{"id":14048,"date":"2026-07-18T12:10:54","date_gmt":"2026-07-18T10:10:54","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/historische-fehler-in-bezug-auf-russland-wiederholt-polen-sie-im-ukraine-konflikt\/"},"modified":"2026-07-18T12:10:54","modified_gmt":"2026-07-18T10:10:54","slug":"historische-fehler-in-bezug-auf-russland-wiederholt-polen-sie-im-ukraine-konflikt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/historische-fehler-in-bezug-auf-russland-wiederholt-polen-sie-im-ukraine-konflikt\/","title":{"rendered":"Historische Fehler\u00a0in Bezug auf Russland: Wiederholt Polen sie\u00a0im Ukraine-Konflikt?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Alex M\u00e4nner und Maria Fedorowa\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Am vergangenen Samstag wurde in Polen\u00a0der\u00a0Massaker an der\u00a0polnischen Bev\u00f6lkerung in\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massaker_in_Wolhynien_und_Ostgalizien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wolhynien und Ostgalizien<\/a>\u00a0gedacht, bei denen\u00a0zwischen\u00a01943\u00a0und 1945\u00a0bis zu 100.000 Menschen von ukrainischen Nationalisten ermordet wurden. Verantwortlich f\u00fcr dieses Verbrechen, das in Polen als V\u00f6lkermord eingestuft wird, sind die Mitglieder der sogenannten Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und ihres milit\u00e4rischen Armes, der Ukrainischen Aufst\u00e4ndischen Armee (UPA), die im Zweiten Weltkrieg mit Hitler-Deutschland kollaboriert haben, dabei unz\u00e4hlige Gr\u00e4ueltaten an Polen, Russen, Juden und anderen V\u00f6lkern begangen haben und nach dem N\u00fcrnberger Tribunal daher als Kriegsverbrecher gelten.<\/p>\n<p>Diese historischen Ereignisse stehen im direkten Zusammenhang mit dem seit Jahren anhaltenden Streit zwischen Polen und der Ukraine um die ukrainische Erinnerungskultur, der aufgrund der j\u00fcngsten Verherrlichung von ukrainischen Nazi-Kollaborateuren und Kriegsverbrechern durch die heutige ukrainische F\u00fchrung vor wenigen Wochen erneut in den Vordergrund r\u00fcckte und sich offenbar immer weiter zuspitzt. Anlass daf\u00fcr ist die Errichtung eines <a href=\"https:\/\/kyivindependent.com\/ukrainian-parliament-approves-creating-pantheon-to-commemorate-national-heroes\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;nationalen Pantheons&#8220;<\/a> in der Ukraine f\u00fcr Mitglieder von OUN-UPA.<\/p>\n<\/p>\n<h4><strong>Polen und der ukrainische Nationalismus\u00a0<\/strong><\/h4>\n<p>In Polen l\u00f6ste dies nicht nur heftige Kritik an Wladimir Selenskij und seiner Regierung aus, sondern auch einen breiten Widerstand gegen die Integration der Ukraine in die EU. Inzwischen fordern immer mehr Polen, wie etwa der Chef der Oppositionspartei &#8222;Recht und Gerechtigkeit&#8220; (PiS), Jaroslaw Kaczynski, Kiews m\u00f6glichen EU-Beitritt zu blockieren, wenn sich die ukrainische Politik bez\u00fcglich des Kults um den einstigen ukrainischen Nationalistenf\u00fchrer Stepan Bandera und der &#8222;Verherrlichung der Kriegsverbrecher von OUN-UPA&#8220; nicht \u00e4ndere. Kaczynski <a href=\"https:\/\/wiadomosci.gazeta.pl\/polityka\/7,198012,32877400,kaczynski-polska-powinna-rozpoczac-blokowanie-rokowan-dotyczacych.