{"id":14111,"date":"2026-07-19T09:04:42","date_gmt":"2026-07-19T07:04:42","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/uncategorized\/pepe-escobar-der-iran-schlaegt-gegen-die-strategischen-lebensadern-des-golfs-zurueck-und-washington-verliert-die-kontrolle-ueber-die-eskalation\/"},"modified":"2026-07-19T09:04:42","modified_gmt":"2026-07-19T07:04:42","slug":"pepe-escobar-der-iran-schlaegt-gegen-die-strategischen-lebensadern-des-golfs-zurueck-und-washington-verliert-die-kontrolle-ueber-die-eskalation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/uncategorized\/pepe-escobar-der-iran-schlaegt-gegen-die-strategischen-lebensadern-des-golfs-zurueck-und-washington-verliert-die-kontrolle-ueber-die-eskalation\/","title":{"rendered":"Pepe Escobar: Der Iran schl\u00e4gt gegen die strategischen Lebensadern des Golfs zur\u00fcck \u2013 und Washington verliert die Kontrolle \u00fcber die Eskalation"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4ch mit dem politischen Kommentator Danny Haiphong analysiert der brasilianische Journalist und Geopolitik-Kenner Pepe Escobar die j\u00fcngste Eskalation des Krieges gegen den Iran. Im Mittelpunkt stehen die Angriffe auf die K\u00f6nig-Fahd-Br\u00fccke zwischen Bahrain und Saudi-Arabien, iranische Schl\u00e4ge gegen Energie- und Hafeninfrastruktur am Persischen Golf, ein r\u00e4tselhafter Notfall mit einem F-35-Kampfjet sowie die wachsende Gefahr, dass auch der Jemen und die Meerenge Bab al-Mandab vollst\u00e4ndig in den Konflikt hineingezogen werden. Escobar sieht hinter dem Krieg l\u00e4ngst mehr als einen regionalen Konflikt: F\u00fcr ihn richtet sich der Angriff zugleich gegen die wirtschaftliche Integration Eurasiens, gegen China, Russland und die BRICS-Staaten sowie gegen den schrittweisen Niedergang des Petrodollar-Systems.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\">\n<div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Pepe Escobar: Iran SMASHES Bahrain-Saudi Bridge, F-35 EMERGENCY as Trump GOES MAD\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/kHPXtttJjAQ?start=44&amp;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div>\n<\/figure>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eBr\u00fccke f\u00fcr Br\u00fccke\u201c: Der Iran beantwortet Angriffe auf seine Infrastruktur<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Beginn des Interviews beschreibt Haiphong eine neue Stufe der iranischen Vergeltung. Nachdem die Vereinigten Staaten nach seinen Angaben mehrere Br\u00fccken im Iran bombardiert hatten, habe Teheran seinerseits einen strategisch hochsensiblen Verkehrsknoten angegriffen: die K\u00f6nig-Fahd-Br\u00fccke, die Bahrain mit Saudi-Arabien verbindet.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig seien US-Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte in den Vereinigten Arabischen Emiraten ins Visier geraten. In zeitlicher N\u00e4he zu diesen Angriffen habe es einen Notfall mit einem F-35-Kampfjet gegeben. Ein direkter Zusammenhang mit einem iranischen Angriff sei zwar nicht best\u00e4tigt worden. Auff\u00e4llig sei jedoch, dass das US-Zentralkommando CENTCOM bei Berichten \u00fcber eigene Verluste oder technische Probleme regelm\u00e4\u00dfig nur sehr zur\u00fcckhaltend informiere.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Bahrain sei in der Nacht schwer getroffen worden. Die dortige BAPCO-Raffinerie beziehungsweise die f\u00fcr den Golf wichtige Energieinfrastruktur sei nach den im Interview genannten Berichten von iranischen Raketen getroffen worden. Gleichzeitig erkl\u00e4rte CENTCOM, Dutzende Ziele entlang der iranischen S\u00fcdk\u00fcste angegriffen zu haben.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar macht deutlich, dass die iranischen Angriffe seiner Einsch\u00e4tzung nach nicht wahllos erfolgen. Sie seien Teil einer kontrollierten und schrittweise gesteigerten Antwort. Teheran versuche, Schaden zu verursachen, ohne sofort s\u00e4mtliche Eskalationsm\u00f6glichkeiten auszusch\u00f6pfen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Botschaft laute: Der Iran sei f\u00e4hig, strategische Verkehrsadern, H\u00e4fen, Raffinerien, Luftwaffenst\u00fctzpunkte und Energiezentren der US-Verb\u00fcndeten im Golf zu erreichen. Bislang beschr\u00e4nke er sich jedoch auf dosierte Warnungen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die K\u00f6nig-Fahd-Br\u00fccke als strategisches Warnsignal<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die rund 25 Kilometer lange K\u00f6nig-Fahd-Br\u00fccke ist weit mehr als eine gew\u00f6hnliche Stra\u00dfenverbindung. Sie verbindet die Insel Bahrain direkt mit dem saudischen Festland und besitzt damit eine enorme wirtschaftliche, milit\u00e4rische und politische Bedeutung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar erkl\u00e4rt, er sei selbst \u00fcber diese Verbindung gereist. In ihrer regionalen Bedeutung k\u00f6nne man sie \u2013 mit gewissen Einschr\u00e4nkungen \u2013 mit der Krim-Br\u00fccke vergleichen. Nicht, weil beide Bauwerke identisch seien, sondern weil sie als technisch aufwendige und politisch hochsymbolische Verbindung zweier strategisch wichtiger Gebiete fungieren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Zeitpunkt des Interviews sei das tats\u00e4chliche Ausma\u00df der Sch\u00e4den noch unklar gewesen. Es sei m\u00f6glich, dass der iranische Angriff zun\u00e4chst nur als Warnschuss gedacht gewesen sei. Doch Escobar warnt zugleich:<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eVon jetzt an wird es keine Warnsch\u00fcsse mehr geben.