{"id":14299,"date":"2026-07-20T16:02:43","date_gmt":"2026-07-20T14:02:43","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/trump-geht-es-nicht-um-iran-sondern-um-die-globale-wirtschaftskrise\/"},"modified":"2026-07-20T16:02:43","modified_gmt":"2026-07-20T14:02:43","slug":"trump-geht-es-nicht-um-iran-sondern-um-die-globale-wirtschaftskrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/trump-geht-es-nicht-um-iran-sondern-um-die-globale-wirtschaftskrise\/","title":{"rendered":"Trump geht es nicht um Iran, sondern um die globale Wirtschaftskrise"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Igor Perewersew<\/em><\/p>\n<p>Bef\u00fcrworter milit\u00e4rischer L\u00f6sungen \u2013 selbst solche, die den USA nicht gerade wohlgesinnt sind \u2013 sind verwirrt. Warum k\u00f6nnen die USA, die \u00fcber eine so schlagkr\u00e4ftige Flotte, Flugzeugtr\u00e4gerkampfgruppen, Kampfjets der f\u00fcnften Generation und \u00c4hnliches verf\u00fcgen, nicht einfach die Stra\u00dfe von Hormus besetzen und damit das Thema ad acta legen? Die Antwort besteht aus zwei Teilen. Erstens: Sie k\u00f6nnen es nicht. Zweitens: Sie wollen es nicht.<\/p>\n<p>Vor einigen Tagen gab US-Pr\u00e4sident Donald Trump bekannt, dass die USA den Auslauf von Schiffen aus dem Persischen Golf gegen Bezahlung sicherstellen w\u00fcrden. Die Rede war dabei von &#8222;in etwa&#8220; 20 Prozent des Frachtwerts. Allerdings \u00e4nderte er schon am n\u00e4chsten Tag, wie es seine Art ist, wieder seine Meinung und sagte, die Geb\u00fchr werde auf andere Weise erhoben \u2013 n\u00e4mlich durch &#8222;gigantische&#8220; Investitionen der Golfstaaten in die USA. Irans Schiffe und die der &#8222;Kunden Irans&#8220; hingegen w\u00fcrden Trump zufolge im Golf eingeschlossen bleiben.<\/p>\n<p>Das klingt sehr bedrohlich. Und gleichzeitig undurchf\u00fchrbar.<\/p>\n<p>Eine Flugzeugtr\u00e4gerkampfgruppe ist im Kern ein schwimmender Flugplatz, umgeben von einer Vielzahl begleitender Kreuzer, Zerst\u00f6rer und U-Boote. Diese Begleitschiffe \u00fcberwachen jede Bedrohung aus der Luft, von der Wasseroberfl\u00e4che und aus der Tiefe und gew\u00e4hrleisten so eine tiefgestaffelte Verteidigung. Zu der Gruppe geh\u00f6ren in der Regel auch Versorgungsschiffe und Tanker mit Treibstoff. Selbstverst\u00e4ndlich leistet auch die Weltraumaufkl\u00e4rung entsprechende Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Doch die Streitmacht, die seit dem Zweiten Weltkrieg alle in Angst und Schrecken versetzte, ist heute deutlich weniger furchteinfl\u00f6\u00dfend \u2013 vor allem dann, wenn sie versucht, nicht auf hoher See, sondern in K\u00fcstenn\u00e4he zu operieren. Gegen eine solche Flottille werden Hunderte, mitunter Tausende vergleichsweise billiger Drohnen unterschiedlichster Klassen eingesetzt. Niemand rechnet dabei mit ernsthaftem Schaden durch die Treffer selbst \u2013 die Aufgabe der Drohnen besteht vielmehr darin, die Luftabwehr der Flottille zu ersch\u00f6pfen. Aufkl\u00e4rungsdrohnen beobachten das Geschehen w\u00e4hrenddessen gelassen aus der Distanz. Sobald klar wird, dass die Abfangraketen aufgebraucht sind, folgen ballistische Raketen und Marschflugk\u00f6rper \u2013 mitunter auch Hyperschallwaffen, die im Prinzip nicht abgefangen werden k\u00f6nnen. In erster Linie wird die Start- und Landebahn eines Flugzeugtr\u00e4gers angegriffen, wodurch dieser keine Flugzeuge mehr starten oder landen lassen kann. Unter solchen Umst\u00e4nden Schiffe in die Stra\u00dfe von Hormus zu entsenden, w\u00e4re schlicht selbstm\u00f6rderisch \u2013 erst recht, wenn es sich um einen riesigen Flugzeugtr\u00e4ger handelt. Das sind die Dreadnoughts des fr\u00fchen 21. Jahrhunderts. Genau aus diesem Grund sind die USA derzeit gezwungen, ihre Flugzeugtr\u00e4gerkampfgruppen (Carrier Strike Groups, CSG) in einer solchen Entfernung von der iranischen K\u00fcste zu halten und nur gelegentlich mittelgro\u00dfe Schiffe einzusetzen.