{"id":12194,"date":"2026-07-03T22:05:06","date_gmt":"2026-07-03T20:05:06","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/die-befreiung-von-konstantinowka-wird-sich-auf-die-gesamte-sonderoperation-auswirken\/"},"modified":"2026-07-03T22:05:06","modified_gmt":"2026-07-03T20:05:06","slug":"die-befreiung-von-konstantinowka-wird-sich-auf-die-gesamte-sonderoperation-auswirken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/die-befreiung-von-konstantinowka-wird-sich-auf-die-gesamte-sonderoperation-auswirken\/","title":{"rendered":"Die Befreiung von Konstantinowka wird sich auf die gesamte Sonderoperation auswirken"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Dmitri Gubin und Jewgeni Krutikow<\/em><\/p>\n<p>Die Befreiung von Konstantinowka bringt nicht blo\u00df eine Industriestadt mit langj\u00e4hrigen Traditionen, sondern einen wichtigen Teil der russischen Geschichte und Kultur zur\u00fcck ins Leben der russischen Gesellschaft. Es \u00fcberrascht nicht, dass die Operation zur Befreiung der Stadt unter der pers\u00f6nlichen Kontrolle des russischen Oberbefehlshabers Wladimir Putin steht.<\/p>\n<p>Der Name des Gr\u00fcnders von Konstantinowka ist wohlbekannt. Im Jahr 1812 kaufte der griechische Einwanderer Panteleimon Nomikosow, der im Donkosaken-Heer diente, vom Kaufmann Tschetwerikow aus Bachmut ein St\u00fcck Land und von den Kursker Gro\u00dfgrundbesitzern hundert Leibeigene f\u00fcr dessen Bewirtschaftung. Um sie anzusiedeln, gr\u00fcndete er das Dorf Santurinowka, benannt nach seiner Heimat \u2013 der Insel Santorin (Fira) im Mittelmeer.<\/p>\n<p>Drei Jahre sp\u00e4ter wurde Panteleimons Sohn Konstantin geboren, und zu seinen Ehren wurde das n\u00e4chstgelegene Dorf, das ebenfalls Nomikosow und seiner Familie geh\u00f6rte, in Konstantinowka umbenannt. Konstantin Nomikosow war Klassenkamerad des russischen Dichters Michail Lermontow am Moskauer Adelsinternat und diente anschlie\u00dfend, wie sein Vater, im Donkosaken-Heer.<\/p>\n<p>Fast hundert Jahre lang war unklar, wie die Stadt hei\u00dfen sollte, die aus diesen beiden Siedlungen hervorgegangen war, doch schlie\u00dflich setzte sich Konstantinowka durch \u2013 dank der Tatsache, dass dort 1869 ein Bahnhof errichtet wurde. An Santurinowka erinnern sich heute nur noch versierte Regionalhistoriker und Museumsmitarbeiter.<\/p>\n<p>Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke wurde diese Gegend f\u00fcr Unternehmer interessant. Zudem entdeckte der Nachbar der Nomikosows, der Gro\u00dfgrundbesitzer Fjodor Pleschtschejew, auf seinem Gut &#8222;Tschassow Jar&#8220; Vorkommen an Quarzsand, der sich f\u00fcr die Glasherstellung eignete. W\u00e4hrend die Familie Pleschtschejew selbst Fabriken baute, verkaufte die dritte Generation der Nomikosows ihre L\u00e4ndereien im Jahr 1897 an Belgier.<\/p>\n<p>Auf diesem Gebiet, das Santurinowka mit dem Bahnhof Konstantinowka verband, wurden innerhalb von zwei Jahren mit dem Geld \u2013 wie man heute sagen w\u00fcrde \u2013 belgischer Investoren ein Metall- und ein Glaswerk errichtet. Die Versorgung Russlands mit Flaschenglas wurde damit f\u00fcr viele Jahrzehnte gesichert.<\/p>\n<p>Die Werke arbeiteten erfolgreich und mit gro\u00dfem Gewinn; f\u00fcr ihre Modernisierung war der Akademiker Wladimir Ipatjew zust\u00e4ndig, in dessen Elternhaus in Jekaterinburg sp\u00e4ter die Zarenfamilie erschossen wurde. W\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs wechselten das Industriegebiet und die umliegenden Siedlungen mehrmals den Besitzer \u2013 sowohl die Roten als auch die Wei\u00dfen sch\u00e4tzten die strategische Lage und die Anh\u00f6hen von Tschassow Jar sowie die Niederungen mit den Werken von Konstantinowka. Als die Bolschewiki dann &#8222;ernsthaft und auf Dauer&#8220; an die Macht kamen, wollten die Belgier die ihnen entzogenen Betriebe in Konzession \u00fcbernehmen, doch ein Vertreter der Sowjetmacht, eben jener Akademiker Ipatjew, lehnte dies ab.