{"id":14569,"date":"2026-07-22T11:02:26","date_gmt":"2026-07-22T09:02:26","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/ich-kann-ja-eh-nichts-tun-daher-von-andrea-drescher\/"},"modified":"2026-07-22T11:02:26","modified_gmt":"2026-07-22T09:02:26","slug":"ich-kann-ja-eh-nichts-tun-daher-von-andrea-drescher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/ich-kann-ja-eh-nichts-tun-daher-von-andrea-drescher\/","title":{"rendered":"Ich kann ja eh nichts tun, daher \u2026 | Von Andrea Drescher"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Es ist immer wieder das Gleiche. Am Stammtisch bzw. virtuellen Stammtisch in den sozialen Medien und Kommentarspalten jammert fast jeder. Fragt man die Menschen aber, was sie gegen das, was sie kritisieren, tun, kommt meist ein Schulterzucken zur\u00fcck. Der Einzelne kann ja nichts tun, also leidet man lautstark weiter.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Andrea Drescher<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Es gibt aber systemkritische Aktivisten, die TUN. Nicht viele, aber die sind daf\u00fcr besonders beeindruckend. Zumindest f\u00fcr mich. Manche sind seit Jahrzehnten, viele seit Jahren aktiv. Einige davon sogar immer noch unbezahlt, ohne den Aufruf &#8222;Wenn Du meine Arbeit unterst\u00fctzen willst, spende hier &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Eine davon ist Tanja Schneckenhaus, die ich von Facebook kenne. Sie ist kein &#8222;Promi&#8220;, wird von ihren Facebook-Freunden aber inzwischen sehr gesch\u00e4tzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Facebook-Aktivisten, die liken, kommentieren und bestenfalls teilen, geh\u00f6rt sie zu denjenigen, die regelm\u00e4\u00dfig auch etwas TUN und von ihren Aktivit\u00e4ten auf Facebook berichten. Damit motiviert sie andere, ebenfalls ins Handeln zu kommen. Die meisten ihrer Aktionen sind legal, manchmal \u00fcberschreitet sie auch die Grenzen und riskiert eine Ordnungswidrigkeit. Aber das nimmt sie bewusst in Kauf.<\/p>\n<p>Das letzte Aktionismus-Meme, das sie geteilt hat, hat mich so begeistert, dass ich Lust hatte, mit ihr \u00fcber ihre Aktionen zu sprechen. So kam es zu diesem Interview, auch wenn das Meme, dem sich hoffentlich m\u00f6glichst viele anschlie\u00dfen, nicht von ihr stammt.<\/p>\n<p><em>Mein Tipp f\u00fcr die Chatkontrolle, um das Ganze f\u00fcr die 1984 Fraktion zu erschweren: V\u00f6llig sinnlos in jeden Chat ein, zwei der Reizw\u00f6rter einflie\u00dfen lassen, v\u00f6llig ohne Zusammenhang. Jede Zustimmung hei\u00dft dann: Ist doch Bombe oder ist doch Granate. Auf Essensvorschl\u00e4ge: das ist ein Attentat auf meine Figur. Statt gute Besserung: Hoffentlich bist Du bald Sch-Merzfrei. Jeder Chat sollte enden mit Uschi ist doof. Man sollte daf\u00fcr eine Liste erstellen, f\u00fcr jeden zug\u00e4nglich, die man aber leicht variieren muss, damit deren Filter versagen. Die m\u00fcssen dann jeden Chat pers\u00f6nlich \u00fcberpr\u00fcfen. Wir m\u00fcssen ein Chat-Tourette entwickeln. Das d\u00fcrfte sie personell schnell an die Grenzen bringen. Ist nicht strafbar, nennt sich ziviler Ungehorsam.<\/em><\/p>\n<p><strong>Drescher: Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst.<\/strong><\/p>\n<p>Schneckenhaus: Das ist das erste Mal, Andrea. Ich bin ehrlich, ich habe schon gedacht, was will die von mir? Ich bin doch v\u00f6llig unbekannt.<\/p>\n<p><strong>Bekannt oder nicht: Du bist eine von denen, die mich pers\u00f6nlich motivieren, trotz allem weiterzumachen.<\/strong><\/p>\n<p>Das habe ich heute beim Live auch noch gesagt. Ich war ja heute mit meinem &#8222;Hemd&#8220; auf dem &#8222;F\u00fcr die Aufr\u00fcstung das letzte Hemd&#8220; steht beklebt mit Geldscheinen unterwegs. Im Video habe ich gesagt, ich mache das nur, um Euch zu motivieren, dass Ihr auch etwas tut. Ich will zeigen, es tut nicht weh, wenn man aktiv wird und den Mund aufmacht. Ganz im Gegenteil, man bekommt ja sogar noch Daumen hoch. Viele l\u00e4cheln ein bisschen versch\u00e4mt und nicken ganz zaghaft. Aber es passiert leider zu wenig. Ich glaube, die Menschen haben Angst vor irgendwelchen Konsequenzen.<\/p>\n<p><strong>Kannst Du Dich kurz vorstellen bitte?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin 48, lebe in K\u00f6ln und bin jetzt in meinem dritten Ausbildungsberuf als Betreuungsassistentin im Altenheim t\u00e4tig. Vorher habe ich als gelernte Restaurantfachfrau 18 Jahre in Edel-Restaurants in K\u00f6ln gearbeitet und dann p\u00e4dagogische Fachkraft studiert. Seit 2020 bin ich als Friedensaktivistin unterwegs, seit Corona. Ich habe vorher schon einiges geahnt, mich gefragt, warum ist das so, und wieso darf ich das nicht, und und und? Aber mit Corona wurde es sehr deutlich. Alleine, dass im Fernsehen oben links bei jedem Programm stand: &#8222;Bleibt zu Hause&#8220;. Ich bin eher ein Sturkopf und dachte, n\u00f6, jetzt erst recht nicht. Jetzt geht es erst recht raus.<\/p>\n<p><strong>Corona hat Dich aktiv gemacht. Was war deine erste Aktion?<\/strong><\/p>\n<p>Das wei\u00df ich noch ganz genau. Direkt nach dem Lockdown habe ich \u00fcber die Internetseite nebenan.de Marco Benotti kennengelernt. Wir vertraten beide die gleichen Meinungen, haben uns ausgetauscht und irgendwann hat Marco die &#8222;Fl\u00fcsternde Mahnwache&#8220; in K\u00f6ln-Weiden angemeldet. Bei meiner erste Aktion bin ich mit einem selbstgeschriebenen DIN A4-Blatt Richtung Mahnwache losgelaufen. Da stand drauf &#8222;Sei mutig, steh auf&#8220;. Ich dachte, die Menschen m\u00fcssen doch merken, dass hier was nicht stimmt. Wieso sind die alle so still? Wieso rebellieren die hier nicht?<\/p>\n<p>Das war so meine allererste &#8222;Aktion&#8220;. Dabei habe ich dieses Blatt Papier vor meiner Brust zitternd aber stolz in Richtung Mahnwache getragen.<\/p>\n<p><strong>Wie war die Reaktion?<\/strong><\/p>\n<p>Es kam eigentlich gar nichts, keine Reaktion. Das war dann schon mal sehr frustrierend.<\/p>\n<p><strong>Inzwischen zitterst du nicht mehr?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Ab und zu gibt es doch noch einen Adrenalin-Kick bei Dingen, die man so tut. Aber meist bin ich ganz gelassen.<\/p>\n<p><strong>Wie ging es denn nach der fl\u00fcsternden Mahnwache weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Marco hat die Montagsmahnwachen ins Leben gerufen. Erst in K\u00f6ln-Weiden. Da standen wir immer zu siebend oder zu acht.