{"id":14781,"date":"2026-07-23T13:03:10","date_gmt":"2026-07-23T11:03:10","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/woher-kommt-erdoel-wirtschaftliche-interessen-hinter-bio-und-abiogenese-von-jochen-mitschka\/"},"modified":"2026-07-23T13:03:10","modified_gmt":"2026-07-23T11:03:10","slug":"woher-kommt-erdoel-wirtschaftliche-interessen-hinter-bio-und-abiogenese-von-jochen-mitschka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/woher-kommt-erdoel-wirtschaftliche-interessen-hinter-bio-und-abiogenese-von-jochen-mitschka\/","title":{"rendered":"Woher kommt Erd\u00f6l? Wirtschaftliche Interessen hinter Bio- und Abiogenese | Von Jochen Mitschka"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>In diesem Artikel soll zun\u00e4chst in erster Linie ein Teilaspekt der Diskussion beleuchtet werden, ob Erd\u00f6l alleine durch fossile Artefakte entstand, oder abiogen direkt aus den unteren Schichten der Erdkruste &#8222;synthetisiert&#8220;, besser gesagt, gebildet wird. Es geht um die wirtschaftlichen Interessen.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Meiungsbeitrag von <strong>Jochen Mitschka<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Wissenschaft ist z\u00e4h darin, die eigenen Erkenntnisse zu verteidigen, auch wenn sie, oft durch Au\u00dfenseiter, infrage gestellt werden. Und es dauert oft Jahrzehnte, bis sich eine neue These durchgesetzt hat. Fr\u00fcher waren es nur die Egos der Mainstream vertretenden Wissenschaftler, aber seit hundert Jahren kommen handfeste wirtschaftliche Gr\u00fcnde dazu.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend man bei politischen Thesen nicht alle Argumente der Mainstream-Medien wiederholen und widerlegen muss, weil das zu viel der wertvollen Aufmerksamkeitsspanne des Medienkonsumenten kostet, ist es bei umstrittenen wissenschaftlichen Themen anders. Politische Entscheidungen ver\u00e4ndern sich nicht. Aber &#8222;<em>wissenschaftliche<\/em>&#8220; Erkenntnisse sind Momentaufnahmen von Annahmen.<\/p>\n<p>Eine keineswegs neue These \u00fcber die Entstehung von Erd\u00f6l \u2013 nicht aus fossilen Stoffen, sondern aus dem Erdinneren selbst und als nie versiegender Rohstoff \u2013 befl\u00fcgelt derzeit wieder die alternativen Medien. <\/p>\n<p>Dieser erste Artikel geht der Frage nach, welche wirtschaftlichen Gr\u00fcnde f\u00fcr oder gegen die eine oder andere Hypothese sprechen \u2013 ein Vorgehen, das man auch in anderen Fragen gerne an den Anfang stellt, um zu sehen, welche Interessen hinter der Vertretung bestimmter Narrative oder Hypothesen stehen. Erg\u00e4nzt wurde diese Fassung um eine Pr\u00fcfung der wichtigsten faktischen Behauptungen sowie um Belege und Quellen, damit die wirtschaftliche Interessenanalyse auf einem soliden Boden steht. Also fragen wir uns heute: Wer profitiert von welcher Theorie &#8211; und was sagt der Befund dazu?<\/p>\n<p><strong>Wirtschaftliche Hintergr\u00fcnde der BIOGENEN (Mainstream) Theorie<\/strong><\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Dominanz der biogenen Theorie beruht haupts\u00e4chlich auf ihrer extremen Praxisrelevanz f\u00fcr die globale Wirtschaft.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Risikominimierung bei Explorationen: <\/strong>Eine Tiefseebohrung oder das Erschlie\u00dfen neuer Felder kostet hunderte Millionen Dollar. Die Modelle der biogenen Geochemie (Suche nach vergrabenem Plankton, Muttergestein und Migrationswegen) weisen eine enorme Trefferquote auf. Kein Konzern kann es sich wirtschaftlich leisten, auf Basis unpr\u00e4ziserer Modelle \u201e<em>blind<\/em>\u201c zu <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/ithy.com\/article\/biogenic-petroleum-theory-3zzg22xz?ref=apolut.net\"><u>bohren<\/u><\/a>. Selbst wenn \u00d6lvorkommen verbreiteter w\u00e4ren als bisher angenommen, bleibt das Risiko geringer, wenn man bew\u00e4hrten Suchmethoden folgt.