{"id":14529,"date":"2026-07-22T06:03:06","date_gmt":"2026-07-22T04:03:06","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/und-ploetzlich-geht-hier-nichts-mehr-was-wenn-bab-al-mandab-geschlossen-wird\/"},"modified":"2026-07-22T06:03:06","modified_gmt":"2026-07-22T04:03:06","slug":"und-ploetzlich-geht-hier-nichts-mehr-was-wenn-bab-al-mandab-geschlossen-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/und-ploetzlich-geht-hier-nichts-mehr-was-wenn-bab-al-mandab-geschlossen-wird\/","title":{"rendered":"Und pl\u00f6tzlich geht hier nichts mehr \u2013 Was wenn Bab al-Mandab geschlossen wird?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Paul R. Wolf<\/em><\/p>\n<p>Vor einigen Tagen kehrte eine hochrangige Huthi-Delegation von einer Reise aus dem Iran zur\u00fcck. Berichten zufolge befanden sich f\u00fchrende Vertreter der Bewegung an Bord eines iranischen Flugzeugs. Saudi-Arabien <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/iran-krieg-jemen-angriff-sanaa-flughafen-100.html\">griff<\/a> daraufhin den internationalen Flughafen von Sanaa aus der Luft an.\u00a0Nach Angaben der Huthi soll Riad damit die Landung der jemenitischen Delegation verhindert und die Infrastruktur des Airports getroffen haben. Die Maschine wich schlie\u00dflich nach Hudaidah aus.<\/p>\n<p>Die Huthi werteten den Angriff als Bruch der seit 2022 weitgehend eingehaltenen Waffenruhe und reagierten mit Drohnen- und Raketenattacken auf saudisches Gebiet, unter anderem den Flughafen von Abha im S\u00fcdwesten des K\u00f6nigreichs. Gleichzeitig verk\u00fcndete die mit Iran verb\u00fcndete Miliz, k\u00fcnftig auch saudische H\u00e4fen und \u00d6lanlagen ins Visier nehmen zu wollen.<\/p>\n<p>Am 20. Juli <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/irankrieg-huthis-verkuenden-seeblockade-gegen-saudi-arabien-a-4fd00530-4228-44b2-9fd1-ed5a58e27d2c\">erkl\u00e4rten<\/a> die Huthi nun eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien: Saudische Schiffe sollen die Meerenge Bab al-Mandab nicht mehr passieren d\u00fcrfen. Sie begr\u00fcndeten dies mit der jahrelangen saudischen Blockade des Jemen und den j\u00fcngsten Milit\u00e4raktionen Riads.<\/p>\n<p>Bereits zuvor hatten Vertreter Irans signalisiert, dass Teheran die mit ihm verb\u00fcndeten Huthi-Rebellen im Jemen dazu bewegen k\u00f6nnte, Bab al-Mandab vollst\u00e4ndig zu schlie\u00dfen \u2013 so wie die iranischen Revolutionsgarden ihrerseits die Schlie\u00dfung der Stra\u00dfe von Hormus als Druckmittel gegen die USA und ihre Verb\u00fcndeten im Nahen Osten eingesetzt haben.<\/p>\n<p>Im Zuge des US-iranischen Waffenstillstands und der Unterzeichnung einer Absichtserkl\u00e4rung zwischen Washington und Teheran hatte Iran die Stra\u00dfe von Hormus weitgehend wieder ge\u00f6ffnet. Bedingung war jedoch, dass Schiffe eine Transitgeb\u00fchr an Teheran entrichten und ausschlie\u00dflich die von Iran vorgegebene Route nutzen.<\/p>\n<p>Die USA wiesen inoffiziell eine alternative Route entlang der omanischen K\u00fcste aus. Sie gilt zwar als schwieriger zu befahren, umgeht jedoch iranische Gew\u00e4sser. Mitte Juli griffen die iranischen Revolutionsgarden Schiffe auf dieser Route an.<\/p>\n<p>Daraufhin zerbrach der Waffenstillstand weitgehend: Washington nahm seine Angriffe auf iranisches Gebiet wieder auf, Teheran schloss die Stra\u00dfe von Hormus erneut und reagierte mit Vergeltungsschl\u00e4gen gegen US-Verb\u00fcndete in der Region.