{"id":11583,"date":"2026-06-29T15:17:12","date_gmt":"2026-06-29T13:17:12","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/fehlende-demut-westlicher-spitzenpolitiker-von-uwe-froschauer\/"},"modified":"2026-06-29T15:17:12","modified_gmt":"2026-06-29T13:17:12","slug":"fehlende-demut-westlicher-spitzenpolitiker-von-uwe-froschauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/fehlende-demut-westlicher-spitzenpolitiker-von-uwe-froschauer\/","title":{"rendered":"Fehlende Demut westlicher \u201eSpitzenpolitiker\u201c | Von Uwe Froschauer"},"content":{"rendered":"<div><!--kg-card-begin: html--><br \/>\n<iframe title=\"Fehlende Demut westlicher \u201eSpitzenpolitiker\u201c | Von Uwe Froschauer\" width=\"560\" height=\"418\" src=\"https:\/\/tube4.apolut.net\/videos\/embed\/kLWLtYZrchZNqRf1vBYY6J\" allow=\"fullscreen\" sandbox=\"allow-same-origin allow-scripts allow-popups allow-forms\" style=\"border-radius: 8px\"><\/iframe><br \/>\n<!--kg-card-end: html--><\/p>\n<div class=\"kg-card kg-audio-card\">\n<div class=\"kg-audio-thumbnail placeholder kg-audio-hide\"><svg width=\"24\" height=\"24\" fill=\"none\"><path fill-rule=\"evenodd\" clip-rule=\"evenodd\" d=\"M7.5 15.33a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0ZM15 13.83a.75.75 0 1 0 0 1.5.75.75 0 0 0 0-1.5Zm-2.25.75a2.25 2.25 0 1 1 4.5 0 2.25 2.25 0 0 1-4.5 0Z\"><\/path><path fill-rule=\"evenodd\" clip-rule=\"evenodd\" d=\"M14.486 6.81A2.25 2.25 0 0 1 17.25 9v5.579a.75.75 0 0 1-1.5 0v-5.58a.75.75 0 0 0-.932-.727.755.755 0 0 1-.059.013l-4.465.744a.75.75 0 0 0-.544.72v6.33a.75.75 0 0 1-1.5 0v-6.33a2.25 2.25 0 0 1 1.763-2.194l4.473-.746Z\"><\/path><path fill-rule=\"evenodd\" clip-rule=\"evenodd\" d=\"M3 1.5a.75.75 0 0 0-.75.75v19.5a.75.75 0 0 0 .75.75h18a.75.75 0 0 0 .75-.75V5.133a.75.75 0 0 0-.225-.535l-.002-.002-3-2.883A.75.75 0 0 0 18 1.5H3ZM1.409.659A2.25 2.25 0 0 1 3 0h15a2.25 2.25 0 0 1 1.568.637l.003.002 3 2.883a2.25 2.25 0 0 1 .679 1.61V21.75A2.25 2.25 0 0 1 21 24H3a2.25 2.25 0 0 1-2.25-2.25V2.25c0-.597.237-1.169.659-1.591Z\"><\/path><\/svg><\/div>\n<div class=\"kg-audio-player-container\"><audio src=\"https:\/\/apolut.net\/content\/media\/2026\/06\/apolut_20260629_SP_Montag.mp3\" preload=\"metadata\"><\/audio><\/p>\n<div class=\"kg-audio-title\">Apolut 20260629 SP Montag<\/div>\n<div class=\"kg-audio-player\"><button class=\"kg-audio-play-icon\" aria-label=\"Play audio\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><path d=\"M23.14 10.608 2.253.164A1.559 1.559 0 0 0 0 1.557v20.887a1.558 1.558 0 0 0 2.253 1.392L23.14 13.393a1.557 1.557 0 0 0 0-2.785Z\"><\/path><\/svg><\/button><button class=\"kg-audio-pause-icon kg-audio-hide\" aria-label=\"Pause audio\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><rect x=\"3\" y=\"1\" width=\"7\" height=\"22\" rx=\"1.5\" ry=\"1.5\"><\/rect><rect x=\"14\" y=\"1\" width=\"7\" height=\"22\" rx=\"1.5\" ry=\"1.5\"><\/rect><\/svg><\/button><span class=\"kg-audio-current-time\">0:00<\/span><\/p>\n<div class=\"kg-audio-time\">\/<span class=\"kg-audio-duration\">1570.016<\/span><\/div>\n<p><input type=\"range\" class=\"kg-audio-seek-slider\" max=\"100\" value=\"0\"><button class=\"kg-audio-playback-rate\" aria-label=\"Adjust playback speed\">1\u00d7<\/button><button class=\"kg-audio-unmute-icon\" aria-label=\"Unmute\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><path d=\"M15.189 2.021a9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h1.794a.249.249 0 0 1 .221.133 9.73 9.73 0 0 0 7.924 4.85h.06a1 1 0 0 0 1-1V3.02a1 1 0 0 0-1.06-.998Z\"><\/path><\/svg><\/button><button class=\"kg-audio-mute-icon kg-audio-hide\" aria-label=\"Mute\"><svg viewbox=\"0 0 24 24\"><path d=\"M16.177 4.3a.248.248 0 0 0 .073-.176v-1.1a1 1 0 0 0-1.061-1 9.728 9.728 0 0 0-7.924 4.85.249.249 0 0 1-.221.133H5.25a3 3 0 0 0-3 3v2a3 3 0 0 0 3 3h.114a.251.251 0 0 0 .177-.073ZM23.707 1.706A1 1 0 0 0 22.293.292l-22 22a1 1 0 0 0 0 1.414l.009.009a1 1 0 0 0 1.405-.009l6.63-6.631A.251.251 0 0 1 8.515 17a.245.245 0 0 1 .177.075 10.081 10.081 0 0 0 6.5 2.92 1 1 0 0 0 1.061-1V9.266a.247.247 0 0 1 .073-.176Z\"><\/path><\/svg><\/button><input