{"id":12150,"date":"2026-07-03T17:02:11","date_gmt":"2026-07-03T15:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/krankschreibung-kuenftig-ab-dem-ersten-tag-doch-hausaerzte-warnen-schon-37640068-html-2\/"},"modified":"2026-07-03T17:02:11","modified_gmt":"2026-07-03T15:02:11","slug":"krankschreibung-kuenftig-ab-dem-ersten-tag-doch-hausaerzte-warnen-schon-37640068-html-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/krankschreibung-kuenftig-ab-dem-ersten-tag-doch-hausaerzte-warnen-schon-37640068-html-2\/","title":{"rendered":"Reformpl\u00e4ne: Krankschreibung bald ab dem ersten Tag? Haus\u00e4rzte warnen jetzt schon"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Die Spitzen von Union und SPD haben sich auf eine weitreichende \u00c4nderung bei den Krankschreibungen geeinigt. Jetzt regt sich Widerstand und Sorge \u2013 nicht nur bei \u00c4rzten.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>F\u00fcr den Bundeskanzler ist eine Sache klar: \u201eDie Zahl der Krankentage in Deutschland ist zu hoch.\u201c So griffig formulierte es Friedrich Merz, als er am Donnerstagvormittag im Garten des Kanzleramts auftrat, um die Beschl\u00fcsse des Koalitionsausschusses vorzustellen.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr den CDU-Politiker ist das keine neue Erkenntnis, schon lange st\u00f6ren sich insbesondere die Union und die Arbeitgeber an den Krankenst\u00e4nden in Deutschland. 2024 waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchschnittlich 14,8 Arbeitstage krankgemeldet. Neu ist, dass die Koalition nun nicht mehr bei der Rhetorik bleibt, sondern Ma\u00dfnahmen vorlegt, mit denen sie das Problem angehen will.\u00a0<\/p>\n<h2>\u00c4nderung bei Krankschreibung: Haus\u00e4rzte warnen vor \u00dcberlastung<\/h2>\n<p>In den Reihen der Union war immer wieder ein Karenztag gefordert worden, was bedeutet h\u00e4tte, dass f\u00fcr den ersten Krankheitstag kein Lohn bezahlt wird. So weit wollte die SPD offenbar nicht gehen. Doch haben sich die Koalitionsspitzen auf eine andere weitreichende \u00c4nderung verst\u00e4ndigt: K\u00fcnftig soll ab dem ersten Tag eine Krankschreibung f\u00e4llig werden. Zus\u00e4tzlich soll die telefonische Krankmeldung entfallen.\u00a0<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass das in Zukunft f\u00fcr jede Arbeitnehmerin und jeden Arbeitnehmer so gelten wird. Denn die Betriebe k\u00f6nnten von diesen gesetzlichen \u00c4nderungen abweichen, erkl\u00e4rte Merz, etwa durch einzelvertragliche Vereinbarungen, durch Betriebsvereinbarungen oder durch einen Tarifvertrag. Derzeit sieht die gesetzliche Regelung vor, dass die Krankschreibung erst nach drei Krankheitstagen n\u00f6tig ist \u2013 auch wenn die Unternehmen davon abweichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Merz appellierte an die Unternehmen und an die Besch\u00e4ftigten, aus den jetzt beschlossenen \u00c4nderungen \u201edie richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen\u201c. Denn es sei klar, dass die Zahl der Krankentage hierzulande zu hoch sei, man erm\u00f6gliche nun, dies zu \u201ekorrigieren\u201c.\u00a0<\/p>\n<p>Es ist ein Sound, der signalisieren soll, dass die Daumenschrauben jetzt angezogen werden. Der Hintergedanke: diejenigen in den Blick nehmen, die morgens noch auf der Bettkante \u00fcberlegen, ob sie nun wirklich zur Arbeit gehen sollen. Es kann bei der Entscheidung helfen, wenn man ab dem ersten Krankheitstag einen Arzt aufsuchen muss. Viele Unternehmen d\u00fcrften dem Appell des Kanzlers folgen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Bei den Haus\u00e4rzten f\u00fcrchten sie deshalb schon jetzt \u201edie komplette \u00dcberlastung\u201c der Praxen. \u201eDas wird eine Welle von Menschen in unsere Praxen sp\u00fclen \u2013 in vielen F\u00e4llen ohne medizinische Notwendigkeit, sondern aus rein administrativen Gr\u00fcnden\u201c, hei\u00dft es vom Verband der Haus\u00e4rzte. \u201eW\u00e4hrend sich also die Infektf\u00e4lle, die nur ein, zwei Tage im Bett gebraucht h\u00e4tten, in unseren Wartezimmern stapeln, werden die dringlichen F\u00e4lle warten m\u00fcssen, weil wir nicht hinterherkommen.\u201c Dass dadurch Krankheitstage reduziert w\u00fcrden, sei eine Illusion.