<\/p>\n<p>Es lohnt sich zudem zu erl\u00e4utern, wie genau die iranische Revolutionsgarde (IRGC) zivile Schiffe im Golf angreift, die ihre Durchfahrt nicht mit dem Iran abgestimmt haben. Es gibt keinen bestimmten Punkt, an dem eine Batterie platziert wurde und von dem aus auf jeden per Fernglas gesichteten Tanker gefeuert wird. Die K\u00fcste des Persischen Golfs besteht auf iranischer Seite aus recht hohem Gebirge: Unmittelbar am Meer steigen die H\u00e4nge steil auf 500 bis 800 Meter an, etwas weiter landeinw\u00e4rts erreichen die Gebirgsketten des Zagros H\u00f6hen von 1.500 bis 2.000 Metern. In den Felsen gibt es zahlreiche H\u00f6hlen, die Schutz vor Luft- und Satellitenaufkl\u00e4rung bieten. Mobile Gruppen bewegen sich fortlaufend entlang der K\u00fcste in einer rund tausend Kilometer langen Zone. Die Drohnenpiloten steuern ihre Flugger\u00e4te von erh\u00f6hten Positionen aus \u2013 keineswegs vom Startpunkt der Drohnen und unbemannten Boote selbst, denn daf\u00fcr sind andere K\u00e4mpfer zust\u00e4ndig. Die Einheiten agieren autonom und nehmen nur selten Kontakt zur Zentrale auf, um das Entdeckungsrisiko zu minimieren. Eine solche, im Grunde genommen netzwerkartige Struktur zu bezwingen, ist \u00e4u\u00dferst schwierig.<\/p>\n<p>Man kann den Iran beliebig lange f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe gegen das Seerecht kritisieren. Da dieses jedoch erst vor Kurzem von den USA selbst auf \u00e4u\u00dferst demonstrative Weise au\u00dfer Kraft gesetzt wurde, spricht im Westen niemand dieses Thema an.<\/p>\n<p>Die USA sind also nicht in der Lage, die iranische Blockade zu durchbrechen. K\u00f6nnen sie aber ihre eigene, gegen den Iran und in vielerlei Hinsicht auch gegen China gerichtete Blockade aufrechterhalten? Die Amerikaner fangen Schiffe auf hoher See ab. Doch w\u00e4hrend die Wahrscheinlichkeit, dass die Iraner einen Tanker versenken, fast hundertprozentig ist, ist die Erfolgsquote der Gegenseite weitaus geringer. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sich jemand dazu entschlie\u00dfen wird, dieses Risiko einzugehen. Die Stra\u00dfe von Hormus wird daher doppelt blockiert.<\/p>\n<p>Der Unterschied in der Lage beider Seiten zeigt sich auch darin, dass selbst eine Flotte, die sich im Indischen Ozean gar nicht fortbewegt, enorme Ressourcen verbraucht. Die Kosten f\u00fcr den Unterhalt einer sogenannten &#8222;hei\u00dfen&#8220; Flugzeugtr\u00e4gerkampfgruppe sind 1,5- bis 2-mal h\u00f6her als die einer &#8222;kalten&#8220; \u2013 wenn die Schiffe in H\u00e4fen liegen oder sich in deren N\u00e4he befinden. Endlos kann man eine solche Gruppe dort jedoch nicht in Einsatzbereitschaft halten.<\/p>\n<p>Wenn ein Abzug ohnehin unvermeidlich ist, warum ziehen sich die Amerikaner dann nicht gleich jetzt zur\u00fcck? Schlie\u00dflich erlebte Amerika schon weitaus schlimmere Dem\u00fctigungen \u2013 etwa die Niederlage im Vietnamkrieg. Wozu all dieses Theater mit der \u00d6ffnung und Schlie\u00dfung der Stra\u00dfe von Hormus? Mit Verhandlungen, die zwar immer &#8222;gut laufen&#8220;, aber schlecht enden\u2026 Zumal US-Vizepr\u00e4sident JD Vance in einem Interview am 15. Juli erkl\u00e4rte, die USA beabsichtigten unter keinen Umst\u00e4nden, eine Bodenoperation durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Ja, die amerikanische Flotte wird eines Tages nach Hause zur\u00fcckkehren \u2013 dann, wenn die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit auf ein ganz anderes Thema gelenkt sein wird: die Wirtschaftskrise. Und genau um diese Krise herbeizuf\u00fchren, befindet sie sich dort. Der Sinn der amerikanischen Blockade der Stra\u00dfe von Hormus besteht in eben dieser Blockade. Der Persische Golf ist die Quelle des Petrodollars. Mit der Zerst\u00f6rung dieses Systems begann Trump im M\u00e4rz dieses Jahres, als er den saudi-arabischen Kronprinzen auf dem Investmentforum in Miami \u00f6ffentlich beleidigte. Heute setzt er diese Linie unvermindert fort.