{"id":14186,"date":"2026-07-19T22:06:34","date_gmt":"2026-07-19T20:06:34","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/selenskij-marschierte-auf-den-champs-elysees-und-le-pen-schwieg\/"},"modified":"2026-07-19T22:06:34","modified_gmt":"2026-07-19T20:06:34","slug":"selenskij-marschierte-auf-den-champs-elysees-und-le-pen-schwieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/selenskij-marschierte-auf-den-champs-elysees-und-le-pen-schwieg\/","title":{"rendered":"Selenskij marschierte auf den Champs-\u00c9lys\u00e9es und Le Pen schwieg"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p>Am 14. Juli 2026 stand die Ukraine im Zentrum der franz\u00f6sischen Nationalfeier. Pr\u00e4sident Emmanuel Macron lud Wladimir Selenskij\u00a0ein und lie\u00df rund 25 ukrainische Soldaten in der &#8222;Koalition der Willigen&#8220;\u00a0mitmarschieren. Die Zeremonie sollte europ\u00e4ische Einheit und unverbr\u00fcchliche Unterst\u00fctzung der Ukraine symbolisieren. &#8222;Europa muss bereit sein, die Freiheit zu verteidigen&#8220;, betonte er \u2013 auch wenn dies Kosten verursache, so der inzwischen unbeliebteste franz\u00f6sische Pr\u00e4sident in der j\u00fcngeren Geschichte des Landes.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die gro\u00dfen Parteien und Parteien des politischen Mainstreams in Frankreich Macrons Solidarit\u00e4tsbekundung begr\u00fc\u00dften, l\u00f6ste seine Choreografie, n\u00e4mlich den franz\u00f6sischen Nationalfeiertag zu einem &#8222;Ukraine-Tag&#8220;\u00a0umzuwandeln, bei Gegnern der franz\u00f6sischen Milit\u00e4rhilfe f\u00fcr Kiew scharfe Kritik aus.<\/p>\n<p>Florian Philippot, Vorsitzender der Partei Les Patriotes, kritisierte, dass der Pr\u00e4sident franz\u00f6sische nationale Interessen den Vorgaben von NATO und EU unterordnet. Philippot hat die Milit\u00e4rhilfe wiederholt als gef\u00e4hrliche Eskalation bezeichnet und eine unabh\u00e4ngige franz\u00f6sische Au\u00dfenpolitik gefordert. In fr\u00fcheren Stellungnahmen hatte er Macron\u00a0\u2013 in Anspielung auf dessen spezielle Neigungen\u00a0\u2013 wiederholt vorgeworfen, sich in Selenskij\u00a0&#8222;verliebt&#8220;\u00a0zu haben und ihn bedingungslos zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Zugleich wurde die Einladung ukrainischer Soldaten aus &#8222;umstrittenen Einheiten&#8220;\u00a0kritisiert, wegen deren Verbindungen zu brutalen Nazi-Formationen, wie zum Beispiel zu den von Selenskij geh\u00e4tschelten ASOW-Killern, die dadurch legitimiert w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die F\u00fchrung des oppositionellen, rechtskonservativen Rassemblement National (RN), der st\u00e4rksten Partei im franz\u00f6sischen Parlament, blieb jedoch auff\u00e4llig still. Weder der Vorsitzende Jordan Bardella noch Marine Le Pen gaben eine offizielle Stellungnahme ab, die Macrons Einladung ausdr\u00fccklich verurteilt h\u00e4tte. Die Berichterstattung konzentrierte sich stattdessen ausschlie\u00dflich auf die scharfe Kritik von Philippot.<\/p>\n<p>Der bezeichnete w\u00e4hrend der zeitgleich stattfindenden, eindrucksvollen und lautstarken Gegendemonstration linker Kr\u00e4fte, Macrons Parade als ein NATO-Kriegsspektakel. Er forderte das Ende der Milit\u00e4rhilfe an die Ukraine sowie den Austritt aus der NATO-integrierten Kommandostruktur.<\/p>\n<p><strong>Kalkuliertes Abseits der RN-F\u00fchrung.<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>Das demonstrative Schweigen des Rassemblement National ist politisch bedeutsam. Seit dem Jahr 2022 hat sich der RN in der Ukraine-Frage neu positioniert: skeptisch gegen\u00fcber tieferer milit\u00e4rischer Verstrickung und gegen die Entsendung von franz\u00f6sischen Kampftruppen, aber zugleich bem\u00fcht, nicht als prorussisch zu wirken. Der stark rechtslastige junge Bardella schl\u00e4gt einen weitaus sch\u00e4rferen Ton gegen\u00fcber Moskau an als Marine Le Pen vor dem Jahr 2022. Er beschreibt die russische Intervention in der Ukraine als Bedrohung f\u00fcr die europ\u00e4ische Sicherheit, besteht aber auf franz\u00f6sischen nationalen Interessen als oberster Priorit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der RN steht vor einem Dilemma: Zu aggressive Kritik an Selenskijs Pr\u00e4senz am Nationalfeiertag riskiert, alte Vorw\u00fcrfe der Kreml-N\u00e4he (russische Bankkredite, fr\u00fchere Le-Pen-Positionen) wiederzubeleben. Ein Schweigen des RN \u00fcberl\u00e4sst jedoch Macron das patriotische Symbol des Nationalfeiertags und Philippot erh\u00e4lt die Zustimmung der Kritiker von Macrons Entweihung des Nationalfeiertags.