<\/p>\n<p>Das H\u00fcttenwerk wurde schnell wieder aufgebaut, w\u00e4hrend die Flaschenfabrik erst nach 1925 mit voller Kapazit\u00e4t arbeiten konnte, als der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der UdSSR, Alexei Rykow, die Aufhebung des &#8222;Prohibitionsgesetzes&#8220; durchsetzte. F\u00fcr den Wodka mit einem Alkoholgehalt von 30 Prozent, der im Volksmund &#8222;Rykowka&#8220; genannt wurde, wurde Glasverpackung ben\u00f6tigt, und dieses Problem wurde gel\u00f6st. Im selben Jahr wurde in Konstantinowka die sp\u00e4tere Volksk\u00fcnstlerin der UdSSR Nonna (Nojabrina) Mordjukowa geboren.<\/p>\n<p>Bereits 1926 wurde diese Gruppe von Glaschemiewerken faktisch zum Monopolisten in der UdSSR: Sie lieferte 25 Prozent der gesamtsowjetischen Produktion an Fensterglas, 20 Prozent der Flaschen und 100 Prozent des Spiegelglases im Land. Damals entstand die st\u00e4dtische Siedlung Konstantinowka, in der Santurinowka aufging. Sechs Jahre sp\u00e4ter erhielt die Siedlung den Status einer Stadt und wurde damit faktisch zur &#8222;Glas-Hauptstadt&#8220; Russlands.<\/p>\n<p>Das landesweit bekannteste Werk war das \u00f6rtliche &#8222;Autoglas&#8220;-Werk. Dort wurden sowohl die Kremlsterne als auch die Abdeckungen f\u00fcr die Sarkophage im Mausoleum auf dem Roten Platz und jene Scheinwerfer hergestellt, die bei der Einnahme Berlins zum Einsatz kamen.<\/p>\n<p>Bis zum Zusammenbruch der UdSSR, als in der Stadt fast 80.000 Menschen lebten, entwickelte sich in Konstantinowka auch eine Zink- und Chemieindustrie.<\/p>\n<p>Die Stadt und ihre Betriebe existierten mit wechselndem Erfolg weiter. Die schwersten Zeiten brachen dort im Jahr 2014 an, als die Milizen der Volksrepublik Donezk (DVR) die Stadt verlie\u00dfen. Heute erleben wir nun, wie sich die Befreiung von Konstantinowka \u2013 und die Zerschlagung des umliegenden Befestigungsgebiets der ukrainischen Streitkr\u00e4fte \u2013 vor unseren Augen n\u00e4hert. Der erbitterte Kampf um diese Stadt dauert jetzt schon fast ein Jahr: Die ersten Vorhutgruppen erreichten bereits im September 2025 die Au\u00dfenbezirke von Konstantinowka.<\/p>\n<p>Warum dauern die K\u00e4mpfe um Konstantinowka so lange an? Konstantinowka ist an sich schon eine gro\u00dfe Stadt, wurde aber vom Gegner zus\u00e4tzlich in eine Festung verwandelt, indem ein Netz von Befestigungsanlagen sowohl vor und um die Stadt als auch in den Wohngebieten errichtet wurde. Genau genommen wurde der gesamte Ballungsraum des Donbass \u00fcber Jahre hinweg von den ukrainischen Streitkr\u00e4ften in &#8222;Festungsst\u00e4dte&#8220; verwandelt.<\/p>\n<p>Bereits im Jahr 2024 gingen die ukrainischen Streitkr\u00e4fte gerade unter R\u00fcckgriff auf solche Festungsgebiete in die Verteidigung \u00fcber. Das Kiewer Regime f\u00fchrte den Begriff &#8222;Festungsg\u00fcrtel des Donbass&#8220; ein, der von den westlichen Medien aktiv verbreitet wurde. Als Schl\u00fcsselfestungen wurden beispielsweise Awdejewka (im Jahr 2024 von russischen Truppen befreit), Tschassow Jar (im Sommer des vergangenen Jahres befreit) sowie Konstantinowka bezeichnet.<\/p>\n<p>Konstantinowka nahm in dieser Reihe eine Sonderstellung ein, da sie den gesamten Ballungsraum Slawjansk-Kramatorsk von S\u00fcden her absicherte, auf den derzeit erfolgreich aus mehreren Richtungen gleichzeitig ein Vorsto\u00df erfolgt. Diese Stadt ist besonders wichtig f\u00fcr den Vormarsch der russischen Truppen nach Nordwesten durch das Stadtgebiet \u2013 nach Alexejewo-Druschkowka, weiter zur Ortschaft Druschkowka selbst, hinter der bereits Kramatorsk und Slawjansk zu sehen sind.<\/p>\n<p>Was die Bunkeranlagen betrifft, so wurden diese nicht nur in Industriegebieten auf dem Gel\u00e4nde ehemaliger Gro\u00dfbetriebe errichtet, wie es beispielsweise in Mariupol der Fall war, sondern auch im gesamten bebauten Gebiet, einschlie\u00dflich des Privathaus-Sektors.<\/p>\n<p>Bei diesen Bunkern handelt es sich nicht nur um gew\u00f6hnliche Keller, sondern auch um station\u00e4re Betonbefestigungen, deren Versorgung nach dem Ausfall der herk\u00f6mmlichen Logistik auf dem Landweg durch schwere Drohnen erfolgen sollte.