<\/p>\n<p>Keine Lieferungen von physischem \u00d6l \u2013 keine Gewinne f\u00fcr die arabischen Monarchien. Keine Gewinne \u2013 kein Geldzufluss in die USA. Und so geht es die Kette entlang weiter: Kein physisches \u00d6l \u2013 kein Handel mit sogenanntem &#8222;Papier\u00f6l&#8220; und keine Spekulationen damit. Es fehlt an Finanzmitteln, um Anleihen zu kaufen. Die Kosten f\u00fcr die Bedienung der Staatsschulden der USA sind auf ein Rekordniveau von 1,35 Billionen Dollar j\u00e4hrlich gestiegen, obwohl die Prognose nur eine Billion vorsah! Schuld daran sind die Ausgleichszahlungen f\u00fcr inflationsgesch\u00fctzte Anleihen. Auch der Liquidit\u00e4tszufluss \u00fcber den Aktienmarkt l\u00e4sst nach. Infolgedessen bricht das gesamte Konstrukt zusammen, das einst von Henry Kissinger und seinen Mitstreitern so sorgf\u00e4ltig aufgebaut wurde.<\/p>\n<p>Die Amerikaner haben eine besondere Eigenschaft. Sie verstehen es etwas besser als andere, &#8222;ausgediente Pferde zu erschie\u00dfen&#8220; \u2013 daf\u00fcr gibt es bei ihnen eine feste Redewendung. Wenn ein Projekt sich ersch\u00f6pft hat, erkennen sie das an, auch wenn es ihnen nicht leichtf\u00e4llt. W\u00e4hrend andere emotional daran h\u00e4ngen und nicht loslassen k\u00f6nnen, ziehen die Amerikaner einen Schlussstrich.<\/p>\n<p>Die Globalisierung in ihrer derzeitigen Form ist genau dieses &#8222;ausgediente Pferd&#8220;.<\/p>\n<p>Auf dem US-amerikanischen Portal <em>MarketWatch<\/em> erschien k\u00fcrzlich ein ausf\u00fchrlicher Artikel, in dem der Autor darlegt, dass die USA die Funktion einer Krise als eine Art regelm\u00e4\u00dfiges &#8222;Reinigungsklistier&#8220; aus den Augen verloren h\u00e4tten. In den letzten Jahrzehnten wurde der Markt jedes Mal, wenn er einzubrechen drohte, k\u00fcnstlich gerettet. Ein Kommentator von <em>Bloomberg Intelligence<\/em> erkl\u00e4rte dem Journalisten in diesem Artikel, dass dies auf die enormen Altersvorsorgeverm\u00f6gen zur\u00fcckzuf\u00fchren sei, die in Wertpapieren angelegt seien. Die Rettung der Rentner ist zwar durchaus lobenswert. Das Problem liegt jedoch vermutlich weniger bei den Rentnern selbst als vielmehr darin, dass die Erben der gr\u00f6\u00dften Verm\u00f6gen keine Aktien mehr besitzen, sondern Fondsanteile \u2013 etwa bei BlackRock und anderen Verm\u00f6gensverwaltungsgesellschaften. Genau deshalb kann es sich niemand leisten, dass der Aktienmarkt stark und dauerhaft einbricht. Allerdings kann er in einem solchen Zustand nicht ewig existieren, selbst rein rechnerisch betrachtet. Mit allerlei Kunstgriffen gelingt es zwar eine Zeit lang, den Toten am Leben zu erhalten, doch irgendwann m\u00fcssen die lebenserhaltenden Ma\u00dfnahmen eingestellt werden.<\/p>\n<p>Trump und sein Team sind genau mit dieser Mission ins Amt gekommen. Trump probiert verschiedene Instrumente aus. Er f\u00fchrt enorme Z\u00f6lle auf den Au\u00dfenhandel ein. In K\u00fcrze wird er sicherlich Sekund\u00e4rsanktionen gegen Indien und China wegen des \u00d6lhandels mit Russland verh\u00e4ngen. Er blockiert die Stra\u00dfe von Hormus\u2026 Die Phasen versch\u00e4rfter Spannungen mit dem Iran haben mit dem Iran als solchem wenig zu tun. Sie gehen vielmehr auf den Wunsch zur\u00fcck, die Lieferungen von physischem \u00d6l einzuschr\u00e4nken, sowie auf die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf das Finanzsystem.<\/p>\n<p>Wie wir sehen, sucht Trump unabl\u00e4ssig nach dem passenden Hebel. Offenbar wird ihm das am Ende auch gelingen \u2013 die Krise wird Fahrt aufnehmen. H\u00f6chstwahrscheinlich noch in diesem Jahr.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/opinions\/2026\/7\/20\/1435630.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 20. Juli 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Igor Perewersew<\/strong>\u00a0ist ein russischer Publizist.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/286331-usa-verstaerken-taktische-luftstreitkraefte-im\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">USA verst\u00e4rken taktische Luftstreitkr\u00e4fte im Nahen Osten<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7ath0c\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Igor Perewersew Bef\u00fcrworter milit\u00e4rischer L\u00f6sungen \u2013 selbst solche, die den USA nicht gerade wohlgesinnt sind \u2013 sind verwirrt. 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