{"id":15117,"date":"2026-07-25T18:04:14","date_gmt":"2026-07-25T16:04:14","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/wann-wird-europa-die-finanzierung-der-ukraine-einstellen\/"},"modified":"2026-07-25T18:04:14","modified_gmt":"2026-07-25T16:04:14","slug":"wann-wird-europa-die-finanzierung-der-ukraine-einstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/wann-wird-europa-die-finanzierung-der-ukraine-einstellen\/","title":{"rendered":"Wann wird Europa die Finanzierung der Ukraine einstellen?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Geworg Mirsajan<\/em><\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Vorteile des Regimes in Kiew im Zerm\u00fcrbungskrieg, den es gegen Russland f\u00fchrt, ist die Finanzierung aus dem Ausland. Die Ukraine lebt von westlichem (vor allem europ\u00e4ischem) Geld, weshalb die Angriffe gegen ihre Wirtschaft den ukrainischen Machthaber Wladimir Selenskij nicht sonderlich beunruhigen. Nach Ansicht der deutschen Zeitung <em>Die Welt<\/em> werde sich die Situation jedoch im Jahr 2027 \u00e4ndern, da der europ\u00e4ische Finanzstrom, der in den ukrainischen Haushalt flie\u00dft, zu einem Rinnsal werden oder ganz versiegen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>So werde nach Ansicht deutscher Journalisten die europ\u00e4ische Finanzierung der Ukraine gek\u00fcrzt werden, da es in einer ganzen Reihe europ\u00e4ischer L\u00e4nder zu einem Machtwechsel kommen k\u00f6nnte. In Griechenland, Spanien, Italien, Polen, der Slowakei, Finnland und Estland stehen Parlamentswahlen an, in Frankreich Pr\u00e4sidentschaftswahlen. Dar\u00fcber hinaus \u2013 wor\u00fcber die Deutschen nicht berichten \u2013 sind vorgezogene Wahlen in Deutschland nicht ausgeschlossen (wo es f\u00fcr Bundeskanzler Friedrich Merz immer schwieriger wird, die Regierungskoalition zusammenzuhalten), ebenso wie in Gro\u00dfbritannien (wo der neu gew\u00e4hlte Premierminister Andy Burnham die Labour-Partei kaum aus ihrem Tief von 20 Prozent in den Umfragen herausholen kann).<\/p>\n<p>Ein f\u00fcr das Kiewer Regime trauriges Fazit st\u00fctzt sich dabei auf zwei Faktoren. Erstens wird nach den Wahlen einer der Hauptarchitekten des europ\u00e4ischen Krieges gegen Russland \u2013 der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron \u2013 definitiv zur\u00fccktreten. Seine Nachfolgerin k\u00f6nnte Marine Le Pen werden, die dem Kiewer Regime weitaus skeptischer gegen\u00fcbersteht. Zweitens werden die derzeitigen Regierungsparteien (in den unterschiedlichen EU-L\u00e4ndern) mit einem in der Bev\u00f6lkerung \u00e4u\u00dferst unpopul\u00e4ren Wahlversprechen in den Wahlkampf ziehen \u2013 der Erh\u00f6hung der Verteidigungsausgaben. Die Bev\u00f6lkerung ist hingegen der Ansicht, dass das Geld f\u00fcr die Wirtschaft und den sozialen Bereich ausgegeben werden sollte \u2013 und wird dementsprechend diejenigen w\u00e4hlen, die genauso denken. Oder zumindest so tun, als ob sie so d\u00e4chten.<\/p>\n<p>Das Problem ist jedoch, dass ein Szenario, bei dem die Finanzhilfen f\u00fcr die Ukraine vollst\u00e4ndig eingestellt werden, unwahrscheinlich ist. Und die Argumente der <em>Welt<\/em>, die das Gegenteil behaupten, \u00fcberzeugen nicht.<\/p>\n<p>Zwar werden nach den Wahlen in einer Reihe europ\u00e4ischer L\u00e4nder die Eliten einen Wechsel erleben. Und theoretisch w\u00fcrde dies tats\u00e4chlich die M\u00f6glichkeit bieten, die Schuld f\u00fcr Fehler (unter anderem bei der Vergabe von Geldern an die Ukraine) dem Vorg\u00e4nger zuzuschreiben und anschlie\u00dfend einen Neuanfang zu wagen. Man k\u00f6nnte sogar versuchen, die Beziehungen zu Moskau wiederherzustellen (indem man russisches Gas wieder auf den eigenen Markt und die eigenen Waren wieder auf den russischen Markt bringt). Dazu m\u00fcssten die neuen F\u00fchrungskr\u00e4fte der europ\u00e4ischen L\u00e4nder jedoch wirklich neu sein \u2013 das hei\u00dft, sie d\u00fcrften nicht den herrschenden Mainstream vertreten, der in den Ukraine-Konflikt verstrickt und damit belastet ist. Und solche F\u00fchrungskr\u00e4fte sind bislang nicht in Sicht.