{"id":11505,"date":"2026-06-29T06:03:25","date_gmt":"2026-06-29T04:03:25","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/warum-koennen-slawen-nicht-aufhoeren-einander-zu-bekaempfen\/"},"modified":"2026-06-29T06:03:25","modified_gmt":"2026-06-29T04:03:25","slug":"warum-koennen-slawen-nicht-aufhoeren-einander-zu-bekaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/warum-koennen-slawen-nicht-aufhoeren-einander-zu-bekaempfen\/","title":{"rendered":"Warum k\u00f6nnen Slawen nicht aufh\u00f6ren, einander zu bek\u00e4mpfen?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von\u00a0Wadim Sagorenko<\/em><\/p>\n<p>Laut einer popul\u00e4ren Theorie besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Ethnonym &#8222;Slaw&#8220; und dem griechischen Wort \u03c3\u03ba\u03bb\u03ac\u03b2\u03bf\u03c2 (sklabos), das &#8222;Sklave&#8220; bedeutet. Dies hat nichts mit dem slawischen Charakter oder dem Willen zur Unabh\u00e4ngigkeit zu tun, sondern ist eher eine d\u00fcstere historische Erinnerung: In der Sp\u00e4tantike und im fr\u00fchen Mittelalter fielen die Slawen oft Sklavenraubz\u00fcgen zum Opfer.<\/p>\n<p>Die M\u00e4rkte waren voll von Sklaven aus Osteuropa, und der Begriff wurde angeblich mit einer ganzen Gruppe von V\u00f6lkern assoziiert.<\/p>\n<p>Viele kritisieren diese Theorie und sehen die Wurzel des Wortes im Protoslawischen [abgeleitet von &#8222;slovo&#8220; (Wort)] oder sogar in indoeurop\u00e4ischen Sprachen. Einige finden es jedoch poetisch, dass die Opferv\u00f6lker, die Unterdr\u00fcckung erlebt hatten, sich schlie\u00dflich als unabh\u00e4ngige und (gr\u00f6\u00dftenteils) respektierte Nationen etablierten.<\/p>\n<p>In gewisser Weise passt diese Geschichte zur memetischen Wahrnehmung der Slawen als stolze, seltsame, manchmal unzivilisierte und d\u00fcstere V\u00f6lker, die immer bereit sind,\u00a0einander\u00a0und jeden, der in ihre N\u00e4he kommt, zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8887b480cc32f21de625.jpg 850w,\n                https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:U3_b.92f\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8887b480cc32f21de625.jpg 1960w,            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><source data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8887b480cc32f21de625.jpg 460w,\n              https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:U3_b.92f\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8887b480cc32f21de625.jpg 980w,\n            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">&#8222;Bajan&#8220; von Wiktor Wasnezow.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Wikimedia \/ Public Domain<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir k\u00f6nnen den Teil \u00fcber &#8222;unzivilisierte&#8220; Slawen ignorieren \u2013 schauen Sie sich einfach jede slawische Stadt oder die Errungenschaften slawischer Wissenschaftler und Kulturschaffender an. Die Vorstellung, dass Slawen dauerhaft d\u00fcster sind, ist ebenfalls weit hergeholt \u2013 einige m\u00f6gen es schwer glauben, aber die meisten von uns sind keine Figuren aus Dostojewskis Romanen.<\/p>\n<p>Allerdings sind Memes \u00fcber das seltsame Verhalten der Slawen und ihre Gewohnheit, sich untereinander zu streiten, nicht so weit von der Wahrheit entfernt.<\/p>\n<p>Wie jede Gruppe von V\u00f6lkern sind die Slawen vor allem durch die Sprache vereint. Die meisten verwenden Varianten des kyrillischen Alphabets \u2013 das Alphabet, das f\u00fcr sie von den griechischen M\u00f6nchen Kyrill und Methodius geschaffen wurde. Schrift und Sprachen haben sich seitdem stark weiterentwickelt, aber Ost- und S\u00fcdslawen k\u00f6nnen Texte in den Sprachen der anderen ohne gro\u00dfe Schwierigkeiten lesen.<\/p>\n<p>Westslawen w\u00e4hlten die lateinische Schrift, aber sie k\u00f6nnen ihre \u00f6stlichen und s\u00fcdlichen Nachbarn recht gut verstehen, auch ohne deren Sprachen zu lernen. Alle slawischen Dialekte \u00e4hneln sich mehr untereinander als anderen europ\u00e4ischen Sprachgruppen.