{"id":12673,"date":"2026-07-08T14:02:26","date_gmt":"2026-07-08T12:02:26","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/gasversorgung-reiches-riskante-gaswette-fuer-den-naechsten-winter-37653866-html-2\/"},"modified":"2026-07-08T14:02:26","modified_gmt":"2026-07-08T12:02:26","slug":"gasversorgung-reiches-riskante-gaswette-fuer-den-naechsten-winter-37653866-html-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/gasversorgung-reiches-riskante-gaswette-fuer-den-naechsten-winter-37653866-html-2\/","title":{"rendered":"Gasversorgung: Katherina Reiches riskante Gaswette f\u00fcr den n\u00e4chsten Winter"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Die Gasspeicher k\u00f6nnten sich \u00fcber den Sommer nicht schnell genug f\u00fcllen, warnen die Betreiber. Wirtschaftsministerin Reiche will zwar eine Gasreserve aufbauen \u2013 doch im n\u00e4chsten Winter w\u00fcrde sie nicht helfen<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Wann immer Katherina Reiche und das Wirtschaftsministerium in den vergangenen Monaten gefragt wurden, ob sich die deutschen Gasspeicher schnell genug f\u00fcr den n\u00e4chsten Winter f\u00fcllen, verwiesen sie gerne auf eine Zahl: 76 Prozent. Drei Viertel der Kapazit\u00e4ten in den Speichern \u2013 so viel haben Gash\u00e4ndler bei den Speicherbetreibern im Voraus f\u00fcr den n\u00e4chsten Winter gebucht. Die Botschaft aus Reiches Haus: Nach dem letzten Winter, in dem die Speicher bedenklich leer gelaufen sind, werden die Marktakteure die Reservoire \u00fcber den Sommer wieder ausreichend f\u00fcllen. Also kein Grund zur Beunruhigung \u2013 und erst recht kein Grund f\u00fcr den Staat, bei der Bef\u00fcllung nachzuhelfen.<\/p>\n<p>In der Energiebranche gibt es dagegen nicht wenige, die mit zunehmender Sorge auf den n\u00e4chsten Winter schauen. Aktuell liegen die F\u00fcllst\u00e4nde der Speicher im Schnitt bei rund 43 Prozent \u2013 so wenig war es zuletzt im Krisensommer 2022, als Russland nach dem Angriff auf die Ukraine Westeuropa das Gas abdrehte. An diesem Dienstag warnte der Verband der Speicherbetreiber (Ines) vor Engp\u00e4ssen im Februar und M\u00e4rz, falls der Winter besonders kalt werde. So mancher Manager denkt mit Blick auf den Winter gar an eine Wette.<\/p>\n<\/p>\n<p>\u201eRein technisch\u201c sei es immer noch m\u00f6glich, bis zum Beginn der Heizsaison auf den Stand von 76 Prozent zu kommen, teilte der Speicherverband in seinem Juli-Update mit. Doch ob die H\u00e4ndler ihre gebuchten Kapazit\u00e4ten auch nutzen und die Gasmengen einspeichern, h\u00e4nge ma\u00dfgeblich von den Marktbedingungen ab. Tats\u00e4chlich fehlen seit Wochen die Preissignale f\u00fcr Einspeicherungen \u2013 auch wenn sich die Gasm\u00e4rkte nach dem Irankrieg beruhigt haben. Weil die Gaspreise zur Lieferung im Sommer niedriger sind als f\u00fcr den n\u00e4chsten Winter, lohnt es sich f\u00fcr H\u00e4ndler kaum, den Brennstoff kurzfristig einzukaufen und zu speichern, um ihn bei h\u00f6herer Nachfrage im Winter zu verkaufen. So war es auf dem Gasmarkt in fr\u00fcheren Zeiten stets \u00fcblich. Experten sprechen von einem negativen Sommer-Winter-Spread.<\/p>\n<h2>\u201eErhebliche Risiken\u201c f\u00fcr Versorgungssicherheit<\/h2>\n<p>Damit die Gasspeicher f\u00fcr die kommende Heizperiode st\u00e4rker bef\u00fcllt werden k\u00f6nnen, m\u00fcssten schon kurzfristig die \u201ewirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert werden\u201c, erkl\u00e4rte der Verband der Speicherbetreiber am Dienstag. Ines-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Sebastian Heinermann sagte, laut den Modellrechnungen sei die Versorgung zwar f\u00fcr Winter mit durchschnittlichen Temperaturen abgesichert. \u201eBei einem au\u00dfergew\u00f6hnlich kalten Winter steigen die Risiken jedoch erheblich\u201c, warnte Heinermann.