<\/li>\n<li><strong>Milliardeninvestitionen in bestehende Infrastruktur: <\/strong>Das globale Wissen, die Software, die F\u00f6rdertechnologien und die Ausbildung von Ingenieuren basieren komplett auf Sedimentbecken. Ein Paradigmenwechsel w\u00fcrde bestehendes Know-how im Wert von Billionen Dollar entwerten \u2013 ein klarer Anreiz, an der etablierten Lehre festzuhalten.<\/li>\n<li><strong>Finanzm\u00e4rkte und Kreditvergabe: <\/strong>Banken und Investoren bewerten \u00d6lkonzerne nach streng standardisierten \u201e<em>nachgewiesenen Reserven<\/em>\u201c. Diese Berechnungen funktionieren nur mit den kalkulierbaren, endlichen Modellen der biogenen Entstehung. Banken z\u00e4hlen zu den konservativsten Akteuren der Wirtschaft \u00fcberhaupt.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Wirtschaftliche Kritik (Argumente der Gegner):<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong> Gro\u00dfe \u00d6lkonzerne: <\/strong>Sie haben ein Interesse daran, dass \u00d6l als endliche Reserve gilt, weil sich damit dauerhaft Preisdruck erzeugen l\u00e4sst. Nur wenn Erd\u00f6l als endlich angesehen wird, kann man mehr als F\u00f6rderkosten zuz\u00fcglich einer akzeptablen Profitspanne verlangen.<\/li>\n<li><strong>Das Verknappungs-Narrativ (k\u00fcnstliche Teuerung): <\/strong>Kritiker argumentieren, das Narrativ vom fossilen, \u201e<em>endlichen<\/em>\u201c \u00d6l helfe F\u00f6rderstaaten und Konzernen, Preise k\u00fcnstlich hochzuhalten. Gilt ein Gut als unersetzlich und knapp, lassen sich hohe Preise politisch und wirtschaftlich leichter rechtfertigen.<br \/>In den 1980er-Jahren, als die OPEC begann, F\u00f6rderquoten an die gemeldeten Reserven der Mitgliedsstaaten zu koppeln, \u201e<em>explodierten<\/em>\u201c die offiziellen Reservenangaben mehrerer Mitgliedstaaten binnen weniger Jahre um 40 bis 200 Prozent \u2013 ohne dass nennenswerte neue Funde bekannt wurden. Der Irak etwa meldete einen Sprung von 47 auf 100 Milliarden Barrel, die Vereinigten Arabischen Emirate von 31 auf 92 bis 98 Milliarden Barrel.<br \/>Das Fachblatt <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.ogj.com\/drilling-production\/production-operations\/article\/17239967\/opecs-challenge-rethinking-its-quota-system?ref=apolut.net\"><u>Oil &amp; Gas Journal<\/u><\/a> h\u00e4lt fest, dass die OPEC-Reserven in den 1980er-Jahren insgesamt um rund 80 Prozent stiegen und mehrere Staaten ihre \u201e<em>Buchreserven<\/em>\u201c ohne geologische Grundlage verdreifachten. <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/agsi.org\/analysis\/saudi-oil-reserves-a-riddle-wrapped-in-a-mystery-inside-an-enigma\/?ref=apolut.net\"><u>Das US-Analysehaus AGSI<\/u><\/a> verweist darauf, dass Saudi-Arabien seine Reserven 1990 von 173 auf \u00fcber 260 Milliarden Barrel anhob \u2013 just als die Quotenformel eingef\u00fchrt wurde \u2013 und die Zahl seither trotz jahrzehntelanger F\u00f6rderung kaum sank. Auch das <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.cato.org\/policy-analysis\/misperceptions-opec-capability-behavior?ref=apolut.net\"><u>Cato Institute<\/u><\/a> verweist auf begr\u00fcndete Zweifel an der Verl\u00e4sslichkeit der gemeldeten OPEC-Reserven, mangels unabh\u00e4ngiger Pr\u00fcfung.<br \/><strong>Zwar ist das ein Argument \u2013 allerdings eines f\u00fcr politisch-buchhalterische Willk\u00fcr bei der <em>Reservenmeldung<\/em>, nicht zu gunsten der abiogenen Entstehungstheorie oder gegen die biogene Entstehung<\/strong>. Beide Fragen werden in der alternativen Mediendebatte oft vermischt.