<\/p>\n<p>Die Religion spielte eine ebenso wichtige Rolle bei der Definition der Slawen. Die Wahl des orthodoxen Christentums brachte sie dem Rest Europas n\u00e4her, schuf aber andererseits eine gewisse kulturelle Barriere.<\/p>\n<p>Im Mittelalter waren Glaube und Religion nicht nur Teil der Kultur \u2013 sie definierten Kultur, Politik, das Weltverst\u00e4ndnis und den Platz des Menschen in dieser Welt. Als Mit-Christen teilten die Slawen viele \u00c4hnlichkeiten mit den Katholiken und konnten sie gut verstehen; andererseits hielten sie Katholiken f\u00fcr fremd und potenziell feindlich. Die Kreuzz\u00fcge hatten viel damit zu tun, solche \u00c4ngste zu sch\u00fcren.<\/p>\n<p>Auch die Slawen, die sich f\u00fcr den Katholizismus entschieden (also die Tschechen, Polen, Kroaten und Slowaken), waren oft gezwungen, sich sowohl gegen Westeurop\u00e4er als auch gegen die &#8222;Anderen&#8220; in der N\u00e4he zu verteidigen.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e891a48fbef073f4d58a6.jpg 850w,\n                https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e891a48fbef073f4d58a6.jpg 1960w,            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><source data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e891a48fbef073f4d58a6.jpg 460w,\n              https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e891a48fbef073f4d58a6.jpg 980w,\n            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img data-opt-id=791639987  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" data-sizes=\"auto\" src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e891a48fbef073f4d58a6.jpg\" alt=\"\"><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img data-opt-id=152118288  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e891a48fbef073f4d58a6.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Slawische St\u00e4mme vom 7. bis 9. Jahrhundert n. Chr. in Europa.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Wikimedia \/ Adam Kollath \/ CC BY-SA 4.0<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Niemand in Europa \u2013 mit Ausnahme der Spanier und Portugiesen \u2013 lebte in so enger Nachbarschaft mit nicht-europ\u00e4ischen Kulturen wie die Slawen. Der durchschnittliche Franzose oder Engl\u00e4nder begegnete nur Juden und vielleicht ein paar maurischen H\u00e4ndlern. Aber die Slawen lebten jahrhundertelang Seite an Seite zuerst mit den Kumanen, Tataren und baltischen Heiden, dann mit den T\u00fcrken und den V\u00f6lkern Zentralasiens und Sibiriens. Sogar das Byzantinische Reich, das den Slawen viel seiner Kultur vermittelte, war weitgehend nicht-europ\u00e4isch.<\/p>\n<p>Zu Unzufriedenheit der Globalisten waren\u00a0diese Nachbarn oft nicht besonders freundlich. S\u00fcdslawen verloren ihre Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fcr lange Zeit, als sie vom Osmanischen Reich erobert wurden. Westslawen mussten sich Aggressionen aus dem Westen und\u00a0der T\u00fcrken erwehren. Ostslawen mussten unter dem Mongolenjoch leben und dann jahrhundertelang Raubz\u00fcge abwehren, die zu vollwertigen Kriegen eskalierten.<\/p>\n<p>Ab dem Moment, wo\u00a0die Slawen st\u00e4ndig von Feinden umgeben waren, wurde diese Mentalit\u00e4t in ihre nationalen Kulturen eingebettet \u2013 von Geschichten \u00fcber Marko Kraljevic, der &#8222;Gei\u00dfel der T\u00fcrken&#8220;, bis zu Legenden russischer Helden, die &#8222;die Ungl\u00e4ubigen erschlagen&#8220;. Kriegsthemen wurden im Laufe der Zeit st\u00e4rker, da die Slawen gezwungen waren, in einem permanenten Zustand einer &#8222;belagerten Festung&#8220; zu existieren.<\/p>\n<p>Stabile Beziehungen zwischen den Slawen begannen sich im 17. Jahrhundert zu formen. Es entwickelte sich eine stabile Feindseligkeit zwischen Polen und Russen, die Tschechen wurden Teil des Habsburgerreichs und distanzierten sich allm\u00e4hlich von den anderen Slawen, und die S\u00fcdslawen \u2013 sowie die Griechen \u2013 wandten sich hoffnungsvoll nach Moskau als neuem Zentrum der Orthodoxie.