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ihn ist der Angriff daher weniger wegen der unmittelbar entstandenen Sch\u00e4den entscheidend als wegen der damit verbundenen Botschaft. Der Iran habe gezeigt, dass er eine zentrale Lebensader Bahrains und Saudi-Arabiens erreichen k\u00f6nne. Sollte die Eskalation weitergehen, k\u00f6nne ein k\u00fcnftiger Angriff wesentlich zerst\u00f6rerischer ausfallen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Iran k\u00f6nnte versuchen, die Br\u00fccke vollst\u00e4ndig au\u00dfer Betrieb zu setzen und Bahrain damit zumindest zeitweise vom direkten Landweg nach Saudi-Arabien abzuschneiden. Dies w\u00e4re besonders heikel, weil Bahrain nicht nur ein enger Verb\u00fcndeter Washingtons ist, sondern auch das Hauptquartier der F\u00fcnften US-Flotte beherbergt.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Angriff auf Chabahar: Washington bombardiert nicht nur den Iran<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders w\u00fctend reagiert Escobar auf die Bombardierung der Hafeninfrastruktur von Chabahar im S\u00fcdosten des Iran. Er betont, dass der dort getroffene Kontrollturm nicht in erster Linie eine milit\u00e4rische Anlage gewesen sei. Er habe den zivilen Frachtverkehr und die Abwicklung des Hafens kontrolliert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar kennt den Hafen aus eigener Anschauung. F\u00fcr eine Dokumentation mit dem Titel \u201eThe Golden Corridor\u201c habe er Chabahar besucht und dort die Bedeutung des Standorts f\u00fcr die zuk\u00fcnftige wirtschaftliche Vernetzung Eurasiens untersucht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chabahar liegt in der Provinz Sistan und Belutschistan am Golf von Oman, unweit der pakistanischen Grenze. Der Hafen ist ein zentraler Bestandteil des Internationalen Nord-S\u00fcd-Transportkorridors, der Indien \u00fcber den Iran mit Russland, Zentralasien und dar\u00fcber hinaus verbinden soll.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Korridor erm\u00f6glicht es, einen Teil des Warenverkehrs an traditionellen westlich dominierten Handelswegen vorbeizuf\u00fchren. Dazu geh\u00f6rt insbesondere die Route durch den Suezkanal. Zugleich schafft er neue Transportm\u00f6glichkeiten, die nicht vollst\u00e4ndig vom Dollar-basierten Handelssystem abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobars zentrale These lautet daher: Mit dem Angriff auf Chabahar bombardieren die Vereinigten Staaten nicht nur einen iranischen Hafen. Sie greifen einen der wichtigsten zuk\u00fcnftigen Verbindungskorridore zwischen Russland, Iran und Indien an.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chabahar sei ein ziviler Knotenpunkt einer neuen eurasischen Handelsarchitektur. Der Angriff richte sich deshalb indirekt gegen mehrere Staaten gleichzeitig.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar formuliert es drastisch: Wer Chabahar bombardiere, bombardiere einen Teil der neuen Seidenstra\u00dfen und damit zugleich Iran, Russland, Indien und China.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Chabahar und Gwadar: Zwei H\u00e4fen, ein strategisches Netzwerk<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur rund 80 Kilometer von Chabahar entfernt liegt auf pakistanischer Seite der Hafen Gwadar. Dieser bildet einen zentralen Bestandteil des China-Pakistan Economic Corridor, einem der wichtigsten Projekte innerhalb der chinesischen Belt-and-Road-Initiative.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar zufolge entwickeln sich Chabahar und Gwadar zunehmend zu Schwesterh\u00e4fen. Sollte Chabahar aufgrund der amerikanischen Angriffe zeitweise nicht voll nutzbar sein, k\u00f6nnten iranische Waren \u00fcber Land nach Pakistan transportiert und von Gwadar aus verschifft werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit werde deutlich, wie schwierig es sei, den Iran tats\u00e4chlich wirtschaftlich abzuschneiden. Die USA k\u00f6nnten einzelne H\u00e4fen, Stra\u00dfen, Br\u00fccken oder Eisenbahnverbindungen bombardieren. Doch das entstehende Netz aus alternativen Handelswegen lasse sich nicht ohne Weiteres zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pakistan habe mehrere Landkorridore f\u00fcr den iranischen Handel ge\u00f6ffnet. Dadurch k\u00f6nne der Iran Exporte auch dann fortsetzen, wenn seine H\u00e4fen am Persischen Golf blockiert oder besch\u00e4digt seien.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">China unterst\u00fctze diese Entwicklung, weil Peking sowohl mit Pakistan als auch mit dem Iran strategische Partnerschaften unterhalte. Beide L\u00e4nder seien wichtige Bestandteile der Belt-and-Road-Initiative.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar sieht darin den tieferen Grund f\u00fcr die Angriffe: Washington versuche, nicht nur iranische Einnahmen und Transportwege zu treffen, sondern die gesamte eurasische Vernetzung zu st\u00f6ren.