<\/p>\n<p>In einem solchen Fall w\u00fcrden nach den Modellrechnungen des Verbands im Februar und M\u00e4rz 2027 bis zu neun Terawattstunden Gas fehlen. An einzelnen Tagen k\u00f6nne der Gasmangel sogar bis zu zwei Terawattstunden betragen, teilte Ines mit. Wie schnell sich die Speicher leeren k\u00f6nnen, zeigte sich im <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/gasspeicher-leer--bayern-wird-zum-sorgenfall-bei-der-gasversorgung-37109514.html\" class=\"external-link\">vergangenen Winter, als niedrige Temperaturen im Januar und Februar den F\u00fcllstand bis auf kritische 20 Prozent sinken lie\u00dfen<\/a>. Anschlie\u00dfend sorgte eine w\u00e4rmere Periode f\u00fcr Entspannung.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Ungeachtet der Sorgen in der Branche lehnt Wirtschaftsministerin Reiche bislang Markteingriffe als nicht erforderlich ab \u2013 so wie es im Krisenjahr 2022\/2023 geschah, als die damalige Ampelregierung f\u00fcr einen Milliardenbetrag Gas einkaufen lie\u00df, um die leeren Speicher zu f\u00fcllen. Mitte Juni sagte Reiche auf dem Kongress des Branchenverbands BDEW, sie wisse auch, dass man sich von den Vorausbuchungen von 76 Prozent \u201enichts kaufen\u201c k\u00f6nne. Am Ende brauche man schlicht die \u201ephysischen Mengen\u201c an Gas. Zugleich aber betonte die Ministerin unter Verweis auf die langsam steigenden Speicherst\u00e4nde: \u201eDer Markt funktioniert.\u201c Durch die Lieferungen von Fl\u00fcssigerdgas k\u00f6nne man bei Bedarf flexibel reagieren, argumentiert ihr Ministerium.<\/p>\n<p>F\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt Reiche allenfalls eine Notfallreserve, die unvorhergesehene externe Schocks und au\u00dfergew\u00f6hnliche Situationen abfedern soll \u2013 etwa wenn eine Panne oder Sabotage an der Gaspipeline aus Norwegen die Versorgung bedroht. Die Reserve solle dazu dienen, \u201eein St\u00fcck weit auf Nummer sicher\u201c zu gehen, sagte die CDU-Politikerin auf dem BDEW-Kongress. Dabei m\u00fcsse der Staat aber aufpassen, nicht zu teuer einzukaufen.<\/p>\n<h2>Notfallpuffer soll 30 Tage Lieferausfall \u00fcberbr\u00fccken<\/h2>\n<p>Ebenfalls an diesem Dienstag wurden Details bekannt, wie diese strategische Gasreserve konkret aussehen soll. Dabei geht es um eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von 24 Terawattstunden, was etwa zehn Prozent der Speicherkapazit\u00e4ten in Deutschland entspricht. Damit soll der Ausfall von Pipelinelieferungen aus Norwegen f\u00fcr 30 Tage kompensiert werden k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten f\u00fcr den Aufbau und den Gaseinkauf w\u00fcrden auf 1,2 bis 1,5 Mrd. Euro gesch\u00e4tzt, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Hinzu k\u00e4men laufende Kosten von 150 bis 180 Mio. Euro im Jahr. Die Finanzierung des Sicherheitspuffers soll \u00fcber eine Umlage erfolgen, die die Gasverbraucher bezahlen. Sie w\u00fcrde niedriger ausfallen als die Gasspeicherumlage, die Ende 2025 ausgelaufen war. Um Marktverzerrungen zu verhindern, soll der staatliche Gaseinkauf per Ausschreibungen \u00fcber mehrere Jahre gestreckt werden.\u00a0<\/p>\n<p>Nach Reiches Konzept, das im August vom Bundeskabinett verabschiedet werden soll, darf die Gasreserve allerdings nur im Krisenfall eingesetzt werden \u2013 und nicht f\u00fcr die regul\u00e4re Wintervorsorge. F\u00fcr den kommenden Winter steht der Notfallpuffer ohnehin nicht zur Verf\u00fcgung. Da setzt Reiche trotz der warnenden Stimmen aus der Branche wie schon im Vorjahr auf eine Devise, die ein Gasmanager so beschreibt: \u201eAugen zu und durch\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Die Gasspeicher k\u00f6nnten sich \u00fcber den Sommer nicht schnell genug f\u00fcllen, warnen die Betreiber. 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