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zufolge<\/a> sollte weder Polen noch ein anderer &#8222;souver\u00e4ner Staat einen V\u00f6lkermord gegen seine eigene Nation tolerieren&#8220;. Deshalb d\u00fcrfe man nicht erlauben, &#8222;dass der &#8218;Banderismus&#8216;, eine der kriminellsten und unmenschlichsten Ideologien, die heute die Gesinnung der ukrainischen Nation pr\u00e4gt, in der EU zugelassen wird&#8220;.<\/p>\n<\/p>\n<p>Man muss betonen, dass die Verherrlichung der ukrainischen Nazi-Kollaborateure durch die Ukraine f\u00fcr die\u00a0polnische\u00a0Gesellschaft heute eine rote Linie darstellt und dass die Erinnerung an die Massaker von Wolhynien und Ostgalizien\u00a0sowohl f\u00fcr die\u00a0nationale\u00a0W\u00fcrde\u00a0als\u00a0auch\u00a0die\u00a0nationalen Identit\u00e4tsbildung\u00a0der Polen eine immense Bedeutung hat.\u00a0<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund k\u00f6nnte sich in Polen nun eine echte Trendwende in Bezug auf die heutige Ukraine abzeichnen. Eine positive Entwicklung, zu der es aber gar nicht erst h\u00e4tte kommen m\u00fcssen, wenn Warschau von Anfang an die heutige Verherrlichung des\u00a0bekanntesten ukrainischen Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera sowie der Mitglieder von OUN und UPA in der Ukraine verurteilt h\u00e4tte. Stattdessen\u00a0unterst\u00fctzte\u00a0Polen jene politischen Kr\u00e4fte der Ukraine, die\u00a0nach dem\u00a0gewaltsamen\u00a0&#8222;Maidan-Putsch&#8220;\u00a02014 die\u00a0Macht in Kiew\u00a0\u00fcbernommen\u00a0haben\u00a0und sofort\u00a0damit begannen, ukrainische Nazi-Schergen\u00a0aus dem Zweiten Weltkrieg\u00a0politisch reinzuwaschen. Noch im gleichen Jahr unterst\u00fctzte Polen die Ukraine bei ihrem Waffengang gegen die damals entstandenen Donbass-Volksrepubliken DNR und LNR, die den\u00a0ukrainischen Nationalismus\u00a0bekanntlich ebenfalls ablehnen. Damit brach Kiew einen langen und blutigen B\u00fcrgerkrieg vom Zaun, der schlie\u00dflich in einen Krieg mit Russland m\u00fcndete. Auch dabei unterst\u00fctzt\u00a0Warschau\u00a0die\u00a0ukrainische Seite, ungeachtet der f\u00fcr Polen damit verbundenen enormen finanziellen Kosten und der Gefahr einer milit\u00e4rischen Auseinandersetzung mit Russland.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Lehren aus der polnischen Geschichte\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Bedenken der Polen in diesem Zusammenhang wurden von ihren Politikern stets ignoriert. Diese h\u00e4tten allerdings\u00a0l\u00e4ngst erkannt haben m\u00fcssen, dass ihre Ukraine-Politik im Hinblick auf die Interessen des polnischen Volkes unw\u00fcrdig ist und dass ihre \u2013 aus strategischer Sicht \u2013 fragw\u00fcrdige Au\u00dfenpolitik respektive die Aggression in Bezug auf Russland Polen teuer zu stehen kommen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr spricht etwa die historische Erfahrung, die deutlich aufzeigt, dass Warschau sich mit seiner russlandfeindlichen Strategie schon mehrfach verkalkuliert hatte und\u00a0infolgedessen\u00a0einen hohen Preis\u00a0zahlen musste. So zum Beispiel in\u00a0den 1930er Jahren, als Polen\u00a0einen riskanten Kurs einschlug und unter anderem pragmatische Beziehungen zu\u00a0Nazi-Deutschland aufbauen wollte, was auf den ersten Blick sogar rational erscheinen mag: Zum Beispiel versuchte man,\u00a0Spannungen mit Berlin\u00a0zu\u00a0vermeiden und Zeit zu gewinnen, um die eigene Sicherheit in dem von\u00a0Adolf Hitler\u00a0immer mehr unter Druck gesetzten Europa zu st\u00e4rken. Nach M\u00f6glichkeit sollte auch eine Partnerschaft mit dem wiedererstarkten\u00a0westlichen\u00a0Nachbarn\u00a0erreicht werden, nat\u00fcrlich mit Blick auf eine\u00a0gemeinsame\u00a0\u2013 von Polen damals ausdr\u00fccklich erw\u00fcnschte \u2013 antisowjetische Aggression.\u00a0<\/p>\n<p>Aber die geopolitischen Interessen Polens entsprachen nicht\u00a0den\u00a0langfristigen Pl\u00e4nen der\u00a0Nazis, in deren rassistischem\u00a0Weltbild es n\u00e4mlich keinen Platz f\u00fcr Polen gab. Sie betrachteten die Polen lediglich als ein Mittel zum Zweck und ben\u00f6tigten etwa das polnische Einverst\u00e4ndnis bei der Zerschlagung der Tschechoslowakei 1938 oder bei der Regelung des deutschen Transits nach Ostpreu\u00dfen. Im Grunde tappte Polen damals in eine strategische Falle, da\u00a0es\u00a0von\u00a0seinen\u00a0Verb\u00fcndeten Gro\u00dfbritannien und Frankeich angesichts deren Beschwichtigungspolitik gegen\u00fcber Berlin im Kriegsfall keinen milit\u00e4rischen Beistand\u00a0erwarten konnte und Deutschland somit ausgeliefert war.\u00a0Durch den\u00a0deutschen \u00dcberfall 1939 und\u00a0die deutsche Besatzung\u00a0verlor Polen bis zu seiner Befreiung im Jahr 1945 durch die Rote Armee rund sechs Millionen seiner B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Nun mag der\u00a0Vergleich mit der Involvierung Polens in den Ukraine-Konflikt zwar hinken, aber wer wei\u00df, wohin diese Krise noch f\u00fchren wird. Zudem gibt es hier eindeutig Parallelen und zumindest die historische Gewissheit, dass Polen immer dann geopolitische Fehlschl\u00e4ge\u00a0hinnehmen musste, wenn es sich mit russlandfeindlichen M\u00e4chten zu arrangieren versuchte, sich fremden Interessen unterordnete und die eigenen fundamentalen Interessen missachtete.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p><strong>Wachsende\u00a0Widerspr\u00fcche\u00a0in\u00a0Polen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ungeachtet dessen ger\u00e4t Polen heute wieder in eine Falle, und zwar in die Falle seiner eigenen Erwartungen, vor allem an den Westen und dessen Dankbarkeit f\u00fcr die Rolle Warschaus im Kampf gegen Russland. Denn\u00a0trotz\u00a0der umfangreichen polnischen Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine werden die polnischen Interessen offenbar nur ber\u00fccksichtigt, solange sie nicht gegen die Ukraine gerichtet sind und dem\u00a0Kampf\u00a0gegen\u00a0Moskau nicht schaden. Und dazu geh\u00f6rt eben die Verschleierung der Tatsache, dass Stepan Bandera,\u00a0UPA-Chef\u00a0Andrej Melnik und andere ukrainische Nazi-Kollaborateure heute in der Ukraine einen Heldenstatus genie\u00dfen.