{"id":14081,"date":"2026-07-18T18:12:29","date_gmt":"2026-07-18T16:12:29","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/frankreich-macht-sich-an-billige-morde-an-rentnern\/"},"modified":"2026-07-18T18:12:29","modified_gmt":"2026-07-18T16:12:29","slug":"frankreich-macht-sich-an-billige-morde-an-rentnern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/frankreich-macht-sich-an-billige-morde-an-rentnern\/","title":{"rendered":"Frankreich macht sich an billige Morde an Rentnern"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Waleria Werbinina<\/em><\/p>\n<p>Von nun an wird es in Frankreich nach dem Vorbild einiger anderer L\u00e4nder m\u00f6glich sein, auf eine t\u00f6dliche Injektion zur\u00fcckzugreifen, wenn auf Wunsch eines schwerkranken Patienten dessen Lebensbeendigung gew\u00e4hrleistet werden muss. Das entsprechende Gesetz wurde von der Nationalversammlung verabschiedet.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, der seit 2022 versprochen hatte, einen solchen Gesetzentwurf zu verabschieden, erkl\u00e4rte, er habe &#8222;sein Versprechen gehalten&#8220;. Die Pr\u00e4sidentin der Nationalversammlung Ya\u00ebl Braun-Piv\u00e9 versicherte, dass &#8222;dies ein gro\u00dfartiger Text f\u00fcr unsere Republik ist\u00a0(\u2026), auf den unsere Landsleute so sehns\u00fcchtig gewartet haben&#8220;.<\/p>\n<p>Seltsam, dass die Landsleute nicht auf etwas Besseres und Lebensnahes gewartet haben, etwa eine Erh\u00f6hung der Sozialleistungen und Renten, doch das Warten hat tats\u00e4chlich lange gedauert. Der Senat, in dem die Rechte eine bedeutende Rolle spielt, hat den Gesetzentwurf gleich dreimal zur\u00fcckgewiesen, doch die Regierung machte von ihrem Recht Gebrauch, den Entwurf schlie\u00dflich der Nationalversammlung zur endg\u00fcltigen Verabschiedung vorzulegen, und setzte so dessen Annahme durch.<\/p>\n<p>Den Bef\u00fcrwortern des neuen Gesetzes mangelt es nicht an Argumenten. Ja, es gibt Menschen, die an unheilbaren Krankheiten leiden, die mit gro\u00dfem Leid einhergehen. Und in einer solchen Situation, wenn ein Mensch beschlie\u00dft, seinem Leben ein Ende zu setzen, solle man ihm helfen, denn das gebietet die einfache Menschlichkeit.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Missbr\u00e4uche? Nein, die Anwendungsbedingungen des Gesetzes seien streng festgelegt und betreffen nur Erwachsene, die nachweislich an einer unheilbaren Krankheit leiden und starke k\u00f6rperliche Qualen ertragen m\u00fcssen sowie eindeutig und unmissverst\u00e4ndlich den Wunsch \u00e4u\u00dfern, ihrem Leben ein Ende zu setzen.<\/p>\n<p>In einem solchen Mord liege keinerlei Menschlichkeit, widerspricht der ber\u00fchmte franz\u00f6sische Schriftsteller Michel Houellebecq und betont:<\/p>\n<p><em>&#8222;Man wei\u00df schon seit Zehntausenden von Jahren, wie man jemanden vergiftet.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dies sei kein fortschrittliches Ph\u00e4nomen, wie die Bef\u00fcrworter des Gesetzes behaupten, sondern ein R\u00fcckschritt. Und mehr noch, schreibt Houellebecq, eine Gesellschaft, die Sterbehilfe legalisiert, verliert in seinen Augen jegliches Recht auf Respekt, unter anderem auch deshalb, weil es gen\u00fcgend Mittel gebe, die es erm\u00f6glichen, Schmerzen zu lindern, und diese den \u00c4rzten bestens bekannt seien. Jedem Kranken sollten &#8222;aus offensichtlichen moralischen Gr\u00fcnden&#8220; die bestm\u00f6glichen Lebensbedingungen gew\u00e4hrleistet werden, nicht die des Todes. Der Schriftsteller bemerkt in seinem Essay f\u00fcr <em>Le Point<\/em>:<\/p>\n<p><em>&#8222;Nat\u00fcrlich wird man nicht \u00fcber Geld sprechen.<\/em><\/p>\n<p><em>Begr\u00fcndungen f\u00fcr Motive erfinden schamhafte Menschen. Doch die Rechnung ist einfach:<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Sterbender kostet viel, ein Toter kostet nichts. Ginge es um eine echte Zivilisation, w\u00fcrde man Hospize bauen; stattdessen verabschiedet man ein Gesetz. (Die Sterbehilfe) geht schneller, ist praktisch kostenlos, und man wird sie als ein neues Recht bezeichnen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Houellebecq hat offen ausgesprochen, wor\u00fcber viele lieber schweigen: dass die \u00dcberalterung der franz\u00f6sischen Gesellschaft eine Reihe schwerwiegender sozialer Probleme verursacht oder versch\u00e4rft. Sterbebegleitung ist in der Tat nicht billig, und in einer Gesellschaft, in der es immer mehr \u00e4ltere Menschen gibt, m\u00fcssen daf\u00fcr jedes Jahr immer mehr Haushaltsmittel aufgewendet werden.