{"id":11409,"date":"2026-06-27T16:03:27","date_gmt":"2026-06-27T14:03:27","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/selenskij-drohte-weissrussland-und-verkuendet-dann-aus-heiterem-himmel-den-sieg\/"},"modified":"2026-06-27T16:03:27","modified_gmt":"2026-06-27T14:03:27","slug":"selenskij-drohte-weissrussland-und-verkuendet-dann-aus-heiterem-himmel-den-sieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/selenskij-drohte-weissrussland-und-verkuendet-dann-aus-heiterem-himmel-den-sieg\/","title":{"rendered":"Selenskij drohte Wei\u00dfrussland \u2013 und verk\u00fcndet dann aus heiterem Himmel den Sieg"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Sergei Poletajew<\/em><\/p>\n<p>Am 19.\u00a0Juni hatte\u00a0der Ukrainer Wladimir Selenskij dem wei\u00dfrussischen Pr\u00e4sidenten Alexander Lukaschenko ein Ultimatum gestellt und die Beseitigung von Drohnen-Relaisstationen gefordert, die sich angeblich auf wei\u00dfrussischem Territorium bef\u00e4nden und zur Steuerung russischer Drohnenangriffe auf die Ukraine genutzt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Am 24.\u00a0Juni erkl\u00e4rte Selenskij, Lukaschenko sei seinem Ultimatum nachgekommen, und die Relaisstationen seien nicht mehr in Betrieb. Lukaschenko \u00e4u\u00dferte sich nicht dazu, und es wurden keine Beweise f\u00fcr die Existenz oder die Beseitigung dieser Stationen vorgelegt. Wir sollen Selenskij einfach beim Wort nehmen.<\/p>\n<p>Im Folgenden untersuchen wir, worum es bei dieser Geschichte ging, warum Kiew zu einer solchen rhetorischen Eskalation griff und warum sie so endete, wie sie endete.<\/p>\n<p><strong>Was ist passiert und wo?<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Russland der \u00f6stliche und nord\u00f6stliche Nachbar der Ukraine ist, liegt Wei\u00dfrussland direkt n\u00f6rdlich der Ukraine. Von Wei\u00dfrussland aus sind die westlichen Regionen der Ukraine und die ukrainisch-polnische Grenze auf dem k\u00fcrzesten Weg erreichbar. Und die Entfernung von der ukrainisch-wei\u00dfrussischen Grenze nach Kiew betr\u00e4gt weniger als 100\u00a0Kilometer Luftlinie.<\/p>\n<p>Wei\u00dfrussland beteiligt sich jedoch nicht an der &#8222;milit\u00e4rischen Sonderoperation&#8220; Russlands. Das einzige Mal, dass Russland \u00fcber Wei\u00dfrussland in die Ukraine einmarschiert\u00a0war, war im Februar und M\u00e4rz\u00a02022 gewesen, als russische Truppen aus dem Gebiet Gomel auf den Flugplatz Gostomel in der N\u00e4he von Kiew abgesetzt worden waren, woraufhin Nachschub f\u00fcr die Gostomel-Gruppe auf dem Landweg erfolgte. Anfang April\u00a02022 zogen sich die russischen Truppen zudem in Richtung Gomel in Wei\u00dfrussland zur\u00fcck. Der russischen Rhetorik zufolge ist Wei\u00dfrussland ein &#8222;Verb\u00fcndeter, der nicht an den Feindseligkeiten beteiligt ist&#8220;.<\/p>\n<p>Lukaschenko sieht sich eher als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine: Die ersten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine hatten 2022 in Gomel stattgefunden und wurden eine Woche sp\u00e4ter nach Istanbul verlegt.<\/p>\n<p>Wei\u00dfrussland im Norden stellt jedoch eine st\u00e4ndige und ernsthafte Bedrohung f\u00fcr die Ukraine dar: Letztere muss entlang der gesamten 1.000\u00a0Kilometer langen ukrainisch-wei\u00dfrussischen Grenze Infanterie- und Luftabwehrverb\u00e4nde stationieren. Dabei k\u00f6nnten diese Zehntausende Soldaten \u2013 auch wenn sie nicht die beste Kampfqualit\u00e4t aufweisen \u2013 angesichts des katastrophalen Personalmangels der ukrainischen Armee an der Front n\u00fctzlich sein.<\/p>\n<p>Selenskij selbst ist ziemlich nerv\u00f6s. Seit Januar hat er seine Rhetorik gegen\u00fcber Lukaschenko versch\u00e4rft und im Februar sogar Sanktionen gegen ihn verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Auch das Thema der Relaisstationen wurde wiederholt angesprochen. So hatte Selenskij beispielsweise am 23.