<\/p>\n<p>Ich kann mich noch erinnern, als das erste Mal die Polizei kam. Ich hatte keine Ahnung von den Abl\u00e4ufen und geriet total in Panik. Ich dachte, um Gottes Willen, jetzt kommt die Polizei. Aber es ist ja normal, dass die erst mal die Daten kontrollieren. Ein paar Monate sp\u00e4ter waren wir mit den Montagsmahnwachen in der Innenstadt am Rudersplatz und auch am Aachener Weiher.<\/p>\n<p>Als wir dann Masken tragen mussten, hat Marco aufgeh\u00f6rt. Da hat er gesagt, das will ich keinem antun. Ich war erst ein bisschen frustriert, habe mir aber dann gedacht, jetzt erst recht.<\/p>\n<p><strong>Du bist also weiter auf Demos gegangen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, ich habe weitergemacht. Es gab verschiedene Demos. Es gab auch Verfolgungsjagden mit der Polizei. Da bin ich auch zum ersten Mal mit dem Verfassungsschutz in Ber\u00fchrung gekommen.<\/p>\n<p><strong>Woher wei\u00dft Du, dass es Verfassungsschutz war?<\/strong><\/p>\n<p>Mir ist ein Mann aufgefallen, der ganz laut geklatscht hat und ganz auff\u00e4llig am K\u00f6lner Dom vorbei marschiert ist. Anschlie\u00dfend ist er zur Polizei gegangen und hat sich mit denen ausgetauscht. Marco meinte nur lapidar: &#8222;Das war der Verfassungsschutz, Tanja&#8220;. Ich habe das auch gefilmt. Ich war ja immer live. Das waren die ersten Verfolgungsjagden. Ich fand es immer lustig, f\u00fcr mich war das Ganze immer so eine Art Spiel. Ich habe es irgendwie nie ernst genommen.<\/p>\n<p>Dann ging es ja auch in D\u00fcsseldorf los mit den Samstagsdemos und Autokorsos. Einmal bin ich auch zur Demo nach Wien gefahren. Ich glaube, das war der 4. Dezember 2021. Die war gigantisch gro\u00df. Ich hatte Hunger, stand in einer Frittenbude und dachte mir: &#8222;Ich darf das Ende des Demo-Zugs nicht verpassen. Da muss ich hinter her.&#8220; Aber es ging immer weiter und weiter, ich konnte in aller Ruhe zu Ende essen.<\/p>\n<p>Wir waren mit ein paar Leuten da, haben irgendwo geschlafen, ganz inkognito. Heimlich, nachts \u00fcber die gr\u00fcne Grenze bei Passau. Ich fand das lustig und spannend, weil ich mir gesagt habe, die kriegen uns nicht.<\/p>\n<p><strong>Warst Du immer so entspannt?<\/strong><\/p>\n<p>Ziemlich lange ja. Bis ich mit Olaf M\u00fcller in Davos war, vor zweieinhalb Jahren, beim Weltwirtschaftsforum. Da habe ich ganz schnell gemerkt, &#8222;hier kannst du den Mund gar nicht aufmachen&#8220;. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Polizisten und Milit\u00e4r mit Maschinenpistolen gesehen wie in Davos. Wir wurden dreimal bei der Anfahrt kontrolliert. Ich hatte keinen Ausweis dabei, nur die Kopie. Aber sie haben uns durchgewunken. Darum war ich auch hier sicher, es wird mir nichts passieren. Ich habe auch irgendwie ein bisschen Gl\u00fcck. Aber ich war naiv. Das hat sich nach Davos ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>Wieso?<\/strong><\/p>\n<p>Davos war schon sehr m\u00e4chtig. Wir haben mit Menschen vor Ort gesprochen. Die wissen alle Bescheid. Sie r\u00e4umen ja ab Oktober alle Gesch\u00e4fte aus, damit BlackRock, OpenAI und wie sie alle hei\u00dfen ihre eigenen Geb\u00e4ude bekommen.<\/p>\n<p>Das hat mir eine richtige Ohrfeige verpasst. Danach war ich nicht mehr so blau\u00e4ugig. Ich war immer der Meinung: &#8222;Das schaffen wir schon. Das kriegen wir hin&#8220;. Diese Naivit\u00e4t war mit Davos weg. Mir wurde klar: Okay, das Ganze ist doch deutlich gr\u00f6\u00dfer, als ich dachte.