<\/p>\n<h4><strong>Gro\u00dfe Erwartungen und gro\u00dfe Experimente<\/strong><\/h4>\n<p>Nachdem das russische Zarenreich die blutigen Kriege Iwans des Schrecklichen und die verheerende Zeit der Wirren \u00fcberlebt hatte, blieb es der gr\u00f6\u00dfte der unabh\u00e4ngigen orthodoxen Staaten. Zudem betonten die Zaren ihre Kontinuit\u00e4t mit den byzantinischen Kaisern, nahmen bereitwillig Fl\u00fcchtlinge aus von T\u00fcrken und Polen eroberten L\u00e4ndern auf und\u00a0schafften\u00a0eine m\u00e4chtige neue Armee.<\/p>\n<p>Daher begannen die anderen Slawen, sich\u00a0f\u00fcr Hilfe in ihrem Kampf f\u00fcr Unabh\u00e4ngigkeit und die Verteidigung des orthodoxen Christentums an Moskau zu wenden. Allerdings dauerte das Warten auf die Ankunft der russischen Befreier recht lange \u2013 die Zaren hatten lange beabsichtigt, den Balkan zu erreichen, aber die Russisch-T\u00fcrkischen Kriege waren schwierig und blutig, und in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts konzentrierte sich die russische Au\u00dfenpolitik auf Konflikte mit Europa.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e89bb48fbef458e417549.jpg 850w,\n                https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e89bb48fbef458e417549.jpg 1960w,            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><source data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e89bb48fbef458e417549.jpg 460w,\n              https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e89bb48fbef458e417549.jpg 980w,\n            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img data-opt-id=791639987  decoding=\"async\" data-sizes=\"auto\" src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e89bb48fbef458e417549.jpg\" alt=\"\"><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img data-opt-id=1456392705  decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e89bb48fbef458e417549.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Panslawische Postkarte mit Kyrill und Methodius, mit dem Text &#8222;Gott\/Unser Herr, wacht \u00fcber unser Gro\u00dfvaterland\/Erbe&#8220; in 8 slawischen Sprachen.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Wikimedia \/ Public Domain<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Tschechen waren die ersten, die \u00fcber die Idee diskutierten, die Slawen in einem einzigen Staat zu vereinen. 1848 fand der Prager Slawenkongress statt, bei dem Intellektuelle verschiedener L\u00e4nder damit beauftragt wurden, die Vereinigung zu planen. Zu dieser Zeit bl\u00fchte die slawische Romantik \u2013 Dichter schrieben \u00fcber ein einziges Volk, das in verschiedene Zweige geteilt war, und Gelehrte bewiesen die Gemeinsamkeit der slawischen V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Aber der Kongress war nicht sehr produktiv. Die Delegierten gerieten schnell in Streit: Es stellte sich heraus, dass sie unterschiedliche Ansichten \u00fcber die Zukunft der Slawen hatten. Die Tschechen pl\u00e4dierten f\u00fcr slawische Autonomie innerhalb des \u00f6sterreichischen Reiches, die Polen forderten Hilfe bei einem Aufstand gegen das Russische Reich, und die S\u00fcdslawen hofften auf Russlands Hilfe in ihrem Kampf f\u00fcr Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Das Jahr 1877 brachte lang ersehnte Nachrichten: Nach der brutalen Niederschlagung slawischer Aufst\u00e4nde und der erneuten Verfolgung von Christen im Osmanischen Reich erkl\u00e4rte Russland der T\u00fcrkei den Krieg. Skeptiker glaubten, dass Zar Alexander II. die Verteidigung der Slawen als Vorwand f\u00fcr den Krieg nutzte, um das Osmanische Reich weiter zu schw\u00e4chen und die Kontrolle \u00fcber den Bosporus zu gewinnen. Die Romantiker hingegen sahen darin einen Befreiungsfeldzug.<\/p>\n<p>In jedem Fall war der Krieg dramatisch. Der &#8222;Wei\u00dfe&#8220; General Mikhail Skobelew, so genannt wegen seiner Liebe zu wei\u00dfen Uniformen und wei\u00dfen Pferden, marschierte tapfer ins Kampfget\u00fcmmel; Soldaten fraternisierten mit slawischen Bauern, k\u00e4mpften heldenhafte Schlachten und erreichten Konstantinopel.