\u00a0Februar erkl\u00e4rt, die ukrainische Seite habe alles in ihrer Macht Stehende getan, um sicherzustellen, dass &#8222;drei oder vier&#8220; davon auf wei\u00dfrussischem Territorium &#8222;nicht mehr existieren&#8220;. Genau wie heute waren damals keine Daten \u00fcber die Existenz der Stationen oder deren Beseitigung ver\u00f6ffentlicht worden.<\/p>\n<p>Am 18.\u00a0April erkl\u00e4rte Selenskij, dass Wei\u00dfrussland auf Befehl Russlands einen Angriff auf die Ukraine vorbereite (angeblich w\u00fcrden auf Befehl Lukaschenkos Stra\u00dfen zur Grenze gebaut und Artilleriestellungen eingerichtet), und drohte dem wei\u00dfrussischen Pr\u00e4sidenten in recht unh\u00f6flicher Weise mit dem Schicksal des von den USA entf\u00fchrten venezolanischen Pr\u00e4sidenten Nicol\u00e1s Maduro.<\/p>\n<p>All diese Berichte tauchten in den Medien auf und verschwanden dann schnell wieder, w\u00e4hrend vor Ort nichts geschah. Die wei\u00dfrussische Seite reagierte zur\u00fcckhaltend; Minsk machte deutlich, dass es keinen Konflikt suchte, aber im Bedarfsfall bereit seie, sich zu verteidigen, und keine Aggression dulden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Es ist anzumerken, dass die wei\u00dfrussische Armee zwar gut ausger\u00fcstet, aber recht klein ist: In Friedenszeiten umfassen ihre Landstreitkr\u00e4fte etwa 20.000 Mann. Diese Zahl k\u00f6nnte durch die Einberufung von Reservisten schnell auf 100.000 erh\u00f6ht werden, doch trotz regelm\u00e4\u00dfiger Mobilisierungs\u00fcbungen gab es in Wei\u00dfrussland keine Anzeichen f\u00fcr eine Einberufung von Reservekr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall war Selenskijs Ultimatum am Samstag eine logische Fortsetzung seiner zunehmend aggressiven Rhetorik und sorgte nur wegen der klaren Frist f\u00fcr Aufsehen: Innerhalb einer Woche versprach Selenskij, russische Ausr\u00fcstung selbst vom wei\u00dfrussischen Hoheitsgebiet zu &#8222;entfernen&#8220;. Er drohte zudem mit Angriffen auf wei\u00dfrussische \u00d6lraffinerien, die angeblich die russische Armee mit Treibstoff versorgen.<\/p>\n<p><strong>Welche Optionen gab es?<\/strong><\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzer der Ukraine nahmen Selenskijs Drohungen ernst und sogar mit Begeisterung auf. Das ist verst\u00e4ndlich: Westlichen Medien zufolge hat die Ukraine seit Jahresbeginn das Blatt im Konflikt gewendet und besiegt Russland in der Luft entscheidend. Aus dieser Perspektive ist es durchaus logisch, den Konflikt auf Moskaus Verb\u00fcndete auszuweiten.<\/p>\n<p>Wir haben vier m\u00f6gliche Folgen von Selenskijs Ultimatum identifiziert:<\/p>\n<p>Die erste (unwahrscheinliche) Option: Lukaschenko h\u00e4tte dem Ultimatum nachkommen und \u00f6ffentlich zugeben k\u00f6nnen, dass die Relaisstationen zwar vorhanden waren, aber auf Wunsch der ukrainischen Seite entfernt wurden. Alternativ h\u00e4tte er sich \u00f6ffentlich weigern k\u00f6nnen, Russland mit Treibstoff zu versorgen.<\/p>\n<p>Die zweite M\u00f6glichkeit: Die Ukraine h\u00e4tte einen gro\u00df angelegten, massiven Luftangriff auf Ziele in Wei\u00dfrussland durchf\u00fchren k\u00f6nnen; neben den mutma\u00dflichen Relaisstationen h\u00e4tte sie auch die \u00d6lraffinerie in Mosyr, Infrastruktur sowie Energieanlagen ins Visier nehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die dritte Option: Wie bereits im Februar k\u00f6nnte Selenskij erkl\u00e4ren, dass die Relaisstationen beseitigt wurden. Er hat vor der Bedrohung gewarnt, und er hat sie beseitigt. Die Geschichte w\u00fcrde bald an Bedeutung verlieren und in wenigen Tagen in Vergessenheit geraten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich die vierte Option: Die Ukraine h\u00e4tte kleinere Provokationen gegen Wei\u00dfrussland starten und dessen rote Linien ausloten k\u00f6nnen. Zun\u00e4chst k\u00f6nnten ein oder zwei Drohnen unbedeutende Ziele oder sogar ein abgelegenes Waldgebiet angreifen. Dann w\u00fcrde die Zahl der Drohnen zunehmen, die Ziele w\u00fcrden an Bedeutung gewinnen, und in nur wenigen Wochen oder Monaten w\u00fcrde der Luftraum \u00fcber Wei\u00dfrussland ebenso unruhig werden wie im europ\u00e4ischen Teil Russlands. Moskau m\u00fcsste seinen Verb\u00fcndeten mit Raketenabwehrsystemen versorgen, was bedeuten w\u00fcrde, Luftabwehrsysteme aus dem eigenen Hoheitsgebiet abzuziehen und den eigenen Luftraum zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes w\u00fcrde der wei\u00dfrussische Luftraum f\u00fcr Angriffe auf die Ukraine genutzt werden. Wir haben bereits die 1.000\u00a0Kilometer lange Grenze zwischen der Ukraine und Wei\u00dfrussland. Derzeit muss eine Drohne vom Typ Geran 300 bis 500\u00a0Kilometer \u00fcber ukrainisches Gebiet fliegen, um Kiew anzugreifen. Das bedeutet, dass mobile ukrainische Feuerteams gute Chancen haben, die Drohne zu erkennen und abzuschie\u00dfen, bevor sie ihr Ziel erreicht.<\/p>\n<p>Die Entfernung von der wei\u00dfrussischen Grenze nach Kiew betr\u00e4gt jedoch weniger als 100\u00a0Kilometer Luftlinie, und die ukrainische Hauptstadt k\u00f6nnte direkt mit pr\u00e4zisionsgelenkten Gleitbomben angegriffen werden, gegen die Luftabwehrsysteme praktisch wirkungslos sind. Derzeit werden Gleitbomben nur an der Front eingesetzt; sie k\u00f6nnen die ukrainischen St\u00e4dte im Hinterland nicht erreichen.<\/p>\n<p>Diese pr\u00e4zisionsgelenkten Munitionen w\u00e4ren zudem in der Lage, die strategisch wichtige Eisenbahnstrecke von Polen nach Kiew sowie den n\u00f6rdlichen Teil der ukrainisch-polnischen Grenze ins Visier zu nehmen. Daher h\u00e4tte eine angemessene und entschlossene Reaktion den gegenteiligen Effekt von dem, was Kiew beabsichtigt: Die ukrainische Hauptstadt und St\u00e4dte im Hinterland w\u00fcrden anf\u00e4lliger, nicht sicherer.<\/p>\n<p>Daher ist sich Kiew sicherlich bewusst, dass eine Einbeziehung von Wei\u00dfrussland in den Konflikt die strategische Lage der Ukraine dramatisch verschlechtern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Wir alle wissen, wie die Geschichte mit den Relaisstationen ausgegangen ist. Genau wie im Februar entschied sich Selenskij f\u00fcr die dritte Option und erkl\u00e4rte, die Stationen seien auf seine Bitte hin abgeschaltet worden. Sein Versuch, Lukaschenko mit seinem Ultimatum zu &#8222;bluffen&#8220;, schlug fehl. Minsk hat sich unterdessen \u00fcberhaupt nicht zu der Situation ge\u00e4u\u00dfert und sowohl das Ultimatum als auch dessen wundersame R\u00fccknahme ignoriert.<\/p>\n<p>Im weiteren Sinne ist dies jedoch kaum das Ende der Geschichte. Selenskijs Logik der verbalen Eskalation l\u00e4sst ihm keine andere Wahl, als immer wieder auf Drohungen zur\u00fcckzugreifen. Schlie\u00dflich werden die Drohnen weiterfliegen, und die Bedrohung aus der Luft l\u00e4sst sich nicht mit Zauberspr\u00fcchen im Internet beseitigen.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/russia\/642118-why-zelensky-threatened-belarus\/\">Englischen<\/a><\/em><em>.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Sergei Poletajew<\/em><\/strong><em>\u00a0ist Informationsanalyst und Publizist sowie Mitbegr\u00fcnder und Herausgeber des\u00a0<\/em><em><a href=\"https:\/\/t.me\/vatfor\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vatfor-Projekts<\/a><\/em><em>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a href=\"https:\/\/freedert.online\/kurzclips\/video\/284224-lawrow-russland-laesst-sich-nicht-mehr-hinters-licht-fuehren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lawrow: Russland l\u00e4sst sich nicht mehr hinters Licht f\u00fchren<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v79f57q\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sergei Poletajew Am 19.\u00a0Juni hatte\u00a0der Ukrainer Wladimir Selenskij dem wei\u00dfrussischen Pr\u00e4sidenten Alexander Lukaschenko ein Ultimatum gestellt und die Beseitigung von Drohnen-Relaisstationen gefordert, die sich angeblich auf wei\u00dfrussischem Territorium bef\u00e4nden und zur Steuerung russischer Drohnenangriffe auf die Ukraine genutzt w\u00fcrden. 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