<\/p>\n<p><strong>Du ver\u00f6ffentlichst Deine Lives auf Facebook?<\/strong><\/p>\n<p>Ja und gelegentlich auf TicToc. Ich m\u00f6chte die Menschen gerne mitnehmen, sie emotional so begeistern, dass sie auch etwas in der Wahrheitsbewegung mitgestalten m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Alleine kann man das nicht. Das sage ich auch immer. Wir m\u00fcssen mehr werden, die \u00f6ffentlich einfach den Mund aufmachen und sagen: &#8222;Nein, wir sind damit \u00fcberhaupt gar nicht einverstanden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Kannst du mir ein paar typische Aktionen von Dir schildern?<\/strong><\/p>\n<p>Eine der ersten gro\u00dfen Aktionen war, dass wir in einer Nacht 40 Autobahnbr\u00fccken mit Bannern beh\u00e4ngt haben. Das wollte ich aber dann nicht mehr machen, denn ich hatte das Gef\u00fchl &#8222;irgendwann erwischen die dich&#8220;. Ich wollte einfach legal handeln.<\/p>\n<p>Also habe ich in einer Stadt in NRW mal per E-Mail einen Antrag gestellt, an einem Zaun vor einem Tunnel einen Banner aufzuh\u00e4ngen mit dem Zitat von Helmut Schmidt: &#8222;Lieber 1000 Stunden umsonst verhandeln als eine Minute schie\u00dfen&#8220;. Darauf bekam ich einen Anruf, bei dem mir der Mitarbeiter sagte, &#8222;Ich finde die Aktion ja sehr sch\u00f6n, aber leider ist das bei uns nicht erlaubt.&#8220; Ich habe l\u00e4nger mit ihm gesprochen und versucht eine L\u00f6sung zu finden. Aber jede Idee, die ich hatte, war unzul\u00e4ssig. Und dann sagte er zu meine \u00dcberraschung: &#8222;Unter uns, ich glaube nicht, dass die Polizei oder das Ordnungsamt Sie deswegen abmahnen wird, es ist ja eine wirklich positive Aktion. Aber selbst wenn etwas kommt, machen Sie sich keine Sorgen, das kommt bei mir auf den Schreibtisch.&#8220;<\/p>\n<p>Ich bekam also de facto ein &#8222;GO&#8220;, ein &#8222;Machen Sie nur&#8220; f\u00fcr meine Aktion. Das hat mir gezeigt, es sind viel mehr Menschen f\u00fcr Frieden als man denkt.<\/p>\n<p><strong>Was machst Du sonst noch f\u00fcr Aktionen?<\/strong><\/p>\n<p>Das sind immer kleine Sachen. Nichts besonderes.<\/p>\n<p><strong>Die &#8222;kleinen&#8220; Aktionen sind aber gerade f\u00fcr andere interessant. An &#8222;gro\u00dfe&#8220; traut sich ja eh fast niemand ran.<\/strong><\/p>\n<p>O.k. \u2013 heute eben die Aktion mit dem Hemd und den Geldscheinen. Damit war ich in einem Einkaufszentrum unterwegs. Das war \u2013 laut deren Hausordnung \u2013 nicht erlaubt. Die habe ich mir nat\u00fcrlich durchgelesen. Mehr als rausschmei\u00dfen und Hausverbot k\u00f6nnen die ja nicht machen, das war mir also egal. Es verlief aber problemlos.<\/p>\n<p><strong>Wie waren die Reaktionen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Blicke waren oft fast ausweichend. Aber es gab auch Daumen hoch, Signale &#8222;das finde ich gut.&#8220; Ich hoffe, dass ich ein paar Menschen mitrei\u00dfen konnte.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Ukraine-Krieges, als es um die Panzer ging, die Deutschland schicken wollte, habe ich einen Panzer gemalt, ihn durchgestrichen und dann drauf geschrieben: &#8222;Seid Ihr noch bei Sinnen?&#8220;. Damit stand ich in D\u00fcsseldorf und in K\u00f6ln am Hauptbahnhof. Es gab viele, die gesagt haben, &#8222;Boah toll, gut, dass Du das machst.