{"id":10641,"date":"2026-06-22T07:02:50","date_gmt":"2026-06-22T05:02:50","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/die-deutschen-chemiekonzerne-laufen-der-krise-hinterher-37572760-html\/"},"modified":"2026-06-22T07:02:50","modified_gmt":"2026-06-22T05:02:50","slug":"die-deutschen-chemiekonzerne-laufen-der-krise-hinterher-37572760-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/die-deutschen-chemiekonzerne-laufen-der-krise-hinterher-37572760-html\/","title":{"rendered":"Kolumne: Die Chemiekonzerne laufen der Krise hinterher"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Nun streicht also auch Evonik weitere Arbeitspl\u00e4tze \u2013 wie die anderen Unternehmen in der Chemieindustrie auch. Doch wieder einmal kommt alles sp\u00e4t. Warum eigentlich?<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Manchmal ist es ein einziger Halbsatz in einer l\u00e4nglichen Verlautbarung, der die ganze Misere eines Unternehmens verr\u00e4t. In der vergangenen Woche verk\u00fcndete Evonik den Abbau von 3200 weiteren Jobs und die Schlie\u00dfung seines gesamten Gesch\u00e4fts mit der Chemiefaser Polyester. In diesem Bereich fallen weltweit rund 350 Arbeitspl\u00e4tze weg. Zur Begr\u00fcndung hei\u00dft es, die Standorte in Marl und Witten seien \u201eseit Jahren nicht mehr profitabel\u201c. Stellt sich die Frage: Warum schlie\u00dft Evonik erst jetzt die vergleichsweise kleine Produktion mit einem Jahresumsatz von 150 Mio. Euro, wenn man mit dem Massenprodukt Polyester seit langem kein Geld verdient?<\/p>\n<p>Ein Teil der Antwort liegt in dem innigen B\u00fcndnis zwischen dem Management und der m\u00e4chtigen Gewerkschaft IG BCE. In keiner Industrie verf\u00fcgen die Funktion\u00e4re \u00fcber so viel Einfluss wie in der Chemie. Das zeigt sich an dem au\u00dferordentlich hohen Lohnniveau, aber auch bei den ungew\u00f6hnlich starken H\u00fcrden f\u00fcr den Personalabbau. Die Manager scheuen den Konflikt mit der Gewerkschaft und reagieren bei vielen kleinen Baustellen zu sp\u00e4t. Und m\u00fcssen dann aber irgendwann doch handeln und in gro\u00dfem Stil Jobs streichen. So wie jetzt bei Evonik, wo ein Zehntel der gesamten Belegschaft gehen soll.<\/p>\n<p>Evonik-Chef Christian Kullmann macht die \u201eweltpolitische Lage\u201c und das \u201eschwache Wachstum\u201c, \u201egro\u00dfe Unsicherheiten\u201c und immer \u201eh\u00e4rteren Wettbewerb\u201c f\u00fcr alles verantwortlich. Alle diese Faktoren wirken jedoch seit mindestens f\u00fcnf Jahren auf das Chemiegesch\u00e4ft ein. Genauso lange h\u00f6rt man die Klagen und Forderungen der Industrie. Und Kullmann geh\u00f6rt seit langem zu den schrillsten Lautsprechern der Branche, wenn es um Vorw\u00fcrfe gegen die deutsche Politik geht. Offenbar fehlt es aber an der gleichen Energie, wenn es um die selbst l\u00f6sbaren Probleme im eigenen Konzern geht.<\/p>\n<h2>Die Probleme der deutschen Chemiekonzerne sind hausgemacht<\/h2>\n<p>Evonik und die anderen Chemiekonzerne laufen der Krise immer noch hinterher, statt sich proaktiv auf die neue Gesamtlage einzustellen und endlich vor die Welle zu kommen, die \u00fcber der gesamten Branche zusammenschl\u00e4gt. Auf vielen Feldern fehlt den deutschen Konzernen die notwendige Masse, um mit den gro\u00dfen Wettbewerbern mitzuhalten. Vor allem mit den aggressiven Herstellern aus Asien. Die Chinesen stellen mit ihren halbstaatlichen, hoch subventionierten Konzernen mittlerweile 60 Prozent des Weltbedarfs an Polyester her. Das Evonik mit 45 (!) Besch\u00e4ftigten am Standort Shanghai nicht mit den chinesischen Riesen mithalten konnte, kann kaum verwundern.<\/p>\n<p>Es zeigt sich immer wieder, dass die deutschen Chemiekonzerne zum gr\u00f6\u00dften Teil selbst an ihren heutigen Problemen schuld sind. Die st\u00e4ndigen Klagen \u00fcber die Rahmenbedingungen der Branche kann man nur als Nebelwand bezeichnen. So liegen die Energiepreise inzwischen deutlich unter ihrem H\u00f6hepunkt \u2013 aber in der Gewinn- und Verlustrechnung der Konzerne spiegelt es sich kaum wider. Es w\u00e4re Zeit f\u00fcr die Unternehmen, sich ehrlich zu machen und sich endlich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen. \u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Nun streicht also auch Evonik weitere Arbeitspl\u00e4tze \u2013 wie die anderen Unternehmen in der Chemieindustrie auch. Doch wieder einmal kommt alles sp\u00e4t. 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