{"id":14319,"date":"2026-07-20T17:03:43","date_gmt":"2026-07-20T15:03:43","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/erdogan-fordert-netanjahu-heraus-von-thomas-roeper\/"},"modified":"2026-07-20T17:03:43","modified_gmt":"2026-07-20T15:03:43","slug":"erdogan-fordert-netanjahu-heraus-von-thomas-roeper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/erdogan-fordert-netanjahu-heraus-von-thomas-roeper\/","title":{"rendered":"Erdo\u011fan fordert Netanjahu heraus | Von Thomas R\u00f6per"},"content":{"rendered":"<div><!--kg-card-begin: html--><br \/>\n<iframe title=\"Erdo\u011fan fordert Netanjahu heraus | Von Thomas R\u00f6per\" width=\"560\" height=\"418\" src=\"https:\/\/tube4.apolut.net\/videos\/embed\/s3RAKyb9rnwpcmRa36MFyV\" allow=\"fullscreen\" sandbox=\"allow-same-origin allow-scripts allow-popups allow-forms\" style=\"border-radius: 8px\"><\/iframe><br \/>\n<!--kg-card-end: html--><\/p>\n<div class=\"kg-card kg-audio-card\"><audio src=\"https:\/\/apolut.net\/content\/media\/2026\/07\/apolut_20260720_SP_Montag.mp3\" preload=\"metadata\" controls><\/audio><\/div>\n<p><strong>Die T\u00fcrkei und Israel<em> \u201ebalancieren am Rande eines milit\u00e4rischen Zusammensto\u00dfes\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Konflikt zwischen der T\u00fcrkei und Israel eskaliert. Die T\u00fcrkei hat Interpol nun sogar angewiesen, eine internationale Fahndung gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu auszustellen. Worum geht es im Streit zwischen den L\u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Standpunkt von\u00a0<strong>Thomas R\u00f6per<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Der eskalierende Konflikt zwischen der T\u00fcrkei und Israel spielt in deutschen Medien kaum eine Rolle, obwohl er den Westen im Extremfall in eine sehr schwierige Lage bringen kann, denn sollte es beispielsweise in Syrien zu einem milit\u00e4rischen Zusammensto\u00df zwischen den beiden L\u00e4ndern kommen, m\u00fcsste der Westen sich m\u00f6glicherweise entscheiden, ob er dem NATO-Partner T\u00fcrkei oder Israel beisteht.<\/p>\n<p>In der TASS ist ein Artikel erschienen, der den Konflikt ein wenig beleuchtet und die letzten Entwicklungen schildert, und ich habe den\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/tass.ru\/opinions\/27926467?ref=apolut.net\">Artikel<\/a>\u00a0\u00fcbersetzt.<\/p>\n<p><strong><em>Beginn der \u00dcbersetzung:<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Ankaras Angriff \u00fcber Interpol: Was wird aus Netanjahu, der auf der Fahndungsliste steht?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alexej Martynow erkl\u00e4rt, wozu die T\u00fcrkei Israel geopolitisch isoliert.<\/strong><\/p>\n<p>Das 11. Istanbuler Strafgericht hat Interpol angewiesen, eine internationale Fahndung (\u201eRed Notice\u201c) gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu auszustellen. Die Entscheidung ist Teil von Ankaras systematischer Strategie, Israel mit juristischen, diplomatischen, milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Mitteln zu delegitimieren. Ankara versucht, Jerusalem aus der regionalen Machtarchitektur zu verdr\u00e4ngen und nutzt dabei \u2013 so absurd es auch klingen mag \u2013 Washingtons vermeintliche diplomatische Unterst\u00fctzung sowie seine eigene milit\u00e4rische St\u00e4rkung innerhalb der NATO.