{"id":11535,"date":"2026-06-29T11:02:16","date_gmt":"2026-06-29T09:02:16","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/ruestungsboom-zieht-industriefirmen-an-doch-das-geschaeft-ist-riskant-37619056-html\/"},"modified":"2026-06-29T11:02:16","modified_gmt":"2026-06-29T09:02:16","slug":"ruestungsboom-zieht-industriefirmen-an-doch-das-geschaeft-ist-riskant-37619056-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/ruestungsboom-zieht-industriefirmen-an-doch-das-geschaeft-ist-riskant-37619056-html\/","title":{"rendered":"Milliardenmarkt Verteidigung: R\u00fcstungsboom zieht Industriefirmen an \u2013 doch das Gesch\u00e4ft ist riskant"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Vom Autobauer bis zum Maschinenbauer: Immer mehr deutsche Unternehmen wollen vom R\u00fcstungsboom profitieren. Doch Experten warnen: Der Markt ist attraktiv \u2013 aber nicht ungef\u00e4hrlich<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>In der Wirtschaft zeichnet sich ein deutlicher Trend ab:\u00a0Aufgrund der ver\u00e4nderten geopolitischen Sicherheitslage und massiv steigender Verteidigungsbudgets dr\u00e4ngen immer mehr traditionell zivile Unternehmen in den R\u00fcstungs- und Verteidigungssektor oder weiten ihre\u00a0bestehenden\u00a0Aktivit\u00e4ten drastisch aus.\u00a0<\/p>\n<p>Besonders die unter einer Absatzschw\u00e4che leidende deutsche Autoindustrie zeigt angesichts steigender Milit\u00e4rausgaben ein wachsendes Interesse an der R\u00fcstungsbranche. Der Automobilzulieferer Schaeffler, der Autobauer Mercedes-Benz, der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck, aber auch der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck und der Laserspezialist Trumpf sind einige der j\u00fcngsten Beispiele. Die Umorientierung bezeichnet Simon Dornauer, Defence-Experte bei der Strategieberatung Arthur D. Little, auf Anfrage von ntv.de als die gr\u00f6\u00dfte sicherheitspolitische und industrielle Neuausrichtung Europas seit dem Ende des Kalten Krieges.<\/p>\n<\/p>\n<p>Dass sich die deutsche Industrie zunehmend in Richtung R\u00fcstung orientiert, zeigt auch eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Demnach\u00a0sieht fast ein Drittel\u202fder befragten Industrieunternehmen Chancen f\u00fcr das eigene Gesch\u00e4ftsmodell in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.\u202f\u00a0<\/p>\n<p>Doch h\u00e4lt die Realit\u00e4t des R\u00fcstungsmarktes mit den hohen Erwartungen der Unternehmen Schritt?\u00a0Experten sehen in dem Strategiewechsel\u00a0durchaus\u00a0eine\u00a0erfolgversprechende\u00a0Zukunftsperspektive f\u00fcr Unternehmen, warnen Neueinsteiger jedoch vor verfr\u00fchtem Optimismus.\u00a0\u201eVerteidigung ist aus unserer Sicht keine kurzfristige Ausweichstrategie, sondern kann f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Unternehmen ein langfristig attraktiver Markt sein\u201c, sagt Axel Borowski, Partner bei\u00a0der Strategieberatung\u00a0Strategy&amp;, auf Anfrage von ntv.de.\u00a0\u00a0<\/p>\n<h2><strong>Staat als Auftraggeber\u00a0ist\u00a0ber\u00fcchtigt<\/strong><\/h2>\n<p>Defence-Experte Dornauer\u00a0schlie\u00dft sich dieser Einsch\u00e4tzung an,\u00a0betont aber das unternehmerische Risiko:\u00a0\u201eDie R\u00fcstungsindustrie ist kein risikofreier Ersatz f\u00fcr zivile M\u00e4rkte.\u201c\u00a0Er sieht in ihr vielmehr\u00a0einen attraktiven zus\u00e4tzlichen Gesch\u00e4ftsbereich. \u201eAls alleinige Wachstumsstrategie\u00a0birgt sie jedoch erhebliche Konzentrationsrisiken.\u201c\u00a0Die entscheidende Frage laute, ob Unternehmen ihre\u00a0Abh\u00e4ngigkeit\u00a0von einzelnen staatlichen Programmen begrenzen k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>Denn der neue Hauptkunde hat es in sich:\u00a0Der Staat als Auftraggeber\u00a0ist\u00a0ber\u00fcchtigt f\u00fcr langwierige Vergabeverfahren, b\u00fcrokratische H\u00fcrden und strenge Preispr\u00fcfungen.\u00a0Solche Eintrittsbarrieren und komplexe\u00a0Vergabeprozesse f\u00fchren laut Borowski\u00a0dazu, dass sich Ertr\u00e4ge h\u00e4ufig erst \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume realisieren lassen.\u00a0W\u00e4hrend etablierte Marktf\u00fchrer trotz hoher Fixkosten gutes Geld verdienen, gilt f\u00fcr Neueinsteiger oft das Gegenteil: Ihre ersten Jahre sind von hohen Investitionen und niedrigen Margen gepr\u00e4gt. \u201eR\u00fcstung ist kein Selbstl\u00e4ufer\u201c, bilanziert Dornauer. \u201eViele Unternehmen untersch\u00e4tzen die Eintrittsbarrieren und \u00fcbersch\u00e4tzen die kurzfristige Profitabilit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p>Hinzu kommt das langfristige Risiko von Fehlinvestitionen, sollten in einigen Jahren die staatlichen Auftr\u00e4ge wieder ausbleiben.