<\/p>\n<p>Marine Le Pen versuchte, von diesem Dilemma abzulenken, indem sie am 14. Juli an den Gedenkfeiern zum zehnten Jahrestag des Terroranschlags in Nizza teilnahm. Weder von Le Pen noch von Bardella gab es eine offizielle Stellungnahme zu Selenskijs prominenter Teilnahme an der Parade. Dies entspricht dem strategischen Kurs der RN, ihre W\u00e4hlerbasis weiter in Richtung b\u00fcrgerliches Lager zu verbreitern und die Russland-Debatte nicht neu zu \u00f6ffnen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Die Entwicklung der RN-Position gegen\u00fcber Russland und der Ukraine<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>Bis zum Jahr 2022 pflegte die Partei unter Marine Le Pen enge Beziehungen zu Russland. Im Jahr 2014 erhielt die damalige Front National einen Kredit von rund neun Millionen Euro von einer mit Russland verbundenen Bank. Le Pen traf Wladimir Putin und \u00e4u\u00dferte Bewunderung f\u00fcr ihn. Zur Krim-Annexion erkl\u00e4rte sie \u2013 korrekterweise \u2013, die Halbinsel sei &#8222;immer russisch&#8220;\u00a0gewesen und das Referendum legitim. Die RN kritisierte die NATO-Osterweiterung scharf und sah Russland als Gegengewicht zu den USA.<\/p>\n<p>Mit dem Beginn der vollumf\u00e4nglichen russischen Sonderoperation im Februar 2022 verurteilte der RN sie als &#8222;Aggression&#8220;. Marine Le Pen sagte, Putin habe eine &#8222;rote Linie&#8220;\u00a0\u00fcberschritten. Gleichzeitig enthielten sich RN-Abgeordnete bei einer Resolution zur Unterst\u00fctzung der Ukraine in der Nationalversammlung. Le Pen forderte Verhandlungen und warnte davor, Frankreich in einen &#8222;Krieg, der nicht unserer ist&#8220;, hineinzuziehen. RN-Kritik an bestimmten EU-Sanktionen, etwa gegen den Import von russischem Gas, wurde mit dem Schutz franz\u00f6sischer Wirtschaftsinteressen begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Nach der Wahl von Jordan Bardella zum Parteipr\u00e4sidenten im November 2022 begann eine schrittweise Kurskorrektur. Die Partei schw\u00e4chte die offen russlandfreundliche Rhetorik ab, um ihr Image zu verbessern. Bardella schlug einen deutlich sch\u00e4rferen Ton gegen\u00fcber Moskau an. Im Jahr 2023 sprach er im Interview mit <em>L\u2019Opinion<\/em> von einer &#8222;kollektiven Naivit\u00e4t&#8220;\u00a0gegen\u00fcber Putins Absichten.<\/p>\n<p>Im Juni 2024 bekr\u00e4ftigte Bardella bei &#8222;Eurosatory&#8220;\u00a0die Fortsetzung logistischer und defensiver milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine. Er zog jedoch klare rote Linien: &#8222;My position has not changed \u2026 support for Ukraine and avoiding all risks of escalation.&#8220;\u00a0(zu Deutsch: Meine Position hat sich nicht ge\u00e4ndert \u2026 Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine und Vermeidung aller Eskalationsrisiken.) Besonders lehnte er Langstreckenraketen ab, die russisches Territorium treffen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Am 27. Juni 2024 erkl\u00e4rte Bardella in einer TV-Debatte:<\/p>\n<p>&#8222;I will not let Russian imperialism absorb an allied state like Ukraine.&#8220;\u00a0(zu Deutsch: Ich werde nicht zulassen, dass der russische Imperialismus einen verb\u00fcndeten Staat wie die Ukraine absorbiert.)<\/p>\n<p>Am 16. Juli 2024 schrieb er auf X:<\/p>\n<p>&#8222;Ce qui se passe en Ukraine depuis 2 ans est une v\u00e9ritable boucherie. Ma position n\u2019a pas vari\u00e9 : nous ne devons pas laisser un \u00c9tat alli\u00e9 comme l\u2019Ukraine se faire aspirer par l\u2019imp\u00e9rialisme russe.&#8220;\u00a0(zu Deutsch: Was sich seit zwei Jahren in der Ukraine abspielt, ist ein wahres Gemetzel. Meine Position hat sich nicht ge\u00e4ndert: Wir d\u00fcrfen nicht zulassen, dass ein verb\u00fcndeter Staat wie die Ukraine vom russischen Imperialismus verschlungen wird.)<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2025 bezeichnete Bardella Russland erstmals \u00f6ffentlich als &#8222;une menace multidimensionnelle pour la France et pour les int\u00e9r\u00eats europ\u00e9ens&#8220;\u00a0(zu Deutsch: eine multidimensionale Bedrohung f\u00fcr Frankreich und die europ\u00e4ischen Interessen) und verwies auf russische Einmischung sowie Spannungen im Schwarzen Meer. In seinem Buch &#8222;Ce que je cherche&#8220; (zu Deutsch: Was ich suche; erschienen Ende des Jahres 2024) brach er mit der promoskowitischen Geschichtslesart der Region.