{"id":14177,"date":"2026-07-19T20:03:50","date_gmt":"2026-07-19T18:03:50","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/unser-planet-pfeift-auf-dem-letzten-loch-von-dirk-c-fleck\/"},"modified":"2026-07-19T20:03:50","modified_gmt":"2026-07-19T18:03:50","slug":"unser-planet-pfeift-auf-dem-letzten-loch-von-dirk-c-fleck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/unser-planet-pfeift-auf-dem-letzten-loch-von-dirk-c-fleck\/","title":{"rendered":"Unser Planet pfeift auf dem letzten Loch | Von Dirk C. Fleck"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Dirk C. Fleck<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Hinter dem geopolitischen Wahnsinn, den ein paar durchgeknallte wei\u00dfe M\u00e4nner seit Jahren in Szene setzen, lauert eine Gefahr, die seit langem aus- und hausgemacht ist, der aber kaum Beachtung geschenkt wird. Dabei wird der drohende \u00d6kozid auf diesem Planeten gr\u00fcndlicher aufr\u00e4umen, als alles, was der Bombenstimmung kranker Hirne entspringen kann.<\/p>\n<p>Die Erde pfeift auf dem letzten Loch. Das ist das Ergebnis einer gro\u00df angelegten Studie der 2012 gegr\u00fcndeten UN-Organisation IPBES. Der internationale Wissenschaftsrat hat sich zum Ziel gesetzt, politischen Entscheidungstr\u00e4gern Informationen \u00fcber den Status quo und die zuk\u00fcnftige Entwicklung der biologischen Vielfalt an die Hand zu geben. Sein 8000 Seiten umfassender Bericht, an dem mehr als 500 Experten in 50 L\u00e4ndern mitgearbeitet haben, ist der bisher umfangreichste Versuch, den Zustand des \u00d6kosystems Erde zu beschreiben und zu beurteilen. Die zentralen Erkenntnisse der Studie lauten:<\/p>\n<p>Zehntausende von Arten werden schon bald von der Erde verschwunden sein.<\/p>\n<p>Die Menschheit verbraucht nat\u00fcrliche Ressourcen in einer Geschwindigkeit, die weit \u00fcber die F\u00e4higkeit des Planeten zur Selbsterneuerung hinausgeht.<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit der Natur, Nahrung und Wasser f\u00fcr die wachsende Bev\u00f6lkerung zur Verf\u00fcgung zu stellen, ist in jeder Region der Erde gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Infolgedessen ist mit Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6men nie gekannten Ausma\u00dfes zu rechnen. In rund 30 Jahren werden bis zu einer Milliarde Menschen ihre Heimatl\u00e4nder verlassen haben.<\/p>\n<p>\u201cDie politische Aufmerksamkeit f\u00fcr die Umwelt wurde weitgehend auf den Klimawandel ausgerichtet, da die Energiepolitik f\u00fcr das Wirtschaftswachstum von zentraler Bedeutung ist\u201d, sagt R. Watson, Leiter der IPBES-Studie. \u201cAber die Entwicklung der Biodiversit\u00e4t ist f\u00fcr die Zukunft der Erde nicht minder bedeutend.\u201d Der Atmosph\u00e4renforscher ist sich sicher: \u201cWir stehen an einem Scheideweg.\u201d Die Zerst\u00f6rung der Natur untergrabe die Lebensgrundlagen der heutigen und der k\u00fcnftigen Generationen. \u201cBodendegradation, Verlust der biologischen Vielfalt und Klimawandel sind drei verschiedene Aspekte derselben Ursache: der Auswirkungen menschlichen Handelns auf den Zustand der Umwelt\u201d. Laut dem World Wildlife Fund ist die Tierpopulation seit 1970 um fast 70 (!) Prozent zur\u00fcckgegangen. Auch die Zahl der Insekten, die f\u00fcr die Ern\u00e4hrung anderer Tiere und f\u00fcr die Best\u00e4ubung von Pflanzen lebenswichtig sind, nimmt dramatisch ab. Bodenverbrauch und ein erh\u00f6hter Pestizideinsatz zerst\u00f6ren nicht nur Lebensr\u00e4ume, sondern reduzieren die Insektenpopulationen ganz erheblich.