<\/p>\n<p><strong>Die Global Sumud Flotill als Ausl\u00f6ser<\/strong><\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die aktuelle Eskalation waren die Ereignisse in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2025. Ende August stach die Global Sumud Flotill (GSF), ein Konvoi von \u00fcber 40 Schiffen mit fast 500 pro-pal\u00e4stinensischen Aktivisten, von spanischen und italienischen H\u00e4fen aus in See, um humanit\u00e4re Hilfe nach Gaza zu bringen. Am 1. und 2. Oktober fing die israelische Marine die Flottille im Mittelmeer ab, woraufhin die Aktivisten nach Europa abgeschoben wurden. Das t\u00fcrkische Au\u00dfenministerium stufte das Abfangen umgehend als <em>\u201eTerrorakt in internationalen Gew\u00e4ssern\u201c <\/em>ein. Die Anwesenheit mehrerer t\u00fcrkischer Staatsb\u00fcrger in der Flottille gab Ankara die formale Rechtsgrundlage f\u00fcr die Einleitung eines Strafverfahrens.<\/p>\n<p>Im November erlie\u00df die Istanbuler Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen Netanjahu und 36 israelische Beamte wegen <em>\u201eV\u00f6lkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit\u201c<\/em>. Im April 2026 best\u00e4tigte ein Istanbuler Gericht die Anklage und forderte lebenslange Haftstrafen f\u00fcr den israelischen Premierminister und 34 israelische Staatsb\u00fcrger. Den letzten Schritt bildete die Entscheidung des Obersten Istanbuler Strafgerichts vom 14. Juli, Interpol um die Ausstellung der erw\u00e4hnten \u201eRed Notice\u201c zur sofortigen Festnahme Netanjahus zu ersuchen.<\/p>\n<p>Dabei muss man anmerken, dass weder Israel noch die USA auf Bitte von Interpol ausliefern. Zwischen der T\u00fcrkei und Israel besteht derzeit kein bilaterales Abkommen \u00fcber die gegenseitige Koordinierung in Strafsachen und die Vollstreckung von Gerichtsurteilen.<\/p>\n<p>Die t\u00fcrkischen Richter sparten angesichts der ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen den beiden L\u00e4ndern nicht mit scharfen Worten. Sie verwendeten unter anderem <em>\u201eVerbrechen gegen die Menschlichkeit\u201c, \u201eV\u00f6lkermord\u201c, \u201erechtswidrige Inhaftierung\u201c, \u201egrausame Behandlung von Gefangenen\u201c, \u201evors\u00e4tzliche Gesundheitssch\u00e4digung\u201c, \u201eRaub\u201c <\/em>und<em> \u201ePiraterie mit Einschr\u00e4nkung der Bewegungsfreiheit\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Parallel zum Druck von Justiz und Medien begann eine zweite Welle von Missionen der \u201eGlobal Sumud Flotill\u201c. Wie erwartet, wurde der Konvoi von der israelischen Marine abgefangen. Ende April startete die Fr\u00fchjahrsmission 2026 GSF. Der Konvoi bestand aus rund 60 Schiffen mit Aktivisten aus \u00fcber 44 L\u00e4ndern. Die t\u00fcrkische Organisation IHH fungierte diesmal ebenfalls als Organisator. Die Flottille legte in Marmaris ab und am 30. April enterte die israelische Marine 22 Schiffe vor Kreta, nicht in der N\u00e4he israelischer Hoheitsgew\u00e4sser und etwa 600 Seemeilen vom Gazastreifen entfernt. Im Zuge der Operation wurden 175 festgenommene Aktivisten an Griechenland \u00fcbergeben und die Schiffe samt Ladung wurden beschlagnahmt.<\/p>\n<p>Am 14. Mai verlie\u00dfen weitere 54 Schiffe Marmaris. Wenige Tage sp\u00e4ter wurden sie etwa 70 Seemeilen westlich von Zypern und 250 Seemeilen vom Gazastreifen entfernt abgefangen. Knapp 430 vom israelischen Milit\u00e4r festgenommene Aktivisten aus 39 L\u00e4ndern wurden in den Hafen von Aschdod gebracht.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter berichteten die abgeschobenen Aktivisten von Menschenrechtsverletzungen und Italien und Deutschland \u00fcbermittelten Israel Protestnoten. Daraufhin entbrannte ein Skandal um Videos, die der israelische Minister f\u00fcr Nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir am Ort der Inhaftierung der Mitglieder der Flottille aufgenommen hatte. In den Videos \u00e4u\u00dferte sich der israelische Minister offen zufrieden mit dem Gesehenen und zeigte gefesselte und kniende Aktivisten. Fairerweise muss man sagen, dass Netanjahu die Handlungen seines Ministers \u00f6ffentlich verurteilte, obwohl er das Abfangen des humanit\u00e4ren Konvois bef\u00fcrwortete. Laut den Organisatoren fand direkt an Bord der Schiffe ein <em>\u201ejuristisches Symposium\u201c <\/em>statt: Aktivisten dokumentierten Beweise f\u00fcr Klagen gegen Israel in \u00fcber 30 Jurisdiktionen, darunter auch vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag.<\/p>\n<p>Insgesamt war diese Form des medialen und juristischen Drucks nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt. Meiner Meinung nach erleben wir im Kontext eines eskalierenden regionalen Konflikts eine klar orchestrierte Kampagne gegen Israel.<\/p>\n<p><strong>Juristischer Krieg als Teil einer systemischen Konfrontation<\/strong><\/p>\n<p>Es ist wichtig festzuhalten, dass die medialen und juristischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten nicht weniger heftig sind als die tats\u00e4chlichen milit\u00e4rischen Konflikte in der Region, wo der Konflikt seit fast 80 Jahren andauert. Ankara hat nie vergessen, dass fast das gesamte heutige Israel einst Teil des Osmanischen Reiches war und die t\u00fcrkische Pr\u00e4senz im Heiligen Land nach den Weltkriegen (vor\u00fcbergehend) durch Mandate Gro\u00dfbritanniens und Frankreichs ersetzt wurde.<\/p>\n<p>Die bilateralen Beziehungen standen sich \u00fcber die Jahre diametral gegen\u00fcber, doch Erdo\u011fans Neo-Osmanismus implizierte stets Anspr\u00fcche auf Einfluss im j\u00fcdischen Staat und die alleinige Kontrolle in der Region. Allerdings ist auch die israelische Seite nicht f\u00fcr ihre friedliche Haltung ber\u00fchmt. Der endg\u00fcltige Bruch zwischen den beiden F\u00fchrern erfolgte an der Syrien-Frage. So haben sich die t\u00fcrkisch-israelischen Beziehungen in den letzten Jahren von einer politischen und juristischen Konfrontation zu einem Konflikt entwickelt, der am Rande eines milit\u00e4rischen Zusammensto\u00dfes balanciert.<\/p>\n<p>In dieser medialen und juristischen Kampagne werden mehrere Instrumente gleichzeitig eingesetzt.<\/p>\n<ul>\n<li>Internationaler Gerichtshof der UNO: Die T\u00fcrkei beteiligt sich seit August 2024 aktiv an der von S\u00fcdafrika gegen Israel angestrengten Klage wegen V\u00f6lkermord.<\/li>\n<li>IStGH: Ankara \u00fcbergibt Beweismaterial und unterst\u00fctzt \u00f6ffentlich die Beschleunigung des Verfahrens, obwohl die T\u00fcrkei selbst das R\u00f6mische Statut nicht unterzeichnet hat.<\/li>\n<li>Nationale Gerichte: Ankara nutzt den Grundsatz der universellen Gerichtsbarkeit und die Regeln des internationalen Seerechts, um Klagen gegen israelische Beamte einzureichen.<\/li>\n<li>NATO: Die T\u00fcrkei blockiert systematisch jede Form der Partnerschaft zwischen dem B\u00fcndnis und Israel.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Parallel werden auch wirtschaftliche Hebel eingesetzt. Im Mai 2024 verh\u00e4ngte die T\u00fcrkei ein Handelsembargo gegen israelische Partner. Im November desselben Jahres wurden die diplomatischen Beziehungen faktisch abgebrochen und im August 2025 wurde die Nutzung des Luftraums eingeschr\u00e4nkt und der Flugverkehr eingestellt.<\/p>\n<p>Laut dem t\u00fcrkischen Statistikinstitut sind die t\u00fcrkischen Exporte nach Israel von 3,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf etwa 520 Millionen US-Dollar in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 gesunken. Bis 2026 wird erwartet, dass diese Zahl auf Null sinkt.<\/p>\n<p><strong>Die syrische Front<\/strong><\/p>\n<p>Generell erinnert die Entwicklung des Konflikts zwischen der T\u00fcrkei und Israel in vielem an das syrische Szenario vor Jahrzehnten. Erdo\u011fan bezeichnete Baschar al-Assad<strong> <\/strong>einst als Bruder, was die beiden jedoch nicht daran hinderte, in der ersten H\u00e4lfte der 2010er-Jahre inmitten des syrischen B\u00fcrgerkriegs und des Kampfes um regionalen Einfluss (wegen der Aufteilung der \u00d6lrouten nach Europa) zu unvers\u00f6hnlichen Feinden zu werden.