{"id":12279,"date":"2026-07-05T10:04:12","date_gmt":"2026-07-05T08:04:12","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/fest-unerhoerter-grosszuegigkeit-sterbehilfe-legalisierung-als-macrons-abschiedsgeschenk-ans-volk\/"},"modified":"2026-07-05T10:04:12","modified_gmt":"2026-07-05T08:04:12","slug":"fest-unerhoerter-grosszuegigkeit-sterbehilfe-legalisierung-als-macrons-abschiedsgeschenk-ans-volk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/fest-unerhoerter-grosszuegigkeit-sterbehilfe-legalisierung-als-macrons-abschiedsgeschenk-ans-volk\/","title":{"rendered":"Fest unerh\u00f6rter Gro\u00dfz\u00fcgigkeit: Sterbehilfe-Legalisierung als Macrons Abschiedsgeschenk ans Volk\u00a0\u00a0"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Matthieu Buge<\/em><\/p>\n<p>Nachdem Frankreich im Jahr 2024 als erstes Land auf der Welt die Abtreibung in seiner Verfassung (!) verankert hatte, haben die franz\u00f6sischen Abgeordneten zwei Jahre sp\u00e4ter ein Gesetz zur Legalisierung des assistierten Selbstmordes verabschiedet. Noch muss das Gesetz erst vom Senat gebilligt werden, doch in diesem Stadium d\u00fcrfte dies nur noch eine Formalit\u00e4t sein: Es protestieren lediglich einige katholische Vereinigungen dagegen und \u2026 \u2013 nun ja, Sie wissen ja: Der Sommer ist dann doch eine gute Zeit, um kontroverse Gesetze zu verabschieden.<\/p>\n<p>In einer nicht nur f\u00fcr die franz\u00f6sische Politik typischen Manier, Begriffe zu verdrehen, um sie besser vermarkten zu k\u00f6nnen, wurde die Beihilfe zum Selbstmord als &#8222;aide \u00e0 mourir&#8220; (also wortw\u00f6rtlich Sterbehilfe) bezeichnet, w\u00e4hrend die renommierte franz\u00f6sische Zeitung <em>Le Monde<\/em> gar von einem &#8222;Gesetz der Barmherzigkeit&#8220; schrieb, dessen Ziel es sei, &#8222;individuelle Freiheit und Br\u00fcderlichkeit in Einklang zu bringen&#8220;. So typisch franz\u00f6sisch.<\/p>\n<p>Auf religi\u00f6se Erw\u00e4gungen wollen wir hier nicht eingehen, so verst\u00e4ndlich sie auch sein m\u00f6gen. Es gibt viele Gr\u00fcnde f\u00fcr den Wunsch zu sterben und Selbstmord zu begehen: unheilbare Krankheiten, chronische Depressionen, die &#8222;Sehnsucht nach dem Abgrund&#8220;, metaphysische Verzweiflung, genetische Veranlagung \u2026 und sogar politische Motive.<\/p>\n<p>Manche historische Beispiele sind absolut faszinierend. Jeder kennt (und sei es nur durch das Cover des ersten Albums von Rage Against The Machine) das Bild des vietnamesischen M\u00f6nchs Th\u00edch Qu\u1ea3ng \u0110\u1ee9c, der sich aus Protest gegen die Verfolgung von Buddhisten selbst verbrannte. Der unrastgetriebene japanische Schriftsteller Ryunosuke Akutagawa nahm sich das Leben und hinterlie\u00df einen Abschiedsbrief, in dem er von einer &#8222;vagen Unsicherheit&#8220; schrieb. Jahre sp\u00e4ter beging Yukio Mishima ein spektakul\u00e4res Seppuku als Akt politischen und \u00e4sthetischen Protests. Arthur Koestler nahm sich zusammen mit seiner Frau Cynthia aufgrund einer Krankheit das Leben. Alan Watts&#8216; Tod ist ein R\u00e4tsel, doch alles deutet auf einen sorgf\u00e4ltig geplanten Selbstmord hin. Die Liste lie\u00dfe sich beliebig fortsetzen.<\/p>\n<p>Doch solche Taten erfordern ungeheure Verzweiflung und eine Tapferkeit, die man als k\u00f6rperlich bezeichnen kann. Vergessen wir an dieser Stelle nicht, dass die &#8222;erfolgreiche&#8220; Suizidrate bei M\u00e4nnern drei- bis viermal h\u00f6her ist als bei Frauen, obwohl gleichzeitig Suizidversuche bei Frauen deutlich h\u00e4ufiger vorkommen; ein gescheiterter Suizidversuch wird \u00fcblicherweise als Hilferuf verstanden.