<\/p>\n<p>Man wei\u00df das alles, aber die atomaren Sandkastenspiele in Verbindung mit der Kriegspropaganda einer m\u00e4chtigen Medienmaschine verhindern massiv, was wir am dringendsten brauchen: die Einsicht, dass es allemal besser ist, mit der Natur zu wirtschaften, als gegen sie. Aber was rede ich, der Drops ist gelutscht.<\/p>\n<p>Erstaunlich ist, zu welchen Schl\u00fcssen der internationale Wissenschaftsrat angesichts des fortdauernden Desasters kommt, das unsere giergesteuerte Kurzsichtigkeit anrichtet. In der IPBES-Studie wird behauptet, dass die Erhaltung eines Gro\u00dfteils des verbleibenden Naturreichtums von den indigenen V\u00f6lkern abh\u00e4ngen wird, die in den abgelegensten Gebieten der Welt leben. Studien-Leiter Watson: \u201eIch bin \u00fcberrascht, wie wichtig die Rolle der indigenen V\u00f6lker geworden ist. Niemand sollte indigene V\u00f6lker romantisieren, aber wir k\u00f6nnen von ihnen viel dar\u00fcber lernen, wie man den Planeten sch\u00fctzt\u201d.<\/p>\n<p>In Lateinamerika haben sich indigene V\u00f6lker dazu verpflichtet, eines der weltweit gr\u00f6\u00dften Naturschutzgebiete zu schaffen. Es erstreckt sich von der S\u00fcdspitze der Anden bis zum Atlantik. Einige \u201ezivilisierte\u201c L\u00e4nder haben inzwischen ebenfalls mutige Initiativen ergriffen. Pakistan beispielsweise will 10 Milliarden B\u00e4ume pflanzen. \u00c4thiopien hat Gemeinden im ganzen Land mobilisiert, 15 Millionen Hektar Land zu renaturieren. Das \u201cGreen Wall Projekt\u201d* will einen fast 8000 Kilometer langen Vegetationsg\u00fcrtel durch ganz Afrika schaffen. Die UNO-Umweltbeh\u00f6rde (UNEP) vermeldet, dass die Gr\u00f6\u00dfe und Anzahl an Meeresschutzgebieten gestiegen ist. \u00dcberall auf der Welt entstehen neue soziale Bewegungen, die Druck auf Regierungen aus\u00fcben. Die \u201cExtinction Rebellion\u201d-Bewegung beispielsweise hat sich innerhalb k\u00fcrzester Zeit auf 35 L\u00e4nder ausgeweitet. Unterst\u00fctzt wird sie von Wissenschaftlern, religi\u00f6sen F\u00fchrern, Intellektuellen und Aktivisten wie Noam Chomsky, Vandana Shiva oder Naomi Klein.<\/p>\n<p>Trotz der zahlreichen positiven Keime bleibt das Gesamtbild besorgniserregend. Ehrgeizige internationale Umweltabkommen wie die 2010 in Japan festgelegten Ai-chi Ziele oder die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen k\u00f6nnen nicht mehr mit dem Tempo der Umweltzerst\u00f6rungen mithalten. Studienleiter Watson glaubt dennoch daran, dass die katastrophale Situation noch umzukehren ist \u2013 sofern Regierungen das wollen. Wollen Sie? Dazu m\u00fcssten sie erst einmal aus dem Sandkasten krabbeln und ihr hochexplosives Spielzeug aus der Hand geben. \u201cEs gibt kein Wundermittel oder die eine L\u00f6sung,\u201c konstatiert R. Watson n\u00fcchtern, \u201edie besten Optionen liegen in einer besseren Regierungsf\u00fchrung, welche die Belange von Biodiversit\u00e4t in den Mittelpunkt von Landwirtschafts- und Energiepolitik r\u00fcckt, wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologien anwendet und ein gr\u00f6\u00dferes Bewusstsein schafft und Verhaltens\u00e4nderungen anstrebt.\u201c Es gebe Anzeichen daf\u00fcr, dass das bereits gelinge. \u201cWir wissen, was zu tun ist.\u201d Na denn.<\/p>\n<p>*<em>(Vom Green Walk Projekt ist in FEUER AM FUSS, dem dritten Band meiner Maeva-Trilogie, ab Seite 336 die Rede)<\/em><\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: ausged\u00f6rrte Landschaft vor Gro\u00dfstadtkulisse<br \/>Bildquelle: Vietnam Stock Images \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Dirk C. 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