{"id":12199,"date":"2026-07-04T07:04:21","date_gmt":"2026-07-04T05:04:21","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/deutschland-ist-nicht-mehr-deutschland-die-unbequeme-rechnung-hinter-der-migrationsdebatte\/"},"modified":"2026-07-04T07:04:21","modified_gmt":"2026-07-04T05:04:21","slug":"deutschland-ist-nicht-mehr-deutschland-die-unbequeme-rechnung-hinter-der-migrationsdebatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/deutschland-ist-nicht-mehr-deutschland-die-unbequeme-rechnung-hinter-der-migrationsdebatte\/","title":{"rendered":"Deutschland ist nicht mehr Deutschland \u2013 Die unbequeme Rechnung hinter der Migrationsdebatte"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Rainer Rupp<\/em><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong>Nach dem eigentlich gar nicht so \u00fcberraschenden Ausscheiden der DFB-Elf bei der WM, die es nicht einmal ins Achtelfinale geschafft hat, titelte sogar das <em>Handelsblatt<\/em>: &#8222;Deutschland ist nicht mehr Deutschland&#8220;. Viel zu siegessicher war die DFB-Elf gegen ihre Gegner aus den kleinen und armen Staaten aus dem Globalen S\u00fcden angetreten. In dieser teils selbstherrlich-arroganten Haltung war das deutsche Fu\u00dfball-Team von den unausstehlichen Fu\u00dfball-Experten in den deutschen Medien nach Kr\u00e4ften best\u00e4rkt worden.<\/p>\n<p>Und dann kam schlagartig die verdiente Ern\u00fcchterung. Ganz Deutschland, von den Medien bis zu den Stammtischen in den Kneipen, sprach nur noch davon, dass &#8222;Deutschland nicht mehr Deutschland ist&#8220;. Leider bezieht der brave deutsche Michel diese wichtige Erkenntnis nur auf den Fu\u00dfball. Dabei ist Deutschland in so gut wie allen anderen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und milit\u00e4rischen Bereichen schon l\u00e4ngst nicht mehr Deutschland. Der Prozess war schleichend und f\u00fcr einfache B\u00fcrger auf Anhieb schlecht zu erkennen.<\/p>\n<p>Bei den selbst ernannten Eliten mit ihren hochdotierten Beratern wei\u00df man jedoch schon lange Bescheid. Sie sind jedoch entweder politisch, intellektuell oder ideologisch nicht dazu imstande, den Karren Deutschland aus dem Dreck zu ziehen oder abzudanken und andere Kr\u00e4fte ans Ruder zu lassen. Deshalb wird die Entwicklung fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zwangsl\u00e4ufig in Richtung Abgrund f\u00fchren. Bei Fu\u00dfball war es fr\u00fcher, weil der Verfall dort f\u00fcr jeden deutlich erkennbar war, und nicht wie \u00fcblich, jemand anders daf\u00fcr verantwortlich gemacht werden konnte.<\/p>\n<p>Hiernach soll auf eine andere schleichende, aber nicht weniger bedrohliche Entwicklung hingewiesen werden. Obwohl sie droht, Deutschland in den Abgrund zu f\u00fchren, wird sie von der Berliner Hofjournaille der \u00d6ffentlich-Rechtlichen und der Konzernmedien bewusst ignoriert. Es geht um den schleichenden, aber zunehmenden Verlust von gut bis sehr gut ausgebildeten, unternehmungsfreudigen Menschen, die genug von Deutschland haben und auswandern. Im neoliberalen Sprachgebrauch spricht man in diesem Fall vom Verlust wertvollen Humankapitals.<\/p>\n<p>Dieser Verlust kann auch durch noch so massive Immigration durchschnittlich weniger gut oder gar nicht ausgebildeter Menschen nicht ausgeglichen werden! Stattdessen werden durch sie die Sozialsysteme \u00fcberlastet. Es ist diese stark negative Bilanz des Bildungsgrads in der Zusammensetzung der Zuwanderung nach und der Abwanderung aus Deutschland, die ein deutlich d\u00fcstereres Bild f\u00fcr die Zukunft unseres Landes zeichnet und auch ausl\u00e4ndische Investoren abschreckt.