{"id":11393,"date":"2026-06-27T12:02:07","date_gmt":"2026-06-27T10:02:07","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/h-moser-cie-die-uhrenbranche-geht-zu-wenige-risiken-ein-37447866-html\/"},"modified":"2026-06-27T12:02:07","modified_gmt":"2026-06-27T10:02:07","slug":"h-moser-cie-die-uhrenbranche-geht-zu-wenige-risiken-ein-37447866-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/h-moser-cie-die-uhrenbranche-geht-zu-wenige-risiken-ein-37447866-html\/","title":{"rendered":"H. Moser &amp; Cie.: \u201eDie Uhrenbranche geht zu wenige Risiken ein\u201c"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Bertrand Meylan, Co-Chef der Uhrenschmiede H. Moser &amp; Cie., \u00fcber den schwierigen Aufstieg der schon 200 Jahre alten Marke, die Zusammenarbeit mit Reebok \u2013 und den gr\u00f6\u00dften Reinfall\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>H. Moser &amp; Cie. macht vieles anders als andere Uhrenfirmen \u2013 und das hat dem Unternehmen, das gerade einmal 4000 Modelle pro Jahr verkauft, eine loyale Fangemeinde beschert. Ein Erfolg ganz ohne Konzern im R\u00fccken und Popstars als Botschafter.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Bertrand Meylan, von au\u00dfen sieht es aus, als w\u00e4re Moser aus dem Nichts aufgetaucht. Wann hatten Ihr Bruder Edouard und Sie das Gef\u00fchl, dass die Eigendynamik reicht?<\/strong><br \/>BERTRAND MEYLAN: Ich glaube nicht, dass wir diesen Punkt bereits erreicht haben. Wir sind ganz am Anfang. Vor acht Jahren gab es schon einmal so einen Run \u2013 alle Welt sprach \u00fcber uns, die Leute liebten unsere Uhren. Trotzdem gestaltete sich das Gesch\u00e4ft selbst sehr, sehr schwer. Oft haben wir uns damals gefragt: Warum m\u00fcssen wir noch immer so k\u00e4mpfen?<\/p>\n<p><strong>Und heute?<\/strong><br \/>Sorgen dar\u00fcber, ob sich all das \u00fcberhaupt tr\u00e4gt, machen wir uns definitiv nicht mehr. Trotzdem liegt das wichtigste St\u00fcck des Weges vor uns. Der Einzug in die Grande Halle auf der Messe in Genf ist ein gro\u00dfer Schritt, der die Power unserer Marke zeigt. 2028 folgt dann das 200-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um von H. Moser &amp; Cie., an dem wir schon seit vier Jahren arbeiten. Dann wird auch die neue Manufaktur er\u00f6ffnet, die unsere Kapazit\u00e4ten verdoppelt.<\/p>\n<p><strong>Hat sich durch den Erfolg etwas an der F\u00fchrung ge\u00e4ndert?<\/strong><br \/>Nein, mein Bruder und ich sprechen mit dem Team genauso, wie wir es vor f\u00fcnf Jahren getan haben. Jede verkaufte Uhr z\u00e4hlt, jeder Sammler ist wichtig. Wie fr\u00fcher, als wir um jeden einzelnen Kunden gerungen haben.<\/p>\n<p><strong>Ihre Familie kaufte Moser im Jahr 2012. Sie teilen sich mit ihrem Bruder das Tagesgesch\u00e4ft. Wie funktioniert das?<\/strong><br \/>Zu 98 Prozent wunderbar, weil die Rollen klar sind und wir uns in unseren St\u00e4rken erg\u00e4nzen. Edouard leitet als CEO die Manufaktur, er ist Ingenieur und ungemein kreativ. Ich verantworte den Vertrieb, und bringe Impulse f\u00fcr Design und Marketing ein. Wir lassen einander jeweils freie Hand.<\/p>\n<p><strong>Und die anderen zwei Prozent?<\/strong><br \/>Nat\u00fcrlich gibt es mal Spannungen zwischen uns, manchmal reden wir auch ein paar Wochen kaum miteinander. Das Problem bei Geschwistern ist ja, dass man, wenn es im B\u00fcro kracht, diesen Konflikt mit nach Hause bringt. Aber in den bisher 14 Jahren unserer Zusammenarbeit war es selten wirklich schlimm. Wir haben gelernt, in solchen Momenten rechtzeitig loszulassen und sp\u00e4ter wieder aufeinander zuzugehen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Zum Zeitpunkt der \u00dcbernahme gab es im Grunde ein einziges Produkt, den eleganten \u201eEndeavour Perpetual Calendar\u201c. Wann haben Sie gemerkt: Das reicht nicht?<\/strong><br \/>Das war gleich zu Beginn ein wichtiges Thema, denn man braucht ein gewisses Spektrum. Also haben wir Kollektionen wie \u201eStreamliner\u201c und \u201ePioneer\u201c entwickelt. Wir sind durchaus flexibel: Wenn der Markt sich dreht, sind wir dabei.<\/p>\n<p><strong>Mit dem Risiko, beliebig zu werden?<\/strong><br \/>Nein, weil der rote Faden bleibt. Unsere Sammler tragen oft nicht nur eine Moser-Uhr und sie wollen die Marke aus verschiedenen Perspektiven erleben. Deshalb bleiben wir kontinuierlich kreativ.<\/p>\n<p><strong>Viele Luxusmarken haben ihre Preise zuletzt deutlich angehoben, Moser nicht. Warum?