{"id":11769,"date":"2026-06-30T19:02:03","date_gmt":"2026-06-30T17:02:03","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/warum-musk-und-andere-tech-milliardaere-keine-steuern-zahlen-37622212-html-2\/"},"modified":"2026-06-30T19:02:03","modified_gmt":"2026-06-30T17:02:03","slug":"warum-musk-und-andere-tech-milliardaere-keine-steuern-zahlen-37622212-html-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/warum-musk-und-andere-tech-milliardaere-keine-steuern-zahlen-37622212-html-2\/","title":{"rendered":"Superreiche: Warum Musk und andere Tech-Milliard\u00e4re keine Steuern zahlen"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Jeff Bezos, Elon Musk und Mark Zuckerberg sind nicht nur deshalb reich, weil sie erfolgreiche Unternehmer sind. Sie m\u00fcssen auch keine Steuern zahlen \u2013 der Grund ist ein einfacher Trick\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Auf dem Papier ist Elon Musk ein armer Mann. Gerade mal 54.080 Dollar verdiente er als Chef bei SpaceX im vergangenen Jahr, wie auch in jedem Jahr seit 2019. Bei Tesla wurde er als Top-Manager jahrelang gar nur nach dem Mindestlohn bezahlt und verzichtete gro\u00dfz\u00fcgig auf sein Sal\u00e4r. Tesla erfasst seine aufgelaufenen Gehaltsanspr\u00fcche daher nicht einmal mehr. Auch Amazon-Gr\u00fcnder Jeff Bezos bezieht als Manager seines Online-Riesen ein vergleichsweise mickriges Gehalt von 81.840 Dollar. Mark Zuckerberg genehmigt sich bei Meta seit mehr als zehn Jahren sogar nur einen symbolischen Dollar und ist damit der schlechtbezahlteste Mitarbeiter seines Konzerns. Oracle-Tycoon Larry Ellison bekommt als Manager seines Datenbank-Giganten sogar gar keine Bezahlung. So steht es in den aktuellen Pflichtmitteilungen der Tech-Riesen an die US-B\u00f6rsenaufsicht SEC.<\/p>\n<p>Doch die winzigen Einkommen der Tech-Milliard\u00e4re stehen in krassem Widerspruch zu ihren gigantischen Verm\u00f6gen. Sie sind die reichsten M\u00e4nner des Planeten: Mark Zuckerberg schafft es laut Bloomberg mit knapp 200 Mrd. Dollar auf Platz 7. Ellison liegt mit etwa 210 Mrd. Dollar auf Platz 6. Amazon-Mogul Bezos mit rund 260 Mrd. Dollar auf Platz 4. Und Elon Musk hat der B\u00f6rsengang von SpaceX vollends in eine g\u00e4nzlich eigene Liga katapultiert: Der reichste Mensch der Erde wurde zum ersten Billion\u00e4r der Weltgeschichte \u2013 1000 Milliard\u00e4re in einer Person \u2013 auch wenn sein Verm\u00f6gen mit dem sinkenden Aktienkurs seiner Raketenfirma <a rel=\"noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Elon-Musk-ist-kein-Billionaer-mehr-id31007071.html\" class=\"external-link\">inzwischen wieder knapp unter die magische Marke<\/a> gefallen ist.<\/p>\n<h2><strong>\u201eGeh\u00e4lter sind f\u00fcr Dumme\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>Diese riesige L\u00fccke zwischen Einkommen und Verm\u00f6gen der Superreichen ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Bezos, Musk und Co. sind nicht trotz ihrer geringen Geh\u00e4lter zu Superreichen geworden. Sondern gerade, weil sie so wenig verdienen. Schuld daran sind nicht etwa obskure Schlupfl\u00f6cher, die die Tech-Oligarchen mit teuren Anw\u00e4lten clever f\u00fcr sich ausnutzen. Ihr Geheimnis sind nicht blo\u00df Steueroasen und versteckte Offshore-Konten. Das System ist von Grund auf zu ihren Gunsten verzerrt.