type=\"range\" class=\"kg-audio-volume-slider\" max=\"100\" value=\"100\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><img data-opt-id=166139963  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/GHOST_SP-3.jpg\" alt=\"Fehlende Demut westlicher \u201eSpitzenpolitiker\u201c | Von Uwe Froschauer\"><\/p>\n<p><strong>Fehlende Demut westlicher \u201eSpitzenpolitiker\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Standpunkt von\u00a0<strong>Uwe Froschauer<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Im Kern beschreibt Demut eine realistische Selbsteinsch\u00e4tzung. Der dem\u00fctige Mensch erkennt seine F\u00e4higkeiten ebenso wie seine Grenzen an, ohne sich \u00fcber andere zu erheben oder sich selbst geringzusch\u00e4tzen. Demut ist damit das Gegenst\u00fcck zum Hochmut, der zu Verblendung, Konflikten und Leid f\u00fchren kann. Demut bedeutet, das eigene Ego nicht zum Mittelpunkt der Welt zu machen, sondern sich als Teil eines gr\u00f6\u00dferen Zusammenhangs zu begreifen.<\/p>\n<p>Demut verbindet Klarheit mit Mitgef\u00fchl, Wahrheit mit Offenheit und Selbstbewusstsein mit Begrenztheit. In einer Zeit, die stark von Selbstinszenierung, Konkurrenz und permanenter Bewertung gepr\u00e4gt ist, gewinnt Demut eine neue Aktualit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Politische Sprache im Licht philosophischer Demut<\/strong><\/p>\n<p>Demut geh\u00f6rt zu jenen Tugenden, die politisch selten eingefordert werden, philosophisch jedoch als Voraussetzung verantwortlichen Handelns gelten. Sie ist keine Geste der Schw\u00e4che, sondern Ausdruck realistischer Selbsterkenntnis. Aristoteles beschrieb Tugend als die F\u00e4higkeit, Ma\u00df zu halten \u2013 als Mitte zwischen Mangel und \u00dcberma\u00df. Hochmut (Hybris) war f\u00fcr ihn kein Zeichen von Gr\u00f6\u00dfe, sondern von Ma\u00dflosigkeit: das \u00dcberschreiten der eigenen Rolle, das Vergessen der eigenen Begrenztheit. Betrachtet man die politische Sprache der Gegenwart, ist festzustellen, dass dieses Ma\u00df zunehmend verloren geht.<\/p>\n<p><strong>Selbstgewissheit statt Ma\u00df: Emmanuel Macron<\/strong><\/p>\n<p>Als Emmanuel Macron 2017 erkl\u00e4rte, man m\u00fcsse <em>\u201enur \u00fcber die Stra\u00dfe gehen, um einen Job zu finden\u201c<\/em>, war die Emp\u00f6rung gro\u00df. Philosophisch betrachtet liegt das Problem dieser Aussage weniger in ihrer Provokation als in ihrem impliziten Menschenbild: Der Einzelne erscheint als autonomes, rational handelndes Subjekt, das lediglich Willen zeigen muss, um erfolgreich zu sein. Slogans wie <em>\u201eJust do it\u201c <\/em>des Sportartikelherstellers Nike weisen in die gleiche Richtung. Aristoteles h\u00e4tte darin eine Verkennung der Umst\u00e4nde gesehen \u2013 jener sozialen, \u00f6konomischen und biografischen Bedingungen, ohne deren Ber\u00fccksichtigung moralische Urteile leer bleiben.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, als Macron betonte, Europa d\u00fcrfe <em>\u201enicht schwach oder def\u00e4tistisch\u201c<\/em> sein, verschob sich der Ton von sozialer Vereinfachung zu geopolitischer Selbstvergewisserung. St\u00e4rke wurde zur moralischen Kategorie erhoben. Doch St\u00e4rke ohne Selbstzweifel ist philosophisch prek\u00e4r. Sie kippt leicht in das, was Augustinus als \u201cSuperbia\u201d bezeichnete: jene innere Haltung, in der der Mensch sich selbst zum Ma\u00dfstab erhebt und vergisst, dass sein Wissen immer fragmentarisch bleibt.<\/p>\n<p>Macrons politische Sprache offenbart ein erhebliches Ma\u00df an vermeintlicher Selbstgewissheit. Im Fr\u00fchjahr 2024 erkl\u00e4rte der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eHeute m\u00fcssen wir, um Frieden in der Ukraine zu haben, nicht schwach sein.\u201c <\/p><\/blockquote>\n<p>Wenig sp\u00e4ter schloss er sogar die Entsendung europ\u00e4ischer Bodentruppen in die Ukraine nicht aus und betonte, Russland habe kein Mitspracherecht, falls die Ukraine solche Truppen anfordere.