<\/li>\n<li><strong>Subventionen f\u00fcr gr\u00fcne Technologien: <\/strong>Die angebliche Gewissheit, dass fossile Energietr\u00e4ger irgendwann versiegen, ist ein zentraler wirtschaftlicher Treiber f\u00fcr staatliche Subventionen und Investitionen in Billionenh\u00f6he in erneuerbare Energien.<\/li>\n<li><strong>Investoren in \u201ealternative\u201c Energien: <\/strong>Eines der Hauptargumente, warum diese Industrie mit teils <strong>riesigen Summen an Steuergeldern gest\u00fctzt<\/strong> werden &#8222;<em>muss<\/em>&#8222;, ist die angebliche Endlichkeit fossiler Reserven \u2013 Sonne und Wind gelten dagegen als unersch\u00f6pflich.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Wirtschaftliche Hintergr\u00fcnde der ABIOGENEN (Gegen-)Theorie<\/strong><\/p>\n<p>Die abiogene Theorie (Erd\u00f6l entsteht unersch\u00f6pflich im Erdmantel) wird meist von Akteuren eingebracht, die das bestehende Marktmonopol herausfordern wollen.<\/p>\n<p><strong>Interessen, die F\u00dcR diese Theorie sprechen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Geopolitische Unabh\u00e4ngigkeit: <\/strong>F\u00fcr Staaten ohne klassische sediment\u00e4re Muttergesteine \u2013 historisch etwa die Sowjetunion \u2013 bietet die Theorie eine enorme wirtschaftliche Motivation. Wenn \u00d6l \u00fcberall tief im kristallinen Grundgebirge existiert, lohnt sich die Suche auf eigenem Staatsgebiet, um sich aus der Abh\u00e4ngigkeit von OPEC oder westlichen Gro\u00dfkonzernen zu befreien. Tats\u00e4chlich wurde die abiogene Hypothese, wie unten ausgef\u00fchrt, ma\u00dfgeblich von sowjetischen und ukrainischen Geologen ab den 1950er-Jahren entwickelt.<\/li>\n<li><strong>Beruhigung der M\u00e4rkte und langfristige Planung: <\/strong>\u00d6konomen, die das \u201e<em>Peak-Oil<\/em>\u201c-Konzept ablehnen, nutzen die Theorie, um zu argumentieren, dass keine teure, \u00fcberst\u00fcrzte Energiewende n\u00f6tig sei, da der Nachschub theoretisch unbegrenzt sei.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Wirtschaftliche Risiken (Gegenargumente):<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Das Risiko des Totalverlusts: <\/strong>Bohrungen im extrem harten, kristallinen Grundgebirge (Granit) sind technologisch aufwendig und teuer. Historische Versuche, auf Basis der abiogenen Theorie zu bohren \u2013 etwa Thomas Golds Projekt im schwedischen <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Siljan_Ring?ref=apolut.net\"><u>Siljan-Ring<\/u><\/a> \u2013 wurden nie kommerziell rentabel.<\/li>\n<li><strong>Keine industrielle Planbarkeit: <\/strong>Da die abiogene Theorie noch keine verl\u00e4sslichen mathematischen Modelle liefert, wo genau sich tiefes \u00d6l in wirtschaftlich f\u00f6rderbaren Mengen sammelt, ist sie f\u00fcr die kommerzielle Rohstoffindustrie als Werkzeug bislang unbrauchbar.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Schauen wir uns n\u00e4her den Siljan-Fall an.<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt einen Gro\u00dfversuch, der von beiden Seiten als Argument verwendet wird. Der Astrophysiker <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.realclearscience.com\/blog\/2015\/07\/oil_deniers.html?ref=apolut.net\"><u>Thomas Gold<\/u><\/a>, der prominenteste westliche Vertreter der abiogenen These und Autor des Buches <em>\u201eThe Deep Hot Biosphere\u201c<\/em>, sagte 1986 voraus, dass die tiefe Granitstruktur des Siljan-Rings in Mittelschweden ein \u201e<em>\u00d6lfeld von Weltklasse-Dimension<\/em>\u201c enthalten k\u00f6nnte. Die schwedische Vattenfall bohrte daraufhin zwei L\u00f6cher bis in fast <strong>sieben Kilometer Tiefe<\/strong>. \u00dcber mehrere Jahre wurden dabei tats\u00e4chlich Spuren von Kohlenwasserstoffgasen sowie insgesamt rund 84 Barrel einer \u00f6ligen, schwarzen Substanz gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Kommerziell war das Projekt ein Fehlschlag. Aber