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bandar Abbas soll vom \u00fcbrigen Iran abgeschnitten werden<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Chabahar seien auch Br\u00fccken und Verkehrsverbindungen in der N\u00e4he von Bandar Abbas angegriffen worden. Bandar Abbas ist der wichtigste iranische Hafen am Persischen Golf und von zentraler Bedeutung f\u00fcr den Energieexport des Landes.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar berichtet, auch diesen Hafen pers\u00f6nlich besucht zu haben. Er beschreibt ihn als riesigen Komplex und als entscheidendes Drehkreuz der iranischen Wirtschaft.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seinen Angaben wurde unter anderem eine wichtige Br\u00fccke bombardiert, die den S\u00fcden des Landes mit dem Hafen verbindet. Diese Angriffe k\u00f6nnten Teil einer Strategie sein, Bandar Abbas und die gesamte iranische Golfk\u00fcste vom Landesinneren abzuschneiden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Stimmen im Iran betrachteten die Zerst\u00f6rung von Br\u00fccken und Verkehrswegen sogar als m\u00f6gliche Vorbereitung f\u00fcr eine sp\u00e4tere Bodenoperation. Escobar h\u00e4lt eine solche Invasion zwar nicht f\u00fcr ausgeschlossen, zweifelt jedoch daran, dass ausl\u00e4ndische Truppen ein Gebiet rund um Bandar Abbas dauerhaft halten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Region sei stark mit Raketen- und Drohnensystemen abgesichert. Jeder Versuch einer gr\u00f6\u00dferen Landung oder Besetzung w\u00e4re daher mit extrem hohen Risiken verbunden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Escobar besteht das unmittelbarere Ziel der amerikanischen Angriffe darin, den iranischen Handel zu l\u00e4hmen, die Bev\u00f6lkerung zu verunsichern und m\u00f6glichst gro\u00dfen Schaden an der zivilen Infrastruktur zu verursachen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine Strategie gegen die Bev\u00f6lkerung<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Washington behauptet, die Angriffe dienten der Schw\u00e4chung der iranischen Streitkr\u00e4fte. Im Interview wird jedoch die Vermutung ge\u00e4u\u00dfert, dass die USA zunehmend zivile und wirtschaftliche Ziele angreifen, weil sie das iranische Milit\u00e4r nicht entscheidend ausschalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stattdessen werde versucht, den S\u00fcden des Landes zu isolieren, Lieferketten zu zerst\u00f6ren und die iranische Wirtschaft von au\u00dfen zu strangulieren. Diese Strategie sei keineswegs neu. Seit mehr als vier Jahrzehnten versuchten die Vereinigten Staaten, den Iran durch Sanktionen, Embargos, Finanzblockaden und politische Isolation vom Rest der Welt abzuschneiden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neu sei nun, dass diese wirtschaftliche Kriegsf\u00fchrung in offene Angriffe auf H\u00e4fen, Stra\u00dfen, Br\u00fccken und Energieanlagen \u00fcbergehe.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar sieht darin eine bewusste Strategie zur Erzeugung maximaler Sch\u00e4den im zivilen Alltag. Es gehe darum, Transportwege zu unterbrechen, Versorgungsketten zu schw\u00e4chen, Arbeitspl\u00e4tze zu vernichten und das Leben der Bev\u00f6lkerung immer schwieriger zu machen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Iran \u201ekontrolliert die Uhr\u201c<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der amerikanischen Luftangriffe sieht Escobar den strategischen Vorteil aufseiten Teherans. Der Iran kontrolliere das Tempo des Konflikts.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Antwort werde t\u00e4glich angepasst, erweitert und verfeinert. Teheran versuche, den USA und ihren Verb\u00fcndeten empfindliche Sch\u00e4den zuzuf\u00fcgen, ohne voreilig alle verf\u00fcgbaren Mittel einzusetzen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar zufolge wei\u00df die iranische F\u00fchrung, dass die Zeit auf ihrer Seite ist. Die Vereinigten Staaten m\u00fcssten f\u00fcr ihre milit\u00e4rische Pr\u00e4senz enorme logistische, finanzielle und politische Kosten tragen. Je l\u00e4nger der Krieg andauere, desto st\u00e4rker w\u00fcrden sich die Belastungen summieren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iran k\u00f6nne dagegen schrittweise reagieren, seine Ziele ausw\u00e4hlen und die Eskalationsleiter kontrolliert hinaufsteigen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade diese Geduld treibe Donald Trump nach Escobars Einsch\u00e4tzung zunehmend zur Verzweiflung. Die Bombardierung ziviler Infrastruktur sei ein Ausdruck dieser Frustration.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch solche Angriffe w\u00fcrden weder den Iran einsch\u00fcchtern noch ihn automatisch an den Verhandlungstisch zur\u00fcckbringen. Sie k\u00f6nnten vielmehr das Gegenteil bewirken: eine wesentlich h\u00e4rtere iranische Antwort.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar betont, dass Teheran klare rote Linien formuliert habe. Eine davon sei die systematische Zerst\u00f6rung ziviler Infrastruktur. Da diese Schwelle inzwischen erreicht werde, m\u00fcsse mit einer deutlichen Ausweitung der Vergeltung gerechnet werden.