<\/p>\n<p>Diese Aussagen demonstrieren Entschlossenheit, sie lassen jedoch kaum Raum f\u00fcr eine Tugend, die in der Politik unverzichtbar ist: Demut. Denn Demut bedeutet unter anderem, die Grenzen des eigenen Wissens und der eigenen Einflussm\u00f6glichkeiten anzuerkennen. Wer \u00fcber einen Krieg spricht, in dem sich zwei Atomm\u00e4chte indirekt gegen\u00fcberstehen, sollte sich der Unw\u00e4gbarkeiten bewusst sein und mit gr\u00f6\u00dfter Vorsicht formulieren.<\/p>\n<p>Macron hingegen spricht h\u00e4ufig in Kategorien von St\u00e4rke und Schw\u00e4che, als g\u00e4be es nur einen richtigen Weg und als seien die Folgen des eigenen Handelns bereits absehbar. Wer aber glaubt, die Geschichte zu kennen, bevor sie geschrieben ist, \u00fcbersch\u00e4tzt sich selbst. Darin besteht die Gefahr des Hochmuts, dem europ\u00e4ische Kriegstreiber unterliegen.<\/p>\n<p>Besonders deutlich wird diese Haltung in Macrons Aussage: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eNichts wird uns von der Ukraine abbringen.\u201c <\/p><\/blockquote>\n<p>Der Satz klingt entschlossen und heroisch. Er vermittelt aber auch den Eindruck einer Politik, die kaum noch Zweifel zul\u00e4sst und die M\u00f6glichkeit ausblendet, dass sich Rahmenbedingungen \u00e4ndern oder fr\u00fchere Einsch\u00e4tzungen falsch gewesen sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Geschichte lehrt jedoch: Jene Politiker, die mit gr\u00f6\u00dfter Gewissheit auftreten, untersch\u00e4tzen nicht selten die Grenzen ihrer Erkenntnis. Demut bedeutet nicht Unt\u00e4tigkeit oder Schw\u00e4che. Demut bedeutet, sich bewusst zu sein, dass Macht niemals Allwissenheit verleiht und dass politische Entscheidungen stets unter Bedingungen der Unsicherheit getroffen werden. Wer diese Unsicherheit nicht mehr anerkennt, verl\u00e4sst den Boden der Demut und betritt das gef\u00e4hrliche Terrain der Hybris.<\/p>\n<p><strong>Historische Mission statt dem\u00fctiger Selbstbegrenzung: Keir Starmer<\/strong><\/p>\n<p>Auch der britische Premierminister Keir Starmer bedient sich einer Sprache, der es an philosophischer Demut mangelt. Im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg erkl\u00e4rte er, Europa befinde sich an einem <em>\u201eScheideweg der Geschichte\u201c<\/em> und m\u00fcsse entschlossen handeln. Gemeinsam mit Emmanuel Macron rief er eine \u201eKoalition der Willigen\u201c ins Leben und erkl\u00e4rte, Gro\u00dfbritannien sei sogar bereit, <em>\u201eBoots on the ground\u201c<\/em>, also Soldaten, zur Absicherung eines Friedensabkommens in die Ukraine zu entsenden. Zudem betonte er mehrfach, man d\u00fcrfe bei der Unterst\u00fctzung der Ukraine <em>\u201eden Ball nicht aus den Augen verlieren\u201c<\/em> und es d\u00fcrfe <em>\u201ekein Nachlassen\u201c <\/em>geben.<\/p>\n<p>Solche Aussagen m\u00f6gen F\u00fchrungsst\u00e4rke demonstrieren. Sie vermitteln aber zugleich den Eindruck einer Politik, die sich ihrer moralischen und historischen Rolle au\u00dferordentlich sicher ist. Wer von einem <em>\u201eScheideweg der Geschichte\u201c<\/em> spricht, erhebt die eigene Position zu einer historischen Notwendigkeit. Wer sich als Anf\u00fchrer einer \u201eKoalition der Willigen\u201c pr\u00e4sentiert, suggeriert zugleich, dass die anderen entweder unwillig oder ihrer Verantwortung nicht gerecht w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Hierin zeigt sich der Gegensatz zur Demut. Der dem\u00fctige Politiker wei\u00df, dass Geschichte selten geradlinig verl\u00e4uft, dass geopolitische Konflikte unvorhersehbar sind und dass politische Entscheidungen unter Bedingungen radikaler Unsicherheit getroffen werden. Der Hochm\u00fctige hingegen spricht, als h\u00e4tte er die Zukunft bereits verstanden.<\/p>\n<p>Das alte Sprichwort <em>\u201eHochmut kommt vor dem Fall\u201c<\/em> bringt diese Gefahr treffend auf den Punkt \u2013 die politische Position Keir Starmers wackelt erheblich.<br \/>Politische Macht und moralische Gewissheit sind keine Garantie f\u00fcr historische Richtigkeit. Die Geschichte ist voller Staatsm\u00e4nner, die \u00fcberzeugt waren, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen \u2013 und deren Gewissheiten sp\u00e4ter in sich zusammenfielen.