neumann verspricht Russland vollen &#8222;Zorn der NATO&#8220;<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v79b2ja\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Rainer Rupp Im Ukraine-Krieg behalten die russischen Streitkr\u00e4fte weiterhin entlang der gesamten Front die Initiative. 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