<\/p>\n<p>Mit ihrem Gesetzentwurf pr\u00e4gen Macrons Abgeordnete jedenfalls ein v\u00f6llig anderes Verst\u00e4ndnis von Verzweiflung und Tod. Sie behaupten, der &#8222;Patient&#8220; (und man kann sich sicher sein: Mit &#8222;Patient&#8220; meinen sie &#8222;Kunde&#8220;) werde medizinische und psychologische Unterst\u00fctzung erhalten. Wie gro\u00dfz\u00fcgig von den Damen und Herren Abgeordneten! Nat\u00fcrlich kann der &#8222;Patient&#8220; noch mit Unterst\u00fctzung durch Familienangeh\u00f6rige und Geistliche rechnen. Doch was wir hier erleben, ist, dass der Staat \u00fcber den Tod entscheidet, so wie er es mit dem Abtreibungsgesetz bereits \u00fcber die Geburt getan hat. Ein radikaler Eingriff in \u2013 und gegen \u2013 die Natur.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte argumentieren, dass ein Mensch in absoluter k\u00f6rperlicher Verzweiflung, der sich nicht einmal selbst t\u00f6ten kann, eine solche Ma\u00dfnahme logischerweise bef\u00fcrworten w\u00fcrde. Das ist verst\u00e4ndlich. Zumindest die Versuchung ist nachvollziehbar: Normalerweise spreche ich in meinen Artikeln nicht \u00fcber mich selbst, aber ich kenne diese Situation, da mein Vater seit 42 Jahren an einer sehr schweren, seltenen Krankheit leidet. Ich habe mich immer gefragt\u2026 nicht so sehr, was ich <em>tun<\/em> w\u00fcrde \u2013 sondern vielmehr, wie ich <em>psychisch<\/em> reagieren w\u00fcrde, wenn er mich beim Zubettgehen bitten w\u00fcrde, ihm zu helfen, sein Leid zu beenden.<\/p>\n<p>Viele Menschen stehen vor dieser Frage. Fr\u00fcher war es durchaus \u00fcblich, dass der Hausarzt einem Patienten half, derartigem Horror ein Ende zu setzen \u2013 beim Betroffenen zu Hause. Doch selbst wenn er einer so radikalen Ma\u00dfnahme zustimmte, konnte er nat\u00fcrlich ins Gef\u00e4ngnis kommen: Denn wer wei\u00df, vielleicht handelte es sich ja um Krankenmord aus Erbschaftsgr\u00fcnden oder eine andere dubiose Angelegenheit. Aber bei Euthanasie \u2013 oh, Verzeihung, Sterbehilfe \u2013: Wer sagt denn, dass es auch da in diesem tragischen Moment nicht zu Absprachen, psychologischer Manipulation oder \u00dcberredung zwischen den Beteiligten kommt?<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>Was hier geschieht, ist, dass der Staat einmal mehr einen der wichtigsten Aspekte unseres Lebens in die Hand nimmt. <\/em><\/p>\n<p><em>Und letztendlich wird es nat\u00fcrlich das Kapital sein, das die Kontrolle \u00fcbernimmt. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Verbindung von Staat und Unternehmen. <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In der Schweiz, wo das Verfahren bereits legal ist, kostet Sterbehilfe zwischen 7.000 und 11.000 Euro. Ja nun, wenn man mit allem Geld verdienen kann \u2013 warum dann nicht auch mit der F\u00f6rderung des Freitodes?<\/p>\n<p>Der sowjetische Filmemacher Andrei Tarkowski schrieb in seinem Buch &#8222;Die Zeit formen&#8220;:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die funktionale Aufgabe der Kunst besteht nicht, wie oft angenommen, darin, Ideen zu vermitteln, Gedanken zu verbreiten oder als Beispiel zu dienen. Ziel der Kunst ist es, den Menschen auf den Tod vorzubereiten, seine Seele umzupfl\u00fcgen und aufzueggen, sie zu bef\u00e4higen, sich dem Guten zuzuwenden.