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Angriffe auf US-Spezialkr\u00e4fte und Energiezentren<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Interview wird auch ein angeblicher iranischer Angriff auf US-Spezialkr\u00e4fte in Syrien thematisiert. Dabei sollen hochrangige amerikanische Offiziere get\u00f6tet und ein Radarsystem zerst\u00f6rt worden sein.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">CENTCOM habe diese Berichte rasch zur\u00fcckgewiesen. Haiphong bezeichnet die Dementis jedoch als wenig \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig davon steht fest, dass der Iran seine Angriffe immer st\u00e4rker auf die milit\u00e4rische und wirtschaftliche Infrastruktur der amerikanischen Verb\u00fcndeten am Golf ausrichtet.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders bedeutsam ist der Angriff auf BAPCO in Bahrain. Das Unternehmen betreibt eine zentrale Raffinerie und wichtige Anlagen f\u00fcr die regionale Energieversorgung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iran demonstriert damit, dass es nicht nur Milit\u00e4rbasen treffen kann. Es kann auch jene wirtschaftlichen Zentren ins Visier nehmen, von denen die Golfmonarchien und der gesamte westliche Energiemarkt abh\u00e4ngen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der F-35-Notfall als Symbol eines verwundbaren Imperiums<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der im Titel des Interviews erw\u00e4hnte F-35-Notfall bleibt unaufgekl\u00e4rt. W\u00e4hrend iranische Angriffe auf US-Einrichtungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeldet wurden, geriet zur selben Zeit offenbar ein F-35-Kampfjet in eine Notlage.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine iranische Einwirkung wurde nicht best\u00e4tigt. Escobar weist zudem darauf hin, dass die F-35-Flotte seit Jahren mit technischen Problemen, Wartungsengp\u00e4ssen und hohen Betriebskosten k\u00e4mpft.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher sei es ebenso m\u00f6glich, dass der Notfall auf einen technischen Defekt zur\u00fcckzuf\u00fchren gewesen sei. Gerade darin liege jedoch eine gewisse Symbolik: W\u00e4hrend Washington seine modernsten Waffen als Beweis uneingeschr\u00e4nkter milit\u00e4rischer \u00dcberlegenheit pr\u00e4sentiere, zeigten diese Systeme im praktischen Einsatz immer wieder erhebliche Schw\u00e4chen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der F-35 stehe damit stellvertretend f\u00fcr eine westliche Milit\u00e4rindustrie, die extrem teure Waffensysteme produziere, deren tats\u00e4chliche Leistungsf\u00e4higkeit h\u00e4ufig hinter den politischen Versprechen zur\u00fcckbleibe.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Saudi-Arabiens r\u00e4tselhaftes Verhalten<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zentraler Teil des Gespr\u00e4chs besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, welche Rolle Saudi-Arabien in dieser neuen Eskalationsphase spielt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar und sein Gespr\u00e4chspartner erkl\u00e4ren, dass selbst pakistanische Vermittler offenbar keine klare Antwort darauf h\u00e4tten, warum Riad Schritte unternehme, die den Konflikt weiter versch\u00e4rfen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders schwer wiege der saudische Angriff auf die Start- und Landebahn des internationalen Flughafens von Sanaa im Jemen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuvor hatte ein iranisches Flugzeug die Blockade des Flughafens durchbrochen, um eine jemenitische Delegation zu transportieren. Auf dem R\u00fcckflug sei die Landebahn von Sanaa bombardiert worden. Der Pilot habe kurzfristig nach Hodeidah ausweichen m\u00fcssen und sei dort unter schwierigen Bedingungen gelandet.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar bezeichnet den Piloten als Helden. Die Ausweichlandung sei nur m\u00f6glich gewesen, weil die Landebahn von Hodeidah wenige Tage zuvor repariert worden war.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ihn stellt sich die Frage, warum Saudi-Arabien ausgerechnet jetzt erneut gegen den Jemen vorgeht, obwohl zwischen beiden Seiten ein Verst\u00e4ndigungsprozess existiert und Riad eigentlich ein Interesse daran haben m\u00fcsste, eine weitere Front zu vermeiden.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Jemen k\u00f6nnte den gesamten Welthandel ersch\u00fcttern<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der saudische Angriff auf Sanaa k\u00f6nnte nach Escobars Einsch\u00e4tzung Ansarallah und die jemenitischen Streitkr\u00e4fte dazu bewegen, sich aktiv in den Krieg einzuschalten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sollte der Jemen die Meerenge Bab al-Mandab blockieren, w\u00e4ren die Folgen kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bab al-Mandab ist eine der wichtigsten Schifffahrtsstra\u00dfen der Welt. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit den Suezkanal mit dem Indischen Ozean.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Blockade w\u00fcrde nicht nur \u00d6l- und Gastransporte treffen, sondern einen erheblichen Teil des globalen Containerhandels.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar beschreibt ein strategisches Dreieck:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die Stra\u00dfe von Hormus im Osten,<\/li>\n<li>Bab al-Mandab im S\u00fcden,<\/li>\n<li>Sanaa beziehungsweise der Jemen im Zentrum der regionalen Eskalation.