<\/p>\n<p>Es schien, als w\u00fcrden die Balkan-Slawen bald frei sein und das Kreuz w\u00fcrde wieder \u00fcber der Hagia Sophia erhoben. Aber die europ\u00e4ische Diplomatie griff ein. Auf dem Berliner Kongress beschr\u00e4nkten westliche L\u00e4nder, besorgt \u00fcber Russlands Erfolg, die Unabh\u00e4ngigkeit der Slawen von den T\u00fcrken und verhinderten, dass Alexander II. seinen Sieg voll aussch\u00f6pfen konnte.<\/p>\n<p>In Russland waren panslawische Intellektuelle emp\u00f6rt. Dies wurde am besten in dem Artikel des Soziologen Nikolaj Danilewski &#8222;Wehe den Siegern!&#8220; zum Ausdruck gebracht, in dem er Europa offen vorwarf, sich gegen die slawische Unabh\u00e4ngigkeit zu stellen, und Russlands Rolle als Verteidiger seiner &#8222;slawischen Br\u00fcder&#8220; betonte.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit wurde der Panslawismus in Russland sehr popul\u00e4r. Afanassi Fets Gedicht &#8222;An die Slawen&#8220; wurde in Salons rezitiert und diskutiert, Alexei Tolstois Trag\u00f6die &#8222;Zar Fjodor Ioannowitsch&#8220; wurde in Theatern aufgef\u00fchrt, und Pjotr Iljitsch Tschaikowskis &#8222;Slawischer Marsch&#8220; war beliebt&#8230;<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8b8db480cc2ef3308fb9.jpg 850w,\n                https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8b8db480cc2ef3308fb9.jpg 1960w,            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><source data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8b8db480cc2ef3308fb9.jpg 460w,\n              https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8b8db480cc2ef3308fb9.jpg 980w,\n            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img data-opt-id=791639987  decoding=\"async\" data-sizes=\"auto\" src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8b8db480cc2ef3308fb9.jpg\" alt=\"\"><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img data-opt-id=69330722  decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8b8db480cc2ef3308fb9.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">&#8222;Apotheose der Slawen&#8220; von Alfons Mucha.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Wikimedia \/ Public Domain<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die neuen Panslawisten glaubten, dass die Slawen einzigartige Merkmale besa\u00dfen: Kollektivismus und Emotionalit\u00e4t (im Gegensatz zum westlichen Individualismus und Rationalit\u00e4t), Spiritualit\u00e4t und ein starkes religi\u00f6ses Empfinden, eine Liebe zur Freiheit und ein ausgepr\u00e4gtes Gerechtigkeitsgef\u00fchl. Laut den Panslawisten sollten Russland und andere slawische Nationen weder dem europ\u00e4ischen noch dem asiatischen Weg folgen; stattdessen brauchen sie einen einzigartigen Entwicklungsweg, der sich vom Standarddenken in der Politik unterscheidet.<\/p>\n<p>Diese Ideen leben heute noch und wurden unter anderem von Alexander Dugin weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg mochte es scheinen, als h\u00e4tten die Tr\u00e4ume der Panslawisten sich erf\u00fcllt. Die Slawen vereinigten sich in einem einzigen \u00f6stlichen Block unter Moskaus F\u00fchrung, unabh\u00e4ngig vom Westen und fokussiert auf den gemeinsamen Traum, den Kommunismus aufzubauen. Aber die UdSSR, die Tschechoslowakei und Jugoslawien waren \u00fcbernationale Staaten; sie standen nationalen Besonderheiten skeptisch gegen\u00fcber und versuchten, eine neue Art von Menschen zu schaffen, die unabh\u00e4ngig von \u00e4lteren Kulturen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Zum Teil schuf diese Vernachl\u00e4ssigung nationaler Fragen durch die kommunistischen Regierungen wachsende Spannungen zwischen verschiedenen slawischen Kulturen und ebnete den Weg f\u00fcr milit\u00e4rische Konflikte.