<\/strong><br \/>Der Einstieg in die Moser-Welt liegt bei knapp 14.000 Franken, und dabei soll es m\u00f6glichst bleiben. Offen gesagt, ist das mit vollst\u00e4ndig hauseigenen Werken eine unserer gr\u00f6\u00dften Herausforderungen. Eine hoch komplizierte Uhr zu produzieren, wo der Verkaufspreis keine Rolle spielt, ist dagegen fast einfach. Ein fairer Gegenwert ist und bleibt jedoch der Kern unserer Philosophie.<\/p>\n<p><strong>Wer kauft eine Moser-Uhr?<\/strong><br \/>Wir haben mit 35 bis 55 Jahren eine eher junge Sammlerschaft aus Unternehmern und Kreativen. Eine Moser ist meist nicht deren erste, aber auch nicht die hundertste. Sie kaufen sich vielleicht erst eine Rolex, eine Audemars Piguet, und dann eine Moser, weil sie sich von ihren Freunden abheben wollen.<\/p>\n<p><strong>Etwa 90 Prozent der Sammler sind m\u00e4nnlich. St\u00f6rt Sie das?<\/strong><br \/>Ja, als ich neulich bei einem Dinner war, wo von 25 Sammlern gerade mal eine Frau am Tisch sa\u00df, habe ich laut gesagt: Das muss sich \u00e4ndern. Und das wird es auch. Wir haben in Genf gerade kleinere Werke vorgestellt, die Uhren in den Durchmessern 34 bis 28 Millimeter m\u00f6glich machen. Doch das Produkt allein reicht nicht. Wir m\u00fcssen uns fragen, wie wir unsere Uhren bewerben, mit welchen Storys, und wo. Da sind alle Bereiche gefragt.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Zu den Werten Ihrer Marke z\u00e4hlen Sie neben Handwerk und Menschlichkeit auch den englischen Begriff \u201emaverick\u201c, was \u00fcbersetzt \u201eRebell\u201c oder \u201eNonkonformist\u201c bedeutet. Was ist damit gemeint?<\/strong><br \/>Das soll unsere Bereitschaft unterstreichen, sich aus der Deckung zu wagen. Wir schlagen auch Richtungen ein, die f\u00fcr eine Luxusuhrenmarke ungew\u00f6hnlich sind, denn wer in dieser Branche keinen Mut beweist, macht einen Fehler. Es werden meiner Meinung nach in unserer Industrie viel zu wenige Risiken eingegangen!<\/p>\n<p><strong>Das geht auch mal schief. Was war die gr\u00f6\u00dfte Niederlage?<\/strong><br \/>Die \u201eSwiss Icons Watch\u201c. Dazu muss man wissen, dass wir \u00fcber mehrere Jahre hinweg auf jeder Messe in Genf eine Uhr vorgestellt hatten, die ganz bewusst f\u00fcr Gespr\u00e4chsstoff sorgte. Ein \u201eTalking Piece\u201c. 2018 sind wir allerdings zu weit gegangen\u00a0\u2026<\/p>\n<p><strong>Warum?<\/strong><br \/>Die Uhr war als satirischer Kommentar auf gewisse Gepflogenheiten und Klischees der Haute Horlogerie gemeint. In bester Frankenstein-Manier zitierte sie Designelemente der ber\u00fchmtesten Schweizer Uhren \u2013 von Rolex, Audemars Piguet, Patek Philippe oder Panerai.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Die Reaktionen?<\/strong><br \/>Wir wurden an den Pranger gestellt, und mussten zwei Tage vor der Messe alles stoppen. Die Uhr wurde nie verkauft, sie liegt bis heute im Tresor. Manchmal zeigen wir sie Besuchern der Manufaktur.<\/p>\n<p><strong>Hatten Sie solchen Furor erwartet?<\/strong><br \/>Nein, noch in der Nacht davor dachten wir: Das funktioniert. Erst als der Shitstorm losbrach, mussten wir r\u00fcckblickend zugeben, dass wir es h\u00e4tten kommen sehen m\u00fcssen. Die Idee war gut \u2013 wirklich! Es war die Pr\u00e4sentation, die \u00fcber das Ziel hinausschoss. Das Jahr war echt schwierig, doch das ist heute l\u00e4ngst Geschichte. Und viele der CEOs, die sich damals echauffierten, sind l\u00e4ngst nicht mehr im Amt. Uns gibt es noch. Und wie.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Keine Angst, dass die \u201eStreamliner Pump\u201c ein Flop wird?<\/strong><br \/>Der ist das Gegenteil, denn wir sind quasi Teil des Comebacks einer echten Legende, des \u201eThe Pump\u201c-Basketballschuhs, der 1989 deb\u00fctierte. Der Druck auf die runde Pumpe in der Lasche, mit der sein Sitz gestrafft wird, hat mich fasziniert. Uns ist es gelungen, diesen Knopf in die Uhrmacherei zu \u00fcbersetzen: Jeder Druck l\u00e4dt das Werk weiter auf, ablesbar auf dem Zifferblatt.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Wie kam die Uhr in Genf an?<\/strong><br \/>Mir w\u00e4re es recht gewesen, wenn sie das Publikum in Fans und Hasser geteilt h\u00e4tte. Aber deutlich \u00fcber 80 Prozent unserer Besucher und Gespr\u00e4chspartner liebten das Modell. Da mag Nostalgie mit im Spiel sein. So wie bei uns selbst.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Bertrand Meylan, Co-Chef der Uhrenschmiede H. 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