<\/p>\n<p>Seit Juli 2024 beauftragte er Pierre-Romain Thionnet mit der Neuausrichtung der Parteilinie zum Ukraine-Konflikt. Diese Entwicklung erkl\u00e4rt das Schweigen des RN zum 14. Juli 2026.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Die aktuelle Linie des RN (2026)<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>Die offizielle Linie der Partei hat sich weitgehend der pers\u00f6nlichen Ansichten Bardellas angen\u00e4hert. Aktuell verurteilt die Partei das russische Vorgehen und erkennt das ukrainische Verteidigungsrecht an. Sie unterst\u00fctzt begrenzte Hilfe in Form von Munition, defensiver Ausr\u00fcstung und Logistik.<\/p>\n<p>Eine klare Ablehnung besteht jedoch weiterhin gegen\u00fcber der Entsendung franz\u00f6sischer Truppen sowie der Unterst\u00fctzung mit offensiven Waffen, die ein Eskalationsrisiko bergen und zu einer direkten Kriegsteilnahme f\u00fchren k\u00f6nnten. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen Verhandlungen, die franz\u00f6sische Souver\u00e4nit\u00e4t und die Kosten f\u00fcr Frankreich.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/europa\/231981-eu-und-nato-lieben-lernen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">EU und NATO lieben lernen: Le Pens Rassemblement National will salonf\u00e4hig werden<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-vk\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/vk.com\/video_ext.php?oid=-134310637&amp;id=456292514\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Rainer Rupp Am 14. Juli 2026 stand die Ukraine im Zentrum der franz\u00f6sischen Nationalfeier. Pr\u00e4sident Emmanuel Macron lud Wladimir Selenskij\u00a0ein und lie\u00df rund 25 ukrainische Soldaten in der &#8222;Koalition der Willigen&#8220;\u00a0mitmarschieren. Die Zeremonie sollte europ\u00e4ische Einheit und unverbr\u00fcchliche Unterst\u00fctzung der Ukraine symbolisieren. &#8222;Europa muss bereit sein, die Freiheit zu verteidigen&#8220;, betonte er \u2013 auch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4846,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_gspb_post_css":"","_uag_custom_page_level_css":"","fifu_image_url":"","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-14186","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik"],"blocksy_meta":[],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=1920&resize=1920,1080&ssl=1",1920,1080,true],"thumbnail":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=150&resize=150,150&ssl=1",150,150,true],"medium":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=300&resize=300,300&ssl=1",300,300,true],"medium_large":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=768&resize=768,0&ssl=1",768,0,true],"large":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=1024&resize=1024,1024&ssl=1",1024,1024,true],"1536x1536":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=1536&resize=1536,1536&ssl=1",1536,1536,true],"2048x2048":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=2048&resize=2048,2048&ssl=1",2048,2048,true],"trp-custom-language-flag":["https:\/\/i3.wp.com\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RSS-Hintergrund.jpg?w=18&resize=18,12&ssl=1",18,12,true]},"uagb_author_info":{"display_name":"admin","author_link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/author\/admin\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Von Rainer Rupp Am 14. Juli 2026 stand die Ukraine im Zentrum der franz\u00f6sischen Nationalfeier. Pr\u00e4sident Emmanuel Macron lud Wladimir Selenskij\u00a0ein und lie\u00df rund 25 ukrainische Soldaten in der &#8222;Koalition der Willigen&#8220;\u00a0mitmarschieren. Die Zeremonie sollte europ\u00e4ische Einheit und unverbr\u00fcchliche Unterst\u00fctzung der Ukraine symbolisieren. &#8222;Europa muss bereit sein, die Freiheit zu verteidigen&#8220;, betonte er \u2013 auch&hellip;","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14186"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14186\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4846"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}