<\/p>\n<p>Auch die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung kritisieren die Haus\u00e4rzte. Zig Untersuchungen zeigten, dass diese M\u00f6glichkeit nicht zu mehr Krankschreibungen gef\u00fchrt habe. Dass die Zahlen angestiegen seien, liege daran, dass die Krankschreibung seit 2022 elektronisch erfasst werde. \u201eEs ist also ein statistischer Effekt und hat definitiv nichts mit zu laxen Regelungen zu tun!\u201c Mit dieser Ma\u00dfnahme mache die Regierung einer der wenigen sinnvollen Entb\u00fcrokratisierungsma\u00dfnahmen im Gesundheitswesen mit einem Schlag den Garaus.\u00a0<\/p>\n<p>Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sieht das anders. Zwar solle niemand zur Arbeit gehen, wenn Krankheit dem entgegenstehe \u2013 daran solle sich auch in Zukunft nichts \u00e4ndern. \u201eZur Wahrheit geh\u00f6rt aber auch, dass die H\u00fcrden f\u00fcr eine Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung durch die telefonische Krankschreibung deutlich gesenkt wurden\u201c, sagte die CDU-Politikerin dem Stern. \u201eDaher ist es richtig, diese wieder abzuschaffen.\u201c Sie wolle aber sicherstellen, dass digitale M\u00f6glichkeiten wie die Videosprechstunde mit dem behandelnden Hausarzt weiterhin m\u00f6glich seien und verst\u00e4rkt genutzt w\u00fcrden.<\/p>\n<h2>Gr\u00fcne warnen vor \u201egesundheitspolitischem Irrweg\u201c<\/h2>\n<p>Von der Opposition kommt deutliche Kritik. Union und SPD wollten eigentlich eine bessere Patientensteuerung, ein effizienteres Gesundheitswesen und eine digitalere Versorgung, sagte Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Gr\u00fcnen, dem Stern. \u201eStattdessen fluten sie nun Arztpraxen mit Millionen zus\u00e4tzlicher, medizinisch nicht notwendiger Termine.\u201c W\u00e4hrend der K\u00fcrzungskurs von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) das Gesundheitswesen \u201ein den W\u00fcrgegriff\u201c nehme, schaffe die Koalition nun auch noch neue B\u00fcrokratie statt besserer Versorgung. Dies sei ein \u201egesundheitspolitischer Irrweg\u201c.<\/p>\n<\/p>\n<p>Dabei sind jedenfalls die immer wieder zitierten Statistiken, die Deutschland als Spitzenreiter bei den Krankheitstagen sehen, mit Vorsicht zu genie\u00dfen. Das liegt unter anderem daran, dass es in den einzelnen L\u00e4ndern unterschiedliche Meldeverfahren im Falle eines Arbeitsausfalls gibt. Deutschland sei durch das elektronische Meldeverfahren eines der wenigen L\u00e4nder mit Vollerhebung von Fehltagen, hei\u00dft es etwa vom Iges-Institut. Zum anderen w\u00fcrden in einigen L\u00e4ndern, etwa Frankreich, Italien oder Spanien, Karenztage nicht mitgez\u00e4hlt, was dort zu Untersch\u00e4tzungen f\u00fchre.\u00a0<\/p>\n<p>Die wohl am besten f\u00fcr einen L\u00e4ndervergleich geeignete Analyse kommt von der OECD, die die Fehlzeiten in allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern durch eine Haushaltsstichprobe erfasst. Bei dieser Erhebung liegt Deutschland mit 3,6 Wochen pro Jahr im Mittelfeld. An der Spitze finden sich Norwegen (5,9 Wochen), Finnland (5,0 Wochen) und Spanien (4,9 Wochen). Unter anderem Italien, Ungarn und Rum\u00e4nien kommen dabei auf einen krankheitsbedingten Ausfall von weniger als einer Woche pro Jahr.<\/p>\n<p>Noch ist offen, ob aus den Pl\u00e4nen tats\u00e4chlich Realit\u00e4t wird. Dazu muss die Absichtserkl\u00e4rung erst noch in Gesetzesform gegossen, und dann auch so verabschiedet werden. Doch schon kurz nach der Verk\u00fcndung der Beschl\u00fcsse ist selbst in den eigenen Reihen Kritik zu h\u00f6ren. \u201eIch h\u00e4tte das nicht gemacht\u201c, sagte Karl Lauterbach, ehemaliger Bundesgesundheitsminister von der SPD, dem \u201eSpiegel\u201c, auch wenn die Betriebe davon abweichen k\u00f6nnten. Der Spitzenkandidat der SPD in Berlin, Steffen Krach, fand noch deutlichere Worte: Die Einf\u00fchrung der Krankschreibung von Tag eins an sei ein \u201eMisstrauensbeweis gegen den gesunden Menschenverstand\u201c.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel ist eine \u00dcbernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland geh\u00f6rt. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Die Spitzen von Union und SPD haben sich auf eine weitreichende \u00c4nderung bei den Krankschreibungen geeinigt. 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