<\/p>\n<p>Starmer spricht h\u00e4ufig mit dem Vokabular der Entschlossenheit, der F\u00fchrung und der historischen Verantwortung. Was man hingegen kaum h\u00f6rt, ist das Eingest\u00e4ndnis der eigenen Begrenztheit: die M\u00f6glichkeit, dass auch die eigene Analyse unvollst\u00e4ndig sein k\u00f6nnte, dass andere Perspektiven berechtigt sein k\u00f6nnten oder dass politische Entwicklungen einen ganz anderen Verlauf nehmen k\u00f6nnten als geplant.<\/p>\n<p>Demut fragt: <em>\u201eWas \u00fcbersehe ich?\u201c<\/em> Hochmut hingegen erkl\u00e4rt: <em>\u201eIch wei\u00df, was getan werden muss.\u201c<\/em> Zwischen diesen beiden Haltungen liegt oft nur ein schmaler Grat \u2013 aber auf ihm entscheidet sich nicht selten das Schicksal ganzer Nationen.<\/p>\n<p><strong>Die radikale Selbstabsolutierung: Donald Trump<\/strong><\/p>\n<p>Bei Donald Trump tritt diese Superbia offener zutage als bei den meisten anderen westlichen Politikern. <\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch allein kann das Problem l\u00f6sen\u201c, <\/p><\/blockquote>\n<p>erkl\u00e4rte er bereits 2016. Der Satz war nicht blo\u00df Wahlkampfrhetorik, sondern Ausdruck eines Politikverst\u00e4ndnisses, in dem die eigene Person zum entscheidenden Ma\u00dfstab erhoben wird. Augustinus bezeichnete diese Einstellung als die Urs\u00fcnde des Hochmuts: der Glaube, sich selbst genug zu sein und keiner Korrektur zu bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Auch in seiner zweiten Amtszeit zeigt Trump immer wieder dieses Muster. Im Zusammenhang mit dem j\u00fcngsten Krieg zwischen Israel und Iran stellte er sich als entscheidenden Friedensstifter dar und vermittelte den Eindruck, der Waffenstillstand sei in erster Linie seiner pers\u00f6nlichen Entschlossenheit und Verhandlungskunst zu verdanken. Politische F\u00fchrer wie Trump k\u00f6nnen bisweilen auf diplomatische Erfolge verweisen. Problematisch wird es jedoch, wenn komplexe geopolitische Entwicklungen auf die eigene Person reduziert und als Beleg der eigenen Unfehlbarkeit pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<p>Die Kriegsbeteiligung gegen den Iran war das gr\u00f6\u00dfte au\u00dfenpolitische Eigentor der USA seit Jahrzehnten. Um diesen Lapsus als Erfolg zu verkaufen, bedarf es einer gro\u00dfen Portion Hybris.<\/p>\n<p>Trump spricht h\u00e4ufig nicht wie ein Staatsmann unter vielen, sondern wie ein Regisseur der Weltpolitik. Konflikte erscheinen in seiner Rhetorik oft als Probleme, die lediglich auf den richtigen Mann warten \u2013 n\u00e4mlich auf ihn. Wo Demut die Grenzen des Einzelnen anerkennt, kultiviert Trump das Bild des unersetzbaren F\u00fchrers.<\/p>\n<p>Seine \u00c4u\u00dferungen zum Ukrainekrieg folgen diesem Muster. Wiederholt erkl\u00e4rte er, den Krieg innerhalb k\u00fcrzester Zeit beenden zu k\u00f6nnen oder nur er verf\u00fcge \u00fcber die notwendige Autorit\u00e4t, die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zu bringen. Ob dies gelingt oder nicht, ist dabei fast zweitrangig. Philosophisch bedeutsam ist die dahinterliegende Haltung: <\/p>\n<blockquote><p>die \u00dcberzeugung, komplexe historische und geopolitische Prozesse seien letztlich eine Frage der eigenen Pers\u00f6nlichkeit.<\/p><\/blockquote>\n<p>Immanuel Kant h\u00e4tte hierin eine gef\u00e4hrliche Verwechslung von Macht und Vernunft gesehen. Kein Mensch, kein Pr\u00e4sident und keine Regierung verf\u00fcgt \u00fcber vollst\u00e4ndige Einsicht in die Folgen des eigenen Handelns. Wer dennoch den Eindruck erweckt, er k\u00f6nne Kriege nach Belieben beenden, B\u00fcndnisse nach seinem Willen formen oder die internationale Ordnung durch pers\u00f6nliche Entschlossenheit neu gestalten, \u00fcberschreitet die Grenze zwischen Selbstvertrauen und Selbst\u00fcberh\u00f6hung.<\/p>\n<p>Der Hochm\u00fctige sagt: <em>\u201eVertraut mir, ich habe die L\u00f6sung.\u201c<\/em> Der dem\u00fctige Staatsmann sagt:<em> \u201eIch werde mein Bestes tun, aber die Wirklichkeit ist gr\u00f6\u00dfer als ich.