<\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump hatte zuvor mit Angriffen auf die iranische Infrastruktur gedroht und setzte diese Drohung schlie\u00dflich um: Das US-Milit\u00e4r bombardierte unter anderem Br\u00fccken, Kraftwerke und eine Meerwasserentsalzungsanlage.<\/p>\n<p>Der Konflikt zwischen der Islamischen Republik Iran und den Vereinigten Staaten ist seitdem immer weiter eskaliert \u2013 und nun steht die Frage im Raum, ob die Huthi die Meerenge von Bab al-Mandab schon bald schlie\u00dfen oder zumindest den Schiffsverkehr dort erheblich beeintr\u00e4chtigen werden.<\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend des Gaza-Krieges ab Herbst 2023 erkl\u00e4rten die Huthi ihre Solidarit\u00e4t mit den Pal\u00e4stinensern, feuerten Raketen auf Israel ab und griffen im Bab al-Mandab Schiffe an, die sie mit Israel in Verbindung brachten. In der Folge hatten viele Reedereien den Umweg \u00fcber Afrika gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Bereits eine erhebliche St\u00f6rung des Schiffsverkehrs durch Raketen- und Drohnenangriffe h\u00e4tte weitreichende Folgen. Eine vollst\u00e4ndige Blockade des Bab al-Mandab erst recht.\u00a0Schiffe zwischen Europa und Asien k\u00f6nnten nicht mehr den direkten Weg durch das Rote Meer und den Sueskanal nehmen, sondern m\u00fcssten den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung fahren.<\/p>\n<p>Dadurch w\u00fcrde sich die Reisezeit um etwa zehn bis zwanzig Tage verl\u00e4ngern, gleichzeitig stiegen die Transportkosten erheblich.\u00a0Lieferungen von Erd\u00f6l und Fl\u00fcssiggas aus dem Nahen Osten nach Europa w\u00fcrden sich verz\u00f6gern. Auch der Containerverkehr zwischen Asien und Europa, \u00fcber den Elektronik, Maschinen, Textilien und Konsumg\u00fcter transportiert werden, w\u00e4re massiv beeintr\u00e4chtigt. H\u00f6here Frachtraten und Versicherungspr\u00e4mien w\u00fcrden die transportierten Waren zus\u00e4tzlich verteuern.<\/p>\n<p>Der Streit zwischen Arabien, Persien und Europa um die Kontrolle der internationalen Handelswege ist indes alles andere als neu. Vielmehr reicht er bis ins Mittelalter und die fr\u00fche Neuzeit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Bevor Vasco da Gama 1498 den Seeweg um Afrika nach Indien fand, wurde der Handel zwischen Europa und Asien vor allem durch arabische, persische und indische H\u00e4ndler sowie durch die italienischen Handelsst\u00e4dte Venedig und Genua vermittelt.<\/p>\n<p>Zwischen dem\u00a07. und dem fr\u00fchen 15. Jahrhundert\u00a0spielten auch chinesische Kaufleute und Handelsnetzwerke eine zentrale Rolle im Handel innerhalb Asiens. Vor allem w\u00e4hrend der Dynastien der Tang (618\u2013907), Song (960\u20131279) und Yuan (1271\u20131368) florierte der Warenaustausch entlang der Seidenstra\u00dfe sowie \u00fcber die Seewege des Indischen Ozeans.<\/p>\n<p>Chinesische H\u00e4ndler exportierten unter anderem Seide, Porzellan und Tee, w\u00e4hrend Gew\u00fcrze, Edelsteine, Elfenbein und andere Luxusg\u00fcter nach China gelangten. \u00dcber ein weit verzweigtes Netz von Zwischenh\u00e4ndlern erreichten chinesische Waren schlie\u00dflich auch Europa.