<\/p>\n<p>Die bereits eingangs erw\u00e4hnte, in ganz Asien popul\u00e4re <em>Asia Times<\/em> hat eine w\u00f6chentliche Beilage unter dem Titel &#8222;Global Risk-Reward Monitor&#8220; (Globaler Risiko-Belohnungs-Monitor f\u00fcr zahlenden Abonnenten). Dieser &#8222;Monitor&#8220;, der Investoren auf globale Chancen und Risiken aufmerksam machen soll, hat in einer seiner j\u00fcngsten Ausgaben unter Verweis auf Bildungsdifferenz zwischen Zuwanderung nach und Abwanderung aus Deutschland vor den &#8222;d\u00fcsteren Aussichten&#8220; f\u00fcr den einstigen Exportweltmeister gewarnt.<\/p>\n<p>Der Artikel im <em>Asia-Times<\/em>-Monitor beginnt mit dem Hinweis, dass &#8222;Deutschland weiterhin eine positive Nettozuwanderung&#8220; habe, aber diese &#8222;Schlagzeilenzahl irref\u00fchrend&#8220; sei. In Wirklichkeit erz\u00e4hle die Struktur der Migration eine viel dunklere Geschichte als die Netto-Immigrationszahl von 235.000 vermuten lasse. Deutschland verliere zunehmend Deutsche und EU-B\u00fcrger netto, w\u00e4hrend der positive Gesamtsaldo fast ausschlie\u00dflich auf Zuwanderung von au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Union beruhe.<\/p>\n<p>Die Auswanderung sei hochselektiv. Die Menschen, die das Land verlassen, seien oft jung, mobil, hochgebildet und international einsetzbar. Forschungen deutscher demografischer Institutionen legten nahe, dass seit 2010 etwa sieben von zehn deutschen Auswanderern einen Universit\u00e4tsabschluss besitzen. Genau diese Personen brauche Deutschland dringend: Ingenieure, \u00c4rzte, Manager, Forscher, Unternehmer, Finanzfachleute, Softwareentwickler und qualifizierte Handwerker mit internationalen Optionen.<\/p>\n<p>Ihr Weggang bleibe weitgehend unsichtbar. Ein deutscher Arzt, der in die Schweiz zieht, ein Software-Ingenieur, der nach Lissabon geht, ein Family Office, das Kapital nach Dubai verlagert, oder ein Unternehmer, der sich in Osteuropa statt in Deutschland expandiert \u2013 all das erzeuge keine dramatische Schlagzeile wie eine Fabrikschlie\u00dfung. Kumulativ jedoch schw\u00e4chten diese individuellen Entscheidungen die produktive Basis des Landes.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr seien 96.689 mehr Deutsche ausgewandert als zur\u00fcckgekehrt. Dies sei zu einem klaren Trend geworden und markiere die h\u00f6chste Zahl seit Jahrzehnten. Auch bei den EU-B\u00fcrgern zeige sich ein deutliches Signal: Netto h\u00e4tten letztes Jahr 37.154 EU-B\u00fcrger Deutschland verlassen. An dieser Stelle wird im Artikel betont, dass EU-B\u00fcrger einen einfachen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt haben. Sie br\u00e4uchten weder Asylverfahren noch komplizierte Einwanderungsprogramme. Sie k\u00e4men, solange L\u00f6hne, Chancen und Lebensqualit\u00e4t attraktiv seien. Wenn sie nun netto das Land verlie\u00dfen, deute dies darauf hin, dass Deutschland selbst innerhalb des europ\u00e4ischen Arbeitsmarktes an Attraktivit\u00e4t einb\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p>Jahrzehntelang sei Deutschland das klassische Ziel f\u00fcr Aufstiegsmobilit\u00e4t vieler Europ\u00e4er gewesen. Diese Position erodiere nun. Polen, Rum\u00e4nen, Bulgaren, Italiener, Griechen und Kroaten h\u00e4tten heute mehr Alternativen. Einige kehrten in ihre Heimat zur\u00fcck, andere z\u00f6gen in andere L\u00e4nder. Manche entschieden schlicht, dass der &#8222;deutsche Deal&#8220; \u2013 hohe Steuern, hohe Sozialabgaben, teurer Wohnraum, B\u00fcrokratie und begrenzte Aufstiegschancen \u2013 nicht mehr aufgehe.<\/p>\n<p>Darin sehen die Autoren des <em>Asia-Times<\/em>-Artikels das eigentliche Kernproblem: &#8222;Deutschland tauscht nicht nur Bev\u00f6lkerung. Es handelt sich um den Austausch von Humankapital.