\u201c<\/em> Donald Trump ist das Gegenteil eines dem\u00fctigen Staatsmannes. Kein Mensch darf sich anma\u00dfen, den allgemeinen Willen vollst\u00e4ndig zu verk\u00f6rpern. Wer sich selbst zur letzten Instanz erkl\u00e4rt, handelt nicht autonom, sondern despotisch \u2013 auch dann, wenn er demokratisch gew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n<p><strong>Macht ohne Selbstrelativierung: Ursula von der Leyen<\/strong><\/p>\n<p>Auch subtilere Formen der \u00dcberheblichkeit verdienen philosophische Aufmerksamkeit. Wenn Ursula von der Leyen sagt: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eWer einen von uns angreift, greift uns alle an\u201c, <\/p><\/blockquote>\n<p>ist dies zun\u00e4chst ein Ausdruck kollektiver Solidarit\u00e4t. Doch zugleich verschiebt sich die Sprache vom Abw\u00e4gen zur moralischen Eindeutigkeit. Die eigene Position erscheint nicht mehr als eine politische Sichtweise unter mehreren, sondern als die einzig legitime und moralisch \u00fcberlegene Haltung.<\/p>\n<p>Besonders deutlich wurde dies im Ukrainekrieg. Von der Leyen erkl\u00e4rte wiederholt, die Ukraine k\u00e4mpfe <em>\u201ef\u00fcr unsere Werte\u201c, \u201ef\u00fcr Europa\u201c<\/em> und letztlich<em> \u201ef\u00fcr unsere Freiheit\u201c.<\/em> Solche Formulierungen erzeugen eine moralische Geschlossenheit, in der Zweifel, Gegenargumente oder abweichende Einsch\u00e4tzungen den Anschein bekommen, nicht nur politisch falsch, sondern moralisch fragw\u00fcrdig zu sein.<\/p>\n<p>Hinzu kommt bei Ursula von der Leyen eine scheinbare Gewissheit \u00fcber den Verlauf der Geschichte. Bereits kurz nach Kriegsbeginn verk\u00fcndete von der Leyen, Russland werde wirtschaftlich, finanziell und technologisch scheitern, w\u00e4hrend die Ukraine den Krieg gewinnen werde. Die Zukunft wurde nicht als offene M\u00f6glichkeit beschrieben, sondern als feststehende Tatsache. Demut beginnt dort, wo Menschen anerkennen, dass Geschichte selten nach Plan verl\u00e4uft und politische Prognosen oft an der Wirklichkeit scheitern.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Haltung zeigte sich auch gegen\u00fcber politischen Entwicklungen innerhalb der Europ\u00e4ischen Union. Wiederholt lie\u00df von der Leyen erkennen, dass Regierungen, die vom politischen Mainstream in Br\u00fcssel abweichen, als Problem f\u00fcr die europ\u00e4ische Gemeinschaft betrachtet werden. Ihre \u00c4u\u00dferungen \u00fcber m\u00f6gliche Konsequenzen f\u00fcr Mitgliedstaaten, die aus Sicht der<strong> <\/strong>EU-Kommission rechtsstaatliche oder politische Vorgaben verletzen, sind in meinen Augen \u00fcberheblich. Es schwingt bisweilen ein paternalistischer Ton mit: <\/p>\n<blockquote><p>Br\u00fcssel als H\u00fcter der richtigen Werte, die Mitgliedstaaten als Sch\u00fcler, die gegebenenfalls korrigiert werden m\u00fcssen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Philosophisch betrachtet ist dies problematisch. Kant h\u00e4tte hierin die Gefahr erkannt, politische \u00dcberzeugungen mit moralischer Unfehlbarkeit zu verwechseln. Wer glaubt, im Besitz der einzig richtigen Werte und der einzig richtigen historischen Richtung zu sein, verliert die F\u00e4higkeit zur Selbstkritik. Demut hingegen bedeutet, auch die eigene Position der Pr\u00fcfung auszusetzen und anzuerkennen, dass politisches Verst\u00e4ndnis nicht allwissend ist.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union versteht sich als Wertegemeinschaft, die meines Erachtens aber stark br\u00f6ckelt. Eine Wertegemeinschaft sollte sich davor h\u00fcten, ihre eigenen \u00dcberzeugungen mit geschichtlicher Unfehlbarkeit zu verwechseln. Wo die eigene Sichtweise zur einzig moralischen Wahrheit erhoben wird, beginnt der schmale Grat zwischen legitimer \u00dcberzeugung und politischem Hochmut.<\/p>\n<p><strong>Rhetorische \u00dcberlegenheit im nationalen Diskurs: Friedrich Merz<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Friedrich Merz \u00fcber politische Gegner wie Olaf Scholz sagt, andere Staats- und Regierungschefs h\u00e4tten <em>\u201ekeine Lust mehr\u201c<\/em>, ihm zuzuh\u00f6ren, dann ist dies mehr als zugespitzte Kritik. Es ist eine rhetorische Hierarchisierung: Der Sprecher erhebt sich \u00fcber den anderen; nicht argumentativ, sondern symbolisch. Aristoteles h\u00e4tte hierin ein Zeichen fehlender Phronesis gesehen \u2013 jener praktischen Klugheit, die nicht auf pers\u00f6nliche \u00dcberlegenheit, sondern auf das Gemeinwohl gerichtet ist.