<\/p>\n<p>Besonders H\u00e4ndler aus Regionen wie Gujarat spielten eine zentrale Rolle im Seehandel zwischen Indien, S\u00fcdostasien und dem Nahen Osten. Arabische und persische Kaufleute dominierten gro\u00dfe Teile des Handels im Indischen Ozean. Sie transportierten Gew\u00fcrze, Seide, Edelsteine und andere Waren zwischen Indien, Arabien, Ostafrika und dem Nahen Osten.<\/p>\n<p>In Europa hatten vor allem Venedig und Genua eine starke Stellung. Sie kauften Gew\u00fcrze und Luxusg\u00fcter im \u00f6stlichen Mittelmeerraum, oft \u00fcber Zwischenh\u00e4ndler, und verkauften sie in Europa weiter. Die Entdeckung des Seewegs nach Indien um das Kap der Guten Hoffnung herum erm\u00f6glichte es im 15. und 16. Jahrhundert vor allem den Portugiesen, den europ\u00e4ischen Fernhandel zu kontrollieren.\u00a0Sie\u00a0errichteten Handelspl\u00e4tze entlang dieser Route in Afrika (Angola, Mo\u00e7ambique), Indien (Goa, Daman und Diu), auf der Insel Hormus im Persischen Golf und in China (Macau).<\/p>\n<p>Der Bau des Sueskanals (1859 \u2013 1869) verk\u00fcrzte den Seeweg zwischen Europa und Asien noch einmal erheblich, weil Schiffe nun nicht mehr um das Kap der Guten Hoffnung an der S\u00fcdspitze Afrikas fahren mussten. Dadurch gewann er enorme Bedeutung f\u00fcr den Welthandel und besonders f\u00fcr die Verbindung zwischen Europa, Indien und Ostasien.<\/p>\n<p>Wenn die Meerenge von Bab al-Mandab nun gesperrt oder durch milit\u00e4rische Aktionen der Huthi massiv beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrde, k\u00f6nnte der Sueskanal einen Teil seiner Bedeutung f\u00fcr den Welthandel verlieren.\u00a0Der Seehandel zwischen Europa und Asien m\u00fcsste erneut den langen Weg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen \u2013 \u00e4hnlich wie vor der Er\u00f6ffnung des Sueskanals im Jahr 1869.\u00a0Die wirtschaftlichen Folgen w\u00e4ren erheblich: l\u00e4ngere Transportzeiten, steigende Frachtkosten und h\u00f6here Preise f\u00fcr Energie und Konsumg\u00fcter.<\/p>\n<p>Die aktuelle Krise macht zugleich deutlich, wie best\u00e4ndig die geopolitischen Grundmuster des Welthandels geblieben sind.\u00a0Seit Jahrhunderten konzentriert sich der Kampf um wirtschaftlichen und politischen Einfluss auf dieselben maritimen Engp\u00e4sse zwischen Europa und Asien \u2013 von der Stra\u00dfe von Hormus \u00fcber Bab al-Mandab bis zum Sueskanal.<\/p>\n<p>Auch die zentralen Akteure sind erstaunlich konstant geblieben: Arabische M\u00e4chte, Persien beziehungsweise der Iran, Indien, China und die europ\u00e4ischen Staaten ringen wie schon im Mittelalter und in der fr\u00fchen Neuzeit um Einfluss auf die wichtigsten Handelswege zwischen Ost und West.<\/p>\n<p>Ge\u00e4ndert haben sich vor allem die Mittel: Wo einst Kaufleute, Hafenst\u00e4dte und Kolonialm\u00e4chte den Handel bestimmten, sind es heute Nationalstaaten, Marineverb\u00e4nde und mit ihnen verb\u00fcndete Milizen.\u00a0Doch die strategische Bedeutung dieser Seewege ist heute kaum geringer als zu Zeiten der Seidenstra\u00dfe oder der portugiesischen Entdeckungsfahrten.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0<\/strong>\u2013 <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/286030-huthis-planen-blockade-der-meerenge-bab-al-mandab-im-auftrag-irans\/\">Huthi planen Blockade der Meerenge Bab al-Mandab \u2013 im Auftrag Irans<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7ajjss\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Paul R. 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