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00fcrden Hormus und Bab al-Mandab gleichzeitig geschlossen oder weitgehend unpassierbar, k\u00f6nnten die wichtigsten Energieexportwege Westasiens zusammenbrechen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Saudi-Arabien h\u00e4tte dann kaum noch Alternativen. Die Exporte durch den Persischen Golf w\u00e4ren blockiert. Zugleich k\u00f6nnte der Hafen Yanbu am Roten Meer gef\u00e4hrdet werden. Auch die Ost-West-Pipeline, \u00fcber die saudisches \u00d6l an die K\u00fcste des Roten Meeres transportiert wird, k\u00f6nnte zum Ziel werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein solches Szenario w\u00e4re f\u00fcr das K\u00f6nigreich wirtschaftlich verheerend.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar warnt, dass Saudi-Arabien mit der erneuten Konfrontation mit dem Jemen gegen seine eigenen \u00dcberlebensinteressen handle.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00d6lpreis von 200 Dollar \u2013 oder noch weit dar\u00fcber<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Interview wird auf fr\u00fchere Berechnungen von Goldman Sachs verwiesen. Demnach k\u00f6nnte eine l\u00e4ngerfristige Blockade der Stra\u00dfe von Hormus den \u00d6lpreis zun\u00e4chst auf 150 Dollar, sp\u00e4ter auf 200 Dollar und im Extremfall sogar noch weit h\u00f6her treiben.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar geht davon aus, dass eine gleichzeitige Blockade von Hormus und Bab al-Mandab die Preisentwicklung noch drastischer beschleunigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem solchen Fall k\u00f6nne der \u00d6lpreis m\u00f6glicherweise innerhalb einer Woche auf 200 Dollar steigen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend sei nicht nur der \u00d6lpreis selbst. Wenn beide Meerengen blockiert w\u00e4ren, k\u00e4me ein gro\u00dfer Teil des westasiatischen Energieexports zum Stillstand. Gleichzeitig w\u00fcrden sich Transportkosten, Versicherungspr\u00e4mien und Lieferzeiten explosionsartig erh\u00f6hen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Weltwirtschaft sei auf einen derartigen Schock nicht vorbereitet.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Jebel Ali und Fujairah im Visier<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Iran habe bereits deutlich gemacht, dass weitere H\u00e4fen der Golfstaaten zu m\u00f6glichen Zielen werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu geh\u00f6rt insbesondere Jebel Ali in Dubai, einer der gr\u00f6\u00dften Containerh\u00e4fen der Welt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Fujairah spielt eine zentrale Rolle. Der Hafen liegt au\u00dferhalb der Stra\u00dfe von Hormus am Golf von Oman und gilt als wichtigste Ausweichroute f\u00fcr die Vereinigten Arabischen Emirate, falls Hormus blockiert wird.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den im Interview erw\u00e4hnten Angriffen sei der Betrieb in Fujairah offenbar teilweise oder vollst\u00e4ndig zum Erliegen gekommen. Selbst ein begrenzter Schlag habe ausgereicht, um den Hafen zeitweise zu l\u00e4hmen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Escobar handelt es sich erneut um eine Warnung: Wenn ein kleiner Angriff bereits einen derart wichtigen Standort beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nne, sei kaum abzusehen, welche Folgen ein massiver Schlag gegen Jebel Ali oder andere gro\u00dfe H\u00e4fen h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Angriff auf die K\u00f6nig-Fahd-Br\u00fccke, der Schlag gegen Fujairah und die Attacken auf BAPCO seien deshalb als Teile derselben Strategie zu verstehen. Iran demonstriere, dass es die wirtschaftlichen Lebensadern seiner Gegner treffen k\u00f6nne, ohne bislang seine gesamte milit\u00e4rische Kapazit\u00e4t einzusetzen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine kalkulierte Zerst\u00f6rung der Weltwirtschaft?<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im wohl brisantesten Abschnitt des Interviews entwickelt Escobar eine weitreichende These. Auf die Frage, warum Washington gleichzeitig gegen den Iran eskaliere, China angreife, \u00fcber neue Operationen gegen Kuba spreche und weitere globale Fronten er\u00f6ffne, antwortet er, es gebe m\u00f6glicherweise nur eine logische Erkl\u00e4rung:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine \u201ekalkulierte Implosion der Weltwirtschaft\u201c.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar stellt diese Vermutung ausdr\u00fccklich als seine eigene Einsch\u00e4tzung dar und nicht als bewiesene Tatsache. Er erkl\u00e4rt jedoch, auch von gut informierten Kontakten \u00e4hnliche \u00dcberlegungen geh\u00f6rt zu haben.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine These lautet: Teile der amerikanischen Machtelite k\u00f6nnten zu dem Schluss gekommen sein, dass sich der wirtschaftliche und geopolitische Niedergang der USA nicht mehr aufhalten lasse.