&#8220;<\/p>\n<p>Ich stand auch schon mal mit einem gro\u00dfen Schild an der Auffahrt bzw. Abfahrt von der A1 in K\u00f6ln. Darauf stand &#8222;Nie wieder Krieg.&#8220; Da haben Menschen auch mal angehalten, sind ausgestiegen, um mit mir zu sprechen. So kommt man wirklich ins Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Ich fahre mit einem Schild auf meinem Fahrrad quer durch die Stadt, dabei l\u00e4uft dann laute Musik \u00fcber meine Box. Danai macht ganz tolle Musik. Zwar mit KI, aber es fahren immer wieder Jugendliche hinter mir her. Eben weil die Musik cool ist. Im Osten, wo mein Freund wohnt, geht das noch besser. Da f\u00e4hrst du dann wirklich mit 15 Kids durch Neubrandenburg und denkst, &#8222;Boah krass, was ist das denn hier?&#8220;. In Neubrandenburg gehen wir auch noch immer jeden Montag spazieren. Das ist echt bemerkenswert.<\/p>\n<p>Marco hat mir noch alte Exemplare von Free21 geschenkt. Die bekommen alle meine Nachbarn. Jede Woche. Am Anfang haben sie die immer weggeschmissen. Mittlerweile landen sie nicht mehr im M\u00fcll. Die Menschen fangen an, sich zu interessieren.<\/p>\n<p>Oder ich h\u00e4nge Schilder auf meine Terrasse, ich wohne in einem achtst\u00f6ckigen Haus. Das kann jeder sehen und lesen. Beim Schild mit &#8222;Gl\u00e4serner Mensch&#8220; l\u00e4uft dann Musik von <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YXGFCmNX0g0&amp;ref=apolut.net\"><u>Udo J\u00fcrgens<\/u><\/a>. Dann fangen manche an, ein bisschen zu \u00fcberlegen.<\/p>\n<p>Aus meinen Schilderaktionen haben sich mittlerweile auch Freundschaften entwickelt.<\/p>\n<p>Dann habe ich Friedenstauben-Aufkleber &#8222;verteilt&#8220;. Die habe ich an einer Stra\u00dfe bis in die Innenstadt unter jeder Ampel geklebt.<\/p>\n<p><strong>Das ist doch nicht legal?<\/strong><\/p>\n<p>Stimmt. Ich wei\u00df noch, einmal stand ein Mann hinter mir, ich drehte mich um und sagte: &#8222;Ja, ich wei\u00df, das ist Vandalismus, aber ich muss das machen.&#8220; Seine Reaktion war toll: &#8222;Hast Du noch ein paar Friedenstauben-Aufkleber?&#8220; Klar hatte ich welche, die ich ihm gerne gab. Er rief mir dann hinterher: &#8222;Ich freue mich, ich klebe ein paar auf, ich mache da mit.&#8220;<\/p>\n<p>So was ist dann wieder motivierend, wenn man merkt, man kann die Leute mitrei\u00dfen. Die Aufkleber kann man nat\u00fcrlich auch einfach in Briefk\u00e4sten stecken. Oder Flyer verteilen. Das kann jeder \u2013 und es ist legal.<\/p>\n<p><strong>Man kann auch ganz legal an der Chat-Tourette teilnehmen? Das ist doch einen Bomben-Idee?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, diese lustige Aktion hat mir eine Freundin geschickt. Wenn man jetzt anf\u00e4ngt, es umzuschreiben, kann man gleich auch ein bisschen kreativ werden. Machen viele mit, kommen die sicher auch ein bisschen in Bedr\u00e4ngnis.<\/p>\n<p><strong>Was h\u00e4ltst du von Parteien, werden sie uns retten?<\/strong><\/p>\n<p>Gar nichts. Das sind Marionetten der Multimilliard\u00e4re, der Reichen. Goldman Sachs und BlackRock haben \u00fcberall ihre Finger drin. Es geht nur um Reich gegen Arm, mehr nicht. Ich glaube, Klaus Schwab hat mal gesagt, &#8222;We penetrate the cabinets. \u2013 Wir haben alle Parteien unterwandert.&#8220;. Meine Stimme bleibt bei mir und ich bleibe selbstbestimmt. Parteien sind keine Option, es geht darum, dass die Menschen eigenverantwortlich werden.