{"id":11707,"date":"2026-06-30T12:03:07","date_gmt":"2026-06-30T10:03:07","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/steuerentlastung-von-bis-zu-900-euro-klingbeil-legt-konzepte-vor-37625400-html\/"},"modified":"2026-06-30T12:03:07","modified_gmt":"2026-06-30T10:03:07","slug":"steuerentlastung-von-bis-zu-900-euro-klingbeil-legt-konzepte-vor-37625400-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/steuerentlastung-von-bis-zu-900-euro-klingbeil-legt-konzepte-vor-37625400-html\/","title":{"rendered":"Exklusiv: Bis zu 900 Euro im Jahr: Klingbeil will 35 Millionen Steuerzahler entlasten"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Finanzminister Klingbeil schl\u00e4gt nach <em>stern<\/em>-Informationen zwei Modelle f\u00fcr eine Steuerreform vor. Beide Konzepte bringen die Union in eine Zwickm\u00fchle. Die Details.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Mit zwei unterschiedlichen Modellen f\u00fcr eine umfangreiche Steuerreform geht Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) in die entscheidenden Verhandlungen der Koalitionsspitzen am Mittwoch im Kanzleramt. Beide Modelle liegen Stern und Capital vor.<\/p>\n<p>Klingbeils erster Vorschlag verkn\u00fcpft eine deutlich h\u00f6here Steuerentlastung in H\u00f6he von 28 Mrd. Euro mit einer st\u00e4rkeren Gegenfinanzierung, etwa durch eine h\u00f6here Erbschaftsteuer. Sein zweites Modell f\u00e4llt mit einem Steuerentlastungsvolumen von etwa 17 Mrd. Euro bescheidener aus, verzichtet daf\u00fcr aber auch auf eine Gegenfinanzierung \u00fcber die Erbschaftsteuer.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen von 40.000 bis 60.000 Euro pro Jahr w\u00fcrden im ersten Modell j\u00e4hrlich rund 800 bis 900 Euro weniger Steuern zahlen, im zweiten Modell fiele die Entlastung etwa halb so hoch aus. Knapp eine Million Topverdiener m\u00fcssten im ersten Modell mit einer Steuerbelastung rechnen, im zweiten Modell w\u00e4ren es sogar rund 1,5 Millionen Steuerzahler, die nach der Reform mehr Steuern zahlen m\u00fcssten als heute.<\/p>\n<h2>Klingbeil will Spitzensteuersatz in beiden Varianten erh\u00f6hen<\/h2>\n<p>Die zwei Optionen sind eine Zwickm\u00fchle f\u00fcr die Unionsparteien: Wollen CDU und CSU die Steuerzahler st\u00e4rker entlasten, m\u00fcssen sie sich nach Klingbeils Willen f\u00fcr eine Reform der Erbschaftsteuer \u00f6ffnen. Bislang lehnt die CSU dies vehement ab, die CDU ist in dieser Frage gespalten. Auch eine Erh\u00f6hung des Spitzensteuersatzes ist in der Union umstritten. Bei der Ausweitung der sogenannten Reichensteuer hatten sich die Christdemokraten hingegen offen gezeigt. Bei einem Treffen der Parteichefs am Sonntag gab es keine Entscheidung f\u00fcr eins der beiden Modelle. Union und SPD verhakten sich dem Vernehmen nach sowohl in der Steuerfrage als auch auf dem Feld einer Arbeitsmarktreform.\u00a0<\/p>\n<p>So oder so zeigen die beiden Vorschl\u00e4ge, wie schwer sich eine sp\u00fcrbare Entlastung der Steuerzahler angesichts der angespannten Haushaltslage umsetzen l\u00e4sst. So f\u00e4llt in beiden Varianten die Erh\u00f6hung des Grundfreibetrags deutlich niedriger aus als gedacht, und der Spitzensteuersatz soll nicht erst ab 80.000 Euro und mehr gelten, wie urspr\u00fcnglich anvisiert. Zudem soll er in beiden Modellen von 42 auf 44 Prozent steigen.\u00a0<\/p>\n<h2>Reichensteuersatz soll deutlich fr\u00fcher greifen\u00a0<\/h2>\n<p>Im Einzelnen sieht Klingbeils erster Vorschlag vor, den Grundfreibetrag in der Einkommensteuer von heute 12.348 Euro auf 12.900 Euro zu erh\u00f6hen, also um 552 Euro. In der zweiten Variante soll der Freibetrag noch etwas st\u00e4rker auf 13.084 Euro pro Jahr steigen. Anschlie\u00dfend startet der Eingangssteuersatz jeweils bei 14 Prozent.<\/p>\n<\/p>\n<p>Im ersten Modell verl\u00e4uft der Steuertarif insgesamt etwas flacher, was niedrige und mittlere Einkommen st\u00e4rker entlasten w\u00fcrde. Der Spitzensteuersatz, der heute ab knapp 70.000 Euro f\u00e4llig wird und bei 42 Prozent liegt, w\u00fcrde k\u00fcnftig erst ab 76.508 Euro greifen \u2013 daf\u00fcr aber auf 44 Prozent steigen. Der sogenannte Reichensteuersatz, heute bei 45 Prozent ab einem Einkommen von knapp 278.000 Euro, w\u00fcrde schon ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 200.000 Euro f\u00e4llig \u2013 und dann bei 49 Prozent liegen.