weder belegt es noch widerlegt es eine der Thesen. Entscheidend k\u00f6nnte aber sein, <em>woher<\/em> dieses &#8222;<em>gefundene<\/em>&#8220; \u00d6l laut sp\u00e4teren Analysen stammen k\u00f6nnte. Eine Untersuchung im <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/onepetro.org\/JPT\/article-abstract\/41\/12\/1262\/76554\/Asphaltene-Like-Material-in-Siljan-Ring-Well?redirectedFrom=fulltext&amp;ref=apolut.net\"><u>Journal of Petroleum Technology<\/u><\/a> kam bereits 1989 zu dem Schluss, dass das gefundene schwarze, teerartige Material \u00fcberwiegend aus <strong>ver\u00e4nderten Bohrschmiermitteln (biologisch abbaubares Schmiermittel, vermischt mit Diesel\u00f6l) stammte<\/strong> \u2013 also aus der Bohrfl\u00fcssigkeit selbst, nicht aus dem Erdmantel.<\/p>\n<p>Eine umfassendere geochemische Untersuchung, ver\u00f6ffentlicht in <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0146638013002891?ref=apolut.net\"><u>Organic Geochemistry<\/u><\/a>, ordnete das \u00fcbrige, tats\u00e4chlich &#8222;<em>nat\u00fcrliche<\/em>&#8220; \u00d6l anhand von Biomarkern und Kohlenstoffisotopen eindeutig einem ganz gew\u00f6hnlichen, biogenen Ursprung zu: Es stammt \u00fcberwiegend aus dem organisch-reichen, marinen Muttergestein der <em>ordovizischen Fj\u00e4cka-Schiefer <\/em>in der unmittelbaren Umgebung, das durch den Meteoriteneinschlag lokal erhitzt und in Bewegung gesetzt wurde. Eine 2019 in <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-019-12728-y?ref=apolut.net\"><u>Nature Communications<\/u><\/a> erschienene Studie zu mikrobiellem Leben im Siljan-Krater fasst den heutigen Stand so zusammen:<\/p>\n<p>Der Ursprung der gefundenen Kohlenwasserstoffe bleibe zwar wegen m\u00f6glicher Kontamination umstritten, doch gelte Golds Theorie inzwischen als widerlegt und sei von neueren Modellen der tiefen Kohlenwasserstoffbildung abgel\u00f6st worden. Aber auch das sollte man lediglich als vor\u00fcbergehende Annahme ansehen, wie so viele &#8222;<em>Erkenntnisse<\/em>&#8220; der Wissenschaft. Denn nat\u00fcrlich k\u00f6nnten Teile des gefundenen \u00d6ls aus der These von Gold stammen, wurden aber durch Bohr\u00f6l verunreinigt, weshalb man es derzeit nicht als Beweis f\u00fcr seine These anerkennen will.<\/p>\n<p>Der Siljan-Ring ist deshalb kein neutrales \u201e<em>weder-noch<\/em>\u201c, sondern der bislang gr\u00fcndlichst untersuchte Test von Golds konkreter Vorhersage unter realen Bedingungen \u2013 und er fiel zun\u00e4chst negativ f\u00fcr die abiogene These aus. Ganz sicher, <strong>was die wirtschaftliche F\u00f6rderung von \u00d6l angeht<\/strong>.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr beschreibt Wikipedia aber Prognosekarten nach abiotischen Theorien von russischen Wissenschaftlern, welche tats\u00e4chlich sp\u00e4ter durch Funde best\u00e4tigt wurden. Funde, welche allerdings mit <strong>herk\u00f6mmlichen Prognosemethoden<\/strong> erstellt wurden. Also wieder ein &#8222;auch, aber&#8220;.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise fehlt noch die lange Erfahrung und die Techniken der Prognosen, welche die Vertreter der biogenen These schon lange entwickelt haben und st\u00e4ndig verbessern?<\/p>\n<p><strong>Abiogenes Methan existiert \u2013 aber nicht als f\u00f6rderbares Erd\u00f6l<\/strong><\/p>\n<p>Auch schnell noch ein Vorgriff auf Erkl\u00e4rungen au\u00dferhalb der wirtschaftlichen Interessen, die eigentlich nur in diesem Artikel beleuchtet werden sollten, weil wichtig f\u00fcr ein ausgewogenes Bild: Abiogene Kohlenwasserstoffbildung ist kein reines Phantasieprodukt, sondern in einem eng umrissenen Bereich anerkannte Wissenschaft. Am \u201e<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Lost_City_Hydrothermal_Field?ref=apolut.net\"><u>Lost City\u201c-Hydrothermalfeld<\/u><\/a> im Atlantik etwa entsteht durch die sogenannte Serpentinisierung \u2013 eine chemische Reaktion von Meerwasser mit Mantelgestein \u2013 nachweislich Methan und Wasserstoff ganz ohne biologisches Ausgangsmaterial. Auch auf dem Saturnmond Titan gibt es riesige Mengen an Methan, die zweifellos nicht von toten Organismen stammen.