{"id":14361,"date":"2026-07-21T07:02:08","date_gmt":"2026-07-21T05:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/europas-banken-eu-will-den-bankensektor-von-regulierung-befreien-37992060-html\/"},"modified":"2026-07-21T07:02:08","modified_gmt":"2026-07-21T05:02:08","slug":"europas-banken-eu-will-den-bankensektor-von-regulierung-befreien-37992060-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/europas-banken-eu-will-den-bankensektor-von-regulierung-befreien-37992060-html\/","title":{"rendered":"Europas Banken: 1 Billion Euro gesucht: EU plant Umbau des Bankensektors"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Die EU braucht mehr Investitionen, doch der Bankenmarkt ist zu fragmentiert und zu stark reguliert. Br\u00fcssel setzt auf Vereinfachung \u2013 und sendet eine klare Botschaft nach Berlin in Sachen Commerzbank<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Zun\u00e4chst einmal gibt es Lob. Die Banken spielten \u201eseit jeher eine zentrale Rolle f\u00fcr die europ\u00e4ische Wirtschaft\u201c, sagt Maria Lu\u00eds Albuquerque, EU-Kommissarin f\u00fcr Finanzdienstleistungen bei der Pressekonferenz am Freitag. \u201eSie finanzieren private Haushalte, unterst\u00fctzen Unternehmer, f\u00f6rdern das Wachstum von Unternehmen und bieten Finanzdienstleistungen an, die unsere Wirtschaft am Laufen halten.\u201c Doch damit das so bleibt, seien \u2013 nat\u00fcrlich \u2013 Reformen erforderlich.<\/p>\n<p>Um Aufr\u00fcstung, Digitalisierung und Klimaschutz zu stemmen, braucht die EU hohe Investitionen \u2013 der Bedarf wird auf 1 Billion Euro j\u00e4hrlich gesch\u00e4tzt. Doch noch immer liegt viel Geld auf Sparkonten, verteilt \u00fcber den ganzen Kontinent. \u00c4ndern soll das die \u201eSpar- und Investitionsunion\u201c. Die Idee: Wenn die Kapitalm\u00e4rkte besser integriert werden, flie\u00dfen auch mehr private Investitionen.\u00a0<\/p>\n<p>Ein Zwischenschritt dahin ist der Bericht zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Bankensektors. Dazu hat die EU-Kommission Institute in ganz Europa befragt. Er best\u00e4tigt, was Experten schon lange bem\u00e4ngeln: Der Bankenmarkt sei zu fragmentiert, das Regelwerk zu komplex. Zwar seien die Banken profitabel, doch mit den gro\u00dfen US-Instituten wie JPMorgan oder Morgan Stanley kann hierzulande niemand mithalten. Nach dem Willen der Kommission soll sich das \u00e4ndern. Allerdings sind nicht alle mit ihren Pl\u00e4nen einverstanden.<\/p>\n<h2>Gebot der Stunde: Vereinfachung<\/h2>\n<p>Albuquerques Report listet drei zentrale Hindernisse auf, die den europ\u00e4ischen Bankenmarkt im internationalen Wettbewerb bremsen. Da sind zum einen die nationalen Grenzen, die den Bankenmarkt zersplittern. Dies schr\u00e4nke \u201eGr\u00f6\u00dfenvorteile und grenz\u00fcberschreitende Aktivit\u00e4ten\u201c ein, verringere Wettbewerb und behindere die Banken dabei, Dienstleistungen in der ganzen EU anzubieten. Zudem mache diese Fragmentierung die Banken anf\u00e4lliger f\u00fcr lokale Schocks.<\/p>\n<p>Gleichzeitig m\u00fcssen die Banken sich mit komplexen Regularien herumschlagen. Einige Meldepflichten seien unn\u00f6tig aufwendig, andere Vorgaben unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig \u2013 nicht jede kleine Sparkasse muss etwa die gleichen Regeln befolgen wie die Deutsche Bank. In diese Kerbe schl\u00e4gt auch die dritte Herausforderung, die die Kommission entdeckt hat: Die internationalen Basel-III-Standards, die nach der Finanzkrise entwickelt wurden, wende man sowohl f\u00fcr Gro\u00df- als auch f\u00fcr Kleinstbanken an. Gerade f\u00fcr kleinere Institute sei das Regelwerk zu komplex.<\/p>\n<\/p>\n<p>Das Gebot der Stunde lautet also: Vereinfachung. \u201eDer Fokus der EU-Kommission lag immer auf der Stabilisierung des Bankensektors\u201c, sagt Sascha Steffen im Gespr\u00e4ch mit Capital. Er ist Professor f\u00fcr Finance an der Frankfurt School of Finance &amp; Management und DWS \u201eSenior Chair in Finance\u201c. Regulierung geh\u00f6rt zu seinen Forschungsschwerpunkten. Nach der Finanzkrise 2008 sei es darum gegangen, Risiken abzubauen. \u201eEine wirkliche Strategie oder den Willen, eine Strukturreform herbeizuf\u00fchren, gab es lange nicht.