<\/p>\n<p><strong>Das Zitat &#8222;Erfolg hat drei Buchstaben \u2013 T.U.N.&#8220; stammt von Goethe \u2013 es sollten viele mittun.<\/strong><\/p>\n<p>Eine Dame aus dem Osten sagte mal zu mir: &#8222;Es gibt nichts Gutes, au\u00dfer man tut es.&#8220; Vor jeder Aktion sage ich mir das. Wenn man nichts tut, gerade jetzt, wird es nicht besser. Ob es besser wird, nur wenn man was macht, wei\u00df ich nicht. Aber jeder, der was macht, der kann sagen, ich habe alles gegeben. Der muss sich eben nicht sch\u00e4men.<\/p>\n<p><strong>Siehst Du gro\u00dfe Chancen, dass wir noch etwas zum positiven ver\u00e4ndern k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, es ist wirklich sehr schwer. Ich bin immer entsetzt, wenn ich sehe, wie viele Menschen wegsehen. Die sehen so bewusstlos aus. Aber dann f\u00e4llt mir sofort Rudi Dutschke ein. Es ist wirklich ein langer, langer Kampf, dass wir diese Massenbewusstlosigkeit irgendwann mal sprengen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Allerdings kann ich sagen, mein Stiefvater hat ganz am Anfang von Corona gesagt, dass ich verr\u00fcckt w\u00e4re. Mittlerweile reden wir sehr, sehr offen \u00fcber politische Themen, er h\u00f6rt zu und schaut sich auch Sachen an. Offenheit ist auf jeden Fall da.<\/p>\n<p>Aber die meisten denken leider: &#8222;Was sollen wir schon machen? Es ist eben so.&#8220; Dabei ist es unsere einzige Chance, Bewusstsein zu wecken. Ich habe aber immer noch Hoffnung. Darum sage ich mir: &#8222;jetzt aber noch einmal. Noch einmal geht es.&#8220;<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen aber vielleicht auch ein bisschen vorsichtiger sein und die Menschen nicht mit zu schweren Themen wie Epstein belasten, nicht direkt mit der T\u00fcr ins Haus fallen. Das sind Themen, bei denen machen die Menschen ganz schnell zu. Meine Mutter sagt immer &#8222;H\u00f6r auf, ich will das nicht mehr h\u00f6ren. Das macht mir Angst.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Warum machst Du es trotzdem? Du konfrontierst die Menschen ja mit Krieg und Faschismus.<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin f\u00fcr Gerechtigkeit. Ich will die Wahrheit. Anders geht es nicht. In der L\u00fcge zu leben, ist, glaube ich, menschenunw\u00fcrdig. Ich bin einfach zu stur, um aufzugeben.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Aufgeben tut man einen Brief&#8220; ist mein Lieblingsspruch. Danke f\u00fcr Dein Engagement!<\/strong><\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Beitrag erschien zuerst am 20.07.2026 auf <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/tkp.at\/2026\/07\/20\/ich-kann-ja-eh-nichts-tun-daher\/?ref=apolut.net\"><u>tkp.at<\/u><\/a>.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: H\u00e4nde werden als Zeichen des Widerstands nach oben gehalten<br \/>Bildquelle: PeopleImages \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Es ist immer wieder das Gleiche. Am Stammtisch bzw. virtuellen Stammtisch in den sozialen Medien und Kommentarspalten jammert fast jeder. Fragt man die Menschen aber, was sie gegen das, was sie kritisieren, tun, kommt meist ein Schulterzucken zur\u00fcck. 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