{"id":10626,"date":"2026-06-21T19:04:14","date_gmt":"2026-06-21T17:04:14","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/hickhack-um-friedman-auftritt-bei-den-bayreuther-jubilaeumsfestspielen\/"},"modified":"2026-06-21T19:04:14","modified_gmt":"2026-06-21T17:04:14","slug":"hickhack-um-friedman-auftritt-bei-den-bayreuther-jubilaeumsfestspielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/hickhack-um-friedman-auftritt-bei-den-bayreuther-jubilaeumsfestspielen\/","title":{"rendered":"Hickhack um Friedman-Auftritt bei den Bayreuther Jubil\u00e4umsfestspielen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Im August 1876 fanden in der oberfr\u00e4nkischen ehemaligen Residenzstadt Bayreuth erstmalig die Festspiele statt. Im eigens daf\u00fcr errichteten Festspielhaus wurde damals Richard Wagners Oper &#8222;Das Rheingold&#8220; uraufgef\u00fchrt. Seitdem fanden die Wagner-Festspiele dort nahezu ununterbrochen statt, lediglich w\u00e4hrend einer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Episode in der Nachkriegszeit pausierten sie.<\/p>\n<p>Grund genug also, das 150. Jubil\u00e4um der Festspiele heuer angemessen zu feiern. Doch die Feierlaune ist getr\u00fcbt. Nicht nur, dass \u2013 wie etwa die <em>Augsburger Allgemeine<\/em> berichtete \u2013 das Festprogramm erheblich eingedampft werden musste. Der Grund: schn\u00f6der Geldmangel. Daran scheiterte das Vorhaben, alle Wagner-Opern in einer Saison aufzuf\u00fchren, ebenso wie der Wunsch der Stadt Bayreuth nach einer Festmeile. Nun fallen die Jubil\u00e4umswochen erheblich bescheidener aus.<\/p>\n<p>Und auch die Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten der Wagner-Festspiele steckte zwischenzeitlich fest: Immerhin war der Komponist Richard Wagner \u00fcberzeugter Antisemit. Und NS-Diktator Adolf Hitler war als gl\u00fchender Wagner-Bewunderer Stammgast bei den Festspielen und stand im engen Kontakt zur Familie Wagner. Anlass zur Aufarbeitung derartiger Verstrickungen gibt es also genug.<\/p>\n<p>Diesmal wollte man offensichtlich erinnerungspolitisch nichts falsch machen und plante f\u00fcr den 26. Juli ein Gedenkkonzert mit dem Titel &#8222;Verstummte Stimmen&#8220; zur Erinnerung an verfolgte j\u00fcdische Musiker. Der deutsch-franz\u00f6sische Publizist und fr\u00fchere stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, sollte au\u00dferdem in einer Rede die heiklen Punkte in der Festspiel-Vergangenheit thematisieren, auch wenn er bisher nicht als ausgewiesener Wagner-Kenner in Erscheinung getreten ist. Der Erl\u00f6s der geplanten Veranstaltung war jungen israelischen Musikern gewidmet.<\/p>\n<p>Doch dann kam die Absage. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Wagner-Festspiele soll gegen\u00fcber Friedman erkl\u00e4rt haben, man k\u00f6nne die Gedenkveranstaltung aus Sicherheitsbedenken nicht durchf\u00fchren. Man m\u00fcsse bereits das Sicherheitskonzept der Er\u00f6ffnungsoper &#8222;Rienzi&#8220;, bei der zahlreiche prominente G\u00e4ste erwartet w\u00fcrden, bew\u00e4ltigen. Eine zweite Veranstaltung mit einem derartigen Sicherheitsaufwand sei nicht zu stemmen.<\/p>\n<p>Friedman wiederum lie\u00df die Absage nicht auf sich sitzen und machte sie \u00f6ffentlich. \u00a0Gegen\u00fcber der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> erkl\u00e4rte er den Schritt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung zu einem &#8222;Tod durch Selbstmord&#8220; in der Demokratie. Auch bezweifelte er die Ernsthaftigkeit des Bem\u00fchens, sich mit dem Antisemitismus Wagners auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Und die Kritik lie\u00df nicht nach. Auch der bayerische Staatsminister f\u00fcr Wissenschaft und Kunst, Markus Blume (CSU), meldete sich gegen\u00fcber der <em>dpa <\/em>zu Wort. Er erwarte von der Festspielleitung, dass sie eine L\u00f6sung f\u00fcr die Veranstaltung finde und zeige: &#8222;Im Kampf gegen Antisemitismus stehen wir zusammen.&#8220; Das Bayreuther Agieren bez\u00fcglich der Gedenkveranstaltung nannte er &#8222;ungl\u00fccklich&#8220;. Charlotte Knobloch, die Pr\u00e4sidentin der Israelitischen Kultusgemeinde M\u00fcnchen und Oberbayern, sprach gar von einer &#8222;Bankrotterkl\u00e4rung&#8220; auf jeder Ebene.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber diesem Druck ruderte die Festspielleitung zur\u00fcck. Offenbar ist die Sicherheitsfrage nun doch l\u00f6sbar. Die Festspielleiterin und Wagner-Urenkelin Katharina Wagner entschuldigte sich schlie\u00dflich bei Michel Friedman und lud ihn ein, nach Bayreuth zu kommen und seinen Vortrag zu halten. Ihr sei das Gedenkkonzert eine Herzensangelegenheit, lie\u00df sie gegen\u00fcber dem <em>Bayerischen Rundfunk <\/em>verlautbaren. Und in ihrem Entschuldigungsschreiben an Friedman soll sie ge\u00e4u\u00dfert haben: &#8222;Eine reine Jubelfeier w\u00e4re f\u00fcr mich unertr\u00e4glich!&#8220;<\/p>\n<p>Michel Friedman nahm die Entschuldigung an. Wie er gegen\u00fcber der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> \u00e4u\u00dferte, sei die Entschuldigung Katharina Wagners f\u00fcr ihn &#8222;ernsthaft und glaubw\u00fcrdig&#8220;. Und auch seine Teilnahme an der Veranstaltung schloss er nicht aus: Wenn sich jemand bewege, solle man sich mitbewegen. Er sei gerne bereit, nun doch seine Rede in Bayreuth zu halten.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211; <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/gesellschaft\/104405-war-glinka-antisemit-russische-musikwissenschaftlerin\/\">War Glinka ein Antisemit? Musikwissenschaftler widerlegen Anschuldigungen deutscher Medien<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v6u5sda\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im August 1876 fanden in der oberfr\u00e4nkischen ehemaligen Residenzstadt Bayreuth erstmalig die Festspiele statt. Im eigens daf\u00fcr errichteten Festspielhaus wurde damals Richard Wagners Oper &#8222;Das Rheingold&#8220; uraufgef\u00fchrt. Seitdem fanden die Wagner-Festspiele dort nahezu ununterbrochen statt, lediglich w\u00e4hrend einer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Episode in der Nachkriegszeit pausierten sie. Grund genug also, das 150. 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