{"id":15175,"date":"2026-07-26T12:02:53","date_gmt":"2026-07-26T10:02:53","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/was-ki-fuer-die-werbebranche-und-kreativberufe-bedeutet-37960528-html\/"},"modified":"2026-07-26T12:02:53","modified_gmt":"2026-07-26T10:02:53","slug":"was-ki-fuer-die-werbebranche-und-kreativberufe-bedeutet-37960528-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/was-ki-fuer-die-werbebranche-und-kreativberufe-bedeutet-37960528-html\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz: \u201eEin gutes Foto ist besser als 85 Prompts\u201c: KI fordert die Werbewelt heraus"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Fotografen, Illustratoren, Komponisten \u2013 durch KI verlieren viele Kreative Eink\u00fcnfte. Im Interview erkl\u00e4rt Branchenexpertin Melanie Scharlau, wo KI ersetzt und wo sie nur unterst\u00fctzt<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Noch vor zwei Jahren galt K\u00fcnstliche Intelligenz in der Kreativbranche als vielversprechendes Werkzeug. Heute ist sie zur existenziellen Frage geworden: 58 Prozent der professionellen Fotografen haben laut einer aktuellen Branchenerhebung bereits Auftr\u00e4ge an generative KI verloren, die finanziellen Einbu\u00dfen pro Person stiegen binnen eines Jahres um 142 Prozent. Illustratoren berichten von Preiseinbr\u00fcchen und ausbleibenden Buchcover-Auftr\u00e4gen. Die Gema warnt, dass Komponisten bis 2028 ein Viertel ihrer Einnahmen verlieren k\u00f6nnten. Und in der Werbung rechnen Experten damit, dass KI-Videos die Produktionskosten um bis zu 95 Prozent senken werden.<\/p>\n<p>Handelt es sich um die sch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung einer ganzen Berufsgattung \u2013 oder um eine \u00dcbertreibung, die den wirklichen Wandel verschleiert? Im Interview mit Capital skizziert Melanie Scharlau, Deutschland-Chefin der auf KI-Produktionen f\u00fcr Werbung und TV\/Film spezialisierten Studios Umbrella Collective aus Budapest, wo sie die Chancen, Risiken und To-dos f\u00fcr die Kreativwirtschaft sieht.<\/p>\n<p><strong>Frau Scharlau, Sie kommen aus der klassischen Postproduktion f\u00fcr Bewegtbild-Inhalte, von Werbung bis Spielfilm. Wann haben Sie gemerkt, dass KI Ihre Branche grundlegend ver\u00e4ndert?<\/strong><br \/>MELANIE SCHARLAU:\u00a0Vor drei Jahren brachten Art Directors, mit denen ich zusammenarbeitete, pl\u00f6tzlich immer fantasievollere KI-Bilder mit, und mir wurde klar: Dieses Potenzial m\u00fcssen wir nutzen, damit lohnt sich definitiv die kreative Besch\u00e4ftigung. Sp\u00e4ter flankierten beunruhigende Fragen die Euphorie. Wer wird da eigentlich alles ersetzt? Wie \u201egr\u00fcn\u201c k\u00f6nnen wir produzieren, wenn \u00fcberall Rechenzentren n\u00f6tig sind? Eine Antwort habe ich darauf bisher nicht.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Und wo stehen wir heute: mitten in der Hype-Phase, an einem Wendepunkt oder noch am Anfang?<\/strong><br \/>Ich habe das Gef\u00fchl, wir fangen immer wieder ganz von vorn an. Die Entwicklung schreitet so schnell voran, dass ein Tool, das jeder braucht, schon kurz darauf vom n\u00e4chsten abgel\u00f6st wird. Was sich bew\u00e4hrt hat, ist ein hybrides Vorgehen, also wenn Mensch und Maschine in einem konstruktiven Austausch bleiben. Und zwar in dieser Hierarchie.<\/p>\n<p><strong>Texter, Grafiker, Fotografen, Illustratoren: Welche Berufe sind strukturell gef\u00e4hrdet?