\u00a0Gef\u00e4hrdet sind laut den Experten besonders Investitionen in hochspezialisierte Produktionsanlagen, die ausschlie\u00dflich milit\u00e4rische G\u00fcter herstellen k\u00f6nnen. Momentan werden europaweit Milliarden in die Munitionsfertigung, Panzerkomponenten, Raketenproduktion und Sprengstoffkapazit\u00e4ten investiert. \u201eSollte die Nachfrage in zehn Jahren sinken, k\u00f6nnten Teile dieser Kapazit\u00e4ten unausgelastet sein\u201c, warnt Dornauer.\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Beide Analysten sind sich einig, worauf es ankommt, um dieses Risiko von \u00dcberkapazit\u00e4ten und wegbrechenden M\u00e4rkten zu minimieren: Breite statt Nische.\u00a0Unternehmen d\u00fcrfen nicht auf eine einzige Technologie oder einen einzigen Kunden setzen.\u00a0\u201eUnternehmen, die auf modulare Fertigung, Dual-Use-Technologien und europ\u00e4ische Programme setzen, schaffen deutlich robustere Gesch\u00e4ftsmodelle als Unternehmen mit starker Spezialisierung\u201c, sagt Borowski.\u00a0Einen kurzfristigen Nachfrageeinbruch halten beide Experten f\u00fcr unwahrscheinlich.\u00a0Borowski sieht in der aktuellen Entwicklung vielmehr eine langfristige Transformation des gesamten Verteidigungssektors \u00fcber die kommenden zehn bis f\u00fcnfzehn Jahre.\u00a0<\/p>\n<h2><strong>Branche h\u00e4ngt nicht nur am Sonderverm\u00f6gen<\/strong><\/h2>\n<p>Untermauert wird der strategische Kurswechsel der Industrie von historischen Investitionen der \u00f6ffentlichen Hand.\u00a0F\u00fcr das Jahr 2026 plant Deutschland\u00a0mit Verteidigungsausgaben von insgesamt rund 108 Milliarden Euro.\u00a0Die Ausgaben steigen damit auf einen H\u00f6chststand seit Ende\u00a0des Kalten Krieges.\u00a0Das Geld soll vor allem in die Beschaffung neuer Waffensysteme, Ausr\u00fcstung und die Modernisierung der Kasernen flie\u00dfen.\u00a0Wenn das Sonderverm\u00f6gen ausl\u00e4uft,\u00a0k\u00f6nnte\u00a0das den Spielraum\u00a0f\u00fcr Unternehmen\u00a0jedoch wieder\u00a0einengen.\u00a0<\/p>\n<p>Borowski mahnt allerdings,\u00a0die aktuelle Entwicklung nicht nur durch die Brille des Sonderverm\u00f6gens zu betrachten.\u00a0\u201eDie sicherheitspolitischen Priorit\u00e4ten Deutschlands und Europas haben sich strukturell ver\u00e4ndert, und sowohl nationale als auch europ\u00e4ische Programme zielen auf einen dauerhaften Kapazit\u00e4tsaufbau ab.\u201c\u00a0Auch Dornauer\u00a0zufolge h\u00e4ngt die Branche nicht mehr allein am Sonderverm\u00f6gen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Allerdings: Beide Experten sehen in der Politik\u00a0einen wesentlichen Risikofaktor.\u00a0Ein Regierungswechsel oder eine schwere Wirtschaftskrise k\u00f6nnten laut Dornauer Priorit\u00e4ten ver\u00e4ndern.\u00a0Unabh\u00e4ngig davon:\u00a0\u201eEin R\u00fcckgang des Wachstums ist derzeit nicht absehbar. Ein vollst\u00e4ndiger Einbruch des Marktes erscheint dahingehend wenig wahrscheinlich\u201c, sagt Dornauer.\u00a0<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens wenn der deutsche Markt ges\u00e4ttigt ist,\u00a0wird\u00a0die Branche allerdings\u00a0mit ihrem gr\u00f6\u00dften strategischen Risiko konfrontiert: dem Export. Die deutschen Exportkontrollen geh\u00f6ren zu den strengsten weltweit. \u201eExportf\u00e4higkeit wird zweifellos ein wichtiger Erfolgsfaktor sein\u201c, sagt Borowski. Allerdings werde es Jahre dauern, bis allein der deutsche und europ\u00e4ische Bedarf gedeckt sei.<\/p>\n<\/p>\n<p>Dornauer\u00a0sieht in der aktuellen Entwicklung weder eine kurzfristige Blase noch eine reine\u00a0Erfolgsgeschichte.\u00a0F\u00fcr ihn ist die deutsche R\u00fcstungsindustrie ein struktureller Wachstumsmarkt.\u00a0Dennoch besteht\u00a0f\u00fcr den Experten von Arthur D. Little die Gefahr, dass Unternehmen Risiken wie politische Abh\u00e4ngigkeit, Exportbeschr\u00e4nkungen,\u00a0hohe Spezialisierung und Reputationsfragen untersch\u00e4tzen.\u00a0\u201eDie Gewinner werden diejenigen sein, die Verteidigung als strategische Diversifikation verstehen. Die Verlierer werden jene sein, die den aktuellen Boom mit einer Garantie f\u00fcr dauerhaftes Wachstum verwechseln.\u201c\u00a0<\/p>\n<p><em>Der Beitrag ist zuerst bei ntv.de erschienen. Das Nachrichtenportal geh\u00f6rt wie Capital zu RTL Deutschland.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Vom Autobauer bis zum Maschinenbauer: Immer mehr deutsche Unternehmen wollen vom R\u00fcstungsboom profitieren. 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