<\/p>\n<p>Zwar liegt die &#8222;Alternative f\u00fcr Deutschland&#8220; in deutschen Umfragen mit 26 Prozent an der Spitze \u2013 doch sie wird nicht gen\u00fcgend Sitze im Bundestag erringen k\u00f6nnen, um eine Einparteienregierung zu bilden, und niemand wird eine Koalition mit ihr eingehen. Und ja, &#8222;Reform UK&#8220; liegt in den Umfragen im eigenen Land ebenfalls mit 24 Prozent an der Spitze, und (da die Wahlen nach dem Mehrheitswahlrecht in Ein-Runden-Wahlkreisen stattfinden) haben sie die Chance, eine Mehrheit im Parlament zu erringen. In der Praxis jedoch schlie\u00dfen sich Konservative und Labour-Anh\u00e4nger einfach gegen sie zusammen und stellen einen einzigen, aussichtsreichsten Gegenkandidaten auf. Marine Le Pen von der Macht fernzuhalten, ist noch einfacher \u2013 die Pr\u00e4sidentschaftswahlen in Frankreich finden in zwei Wahlg\u00e4ngen statt, und alle ihre Gegner schlie\u00dfen sich in der zweiten Runde einfach hinter ihrem Gegenkandidaten zusammen.<\/p>\n<p>Doch selbst wenn man annimmt, dass eine der au\u00dferparlamentarischen Kr\u00e4fte an die Macht kommen k\u00f6nnte, gibt es keinerlei Garantie daf\u00fcr, dass diese Kraft nicht zu einer systemkonformen Kraft wird, wie es beispielsweise bei Giorgia Meloni, der italienischen Regierungschefin, der Fall war. Als Vorsitzende der rechten Partei &#8222;Fratelli d\u2019Italia&#8220; trat sie mit einer euroskeptischen, souver\u00e4nistischen Agenda an. Nach ihrem Sieg fand Meloni jedoch sehr schnell eine gemeinsame Linie mit der Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission, Ursula von der Leyen, und dem europ\u00e4ischen Mainstream.<\/p>\n<p>Dabei kann man Meloni durchaus verstehen \u2013 die Wirtschaft Italiens (wie im Grunde die jedes anderen europ\u00e4ischen Landes, selbst eines gro\u00dfen) h\u00e4ngt vom EU-Markt und damit auch vom Willen Br\u00fcssels ab. Und w\u00e4hrend des Krieges in der Ukraine gelang es Ursula von der Leyen, erhebliche Macht in den H\u00e4nden der Europ\u00e4ischen Kommission zu konzentrieren und sich von einer gesamteurop\u00e4ischen Angestellten zu einer faktischen &#8222;F\u00fchrerin&#8220; zu wandeln. Sich mit ihr anzulegen, ist gef\u00e4hrlich \u2013 wie das Beispiel des ungarischen Ministerpr\u00e4sidenten Viktor Orb\u00e1n gezeigt hat.<\/p>\n<p>Die <em>Welt<\/em> stellt zu Recht fest, dass die europ\u00e4ische Bev\u00f6lkerung ihr Geld lieber f\u00fcr Soziales und die Wirtschaft ausgeben m\u00f6chte als f\u00fcr Waffen \u2013 doch hier zeigt sich in europ\u00e4ischen Meinungsumfragen ein interessantes Paradoxon. Tatsache ist, dass die Befragten Sicherheits- und Verteidigungsfragen als entscheidend f\u00fcr ihre L\u00e4nder bezeichnen. M\u00f6glicherweise verstehen die Menschen unter &#8222;Sicherheit&#8220; auch den Schutz vor der Willk\u00fcr von Migranten, doch muss man dennoch anerkennen, dass die europ\u00e4ische Propaganda rund um das Bild eines &#8222;aggressiven Russlands&#8220; einen gewissen Erfolg hat. Negative Reaktionen in der Bev\u00f6lkerung treten erst dann auf, wenn ihnen Fragen gestellt werden wie: &#8222;Sind Sie bereit, zugunsten h\u00f6herer Verteidigungsausgaben K\u00fcrzungen bei den Sozialausgaben in Kauf zu nehmen?&#8220; Der Anteil derjenigen, die dazu bereit sind, sinkt von Jahr zu Jahr. Wenn die Regierung diese beiden Themen jedoch voneinander trennt \u2013 indem sie beispielsweise klarstellt, dass die Erh\u00f6hung der Verteidigungsausgaben durch die Aufnahme von Krediten (wie in Deutschland) oder etwa durch gestohlenes russisches Geld finanziert wird \u2013, k\u00f6nnte ein Teil der Bev\u00f6lkerung die These von steigenden Ausgaben f\u00fcr Waffen zumindest neutral aufnehmen.