<\/p>\n<p>Diese Prozesse liefern jedoch \u2013 nach heutigem Kenntnisstand(!) \u2013 nur geringe Mengen einfacher Molek\u00fcle wie Methan, keine komplexen, in Lagerst\u00e4tten konzentrierten Erd\u00f6lvorkommen, wie sie die Industrie ben\u00f6tigt und f\u00f6rdert. Der Unterschied zwischen \u201e<em>abiogenes Methan existiert lokal<\/em>\u201c und <em>\u201edie Welt\u00f6lversorgung ist unersch\u00f6pflich, weil sie aus dem Mantel nachstr\u00f6mt\u201c<\/em> ist betr\u00e4chtlich \u2013 und genau dieser Unterschied geht in der popul\u00e4ren Debatte oft verloren. M\u00f6glicherweise wird am Ende kein &#8222;Entweder \/ Oder&#8220; herauskommen, sondern ein <em>&#8222;Auch \/ Aber&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p>Aber das m\u00fcsste in einem zus\u00e4tzlichen Artikel noch einmal n\u00e4her untersucht werden.<\/p>\n<p><strong>Der blinde Fleck<\/strong><\/p>\n<p>Der eigentliche blinde Fleck in dieser Debatte ist ein logischer, kein geologischer: Das dokumentierte, wirtschaftlich motivierte Aufbl\u00e4hen offizieller \u00d6lreserven durch OPEC-Staaten wird in Teilen der alternativen Medienlandschaft gerne als indirekter Beleg f\u00fcr \u201e<em>unersch\u00f6pfliches<\/em>\u201c \u00d6l herangezogen. Das ist ein Fehlschluss. Es waren wirtschaftliche Gr\u00fcnde, verbunden mit dramatischen Verbesserungen der F\u00f6rder- und der Explorationstechnik. Dass Staaten aus Eigeninteresse <em>Zahlen<\/em> manipulieren, sagt nichts dar\u00fcber aus, <em>wie<\/em> das \u00d6l geologisch entstanden ist. Beide Fragen \u2013 \u201e<em>Wird die Knappheit politisch \u00fcbertrieben?\u201c<\/em> und<em> \u201eIst \u00d6l biogenen oder abiogenen Ursprungs?\u201c<\/em> \u2013 sollten vollst\u00e4ndig unabh\u00e4ngig voneinander zu beantworten sein.<\/p>\n<p>Ein zweiter blinder Fleck: Beide Argumentations-Lager haben ein erkennbares Eigeninteresse an ihrer jeweiligen Erz\u00e4hlung, das unabh\u00e4ngig vom wissenschaftlichen Befund besteht \u2013 die etablierte Industrie am Fortbestand ihres Wissensmonopols und ihrer Bewertungsmodelle, geopolitische Herausforderer und Teile der fossil-skeptischen Gegenbewegung an einer Erz\u00e4hlung, die westliche Energiekonzerne und die OPEC gleicherma\u00dfen delegitimiert. Diese Interessenlage macht keine der beiden Seiten automatisch unglaubw\u00fcrdig \u2013 aber sie ist ein Grund, gerade bei diesem Thema besonders genau auf die jeweilige Beleglage statt auf die politische Attraktivit\u00e4t einer These zu schauen.<\/p>\n<p><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00d6lindustrie nutzt die biogene Theorie, weil sie kalkulierbare Modelle liefert, mit dem bestehenden Finanzsystem kompatibel ist und \u2013 als Nebeneffekt \u2013 Preisdruck rechtfertigen kann. Die abiogene Theorie wird prim\u00e4r von geopolitischen Herausforderern oder Kritikern des bestehenden Energie- und Finanzsystems vertreten, hat sich aber in ihrem bisher prominentesten Praxistest \u2013 dem Siljan-Ring \u2013 als sowohl wirtschaftlich unrentabel als auch geochemisch nicht best\u00e4tigt erwiesen.