<\/strong><br \/>Bei den Fotografen muss man unterscheiden. Geht es um Bilder f\u00fcr Massen von Social-Media-Beitr\u00e4gen, die rund um die Uhr ben\u00f6tigt und schnell geteilt werden, dann ist die KI \u00fcberlegen. Und schlicht kosteneffizienter. Bei einer Werbekampagne f\u00fcr ein Modelabel braucht man jedoch weiterhin einen Profi mit erfahrenem, unbestechlichem Auge. Ein gutes Foto ist meist besser selbst fotografiert als 85-mal gepromptet, bis endlich der Moment sitzt. KI ist im Prozess jedoch als Supportive AI sehr hilfreich und eben nicht nur als Generative AI.<\/p>\n<p><strong>Und wenn ein Auftraggeber nur aufs Geld schaut?<\/strong><br \/>Dann bleibt die Realit\u00e4t dennoch zweigeteilt. F\u00fcr gro\u00dfe Markenkampagnen greift man aufs klassische Handwerk zur\u00fcck, der schnelle Content wird gr\u00f6\u00dftenteils\u00a0KI-generiert sein. Und es gilt wie auch vor KI: Eine billige Kampagne, die ihr Ziel nicht erreicht, ist die teuerste.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Modemarken und E-Commerce-Plattformen wie All About You verzichten zunehmend auf echte Models. Was geht verloren, wenn uns Gesichter anblicken, die ein Chip generiert hat?<\/strong><br \/>Ich habe neulich mit meinen Kindern dar\u00fcber gesprochen, die behauptet haben, sie w\u00fcrden KI-Modelle sofort erkennen. \u201eAch Mami\u201c, sagten sie mir, \u201ees geht doch blo\u00df um die Klamotten.\u201c Andererseits funktioniert Influencer-Werbung so gut, weil sie die Identifikation mit einer realen Person erm\u00f6glicht. Ich setze viel Hoffnung in die Kennzeichnungspflicht, die in der EU ab dem 2. August greift. Bis dahin und dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen wir verst\u00e4rkt unseren gesunden Menschenverstand einsetzen.<\/p>\n<p><strong>Wird es eine \u201eSlow Creativity\u201c-Bewegung geben, \u00e4hnlich wie die \u201eSlow Food\u201c-Initiative als Antwort aufs Fast Food galt?<\/strong><br \/>Einen klaren Gegentrend sehe ich nicht, allein schon wegen des Bildhungers von Social Media. Aber es wird Kreative geben, die an altbew\u00e4hrten Prozessen festhalten wollen. Als linear produziert wurde und \u00c4nderungsschleifen m\u00f6glich waren. Heute sitzen alle vom Start weg an einem Tisch.<\/p>\n<p><strong>Wer kann sich das Beharren auf den \u201eOld school\u201c-Ansatz leisten?<\/strong><br \/>Oh, es gibt sensationelle Leute, die immer gebucht werden. Auch jetzt noch und in Zukunft. Zugleich h\u00f6re ich von Kameram\u00e4nnern und -frauen, dass die Zeit f\u00fcr Anreise, Einrichten eines Sets, Absprachen mit der Regie und ein Reinf\u00fchlen in ein Projekt und die W\u00fcnsche eines Kunden rasant schwindet.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Wie l\u00e4uft das praktisch ab, beispielsweise bei Umbrella: Sitzen alle im Keller und prompten bis sp\u00e4t in die Nacht, zwischen sich stapelnden Pizzakartons?<\/strong><br \/>In Budapest arbeiten alle in einem gro\u00dfen Raum \u2013 mit Fenstern \u2013 jeder an seinem Rechner. Wir haben drei KI-Abteilungen: Eine macht nur Research und testet jedes neue Tool, die zweite setzt sie im Alltag ein, die dritte generiert nur Bilder. Aber es sitzen\u00a0eben auch Regisseur, Kameramann, Editor und Ausstatterin mit im Raum, und man schreibt den Prompt gemeinsam. Eine enge Zusammenarbeit, nur eben ganz anders als fr\u00fcher.<\/p>\n<p>Ein am\u00fcsantes Beispiel daf\u00fcr, wie schnell sich KI-Filmproduktionen weiterentwickeln, erlebten wir bei einem Werbespot f\u00fcr einen Fruchtsaft. Obwohl der Gro\u00dfteil KI-generiert war, brauchten wir Wochen f\u00fcr einheitliche Charaktere und konsistente Bildsprache. Die Szene mit dem eingeschenkten Getr\u00e4nk mussten wir sogar real filmen, weil die KI Fl\u00fcssigkeiten noch nicht realistisch simulieren konnte. Nur eine Woche nach Fertigstellung ver\u00f6ffentlichte Google eine neue Version seines Tools Veo, und damit lie\u00df sich der gesamte Film in drei Stunden neu erstellen, klarer und \u00fcberzeugender. Ein Produktionsprozess kann so kurz nach Fertigstellung schon \u00fcberholt sein.