\u00a0<\/p>\n<p>Das zweite Modell h\u00e4lt sich enger an den heutigen Steuertarif, dadurch fallen die Entlastungen kleiner aus. Konkret sieht der Vorschlag vor, den Spitzensteuersatz von dann ebenfalls 44 Prozent ab einem Einkommen von 75.657 Euro greifen zu lassen. Die Reichensteuer w\u00fcrde ebenfalls ab 200.000 Euro f\u00e4llig, dann allerdings mit 48 Prozent.\u00a0<\/p>\n<h2>Auch Subventionsabbau soll Steuerreform gegenfinanzieren<\/h2>\n<p>Nach Berechnungen von Klingbeils Finanzbeamten w\u00fcrde Modell eins mehr als 35 Millionen Steuerpflichtige entlasten, ein Single k\u00f6nnte bis zu 140.000 Euro brutto im Jahr verdienen und durch die Reform noch entlastet werden. F\u00fcr verheiratete Paare l\u00e4ge die Entlastungsgrenze etwa doppelt so hoch bei 280.000 Euro. Im zweiten Vorschlag w\u00fcrden knapp 35 Millionen Steuerpflichtige entlastet, die Entlastungsgrenze l\u00e4ge f\u00fcr Singles bei etwa 115.000 Euro brutto im Jahr (dar\u00fcber w\u00fcrde es im neuen System teurer werden), f\u00fcr Verheiratete bei 230.000 Euro.\u00a0<\/p>\n<p>Neben der Erh\u00f6hung des Spitzen- und Reichensteuersatzes schl\u00e4gt Klingbeil in beiden F\u00e4llen zur\u00a0Gegenfinanzierung einen umfangreichen Subventionsabbau vor, den er aber nicht n\u00e4her beziffert. Ziel m\u00fcsse sein, dass die Reform f\u00fcr Bund und L\u00e4nder aufkommensneutral gelinge, der Staat daf\u00fcr also nicht noch mehr neue Schulden machen m\u00fcsse. Im ersten Modell, das mit 28 Mrd. Euro deutlich teurer werden w\u00fcrde, sollten zudem Verg\u00fcnstigungen und Schlupfl\u00f6cher bei der Erbschaftsteuer geschlossen werden.\u00a0<\/p>\n<p>Klingbeils Modelle treten auch der Sorge der Union entgegen, durch eine Steuerreform k\u00f6nnten Handwerksunternehmen belastet werden, die als Personengesellschaften firmieren und damit dem Einkommensteuergesetz unterliegen. Aus der letzten verf\u00fcgbaren Einkommensteuerstatistik 2021 gehe hervor, dass rund 85 Prozent der Handwerksunternehmer unter der Einkommenszone lagen, ab der der bisherige Spitzensteuersatz gilt, hei\u00dft es in dem Papier. Knapp jeder f\u00fcnfte steuerpflichtige Personenunternehmer im Handwerk liege unterhalb des Grundfreibetrags und zahle somit gar keine Steuern. Das Fazit von Klingbeils Beamten: Eine Reform werde bis zu 90 Prozent der Handwerksunternehmen entlasten \u2013 egal, auf welche Variante man sich in der Koalition einigt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Ob sich die Union auf Klingbeils Vorschl\u00e4ge einl\u00e4sst, ist offen. Die Stimmung vor dem Treffen am Mittwoch ist in beiden Lagern angespannt. Eigentlich hatten Union und SPD gehofft, schon am vergangenen Sonntag die wichtigsten Konflikte aus dem Weg r\u00e4umen zu k\u00f6nnen. Das gelang nicht. Zentraler Streitpunkt ist unter anderem die Frage, wie sehr der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden muss, um Unternehmen zu helfen. Die Union dr\u00e4ngt intern auf einen schw\u00e4cheren K\u00fcndigungsschutz und die Einf\u00fchrung eines Karenztages im Krankheitsfall. Die SPD lehnt beides unter Verweis auf den ohnehin schwierigen Arbeitsmarkt ab.<\/p>\n<p>Die Koalitionsspitzen wollen am Mittwoch eigentlich ein umfassendes Reformpaket vorlegen. Die Verhandlungen d\u00fcrften schwierig werden. Auch der Donnerstag sei im Kalender der Spitzenleute vorsorglich freiger\u00e4umt worden, hei\u00dft es.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel ist eine \u00dcbernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland geh\u00f6rt. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Finanzminister Klingbeil schl\u00e4gt nach stern-Informationen zwei Modelle f\u00fcr eine Steuerreform vor. Beide Konzepte bringen die Union in eine Zwickm\u00fchle. 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