&#8220; Die Auswandernden seien \u00fcberproportional gebildet, mobil und wirtschaftlich produktiv. Viele z\u00e4hlten zu den Nettobeitragszahlern des Staates. Sie entrichteten Einkommensteuern, Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge und Verbrauchssteuern und finanzierten das System oft deutlich st\u00e4rker, als sie es in Anspruch n\u00e4hmen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig stamme ein gro\u00dfer Teil der Zuwanderung aus deutlich \u00e4rmeren, weniger gebildeten Bev\u00f6lkerungsschichten und kulturell weiter entfernten L\u00e4ndern. Viele Neuank\u00f6mmlinge verf\u00fcgten weder \u00fcber Deutschkenntnisse noch \u00fcber sofort verwertbare Qualifikationen f\u00fcr den deutschen Arbeitsmarkt und seien mit deutschen Institutionen, der Arbeitskultur oder den Bildungsstandards nicht vertraut. Integration sei zwar m\u00f6glich, aber teuer, langsam und h\u00e4ufig unvollst\u00e4ndig. Der fiskalische Effekt sei daher keineswegs neutral, sondern negativ. Das Ergebnis: Deutschland verliere Menschen, die h\u00e4ufig netto positiv zum Staatshaushalt beitr\u00fcgen, und gewinne gleichzeitig viele Menschen, die zun\u00e4chst \u2013 und oft \u00fcber viele Jahre hinweg \u2013 netto negativ seien. Das sei die unbequeme Rechnung hinter der Migrationsdebatte.<\/p>\n<p>Dies treffe den deutschen Wohlfahrtsstaat besonders hart. Deutschland habe keine Niedrigsteuer- und Niedrigausgabenwirtschaft, sondern sei einer der teuersten Wohlfahrtsstaaten der Welt. Das deutsche Modell h\u00e4nge von einer gro\u00dfen Zahl produktiver Erwerbst\u00e4tiger ab, die hohe Steuern und Sozialabgaben leisteten, um Renten, Gesundheitsversorgung, Langzeitpflege, Arbeitslosengeld, Wohnungsf\u00f6rderung und weitere Transfers zu finanzieren. Das System k\u00f6nne Belastungen nur so lange auffangen, wie die produktive Basis stark genug bleibe.<\/p>\n<p>Diese Basis aber schwinde. Wenn ein hochbezahlter Ingenieur, Arzt, Unternehmer, Softwareentwickler oder Finanzprofi Deutschland verl\u00e4sst, verliert der Staat nicht nur einen Einwohner. Er verliert einen Nettosteuerzahler, einen Beitragszahler zur Rentenversicherung, Kaufkraft, k\u00fcnftige Investitionen und oft auch unternehmerische Dynamik.<\/p>\n<p>Umgekehrt gewinne der Staat bei der Zuwanderung geringqualifizierter Menschen zwar einen neuen Einwohner, aber nicht unbedingt einen Beitragszahler. Dieser brauche h\u00e4ufig Unterst\u00fctzung bei Wohnung, Sprachkursen, Schulbildung, Sozialleistungen, Gesundheitsversorgung und Arbeitsmarktintegration. In manchen F\u00e4llen setze der Beitrag erst Jahre sp\u00e4ter ein \u2013 in vielen F\u00e4llen bleibe er dauerhaft negativ oder falle ganz aus.<\/p>\n<p>Am Ende kommt der Artikel im &#8222;Global Risk-Reward Monitor&#8220; der <em>Asia Times<\/em> zu dem bedauerlichen Schluss, dass dieses Kernproblem f\u00fcr die wirtschaftliche und soziale Zukunft Deutschlands niemand in politischer Verantwortung offen diskutieren will.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211; <a href=\"https:\/\/freedert.online\/meinung\/284584-merz-ist-eigentor-deutschlands\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Merz ist das Eigentor Deutschlands<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v79yg5k\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Rainer Rupp Nach dem eigentlich gar nicht so \u00fcberraschenden Ausscheiden der DFB-Elf bei der WM, die es nicht einmal ins Achtelfinale geschafft hat, titelte sogar das Handelsblatt: &#8222;Deutschland ist nicht mehr Deutschland&#8220;. 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