<\/p>\n<p>Nach dem Sturz der Assad-Regierung im Dezember 2024 wurde syrisches Gebiet zum wichtigsten Schauplatz der direkten Konfrontation zwischen der T\u00fcrkei und Israel. Bereits im Januar 2025 legte der Nagel-Regierungsausschuss der Knesset einen Bericht \u00fcber die von sunnitischen Kr\u00e4ften in Damaskus ausgehende Bedrohung vor. Darin wurde klargestellt, dass Syrien, sollte es sich faktisch zu einem t\u00fcrkischen Stellvertreterstaat entwickeln, <\/p>\n<blockquote><p>\u201eeine gr\u00f6\u00dfere Bedrohung darstellen k\u00f6nnte als der Iran\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p> Mit anderen Worten: Erdo\u011fan wurde ernsthaft herausgefordert.<\/p>\n<p>Ab August 2025 startete Israel systematische Angriffe gegen pro-t\u00fcrkische Ziele in Syrien und parallel spitzte sich eine Konfrontation zwischen den Geheimdiensten zu. Nach israelischen Angriffen auf milit\u00e4rische Ziele und den Generalstab in Damaskus bezeichnete Erdo\u011fan Israel \u00f6ffentlich als<em> \u201eTerrorstaat\u201c <\/em>und warf ihm vor, den Schutz der drusischen Gemeinschaft als Vorwand f\u00fcr eine Expansion in Syrien zu nutzen.<\/p>\n<p>Die Eskalation hat nun einen kritischen Punkt erreicht. Der t\u00fcrkische Au\u00dfenminister Hakan Fidan erkl\u00e4rte, das Land<em> \u201ef\u00fchlt sich zunehmend eingekreist\u201c<\/em> von Israels Verb\u00fcndeten Griechenland und Zypern. Am 9. Juni erkl\u00e4rte Erdo\u011fan im Parlament, die israelischen Angriffe auf den Libanon und Syrien h\u00e4tten ein Ausma\u00df erreicht, das die Sicherheit der T\u00fcrkei unmittelbar bedrohe. Der Pr\u00e4sident k\u00fcndigte eine <em>\u201esehr klare und harte Antwort\u201c<\/em> auf jegliche Verletzungen der Rechte Ankaras im \u00f6stlichen Mittelmeer an und bezeichnete die kleinen Staaten, die Israel folgen, als <\/p>\n<blockquote><p>\u201eSubunternehmer des Zionismus\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Anfang Juli erkl\u00e4rte Erdo\u011fan Israel auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem pakistanischen Premierminister Shahbaz Sharif in Istanbul fast schon den Krieg. Er erkl\u00e4rte, die <\/p>\n<blockquote><p>\u201evom Krieg abh\u00e4ngige israelische F\u00fchrung erf\u00fcllt die Region erneut mit dem Geruch von Schie\u00dfpulver und Blut\u201c <\/p><\/blockquote>\n<p>und rief die internationale Gemeinschaft auf, das <\/p>\n<blockquote><p>\u201ezionistische Mordkommando\u201c zu stoppen.<\/p><\/blockquote>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump betonte die Ernsthaftigkeit der Lage beim j\u00fcngsten NATO-Gipfel in Ankara ebenfalls und merkte beil\u00e4ufig an, ohne sein Zutun <em>\u201ew\u00e4re die T\u00fcrkei bereits im Krieg mit Israel\u201c.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was tut Interpol gegen Netanjahu?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir zum rechtlichen Aspekt zur\u00fcckkommen, muss man anmerken, dass \u200b\u200bdie <em>\u201eRed Notice\u201c<\/em>, die das t\u00fcrkische Gericht bei Interpol beantragt hat, kein internationaler Haftbefehl ist. Das ist nur eine Anfrage an die 196 Mitgliedstaaten der Organisation zur Fahndung und vorl\u00e4ufigen Festnahme einer Person. Ihre tats\u00e4chliche Rechtskraft h\u00e4ngt vollst\u00e4ndig von der nationalen Gesetzgebung und der Position des jeweiligen Empf\u00e4ngerlandes ab.