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine kontrollierte oder bewusst herbeigef\u00fchrte globale Krise k\u00f6nnte aus dieser Sicht genutzt werden, um untragbare Schulden zu entwerten, Finanzstrukturen neu zu ordnen und anschlie\u00dfend ein neues System aufzubauen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar spricht in diesem Zusammenhang von einer neuen Bedeutung des \u201eGreat Reset\u201c: Nicht der geordnete Umbau des Systems, sondern zun\u00e4chst dessen gezielte Zerst\u00f6rung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er formuliert die denkbare Logik folgenderma\u00dfen: Wenn die bestehende Ordnung ohnehin nicht mehr zu retten sei, k\u00f6nne man sie vollst\u00e4ndig zum Einsturz bringen, dabei bestimmte Gewinne absch\u00f6pfen, Schulden beseitigen und danach einen Neustart versuchen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese These bleibt spekulativ. Sie zeigt jedoch, wie Escobar die scheinbar widerspr\u00fcchliche amerikanische Au\u00dfenpolitik interpretiert.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Trump als Bote, nicht als Entscheider<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar betrachtet Donald Trump nicht als eigentlichen Architekten dieser Strategie.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trump sei vielmehr ein Bote und \u00f6ffentliches Instrument m\u00e4chtigerer Interessen. Die tats\u00e4chlichen Entscheidungen w\u00fcrden seiner Ansicht nach in einem Netzwerk aus Geheimdiensten, Finanzeliten, Milit\u00e4rindustrie und dauerhaften staatlichen Machtstrukturen getroffen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u00fcbergeordnete Ziel bestehe darin, drei Staaten zu neutralisieren, die in Washington als existenzielle Bedrohungen betrachtet w\u00fcrden:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Russland,<\/li>\n<li>China,<\/li>\n<li>Iran.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese drei Staaten seien durch strategische Partnerschaften zunehmend miteinander verbunden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Russland stelle die milit\u00e4rische und nukleare Macht dar. China sei die gr\u00f6\u00dfte geo\u00f6konomische Herausforderung. Iran kontrolliere eine entscheidende geostrategische Position in Westasien und an den wichtigsten Energie- und Handelswegen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein direkter Krieg gegen alle drei w\u00e4re nicht kontrollierbar. Deshalb versuche Washington, sie durch Stellvertreterkriege, Sanktionen, politische Destabilisierung, Informationskampagnen und gezielte milit\u00e4rische Angriffe zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Krieg gegen den Iran als Krieg gegen die BRICS<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar kritisiert die BRICS-Staaten scharf. Obwohl der Iran vollwertiges Mitglied der Gruppe sei, bleibe eine entschlossene gemeinsame Reaktion auf die Angriffe aus.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Bombardierung von Chabahar werde nicht nur iranische Infrastruktur getroffen. Da der Hafen Teil des Nord-S\u00fcd-Korridors sei, richte sich der Angriff zugleich gegen Russland und Indien. Durch die Verbindungen zur Belt-and-Road-Initiative sei auch China betroffen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit w\u00fcrden faktisch mehrere BRICS-Staaten gleichzeitig angegriffen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar bezeichnet die bisherige Reaktion der Gruppe als schwach und entt\u00e4uschend. BRICS m\u00fcsse eigentlich ein System schaffen, das seine Mitglieder wirtschaftlich und politisch vor westlichem Druck sch\u00fctzt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu geh\u00f6rten alternative Zahlungssysteme, Handel in nationalen W\u00e4hrungen und Transportwege au\u00dferhalb westlicher Kontrolle.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwar werde daran gearbeitet, doch viel zu langsam.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Ende des Petrodollars<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter dem Krieg sieht Escobar einen grundlegenden Konflikt um die globale Finanzordnung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer mehr Staaten versuchen, ihren Handel au\u00dferhalb des Dollars abzuwickeln. China internationalisiert den Yuan. Russland, Iran und andere Staaten nutzen zunehmend nationale W\u00e4hrungen. Innerhalb der BRICS wird \u00fcber multilaterale Zahlungssysteme, digitale Abrechnungseinheiten und neue Handelsmechanismen diskutiert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Petrodollar war \u00fcber Jahrzehnte eine zentrale Grundlage amerikanischer Macht. Solange \u00d6l weltweit \u00fcberwiegend in Dollar gehandelt wird, besteht eine enorme internationale Nachfrage nach der US-W\u00e4hrung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn gro\u00dfe Energieexporteure und Importl\u00e4nder beginnen, \u00d6l und Gas in anderen W\u00e4hrungen abzurechnen, verliert Washington einen entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar sieht die Angriffe auf den Iran deshalb auch als Versuch, das Petrodollar-System zu verteidigen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iran ist nicht nur ein gro\u00dfer Energieproduzent. Das Land liegt zudem an den entscheidenden Handelswegen zwischen Asien, Europa, Russland, dem Indischen Ozean und dem Persischen Golf.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein souver\u00e4ner Iran, der eng mit Russland und China zusammenarbeitet, stellt aus dieser Perspektive eine direkte Bedrohung f\u00fcr die westlich dominierte Finanz- und Handelsordnung dar.