\u00a0<\/p>\n<p>Das Paradoxe an der Situation aus polnischer Sicht ist, dass die politischen Differenzen zwischen Polen und der Ukraine sowie ihre wachsende gegenseitige\u00a0Verachtung zwar immer st\u00e4rker zum Vorschein treten, Warschau jedoch als Teil des kollektiven Westens Kiew weiterhin unterst\u00fctzen muss. Um aber dar\u00fcber hinwegzut\u00e4uschen, dass die eigenen Interessen\u00a0dabei\u00a0zu kurz kommen, hebt die polnische F\u00fchrung mal wieder das in Polen weitverbreitete Selbstverst\u00e4ndnis\u00a0als\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/29250\/die-historische-erinnerung-in-polen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Christus der V\u00f6lker&#8220;<\/a>\u00a0hervor \u2013 ein gesellschaftspolitisches\u00a0Stereotyp aus dem 19. Jahrhundert, das ein wichtiges Element der nationalen Identit\u00e4tsbildung darstellt und von der Vorstellung handelt, dass Polen in seiner Historie eine besondere Mission wahrnahm und sich\u00a0opferte, um Europa vor der Bedrohung von au\u00dfen zu sch\u00fctzen. Gemeint sind damit auch fr\u00fchere Kriege gegen Russland um die polnische Unabh\u00e4ngigkeit.\u00a0<\/p>\n<p>In Anspielung darauf\u00a0<a href=\"https:\/\/frontnews.ge\/en\/news\/tuski-varshava-aghar-sheidzleba-iqos-ertaderti-romelits-mudmivad-ketil-nebas-avlens\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">erkl\u00e4rte<\/a>\u00a0der polnische Premierminister Donald Tusk k\u00fcrzlich:\u00a0<\/p>\n<p><em>&#8222;Es k\u00e4mpft zwar\u00a0die\u00a0Ukraine, aber Polen tr\u00e4gt die Hauptlast beim Grenzschutz und hat das Recht auf eine besondere Haltung. [\u2026]\u00a0Polen hat eine gro\u00dfe Verantwortung f\u00fcr den Schutz der \u00f6stlichen Grenze der Europ\u00e4ischen Union.&#8220;\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Doch\u00a0angesichts des Streits\u00a0um die ukrainische Erinnerungskultur stellen sich immer mehr Polen die\u00a0Frage, wer\u00a0denn in Wirklichkeit ihr Feind ist und vor wem Europa eigentlich gesch\u00fctzt werden sollte. Zudem steht\u00a0nat\u00fcrlich die\u00a0Frage im Raum, ob die eigenen Interessen noch mit der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine zu vereinbaren sind.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Diese wachsenden Widerspr\u00fcche f\u00fchrten zuletzt dazu, dass Warschau\u00a0Selenskij\u00a0die h\u00f6chste staatliche Auszeichnung Polens, den &#8222;Orden des Wei\u00dfen Adlers&#8220;, entzog. Eigentlich\u00a0symbolisiert die\u00a0Vergabe solcher Orden immer die Anerkennung von Verdiensten, w\u00e4hrend die Aberkennung als politisches Signal gilt. Durch die Aberkennung sendete Warschau ein klares Signal an Kiew, das allerdings ignoriert wird. Nun\u00a0h\u00e4ngt\u00a0es an der polnischen F\u00fchrung, dem Signal auch klare Taten folgen zu lassen, sofern Patriotismus und nationale W\u00fcrde f\u00fcr sie keine leeren Worth\u00fclsen sind.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0<\/strong>\u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/europa\/285678-wie-nazi-helden-heutigen-ukraine\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wie die Nazi-Helden der heutigen Ukraine im Zweiten Weltkrieg Massaker an Polen ver\u00fcbten<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7ah476\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Alex M\u00e4nner und Maria Fedorowa\u00a0 Am vergangenen Samstag wurde in Polen\u00a0der\u00a0Massaker an der\u00a0polnischen Bev\u00f6lkerung in\u00a0Wolhynien und Ostgalizien\u00a0gedacht, bei denen\u00a0zwischen\u00a01943\u00a0und 1945\u00a0bis zu 100.000 Menschen von ukrainischen Nationalisten ermordet wurden. 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