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Erfahrene Profis f\u00fcttern ihr Wissen in Prompts, also in die Textbefehle, mit denen man KI steuert. Wo soll der Nachwuchs herkommen, wenn KI die Einstiegsjobs ersetzt?<\/strong><br \/>Darauf m\u00fcssen wir am meisten achten. Kunden produzieren viel selbst, es wird kaum noch ausgebildet, die Konzerne sind auf Effizienz getrimmt. Aber man wird nur besser, wenn man viel produziert. Es w\u00e4re fatal, wenn dieses Wissen verloren ginge.<\/p>\n<p><strong>Wie macht man sich in der Kreativbranche unersetzbar?<\/strong><br \/>Man muss sich den Tools \u00f6ffnen und technologisch fit sein. Aber genauso braucht es Leidenschaft, ein gutes Auge, Neugier \u2013 und vor allem Durchhalteverm\u00f6gen. Bei Bewerbern achte ich darauf, wer nach acht Stunden auf die Uhr schaut. F\u00fcr den oder die funktioniert unsere Branche einfach nicht.<\/p>\n<p><strong>Bei all dem Zeit- und Kostendruck: Ist die Kreativbranche nur noch etwas f\u00fcr Masochisten?<\/strong><br \/>Verdienen kann man noch ganz ordentlich, aber aktuell erleben wir eine schwierige Phase. Viele Kunden senken ihre Budgets, und ohne den Einsatz von KI, auf den wir spezialisiert sind, k\u00f6nnte kaum mehr jemand diesen Preisen entsprechen. Ja, f\u00fcr viele junge Menschen ist das abschreckend, aber ich hoffe, dass es sich bald wieder wandelt.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Zumal die KI-Tools stetig teurer werden d\u00fcrften, \u00e4hnlich wie es Konzerne wie Adobe mit ihrer Software vorgemacht haben.\u00a0<\/strong><br \/>Deshalb sage ich: Wir stehen noch am Anfang. F\u00fcr die gro\u00dfen KI-Anbieter ist das ein hochgradig subventioniertes Gesch\u00e4ft, doch das tragen deren Investoren nicht ewig so mit. Daher sage ich jedem Kunden: Derselbe Film kann in einem Jahr durch Preisspr\u00fcnge bei den Tools mehr kosten. Auch Serverausf\u00e4lle sind eine mittlere Katastrophe. Viele Motion Designer und 3D-Profis sagen zudem, sie m\u00fcssten immer wieder Projekte retten, und ohne KI w\u00e4re es manchmal g\u00fcnstiger und schneller gewesen.<\/p>\n<p><strong>Gibt es aus Ihrem Team einen hei\u00dfen Tipp, welches KI-Tool man sich einmal ansehen sollte?<\/strong><br \/>F\u00fcr hybride Produktionsprozesse empfehlen wir au\u00dferdem Beeble.ai. Das noch wenig bekannte KI-Tool richtet sich an Filmschaffende und verbindet klassisches Filmen mit generativer KI: Es tauscht Hintergr\u00fcnde hinter echten, gefilmten Personen aus und f\u00fcgt zus\u00e4tzliche Bildebenen ein, mit denen sich die Szene nachtr\u00e4glich anpassen l\u00e4sst. So k\u00f6nnen Filmemacher etwa eine Person vor gr\u00fcnem Hintergrund filmen und sp\u00e4ter eine v\u00f6llig neue Umgebung einsetzen \u2013 t\u00e4uschend echt und ohne aufwendigen Nachdreh. Dabei behalten sie die volle Kontrolle \u00fcber jedes Detail im Originalbild und profitieren gleichzeitig von der Schnelligkeit der KI.<\/p>\n<p><strong>Welche KI-Tools geh\u00f6ren fest zu Ihrem Joballtag?<\/strong><br \/>Ich organisiere am Ende viel f\u00fcr mich selbst. Unerl\u00e4sslich geworden ist ChatGPT: Ich diktiere morgens meine Anmerkungen zu allen Projekten, lasse sie in jede Sprache \u00fcbersetzen und schicke sie in den Slack-Channel. M\u00fcsste ich das traditionell machen, w\u00fcrde ich durchdrehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Fotografen, Illustratoren, Komponisten \u2013 durch KI verlieren viele Kreative Eink\u00fcnfte. 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