<\/p>\n<p>Zusammenfassend was den wirtschaftlichen Druck angeht, der auf einer Seite f\u00fcr die These spricht, ist nat\u00fcrlich Big-Pharma und das Kartell der \u00f6lf\u00f6rdernden Staaten, \u00fcbrigens im Einklang mit denjenigen, welche F\u00f6rderungen zur Entwicklung alternativen Energien erhalten, \u00fcberw\u00e4ltigend. Entsprechend f\u00e4llt auch die abiogiene These wirtschaftlich &#8222;<em>in ein tiefes Loch<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen bestehen starke wirtschaftliche Interessen, die f\u00fcr die eine oder andere Hypothese sprechen bzw. Analysen beeinflussen. Der Siljan-Fall wird als \u201e<em>rauchender Colt<\/em>\u201c gegen die abiogene These angef\u00fchrt. Aber auch das kann eine vor\u00fcbergehende &#8222;<em>Annahme<\/em>&#8220; sein. Offen bleibt, wie es sich mit anderen, weniger gut untersuchten F\u00e4llen verh\u00e4lt.<\/p>\n<p>+++<\/p>\n<h3 id=\"anmerkungen-und-quellen\">Anmerkungen und Quellen<\/h3>\n<p>F\u00fcr den interessierten Leser hier noch mal einige der wichtigen in diesem Artikel angeschnittenen Berichte und Artikel.<\/p>\n<p>(1) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.ogj.com\/drilling-production\/production-operations\/article\/17239967\/opecs-challenge-rethinking-its-quota-system?ref=apolut.net\"><u>Oil &amp; Gas Journal \u2013 OPEC&#8217;s challenge: Rethinking its quota system<\/u><\/a><\/p>\n<p>(2) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/agsi.org\/analysis\/saudi-oil-reserves-a-riddle-wrapped-in-a-mystery-inside-an-enigma\/?ref=apolut.net\"><u>AGSI \u2013 Saudi Oil Reserves: A Riddle, Wrapped in a Mystery, Inside an Enigma<\/u><\/a><\/p>\n<p>(3) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.cato.org\/policy-analysis\/misperceptions-opec-capability-behavior?ref=apolut.net\"><u>Cato Institute \u2013 Misperceptions of OPEC Capability and Behavior<\/u><\/a><\/p>\n<p>(4) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.realclearscience.com\/blog\/2015\/07\/oil_deniers.html?ref=apolut.net\"><u>RealClearScience \u2013 The Prestigious Scientist Who Theorized That Oil Comes from Another World Inside Earth<\/u><\/a><\/p>\n<p>(5) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.ogj.com\/home\/article\/17238490\/sweden39s-siljan-ring-well-evaluated?ref=apolut.net\"><u>Oil &amp; Gas Journal \u2013 Sweden&#8217;s Siljan Ring well evaluated<\/u><\/a><\/p>\n<p>(6) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/onepetro.org\/JPT\/article-abstract\/41\/12\/1262\/76554\/Asphaltene-Like-Material-in-Siljan-Ring-Well?redirectedFrom=fulltext&amp;ref=apolut.net\"><u>Journal of Petroleum Technology \/ OnePetro \u2013 Asphaltene-Like Material in Siljan Ring Well Suggests Mineralized Altered Drilling Fluid<\/u><\/a><\/p>\n<p>(7) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0146638013002891?ref=apolut.net\"><u>Organic Geochemistry (ScienceDirect) \u2013 Origin of oil and bitumen in the Late Devonian Siljan impact structure<\/u><\/a><\/p>\n<p>(8) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-019-12728-y?ref=apolut.net\"><u>Nature Communications \u2013 Timing and origin of natural gas accumulation in the Siljan impact structure, Sweden<\/u><\/a><\/p>\n<p>(9) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Lost_City_Hydrothermal_Field?ref=apolut.net\"><u>Lost City Hydrothermal Field \u2013 \u00dcbersicht<\/u><\/a><\/p>\n<p>(10) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Siljan_Ring?ref=apolut.net\"><u>Siljan Ring \u2013 \u00dcbersicht<\/u><\/a><\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: \u00d6lbohrinseln und \u00d6lf\u00e4sser vor Euro-Banknoten<br \/>Bildquelle: QQMinh88 \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Artikel soll zun\u00e4chst in erster Linie ein Teilaspekt der Diskussion beleuchtet werden, ob Erd\u00f6l alleine durch fossile Artefakte entstand, oder abiogen direkt aus den unteren Schichten der Erdkruste &#8222;synthetisiert&#8220;, besser gesagt, gebildet wird. Es geht um die wirtschaftlichen Interessen. Ein Meiungsbeitrag von Jochen Mitschka. 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