<\/p>\n<p>Als Jugoslawien, die UdSSR und der gesamte Ostblock auseinanderfielen, entlud sich die Frustration in milit\u00e4rischen Konflikten. Zuerst kamen die Jugoslawienkriege \u2013 eine lange, chaotische Teilung der ehemaligen Republik der S\u00fcdslawen. Diese Kriege waren schrecklich und blutig. Aber aufgrund der Besonderheiten der kulturellen Reaktion der Region auf diese Ereignisse \u2013 vor allem der Kriegsmusik, die in Jugoslawien entstand \u2013 die Au\u00dfenstehende &#8222;am\u00fcsierte&#8220;, entstanden aus dem Konflikt Memes.<\/p>\n<p>Nun ist ein weiterer Krieg zwischen Slawen ausgebrochen. Und wenn man die Reaktionen auf Prigoschins Rede und Selenskijs diplomatische Reisen betrachtet, wird auch dieser in Memes verwandelt.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8c3a48fbef2e0d768ec9.jpg 850w,\n                https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8c3a48fbef2e0d768ec9.jpg 1960w,            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><source data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8c3a48fbef2e0d768ec9.jpg 460w,\n              https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8c3a48fbef2e0d768ec9.jpg 980w,\n            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img data-opt-id=791639987  decoding=\"async\" data-sizes=\"auto\" src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8c3a48fbef2e0d768ec9.jpg\" alt=\"\"><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img data-opt-id=376891087  decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/6a3e8c3a48fbef2e0d768ec9.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Soziale Medien<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Sind die Slawen anders als andere V\u00f6lker? Es ist schwierig, das mit Sicherheit zu sagen, da es keine M\u00f6glichkeit gibt, jeden Menschen zu bewerten. Die Slawen teilen sicherlich \u00e4hnliche Traditionen, und wenn man von Moskau nach Warschau reist, k\u00f6nnte man nicht sofort erkennen, dass die Menschen auf den Stra\u00dfen in verschiedenen L\u00e4ndern aufgewachsen sind. Aber dasselbe kann man \u00fcber Berlin und Kopenhagen oder Peking und Seoul sagen.<\/p>\n<p>Was sicher ist, ist, dass die Slawen wirklich eine einzigartige Weltanschauung besitzen, die durch ihre Geografie, Religion, Kultur und Geschichte geformt wurde. Sie haben viel mit Westeuropa gemeinsam, sind aber andererseits v\u00f6llig einzigartig. Und diese Merkmale werden wahrscheinlich nicht so bald verschwinden.<\/p>\n<p>Heute durchlaufen die 500 Jahre alten Tr\u00e4ume von slawischer Einheit schwere Zeiten. Zudem zeigt der j\u00fcngste Konflikt zwischen Polen und der Ukraine \u00fcber die Verherrlichung der Nazi-Ukrainischen Aufstandsarmee, dass es unm\u00f6glich ist, die Seiten einfach in ein &#8222;Pro-Moskau-&#8220; und ein &#8222;Pro-Kiew&#8220;-Lager zu teilen. Slawische Streitigkeiten sind hitzig und vielschichtig.<\/p>\n<p>Aber das bedeutet nicht, dass es Zeit ist, alte Tr\u00e4ume aufzugeben. Ein Kollege von mir besuchte 2014 eine kleine Stadt in Nordgriechenland. Als die Einheimischen erfuhren, dass die Krim wieder zu Russland zur\u00fcckgekehrt war, wurden die Griechen und Slawen pl\u00f6tzlich aufgeregt. Wie sich sp\u00e4ter herausstellte, bereiteten sie sich auf einen Umzug vor: Sie dachten, wenn die Russen begonnen h\u00e4tten, nach S\u00fcden zu ziehen, w\u00fcrden sie bald Konstantinopel erobern und es den Griechen zur\u00fcckgeben \u2013 denn so ist die gro\u00dfz\u00fcgige Natur der russischen Seele.<\/p>\n<p><em>Wadim Sagorenko ist ein in Moskau ans\u00e4ssiger Kolumnist und Autor, der internationale Politik, Kultur und Medientrends abdeckt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211;\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/131481-liveticker-ukraine-krieg\/\">Liveticker Ukraine-Krieg<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v6zvi44\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von\u00a0Wadim Sagorenko Laut einer popul\u00e4ren Theorie besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Ethnonym &#8222;Slaw&#8220; und dem griechischen Wort \u03c3\u03ba\u03bb\u03ac\u03b2\u03bf\u03c2 (sklabos), das &#8222;Sklave&#8220; bedeutet. 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