<\/p>\n<p>Besonders entlarvend f\u00fcr die \u00dcberheblichkeit der Partei von Friedrich Merz war der sp\u00e4ter zur\u00fcckgezogene Begriff der sogenannten <em>\u201eLifestyle-Teilzeit\u201c<\/em>, der im Februar 2026 im Rahmen der Produktivit\u00e4tsdebatte \u2013 treffender w\u00e4re wohl die Bezeichnung \u201eSozialabbau zugunsten der Kriegswirtschaft\u201c<em> <\/em>\u2013 verwendet wurde. Der Begriff suggerierte, Teilzeit sei in erster Linie eine Frage individueller Bequemlichkeit. Dass Millionen Menschen, vor allem Frauen, Kinder erziehen, Angeh\u00f6rige pflegen und neben ihrer Erwerbsarbeit einen zweiten, unbezahlten Job leisten, wurde dabei weitgehend ausgeblendet.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dr\u00f6ge sprach deshalb zu Recht von einer <em>\u201eabsoluten Unversch\u00e4mtheit gegen\u00fcber der Lebensrealit\u00e4t von Frauen\u201c<\/em>. Die Debatte offenbarte vor allem eines: die Distanz eines Teils der politischen Elite zur Lebenswirklichkeit der Menschen, \u00fcber die sie spricht und entscheidet.<\/p>\n<p>Auch in der Au\u00dfenpolitik tritt bei Merz immer wieder eine \u00fcberzogene Selbstgewissheit zutage. Im Zusammenhang mit dem j\u00fcngsten Konflikt zwischen Israel und Iran stellte er die Lage wiederholt in einer moralischen Eindeutigkeit dar, die keinen Raum f\u00fcr historische, geopolitische oder v\u00f6lkerrechtliche Zwischent\u00f6ne l\u00e4sst. Komplexe Konflikte werden auf einfache Freund-Feind-Schemata reduziert. Wer hingegen zur Differenzierung aufruft oder auf die Mitverantwortung westlicher Politik hinweist, ger\u00e4t in den Verdacht, auf der falschen Seite zu stehen.<\/p>\n<p>Eine weitere Form politischer \u00dcberheblichkeit zeigt sich im Umgang mit Kritik. In einer Demokratie m\u00fcssen B\u00fcrger die M\u00f6glichkeit haben, ihren Frust \u00fcber Politiker auch scharf und \u00fcberspitzt zum Ausdruck zu bringen. Wenn ein B\u00fcrger wegen der Bezeichnung <em>\u201eL\u00fcgenfritz\u201c<\/em> strafrechtlich belangt wird, entsteht der Eindruck einer politischen Kultur, die gegen\u00fcber der eigenen Kritikempfindlichkeit deutlich sensibler ist als gegen\u00fcber den Sorgen der Bev\u00f6lkerung. Die Botschaft lautet dann unausgesprochen: <\/p>\n<blockquote><p>Die Politik darf die B\u00fcrger belehren, die B\u00fcrger sollten sich mit ihren Urteilen \u00fcber die Politik hingegen besser zur\u00fcckhalten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Demut s\u00e4he anders aus. Demut w\u00fcrde Kritik nicht als Majest\u00e4tsbeleidigung begreifen, sondern als unvermeidlichen Bestandteil einer lebendigen Demokratie. Wer politische Verantwortung tr\u00e4gt, sollte sich bewusst sein, dass Vertrauen nicht eingefordert, sondern verdient werden muss \u2013 und dass scharfe Worte von B\u00fcrgern oft Ausdruck einer tiefen Entt\u00e4uschung sind.<\/p>\n<p>Politische Klugheit verlangt, Kritik so zu formulieren, dass sie Verst\u00e4ndigung erm\u00f6glicht. Wo Sprache hingegen auf \u00dcberlegenheit zielt, wird sie selbst zum Machtinstrument \u2013 und verliert ihren ethischen Ma\u00dfstab. Der wirklich Dem\u00fctige muss nicht st\u00e4ndig zeigen, dass er \u00fcber den Dingen steht. Er wei\u00df, dass politische Macht ein Amt auf Zeit ist \u2013 und kein Adelstitel.<\/p>\n<p><strong>Die stille Arroganz: Olaf Scholz<\/strong><\/p>\n<p>Hochmut existiert.nicht nur im Lauten, sondern auch im Schweigenden. Olaf Scholz oft kritisierter Kommunikationsstil \u2013 ausweichend, formelhaft, distanziert \u2013 ist in meinen Augen ebenfalls als \u00dcberheblichkeit zu interpretieren. Philosophisch l\u00e4sst sich dies als negative Form der Superbia lesen: nicht als offene Selbstverherrlichung, sondern als implizite Annahme, den B\u00fcrgern keine umfassende Rechenschaft schuldig zu sein.