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang machen mehrere Bestimmungen der Interpol-Charta eine Befolgung des t\u00fcrkischen Antrags unwahrscheinlich. So verbietet beispielsweise Artikel 3 der Charta ausdr\u00fccklich jegliche Einmischung oder Aktivit\u00e4t politischer oder milit\u00e4rischer Natur, und genau darauf beruft sich Israel. Au\u00dferdem hat der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) im November 2024 einen eigenen Haftbefehl gegen Netanjahu erlassen, der bisher von keinem Land vollstreckt wurde. Und er wird nat\u00fcrlich auch nicht vollstreckt werden (es sei denn, der israelische Ministerpr\u00e4sident verzichtet auf seinen Status und reist in ein Land, das bereit ist, ihn festzunehmen, sagen wir als Tourist in Antalya). Abschlie\u00dfend sei erw\u00e4hnt, dass Israel und die T\u00fcrkei, wie bereits erw\u00e4hnt, kein bilaterales Auslieferungsabkommen haben.<\/p>\n<p>Der j\u00fcdische Staat reagierte nat\u00fcrlich umgehend. Au\u00dfenminister Gideon Saar bezeichnete die t\u00fcrkischen Haftbefehle als<em> \u201ePR-Gag Erdo\u011fans\u201c<\/em> und wies darauf hin, dass dieselbe Istanbuler Staatsanwaltschaft zuvor bereits den politischen Gegner des Pr\u00e4sidenten, den Istanbuler B\u00fcrgermeister Ekrem \u0130mamo\u011flu, verhaftet hatte. Dies, so die Behauptung, stelle die Unabh\u00e4ngigkeit der t\u00fcrkischen Justiz in Frage und deute auf einen klaren politischen Befehl der Regierung hin.<\/p>\n<p>Experten sehen verschiedene Szenarien f\u00fcr den weiteren Verlauf des Antrags an Interpol. Die Organisation wird ihn h\u00f6chstwahrscheinlich unter Berufung auf Artikel 3 ablehnen. Doch selbst ohne rechtliche Konsequenzen wird der negative PR-Effekt bis zu den israelischen Parlamentswahlen am 27. Oktober anhalten. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde das selbst im unwahrscheinlichen Fall einer Zustimmung einzelner Mitgliedstaaten lediglich zu einigen Einschr\u00e4nkungen von Netanjahus Auslandsreisen f\u00fchren. Israel w\u00fcrde gegen eine solche Entscheidung umgehend Berufung einlegen, die sich wiederum auf eben jenen Artikel 3 der Charta st\u00fctzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Netanjahu ist also in keiner wirklichen Gefahr, es besteht keine echte Gefahr einer Verhaftung, es wird nur internationales Ansehen vor dem Wahlkampf besch\u00e4digt. Ich glaube sogar, dass dieses Szenario darauf abzielt, sich in Israels innere Angelegenheiten einzumischen.<\/p>\n<p><strong><em>Ende der \u00dcbersetzung<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Thomas R\u00f6per, geboren 1971, hat als Experte f\u00fcr Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt \u00fcber 15 Jahre in Russland und spricht flie\u00dfend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dank an den Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Beitrag erschien zuerst am 18. Juli 2026 auf\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/anti-spiegel.ru\/2026\/die-tuerkei-und-israel-balancieren-am-rande-eines-militaerischen-zusammenstosses\/?ref=apolut.net\">anti-spiegel.ru<\/a>.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild 1: Istanbul, T\u00fcrkei \u2013 3. November 2018: Der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan<\/p>\n<p>Bildquelle 1: <u>Drop of Light<\/u> \/ Shutterstock<\/p>\n<p>Bild 2: New York, USA &#8211; 26. September 2025: Der israelische Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanyahu spricht w\u00e4hrend der UN-Generalversammlung bei den Vereinten Nationen in New York, New York<\/p>\n<p>Bildquelle 2: <u>noamgalai<\/u> \/ Shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die T\u00fcrkei und Israel \u201ebalancieren am Rande eines milit\u00e4rischen Zusammensto\u00dfes\u201c. Der Konflikt zwischen der T\u00fcrkei und Israel eskaliert. Die T\u00fcrkei hat Interpol nun sogar angewiesen, eine internationale Fahndung gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu auszustellen. Worum geht es im Streit zwischen den L\u00e4ndern? Ein Standpunkt von\u00a0Thomas R\u00f6per. 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