<\/p>\n<p>Durch die Einf\u00fchrung eines Gesetzes zur Sterbehilfe\u00a0\u2013 mit zahlreichen Vorbehalten und der Betonung, dass alles ausschlie\u00dflich auf Wunsch des Patienten geschehen muss\u00a0\u2013 werden die Beh\u00f6rden die Franzosen nach und nach daran gew\u00f6hnen, zu glauben, dass an einer solchen Beendigung des Lebens nichts Besonderes ist. Und in Zukunft wird es m\u00f6glich sein, das Gesetz zu erg\u00e4nzen, auszuweiten und das ausschlie\u00dfliche Recht des Patienten, \u00fcber sein Leben zu verf\u00fcgen, geschickt einzuschr\u00e4nken. So k\u00f6nnten dann beispielsweise \u00c4rzte entscheiden, ob der schwerkranke Monsieur Dupont oder Madame Durand das Recht haben zu atmen, oder ob ihr Zustand so aussichtslos ist, dass es einfacher und kosteng\u00fcnstiger ist, sie hier und jetzt einzuschl\u00e4fern. Und all dies wird unweigerlich unter Berufung auf Humanismus und Fortschritt geschehen.<\/p>\n<p>Mit dieser Position gegen die Sterbehilfe steht Houellebecq nicht allein da. Gegen das neue Gesetz haben sich wiederholt Vertreter der katholischen Kirche ausgesprochen, die es als Widerspruch zu den Grunds\u00e4tzen des Christentums betrachten, ebenso wie rechte Politiker und Vertreter der medizinischen Fachwelt.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sidentschaftskandidat Bruno Retailleau, der sich wiederholt gegen das sogenannte Gesetz zum Lebensende ausgesprochen hat, erkl\u00e4rte, dass diese Frage einem Referendum unterzogen werden m\u00fcsse, und versprach, im Falle seiner Wahl ein solches Referendum abzuhalten.<\/p>\n<p>Vertreter der medizinischen Fachwelt\u00a0\u2013 Internisten, Intensivmediziner und Fach\u00e4rzte\u00a0\u2013 verfassten einen offenen Brief, der von <em>Le Figaro<\/em> ver\u00f6ffentlicht wurde. Darin wiesen sie darauf hin, dass &#8222;das Gesetz eine strukturelle Zweideutigkeit in die \u00e4rztliche Praxis einf\u00fchrt&#8220;, da sich der Arzt im Falle einer ung\u00fcnstigen Diagnose &#8222;entschieden auf die Seite des Patienten gegen die Krankheit stellt&#8220;. Darauf beruht das Vertrauen zwischen Arzt und Patient\u00a0\u2013 dass der Arzt immer auf seiner Seite steht, ihn unterst\u00fctzt und ihm hilft.<\/p>\n<p>Nun stelle sich pl\u00f6tzlich heraus, dass der Arzt das Recht erhalte, den Patienten zum Sterben zu zwingen, was ihre Beziehung grundlegend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Der Gesetzestext listet praktisch alle chronischen Krankheiten auf, was seinen Anwendungsbereich erweitere, da damit faktisch auf einen Schlag &#8222;Hunderttausende Menschen&#8220; im Fokus st\u00fcnden. Er ber\u00fccksichtige den psychischen Zustand der Patienten nicht, zwinge den Arzt, eine ihm fremde Rolle zu spielen, und werte seine Arbeit faktisch ab. Die Verfasser des Briefes betonen, dass allen ein effektiver Zugang zu Palliativversorgung garantiert werden sollte, anstatt Gesetze zur Sterbehilfe zu verabschieden.<\/p>\n<p>Die Regierung blieb jedoch taub gegen\u00fcber der Meinung der Fachleute und setzte das Gesetz mit einer \u00fcberzeugten Hartn\u00e4ckigkeit und trotz des Widerstands des Senats durch. F\u00fcr eine solche Hartn\u00e4ckigkeit muss es tats\u00e4chlich schwerwiegende wirtschaftliche Gr\u00fcnde geben, denn beispielsweise sind die statistischen Daten \u00fcber franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrger, die sich f\u00fcr den freiwilligen Tod entschieden und zu diesem Zweck im vergangenen Jahr nach Belgien oder in die Schweiz gereist sind, keineswegs beeindruckend.<\/p>\n<p>158 Menschen\u00a0\u2013 so viele Franzosen haben sich f\u00fcr den assistierten Suizid in Nachbarl\u00e4ndern entschieden, in denen bereits ein Gesetz zur Sterbehilfe in Kraft ist. Die Mehrheit (110 Personen) entschied sich f\u00fcr Belgien, wo man sogar eine Erstattung der mit der Sterbehilfe verbundenen medizinischen Kosten erreichen kann, und zwar in H\u00f6he von ganzen 180\u00a0Euro. 48 B\u00fcrger w\u00e4hlten die Schweiz, wo das Recht auf Sterbehilfe den Patienten hingegen etwa 10.000\u00a0Euro kostet. Das Alter der Patienten liegt in der Regel zwischen 50 und 79\u00a0Jahren, die Erkrankungen sind Krebs, die Charcot-Krankheit und so weiter. \u00dcbrigens erlauben die belgische und die schweizerische Gesetzgebung im Gegensatz zur franz\u00f6sischen Version die Sterbehilfe aufgrund einer psychischen Erkrankung oder einer Krankheit wie Alzheimer.