<\/p>\n<p>Besonders deutlich wurde dies in der Cum-Ex-Aff\u00e4re. Auf die Frage, warum er sich an zentrale Treffen mit dem Warburg-Bankier Christian Olearius nicht erinnern k\u00f6nne, antwortete Scholz immer wieder mit Erinnerungsl\u00fccken. Juristisch ist ihm daraus leider kein Vorwurf erwachsen. Politisch hinterlie\u00df die Aff\u00e4re bei mir jedoch den Eindruck einer eigent\u00fcmlichen Distanz zur Verantwortung. Wer das h\u00f6chste Regierungsamt bekleidet, kann sich nicht dauerhaft hinter einem <em>\u201eIch kann mich nicht erinnern\u201c <\/em>verschanzen, ohne das Vertrauen in die politische Rechenschaftspflicht zu besch\u00e4digen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verhielt es sich bei der sogenannten <em>\u201eZeitenwende\u201c<\/em>. Scholz verk\u00fcndete einen historischen Kurswechsel, sprach von einer neuen \u00c4ra deutscher Sicherheits- und Au\u00dfenpolitik und stellte milliardenschwere Aufr\u00fcstungspakete in Aussicht. Die Tragweite dieser Entscheidungen war enorm. Umso eigent\u00fcmlicher war, wie selten grundlegende Fragen \u00f6ffentlich diskutiert wurden: Welche langfristigen Folgen hat dieser Kurs? Wo liegen die Grenzen milit\u00e4rischer L\u00f6sungen? Welche Risiken birgt eine zunehmende Konfrontation mit Russland? Der Eindruck entstand, die Richtung stehe bereits fest und m\u00fcsse der Bev\u00f6lkerung lediglich noch vermittelt werden. Gefragt \u2013 wie in der Schweiz \u2013werden deutsche B\u00fcrger ohnehin nicht.<\/p>\n<p>Auch in der Energiepolitik und w\u00e4hrend der wirtschaftlichen Krise wirkte Scholz h\u00e4ufig wie ein Regierungschef, der lieber verwaltet als erkl\u00e4rt. Die Formel vom <em>\u201eDoppel-Wumms\u201c <\/em>\u2013 dem mit rund 200 Milliarden Euro finanzierten Rettungspaket zur D\u00e4mpfung der explodierenden Energiepreise \u2013 vermittelte Handlungsst\u00e4rke, konnte jedoch die grundlegende Diskussion \u00fcber die Ursachen der Energiekrise und die politischen Fehlentscheidungen, die zu ihr beigetragen hatten, nicht ersetzen. Wo Sprache zum Slogan wird und Begr\u00fcndungen hinter Schlagworten verschwinden, entsteht der Eindruck, die B\u00fcrger m\u00fcssten Entscheidungen lediglich akzeptieren, nicht aber wirklich verstehen.<\/p>\n<p>Kant sah \u00f6ffentliche Rechtfertigung als Kern republikanischer Moral. Wer Macht aus\u00fcbt, muss bereit sein, seine Gr\u00fcnde offen darzulegen und sich kritischen Nachfragen zu stellen. Demokratie lebt nicht von Verlautbarungen, sondern von Rechenschaft.<\/p>\n<p>Die stille Arroganz besteht deshalb nicht darin, sich selbst f\u00fcr gro\u00dfartig zu halten. Sie besteht darin, sich der M\u00fche der Erkl\u00e4rung zu entziehen. Der B\u00fcrger wird dann nicht mehr als m\u00fcndiger Souver\u00e4n behandelt, dem man Entscheidungen nachvollziehbar machen muss, sondern als Zuschauer, der darauf vertrauen soll, dass die Regierenden schon wissen, was sie tun.<\/p>\n<blockquote><p>Demut verh\u00e4lt sich anders. Sie nimmt die B\u00fcrger ernst. Sie erkl\u00e4rt, begr\u00fcndet und stellt sich der Kritik. Sie wei\u00df, dass politische Macht geliehen ist und dass Vertrauen jeden Tag neu verdient werden muss. <\/p><\/blockquote>\n<p>Schweigen kann mitunter klug sein. Dauerhaftes Schweigen gegen\u00fcber berechtigten Fragen ist hingegen selten ein Zeichen von Bescheidenheit \u2013 oft ist es Ausdruck einer stillen Form politischer \u00dcberheblichkeit.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Demut sollte in der Politik eine anzustrebende Tugend sein.<br \/>Was diese Beispiele verbindet, ist kein moralisches Versagen Einzelner, sondern ein struktureller Wandel politischer Selbstdeutung. F\u00fchrung wird mit Gewissheit verwechselt, Zweifel mit Schw\u00e4che. Aristoteles, Augustinus und Kant sind sich in einem Punkt einig: Wer seine Begrenztheit vergisst, verliert seine Orientierung.<br \/>Im Umgang mit dem Krieg in der Ukraine zeigt sich, wie sehr politische Orientierung verloren gehen kann, wenn Macht mit moralischer Gewissheit verwechselt wird. Oder wie sehen Sie das, Herr Merz, Frau von der Leyen, Herr Macron, Herr Starmer?<\/p>\n<p>Demut ist keine sentimentale Tugend, sondern eine politische Notwendigkeit. Sie bedeutet, Macht als vorl\u00e4ufig zu verstehen, Wissen als begrenzt und Entscheidungen als korrigierbar. In einer Zeit globaler Unsicherheit w\u00e4re Demut nicht das Ende von F\u00fchrung \u2013 sondern ihr reifster Ausdruck.