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die eurasische Integration l\u00e4sst sich nicht mehr aufhalten<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar beschreibt die wirtschaftliche Integration Eurasiens als einen Zug, der den Bahnhof bereits verlassen habe.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">China, Russland, Iran, Pakistan und zahlreiche Staaten Zentralasiens seien zunehmend durch Eisenbahnen, H\u00e4fen, Pipelines, Stra\u00dfen und Zahlungssysteme miteinander verbunden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vereinigten Staaten k\u00f6nnten einzelne Projekte verz\u00f6gern, Staaten unter Druck setzen und Infrastruktur zerst\u00f6ren. Sie k\u00f6nnten den Gesamtprozess jedoch nicht mehr vollst\u00e4ndig stoppen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die amerikanische Pr\u00e4senz in Eurasien nehme langfristig ab. Zwar blieben die USA in Japan, S\u00fcdkorea und einigen weiteren L\u00e4ndern milit\u00e4risch stark vertreten. Doch in Zentralasien, Westasien und gro\u00dfen Teilen S\u00fcdasiens wachse der Einfluss Russlands und Chinas.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Staaten des Globalen S\u00fcdens s\u00e4hen den Krieg gegen den Iran deshalb nicht als isolierten Konflikt. Sie betrachteten ihn als Krieg gegen die wirtschaftliche Emanzipation des Globalen S\u00fcdens und gegen die BRICS.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">China als unsichtbarer Vermittler<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews ist Chinas Rolle hinter den Kulissen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Peking habe ein starkes Interesse an stabilen Beziehungen zwischen Iran, Saudi-Arabien und Pakistan. China importiert gro\u00dfe Mengen \u00d6l aus Saudi-Arabien und Gas beziehungsweise Energieprodukte aus dem Iran.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich ist Pakistan \u00fcber den China-Pakistan Economic Corridor eng in die Belt-and-Road-Initiative eingebunden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Escobars Darstellung begann die Ann\u00e4herung zwischen Saudi-Arabien und Iran zun\u00e4chst mit russischer Vermittlung. Moskau habe getrennte Gespr\u00e4che mit beiden Seiten gef\u00fchrt und anschlie\u00dfend China den diplomatischen Ball zugespielt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Peking habe den Prozess schlie\u00dflich \u00f6ffentlich abgeschlossen und die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Riad und Teheran vermittelt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">China wolle vor allem Stabilit\u00e4t, freien Handel und sichere Transportwege in Westasien.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Krieg gegen den Iran und die unklare saudische Haltung gef\u00e4hrdeten nun jahrelange diplomatische Arbeit.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Pakistan zwischen Iran und Saudi-Arabien<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pakistan befindet sich in einer besonders schwierigen Lage.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Land unterh\u00e4lt enge Beziehungen zum Iran und profitiert von grenz\u00fcberschreitendem Handel. Zugleich besitzt es ein milit\u00e4risches B\u00fcndnis mit Saudi-Arabien.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der pakistanische Armeechef Asim Munir habe kurz vor der neuen Eskalation Riad besucht und mit Kronprinz Mohammed bin Salman \u00fcber eine Vertiefung der milit\u00e4rischen Zusammenarbeit gesprochen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Darstellung im Interview enth\u00e4lt dieses B\u00fcndnis Sicherheitsgarantien, die einen Angriff auf Saudi-Arabien als Angriff auf Pakistan behandeln k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iran wiederum will Saudi-Arabien nach Escobars Einsch\u00e4tzung derzeit nicht angreifen. Teheran verlange jedoch Klarheit dar\u00fcber, ob Riad lediglich gegen den Jemen vorgehe oder wom\u00f6glich ein doppeltes Spiel betreibe und sich erneut an amerikanischen Angriffen auf den Iran beteilige.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pakistan m\u00fcsse daher beiden Seiten versichern, dass der Konflikt nicht au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar berichtet von unbest\u00e4tigten Informationen, wonach Islamabad die Saudis bereits aufgefordert habe, sich zur\u00fcckzuhalten, da eine weitere Eskalation \u201ealles in die Luft sprengen\u201c k\u00f6nne.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Machtkampf innerhalb Saudi-Arabiens?<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar h\u00e4lt es f\u00fcr m\u00f6glich, dass das saudische Vorgehen nicht vollst\u00e4ndig von Kronprinz Mohammed bin Salman kontrolliert wurde.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">MBS habe nach Informationen pakistanischer Vermittler die Bem\u00fchungen um eine Verst\u00e4ndigung mit Iran unterst\u00fctzt. Der Angriff auf Sanaa k\u00f6nne deshalb auch Ausdruck interner Machtk\u00e4mpfe innerhalb des saudischen Systems sein.