<\/p>\n<p>\u201eGeh\u00e4lter sind f\u00fcr Dumme. Wer Einkommen erzielt, wird mit hohen Steuern und Sozialabgaben bestraft. Jeff Bezos und viele andere unserer Multimilliard\u00e4re haben darauf keine Lust\u201c, hat die US-Steuerrechtsprofessorin Ray Madoff das Ph\u00e4nomen k\u00fcrzlich im Podcast von Ezra Klein auf den Punkt gebracht. \u201eSie sahnen stattdessen \u00fcber den steigenden Wert ihrer Unternehmensanteile ab.\u201c Madoff muss es wissen: Als Steueranw\u00e4ltin hat sie Superreichen geholfen, ihre Verm\u00f6gen steuervermeidend zu organisieren, in Boston lehrt sie seit 30 Jahren die Winkelz\u00fcge des Systems.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Normalverdiener in den USA 40 Prozent und mehr an den Fiskus abdr\u00fccken, strukturieren Bezos, Musk, Zuckerberg und Co. ihr Verm\u00f6gen so, dass so gut wie nie ein steuerpflichtiges Ereignis \u2013 wie Aktienverk\u00e4ufe oder Gehaltszahlungen \u2013 auftritt. Das ist der Grund, warum Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Larry Ellison auf Lohn verzichten. Stattdessen nutzen sie ihre Immobilien, Firmen und Aktienpakete als Sicherheiten, um Milliardenkredite aufzunehmen und ihren extravaganten Lebensunterhalt zu finanzieren. Damit genie\u00dfen sie trotz gigantischer Verm\u00f6gen bis in alle Ewigkeit steuerfrei auf Pump ihr Leben und rechnen sich auf dem Papier arm. Denn die Kredite werden anders als Geh\u00e4lter nicht als Einkommen besteuert.<\/p>\n<h2><strong>Kaufen, Leihen, Sterben ist das Motto der Geldaristokratie<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eBuy, Borrow, Die\u201c \u2013 Kaufen, Leihen, Sterben \u2013 hei\u00dft diese Strategie. Die Banken machen mit, weil sie daran pr\u00e4chtig verdienen: Jahrzehntelang kassieren sie Zinsen f\u00fcr Kredite, die kaum ausfallen k\u00f6nnen, weil sie mit Milliardenanteilen an den gr\u00f6\u00dften Konzernen der Welt besichert sind. Die Oligarchen verl\u00e4ngern diese Kredite einfach immer wieder \u2013 bis sie sterben, ihr Verm\u00f6gen an ihre Kinder vererben und das Spiel von vorn beginnt. Falls irgendwann doch mal ein finanzieller Engpass entstehen sollte, der sich nicht mit geliehenem Geld l\u00f6sen lie\u00dfe, machen sie ein paar ihrer Aktien zu Geld und zahlen darauf dann tats\u00e4chlich auch Steuern. Aber nicht ann\u00e4hernd in einer H\u00f6he, die ihrem Reichtum entspricht.<\/p>\n<p>Schon 2021 ver\u00f6ffentlichte das Nonprofit-Investigativportal ProPublica die Kronjuwelen der US-Steuerbeh\u00f6rde IRS: die geheimen Steuerakten von Musk, Bezos, Zuckerberg und anderen Milliard\u00e4ren wie Warren Buffett. Die geleakten Daten zeigten, dass die Oligarchen seit Jahrzehnten das Kunstst\u00fcck vollbringen, in vielen Jahren keinen einzigen Cent Einkommensteuer zu zahlen, obwohl ihre Verm\u00f6gen von Jahr zu Jahr um Hunderte Milliarden Dollar wachsen. Donald Trump schaffte es sogar zehn Jahre lang, seine Steuern auf null zu dr\u00fccken. Die Berichte zerst\u00f6rten endg\u00fcltig \u201eden hartn\u00e4ckigen Mythos, dass alle ihren gerechten Anteil leisten und die Superreichen am meisten zahlen\u201c, wie ProPublica damals schrieb.