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Politik tritt im Ukraine-Konflikt h\u00e4ufig mit dem Anspruch auf, auf der <em>\u201erichtigen Seite der Geschichte\u201c<\/em> zu stehen. Dieser Anspruch erzeugt eine Rhetorik der Alternativlosigkeit: Waffenlieferungen gelten als moralische Pflicht, Eskalationsrisiken als notwendiger Preis, diplomatische Initiativen als naiv oder gef\u00e4hrlich. Was dabei zunehmend verschwindet, ist das Bewusstsein eigener Begrenztheit \u2013 strategisch, historisch, milit\u00e4risch und moralisch.<\/p>\n<p>Hier fehlt es an politischer Demut \u2013 nicht im Sinne von Nachgiebigkeit oder Kapitulation, sondern in der Einsicht, dass sich komplexe geopolitische Konflikte nicht aus einer vermeintlichen moralischen \u00dcberlegenheit heraus steuern lassen. Wer glaubt, die Dynamik eines Krieges kontrollieren zu k\u00f6nnen, nur weil die eigenen Motive als gerecht empfunden werden, \u00fcbersch\u00e4tzt die eigene Wirkmacht und untersch\u00e4tzt die Unberechenbarkeit von Eskalation.<\/p>\n<p>Die Arroganz zeigt sich dabei weniger in einzelnen Entscheidungen als in der Haltung, mit der sie getroffen werden. Wissen wird als ausreichend betrachtet, Prognosen als verl\u00e4sslich, Folgen als beherrschbar. Abweichende Stimmen \u2013 insbesondere solche, die auf diplomatische M\u00f6glichkeiten oder langfristige Risiken hinweisen \u2013 werden rasch delegitimiert. Zweifel gilt als Schw\u00e4che, Zur\u00fcckhaltung als mangelnde Solidarit\u00e4t. Doch hier best\u00e4tigt sich der zuvor formulierte Satz: <\/p>\n<blockquote><p>Wer seine Begrenztheit vergisst, verliert seine Orientierung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Demut w\u00e4re in diesem Kontext keine sentimentale Tugend, sondern eine politische Notwendigkeit. Sie w\u00fcrde bedeuten, Macht als vorl\u00e4ufig zu verstehen und Wissen als begrenzt \u2013 insbesondere \u00fcber die inneren Dynamiken eines Krieges. Entscheidungen w\u00e4ren korrigierbar, und w\u00fcrden nicht mehr als moralisch sakrosankt gelten. Eine dem\u00fctige Politik w\u00fcrde Eskalation nicht ausschlie\u00dfen, aber sie w\u00fcrde sie nicht als Beweis von Entschlossenheit verkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Europa, das sich gern als Friedensprojekt und (vermeintlich) moralische Instanz der Welt pr\u00e4sentiert, verr\u00e4t seinen eigenen Anspruch. Wo Demut fehlt, tritt h\u00e4ufig Selbstgewissheit an ihre Stelle. Wer sich auf der Seite des Guten w\u00e4hnt, hinterfragt die eigenen Entscheidungen immer seltener und blendet deren m\u00f6gliche Folgen aus.<\/p>\n<p>Demut ist in der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik eine unverzichtbare \u2013 aber von westlichen Politikern kaum mehr praktizierte \u2013Tugend. <\/p>\n<blockquote><p>Sie bedeutet, anzuerkennen, dass keine Regierung unfehlbar ist, dass auch der politische Gegner Motive und Sicherheitsinteressen besitzt und dass jede Eskalation Folgen haben kann, die sich der Kontrolle entziehen. <\/p><\/blockquote>\n<p>Fehlt diese Demut, w\u00e4chst die Gefahr, Konflikte immer weiter anzuheizen und selbst das Risiko eines gr\u00f6\u00dferen europ\u00e4ischen Krieges als hinnehmbaren Preis f\u00fcr vermeintlich h\u00f6here Ziele (?!) zu betrachten. <\/p>\n<blockquote><p>Wahre politische Verantwortung zeigt sich nicht in moralischer \u00dcberheblichkeit, sondern in der Bereitschaft, die eigenen Annahmen st\u00e4ndig zu \u00fcberpr\u00fcfen und alles zu tun, um Krieg zu verhindern. <\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Bereitschaft fehlt bei den europ\u00e4ischen Kriegstreibern in Spitzenpositionen.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Franz\u00f6sischer Pr\u00e4sident Macron, britischer Premierminister Starmer, Bundeskanzler Merz, polnischer Premierminister Tusk, ukrainischer Pr\u00e4sident Zelensky und Olena Zelenska auf dem Unabh\u00e4ngigkeitsplatz Kiew Ukraine, 10. 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