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In und au\u00dferhalb des k\u00f6niglichen Machtzirkels gebe es Akteure, die dem Kronprinzen feindlich gegen\u00fcberst\u00fcnden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein milit\u00e4rischer Schritt, der die diplomatische Ann\u00e4herung an den Iran sabotiert, k\u00f6nnte daher zugleich ein Angriff auf die Politik von MBS gewesen sein.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar betont jedoch, dass diese M\u00f6glichkeit nicht best\u00e4tigt sei. Das Verhalten Saudi-Arabiens bleibe zum Zeitpunkt des Interviews weitgehend unerkl\u00e4rlich.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ansarallah entscheidet selbst<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar kritisiert westliche Medien daf\u00fcr, Ansarallah im Jemen h\u00e4ufig lediglich als iranischen Stellvertreter darzustellen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berichte, wonach die jemenitischen Streitkr\u00e4fte nur auf einen Befehl aus Teheran warteten, um Bab al-Mandab zu schlie\u00dfen, seien falsch.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er habe selbst mit Mitgliedern des politischen Rates von Ansarallah gesprochen. Die Entscheidungen w\u00fcrden innerhalb der jemenitischen F\u00fchrung getroffen und nicht einfach vom Iran diktiert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iran und Ansarallah seien Verb\u00fcndete, doch die Jemeniten handelten eigenst\u00e4ndig.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schlie\u00dfung von Bab al-Mandab werde in Sanaa als \u00e4u\u00dferstes Druckmittel betrachtet \u2013 vergleichbar mit einer strategischen \u201eNuklearoption\u201c.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb sei eine sofortige vollst\u00e4ndige Blockade nicht zwingend. Dennoch m\u00fcsse nach dem Angriff auf den Flughafen von Sanaa mit einer Reaktion gerechnet werden.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alles h\u00e4ngt an einem Faden<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende des Interviews warnt Escobar vor einem extrem gef\u00e4hrlichen Moment.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gesamte regionale Vermittlungsnetz zwischen Iran, Saudi-Arabien, Pakistan, China, Oman, Katar und der T\u00fcrkei h\u00e4nge nur noch an einem d\u00fcnnen Faden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine einzige Fehlentscheidung k\u00f6nne die diplomatischen Bem\u00fchungen vollst\u00e4ndig zum Einsturz bringen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Angriff auf Sanaa habe genau dieses Potenzial besessen. Sollte Saudi-Arabien weiter eskalieren, k\u00f6nnte Ansarallah Bab al-Mandab schlie\u00dfen. Iran k\u00f6nnte seine Angriffe auf H\u00e4fen, Energiezentren und strategische Verkehrswege der Golfstaaten massiv ausweiten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vereinigten Staaten wiederum k\u00f6nnten darauf mit neuen Bombardierungen reagieren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus einem Krieg gegen den Iran w\u00fcrde dann ein regionaler Fl\u00e4chenbrand, der die globale Energieversorgung und den Welthandel unmittelbar bedroht.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Washington bombardiert die alte Ordnung \u2013 und beschleunigt die neue<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pepe Escobars Analyse zeichnet das Bild eines Krieges, dessen Bedeutung weit \u00fcber Iran, Israel und die Vereinigten Staaten hinausgeht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Angriff auf Chabahar richtet sich demnach gegen neue eurasische Handelswege. Die Bombardierung iranischer Br\u00fccken und H\u00e4fen soll das Land wirtschaftlich isolieren. Die iranischen Angriffe auf Bahrain, Fujairah und die K\u00f6nig-Fahd-Br\u00fccke zeigen jedoch, dass auch die Gegner Teherans \u00fcber hochverwundbare Infrastrukturen verf\u00fcgen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Iran antwortet bislang kontrolliert, aber mit zunehmender H\u00e4rte. Er demonstriert, dass er die wichtigsten Energie- und Handelszentren des Golfs erreichen kann.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sollten Hormus und Bab al-Mandab gleichzeitig blockiert werden, k\u00f6nnte der Konflikt einen globalen Wirtschaftsschock ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobars zentrale Botschaft lautet: Die USA versuchen, den Aufstieg einer neuen eurasischen Ordnung milit\u00e4risch aufzuhalten. Doch mit jedem Angriff auf H\u00e4fen, Schienen, Br\u00fccken und Handelswege k\u00f6nnten sie genau jenen Prozess beschleunigen, den sie verhindern wollen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">China, Russland, Iran und Pakistan werden durch den \u00e4u\u00dferen Druck enger miteinander verbunden. Alternative Transportwege gewinnen an Bedeutung. Der Handel in nationalen W\u00e4hrungen nimmt zu. Der Petrodollar verliert schrittweise an Einfluss.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Washington kann Infrastruktur zerst\u00f6ren. Doch es kann die geographische, wirtschaftliche und politische Neuordnung Eurasiens nicht dauerhaft wegbomben.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4ch mit dem politischen Kommentator Danny Haiphong analysiert der brasilianische Journalist und Geopolitik-Kenner Pepe Escobar die j\u00fcngste Eskalation des Krieges gegen den Iran. 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