<\/p>\n<\/p>\n<p>Eine amerikanische Geldaristokratie sei so entstanden, schreibt Madoff in ihrem Buch \u201eThe Second Estate\u201c, die wie im vorrevolution\u00e4ren Frankreich ungest\u00f6rt im Luxus lebt und keine Steuern zahlt: ein neuer \u201ezweiter Stand\u201c, dessen Privilegien damals wie heute \u201eetwas Kaputtes und Alarmierendes signalisieren\u201c: dass vor dem Fiskus nicht alle Menschen gleich sind, sondern zwei verschiedene Systeme existieren. \u201eEins f\u00fcr Menschen, die Geld verdienen, und eins f\u00fcr Menschen, die Verm\u00f6gen besitzen\u201c. Im 18. Jahrhundert verlieh der franz\u00f6sische K\u00f6nig dem Adel das Sonderrecht, keine Steuern zu zahlen, im Austausch f\u00fcr dessen Loyalit\u00e4t im Absolutismus. Im 21. Jahrhundert erlaubten die USA der Milliard\u00e4rsklasse, sich \u201estillschweigend von dem Land loszusagen, das sie reich gemacht hat\u201c und \u201eihre Verantwortung abzustreifen und in eine steuerfreie Version des amerikanischen Lebens zu fliehen\u201c. W\u00e4hrend der Rest des Landes die Kosten schultert.<\/p>\n<h2><strong>Wall-Street-Banker sind vergleichsweise kleine Fische<\/strong><\/h2>\n<p>Dabei geht es nicht um den Reichtum der Wohlhabenden insgesamt. Sondern um den demokratiezersetzenden Verm\u00f6gensexzess einer Handvoll Ultrareicher, gegen die selbst Gro\u00dfverdiener wie Wall-Street-Banker, Chef\u00e4rzte oder Top-Berater kleine Leute sind. Denn die m\u00fcssen tats\u00e4chlich hohe Steuern auf ihre Geh\u00e4lter berappen: \u201eNiemand zahlt mehr als die Working Rich\u201c, schreibt Madoff: 40 Prozent des US-Steueraufkommens kommen tats\u00e4chlich von den reichsten 1 Prozent der Steuerzahler. Denn sie \u201ekommen nicht in den Genuss der Steuervermeidungsmittel der Verm\u00f6genden, die es sich leisten k\u00f6nnen, ohne Gehalt zu leben.\u201c<\/p>\n<\/p>\n<p>Die oberen 1 Prozent insgesamt sind nicht das Problem. \u201eUm zu verstehen, was mit uns passiert, m\u00fcssen wir uns auf die 0,1 Prozent, die 0,01 Prozent, sogar auf die obersten 0,00001 Prozent konzentrieren\u201c, hat US-Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger Paul Krugman geschrieben \u2013 eine Handvoll Menschen wie Bezos, Zuckerberg oder Musk. Die niedrigen Steuern, die sie zahlen, \u201ewerden zum Problem f\u00fcr die Wirtschaft\u201c, titelte im Februar sogar das marktliberale \u201eWall Street Journal\u201c. Das Verm\u00f6gen der reichsten 0,00001 Prozent lag laut dem franz\u00f6sischen \u00d6konomen Gabriel Zucman selbst auf dem H\u00f6hepunkt der Rockefeller-\u00c4ra um 1910 bei nur vier Prozent des US-Nationaleinkommens. Heute sind es dagegen zw\u00f6lf Prozent.<\/p>\n<p>Allein Elon Musks Reichtum bel\u00e4uft sich heute auf knapp drei Prozent der US-Wirtschaftsleistung. Der reichste Mann der Welt hat sich aus der Finanzierung des US-Gemeinwesens faktisch verabschiedet und genie\u00dft unbegrenzte Freiheit. Der IRS-Whistleblower Charles Littlejohn, der die Steuerpraktiken von Musk, Trump und den anderen Silicon-Valley-Oligarchen ans Licht der \u00d6ffentlichkeit brachte, wurde dagegen 2024 zu f\u00fcnf Jahren Haft verurteilt.<\/p>\n<p><em>Der Beitrag ist zuerst bei ntv.de erschienen. Das Nachrichtenportal geh\u00f6rt wie Capital zu RTL Deutschland.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Jeff Bezos, Elon Musk und Mark Zuckerberg sind nicht nur deshalb reich, weil sie erfolgreiche Unternehmer sind. 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