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische Fassung hingegen umfasst alle chronischen Erkrankungen pauschal, und es ist kein Zufall, dass \u00c4rzte, die gegen die Verabschiedung des Gesetzes protestierten, schreiben, dass es potenziell um Hunderttausende von Menschen gehe.<\/p>\n<p>Der humane und demokratische Westen scheint endg\u00fcltig beschlossen zu haben, dass alte Menschen dort keinen Platz mehr haben. Denn siehe da: Sie werden krank, \u00fcberlasten das Gesundheitssystem, zwingen die \u00c4rzte, sie zu behandeln, und obendrein ist der Staat noch verpflichtet, ihnen Rente zu zahlen. Macht nichts, das neue Gesetz wird all diese Probleme l\u00f6sen. Und das Ganze kostet gerade einmal 180\u00a0Euro pro Patient.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/world\/2026\/7\/17\/1435533.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 17. Juli 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em>Waleria Werbinina ist Analystin bei der Zeitung Wsgljad.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/europa\/285752-rekordhitze-in-europa-mehr-als\/\">Rekord-Temperaturen in Europa: Schon mehr als 10.000 Hitzetote <\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Waleria Werbinina Von nun an wird es in Frankreich nach dem Vorbild einiger anderer L\u00e4nder m\u00f6glich sein, auf eine t\u00f6dliche Injektion zur\u00fcckzugreifen, wenn auf Wunsch eines schwerkranken Patienten dessen Lebensbeendigung gew\u00e4hrleistet werden muss. Das entsprechende Gesetz wurde von der Nationalversammlung verabschiedet. Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, der seit 2022 versprochen hatte, einen solchen Gesetzentwurf [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4846,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_gspb_post_css":"","_uag_custom_page_level_css":"","fifu_image_url":"","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-14081","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik"],"blocksy_meta":[],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=1920&resize=1920,1080&ssl=1",1920,1080,true],"thumbnail":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=150&resize=150,150&ssl=1",150,150,true],"medium":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=300&resize=300,300&ssl=1",300,300,true],"medium_large":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=768&resize=768,0&ssl=1",768,0,true],"large":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=1024&resize=1024,1024&ssl=1",1024,1024,true],"1536x1536":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=1536&resize=1536,1536&ssl=1",1536,1536,true],"2048x2048":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=2048&resize=2048,2048&ssl=1",2048,2048,true],"trp-custom-language-flag":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=18&resize=18,12&ssl=1",18,12,true]},"uagb_author_info":{"display_name":"admin","author_link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/author\/admin\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Von Waleria Werbinina Von nun an wird es in Frankreich nach dem Vorbild einiger anderer L\u00e4nder m\u00f6glich sein, auf eine t\u00f6dliche Injektion zur\u00fcckzugreifen, wenn auf Wunsch eines schwerkranken Patienten dessen Lebensbeendigung gew\u00e4hrleistet werden muss. Das entsprechende Gesetz wurde von der Nationalversammlung verabschiedet. Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, der seit 2022 versprochen hatte, einen solchen Gesetzentwurf&hellip;","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14081","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14081"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14081\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4846"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14081"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14081"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14081"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}