<\/p>\n<p>Dennoch besteht die M\u00f6glichkeit, dass der Geldstrom aus Europa in die Ukraine im Jahr 2027 versiegt. Dazu m\u00fcssten jedoch mehrere Faktoren zusammenkommen. Es m\u00fcsste sozusagen ein idealer europ\u00e4ischer Sturm mit den folgenden Komponenten entstehen:<\/p>\n<p>Erstens muss daf\u00fcr gesorgt werden, dass das Thema Ukraine bei allen europ\u00e4ischen Wahlen zum Gift wird. Dies k\u00f6nnte im Falle eines grandiosen Skandals rund um Kiew oder um Selenskij pers\u00f6nlich geschehen \u2013 beispielsweise im Zusammenhang mit der massiven Veruntreuung europ\u00e4ischer Gelder. Die aktuelle Geschichte um die Entlassung von Verteidigungsminister Michail Fjodorow oder die Antikorruptionsermittlungen des Nationalen Antikorruptionsb\u00fcros der Ukraine (NABU) k\u00f6nnten den Auftakt zu diesem Skandal bilden.<\/p>\n<p>Zweitens ist eine verheerende Niederlage der Regierungspartei bei den Wahlen in einem bedeutenden europ\u00e4ischen Land erforderlich \u2013 und zwar gerade wegen der Ukraine-Thematik. Nicht wegen der Migrationsfrage, nicht wegen der Wirtschaftskrise, sondern genau deshalb, weil der amtierende Staats- oder Regierungschef sein politisches Kapital und das Geld der Steuerzahler in das Schwarze Loch namens Ukraine investiert hat. Diese Niederlage w\u00e4re ein Beispiel f\u00fcr seine Kollegen im europ\u00e4ischen politischen Establishment und w\u00fcrde ihnen klar machen, dass es f\u00fcr sie pers\u00f6nlich gef\u00e4hrlich wird, die nationale Wirtschaft weiterhin zugunsten der Ukraine zu opfern. So gef\u00e4hrlich, dass sie bereit w\u00e4ren, den Druck seitens Ursula von der Leyen zu ignorieren. Oder sie sogar daran zu erinnern, dass sie doch nur eine angestellte Managerin ist.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich, drittens, ist eine vernichtende Niederlage des Kiewer Regimes auf dem Schlachtfeld erforderlich. Zum Beispiel die Befreiung von Slawjansk und Kramatorsk durch die russische Armee oder andere schwerwiegende Durchbr\u00fcche an der Front. Sollte die allgemeine Niederlage der Ukraine nicht nur unvermeidlich, sondern auch zeitlich nahe r\u00fccken, dann werden die Ratten das Schiff der &#8222;Koalition der Willigen&#8220; verlassen. F\u00fchrende europ\u00e4ische Politiker \u2013 selbst aus dem Mainstream \u2013 werden versuchen, sich so fr\u00fch wie m\u00f6glich von der verlorenen Sache zu distanzieren, auch in finanzieller Hinsicht. Und die Kl\u00fcgsten unter ihnen werden beginnen, Br\u00fccken in der Kommunikation mit Moskau zu schlagen \u2013 in dem Bewusstsein, dass jenes europ\u00e4ische Land, das als erstes auf den russischen Markt zur\u00fcckkehrt, dort die gr\u00f6\u00dften Vorz\u00fcge erhalten wird.<\/p>\n<p>Aber auch dies wird erst nach dem &#8222;perfekten Sturm&#8220; geschehen. Und der ist noch nicht da, obwohl bereits erste Windb\u00f6en zu sp\u00fcren sind.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/opinions\/2026\/7\/22\/1436596.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 22. Juli 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Geworg Mirsajan<\/strong> (geboren 1984 in Taschkent) ist au\u00dferordentlicher Professor an der Finanzuniversit\u00e4t der Regierung der Russischen F\u00f6deration, Politikwissenschaftler und eine Pers\u00f6nlichkeit des \u00f6ffentlichen Lebens. Er erwarb seinen Abschluss an der Staatlichen Universit\u00e4t des Kubangebiets und promovierte in Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt USA. Mirsajan war in der Zeit von 2005 bis 2016 Forscher am Institut f\u00fcr die Vereinigten Staaten und Kanada an der Russischen Akademie der Wissenschaften.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0<\/strong>\u2013\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/europa\/286565-neuer-oberkommandierender-ukrainischen-streitkraefte\/\">Neuer Oberkommandierender der ukrainischen Streitkr\u00e4fte \u2013 Wer ist Michail Drapaty?<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7awm78\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Geworg Mirsajan Einer der wichtigsten Vorteile des Regimes in Kiew im Zerm\u00fcrbungskrieg, den es gegen Russland f\u00fchrt, ist die Finanzierung aus dem Ausland. 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