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Was jedoch die Selbstmordbeihilfe bietet, ist keine Vorbereitung auf den Tod. Sondern sie bewirbt eine neue Sichtweise auf die ultimative (in jeder, auch in der werbetechnisch ausbeutbaren Bedeutung dieses Wortes; Anm. d. Red.) Erfahrung des Lebens \u2013 und ist nat\u00fcrlich ein lukratives Rundum-sorglos-Paket.<\/p>\n<p>Aber was erwartet man Anderes von solchen &#8222;Eliten&#8220;? Macron ist ein ehemaliger Banker. Er hat keine Kinder und ist mit einer Mumie von Frau verheiratet, in jedem Sinne des Wortes.<\/p>\n<p>In seiner Regierungszeit wurde der Leichnam von Simone Veil, der ehemaligen franz\u00f6sischen Gesundheitsministerin, die die Abtreibung legalisierte, ins Panth\u00e9on \u00fcberf\u00fchrt. Unter ihm wurde eine ungeheuer ambivalente, d\u00fcstere und dekadente Er\u00f6ffnungsfeier f\u00fcr die Olympischen Spiele in Paris organisiert. Unter seiner Herrschaft wurde Abtreibung in die Verfassung gemei\u00dfelt.<\/p>\n<p>Und offenbar soll jetzt seine letzte gro\u00dfe politische Geste als Pr\u00e4sident Frankreichs die Legalisierung der Euthanasie sein.<\/p>\n<p>Macron soll abtreten, in wenigen Monaten \u2013 doch inzwischen erscheint selbst ein Spaziergang durch die Sahara ohne Wasser k\u00fcrzer als diese &#8222;wenigen&#8220; Monate. Man wird sich an ihn als Clown erinnern \u2013 aber als Clown mit einer sehr d\u00fcsteren Maske.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/news\/642524-macron-gift-euthanasia-law\/\">Englischen<\/a>.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Matthieu Buge<\/em><\/strong><em> ist ein politischer und geopolitischer Analyst mit den Schwerpunkten Geschichte und Propaganda und ihren Verflechtungen, der an der Sorbonne und am Pariser Institut f\u00fcr Politologie t\u00e4tig war. Er hat au\u00dferdem am Russland-Ressort der Zeitschrift <\/em>l&#8217;Histoire<em>, f\u00fcr die russische Kinozeitschrift <\/em>S\u00e9ance<em>, die russische Zeitschrift <\/em>Expert<em> und als Kolumnist f\u00fcr <\/em>Le Courrier de Russie<em> gearbeitet. Autor des Buchs &#8222;Le Cauchemar russe&#8220; (&#8222;Der russische Alptraum: Verzeichnis westlicher der Klischees und Fantasien \u00fcber Russland&#8220;).<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/265167-repression-statt-hilfe-polizeiregister-fuer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Repression statt Hilfe: Polizeiregister f\u00fcr psychisch Kranke in Hessen \u2013 und andere Grausamkeiten<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\">\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\"><iframe title=\"Bahnreform sorgt f\u00fcr Proteste in Frankreich\" height=\"150\" width=\"100%\" style=\"border: none;\" scrolling=\"no\" data-name=\"pb-iframe-player\" src=\"https:\/\/www.podbean.com\/player-v2\/?i=2tsf2-1af68d1-pb&amp;from=pb6admin&amp;share=1&amp;download=1&amp;rtl=0&amp;fonts=Arial&amp;skin=f6f6f6&amp;font-color=&amp;logo_link=episode_page&amp;btn-skin=7\" allowfullscreen=\"\"><\/iframe><\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v705u08\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthieu Buge Nachdem Frankreich im Jahr 2024 als erstes Land auf der Welt die Abtreibung in seiner Verfassung (!) verankert hatte, haben die franz\u00f6sischen Abgeordneten zwei Jahre sp\u00e4ter ein Gesetz zur Legalisierung des assistierten Selbstmordes verabschiedet. 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