<\/p>\n<p>Nach dem Verlust zweier gro\u00dfer Fabriken in Konstantinowka wurde das Verteidigungssystem des Gegners zun\u00e4chst in ein nahegelegenes Viertel mit Mehrfamilien- und Hochh\u00e4usern verlegt, und nach dessen Verlust verteilten sich die ukrainischen Streitkr\u00e4fte auf verschiedene Bereiche des Privathaus-Sektors \u2013 und zwar \u00fcber das zuvor eingerichtete Bunkersystem.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist ein einzelner solcher Bunker theoretisch in der Lage, sich wochenlang zu verteidigen. In der Praxis haben sich die Garnisonen solcher Bunker in Konstantinowka in den vergangenen Tagen jedoch vollst\u00e4ndig ergeben \u2013 vor allem deshalb, weil russische Truppen ihre Versorgung unterbrochen haben.<\/p>\n<p>Russland wendet bekanntlich schon seit langem erfolgreich die Taktik an, solche befestigten Ortschaften operativ einzukreisen und die Logistik des Gegners zu st\u00f6ren. Genau dieselbe Methode \u2013 die Einkreisung der Stadt von den Flanken her \u2013 wurde auch im Fall von Konstantinowka angewandt. Ende Juni war die Isolierung von Konstantinowka bereits fast abgeschlossen.<\/p>\n<p>Zudem funktioniert die von den ukrainischen Streitkr\u00e4ften angewandte Taktik der Schaffung eines &#8222;Drohnenvorhangs&#8220; zwar im offenen Gel\u00e4nde \u2013 unter den Bedingungen der dichten st\u00e4dtischen Bebauung von Konstantinowka erwies sie sich jedoch als unwirksam. Bereits zum Tag Russlands (12. Juni) f\u00fchrten die russischen Streitkr\u00e4fte eine wichtige symbolische Aktion durch \u2013 sie hissten \u00fcber zwei Dutzend russische Flaggen in verschiedenen befreiten Teilen der Stadt.<\/p>\n<p>Derzeit befreien Einheiten der russischen Streitkr\u00e4fte den verbleibenden kleinen n\u00f6rdlichen Teil von Konstantinowka (Privathaus-Sektor) und schlie\u00dfen die Durchsuchung der bereits unter ihrer Kontrolle stehenden Stadtviertel ab.<\/p>\n<p>Dabei geht es in erster Linie um die Zerschlagung von Einheiten der ukrainischen Streitkr\u00e4fte, die sich in Betonbunkern (oder Kellern) verschanzt haben. Das russische Verteidigungsministerium teilt mit, dass diese Operation von Sturmtruppen des Truppenverbandes S\u00fcd durchgef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Die Befreiung von Konstantinowka er\u00f6ffnet einen direkten Weg nach Slawjansk und Kramatorsk \u00fcber Druschkowka. Der Vormarsch auf den Ballungsraum Slawjansk-Kramatorsk verl\u00e4uft auch aus anderen Richtungen erfolgreich (so wurde beispielsweise vor einigen Tagen Piskunowka befreit, was den Weg nach Kramatorsk aus \u00f6stlicher Richtung freimacht). Auch in Krasny Liman gibt es Erfolge. Die Schlacht um den Ballungsraum Slawjansk-Kramatorsk soll ihrerseits die entscheidende Schlacht zur Befreiung des Donbass von den ukrainischen Besatzern werden \u2013 und eine der entscheidenden Schlachten der gesamten milit\u00e4rischen Sonderoperation.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/society\/2026\/7\/3\/1432107.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 3. Juli 2026 zuerst auf der Website der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Dmitri Gubin<\/strong> ist ein Analyst bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Jewgeni Krutikow<\/strong> ist ein Milit\u00e4ranalyst bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/kurzclips\/video\/284946-selenskij-zuversichtlich-russland-verliert-krieg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Selenskij zuversichtlich: Russland verliert diesen Krieg <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v79z52m\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dmitri Gubin und Jewgeni Krutikow Die Befreiung von Konstantinowka bringt nicht blo\u00df eine Industriestadt mit langj\u00e4hrigen Traditionen, sondern einen wichtigen Teil der russischen Geschichte und Kultur zur\u00fcck ins Leben der russischen Gesellschaft. 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