\u201c Diese Regularien h\u00e4tten zur Folge gehabt, dass Kapital gebunden sei \u2013 ein Nachteil im internationalen Wettbewerb.<\/p>\n<h2>Finanzwende: \u201eWerkzeugkoffer der Bankenlobby\u201c<\/h2>\n<p>Die Kommission will im Januar 2027 Gesetzesvorschl\u00e4ge folgen lassen, um das Regelwerk zu vereinfachen. Das st\u00f6\u00dft nicht nur auf Gegenliebe: \u201eNicht alles an dem neuen Bericht ist falsch, viele Probleme erkennt die Kommission richtig \u2013 aber die vorgeschlagenen L\u00f6sungsans\u00e4tze stammen allzu oft aus dem Werkzeugkoffer der Bankenlobby\u201c, teilte etwa Michael Peters mit, Leiter des Bereichs Finanzstabilit\u00e4t der B\u00fcrgerbewegung Finanzwende.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Finanzprofessor Sascha Steffen ist der Meinung, die Kommission spreche richtige Punkte an. \u201eDer Handlungsdruck ist sehr gro\u00df, diese Probleme sind schon lange bekannt\u201c, sagt er. Ein wichtiger Punkt sei, dass Kapital freizusetzen, dass bisher in den Unternehmen gebunden sei. Der Report sei ein Schritt Richtung Bankenunion \u2013 inklusive europ\u00e4isches Einlagensicherungssystem.<\/p>\n<p>Das n\u00e4mlich ist schon lange ein wunder Punkt. Schon seit Jahren streiten sich die EU-Staaten etwa darum, ob Einlagen europaweit gesichert werden sollen. Auch dazu will die Kommission nun einen neuen Vorschlag machen. Insbesondere deutsche Banken bef\u00fcrchten, mit ihren Geldern Schieflagen von Instituten in anderen L\u00e4ndern ausb\u00fcgeln zu m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<h2>Ein Satz, der wohl an die Bundesregierung geht<\/h2>\n<p>Doch das ist nicht der einzige Teil, der das deutsche Gem\u00fct ber\u00fchrt. Ein Satz im Report d\u00fcrfte sogar explizit eine Warnung an die Bundesregierung sein und deren Haltung zur \u00dcbernahme der Commerzbank durch die italienische Unicredit. W\u00e4hrend die Europ\u00e4ische Zentralbank etwa die \u00dcbernahme bef\u00fcrwortet \u2013 immerhin w\u00fcrde eine neue europ\u00e4ische Gro\u00dfbank entstehen \u2013 wehrt sich die Bundesregierung.\u00a0<\/p>\n<p>Um Hindernisse bei der Integration zu bew\u00e4ltigen, hei\u00dft es dort, werde die Kommission \u201eihre Durchsetzungsinstrumente einsetzen,\u00a0wenn sie Verst\u00f6\u00dfe gegen das Unionsrecht durch Mitgliedstaaten feststellt, insbesondere im Zusammenhang mit Eingriffen in Fusionen und \u00dcbernahmen (\u2026)\u201c. Es folgt ein Verweis darauf, dass derartige Interventionen ohnehin nur gestattet seien, wenn sie dringend notwendig sind.\u00a0<\/p>\n<p>Es ist schwer, das nicht als Hinweis auf den Berliner Widerstand gegen die Unicredit zu lesen. \u201eDas Thema grenz\u00fcberschreitende Fusionen ist einer der gro\u00dfen Bremser des Bankensektors\u201c, sagt Finanzprofessor Steffen. \u201eAllein die Tatsache, dass die Kommission das auf der Agenda hat, ist ein Gamechanger.\u201c\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Welche Instrumente gemeint sind, ist allerdings unklar. Auf Nachfrage von Journalisten wollte EU-Kommissarin Albuquerque nicht konkret darauf eingehen. Aus dem Bundesfinanzministerium hei\u00dft es auf Anfrage nur, der Bericht der Kommission sei \u201eein gutes Zeichen\u201c. \u201eWichtig ist, dass die Europ\u00e4ische Kommission z\u00fcgig ein Paket zur Vereinfachung im Bankensektor vorlegt.\u201c Auf eine konkrete Frage, wie man den Satz zur \u00dcbernahme bewerte, ging das Ministerium auch auf Nachfrage nicht ein.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Die EU braucht mehr Investitionen, doch der Bankenmarkt ist zu fragmentiert und zu stark reguliert. 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