{"id":15193,"date":"2026-07-26T17:08:06","date_gmt":"2026-07-26T15:08:06","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/wenn-das-private-oeffentlich-wird-zum-anschlag-auf-den-berliner-csd\/"},"modified":"2026-07-26T17:08:06","modified_gmt":"2026-07-26T15:08:06","slug":"wenn-das-private-oeffentlich-wird-zum-anschlag-auf-den-berliner-csd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/wenn-das-private-oeffentlich-wird-zum-anschlag-auf-den-berliner-csd\/","title":{"rendered":"Wenn das Private \u00f6ffentlich wird \u2013 Zum Anschlag auf den Berliner CSD"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Gert Ewen Ungar<\/em><\/p>\n<p>Auf dem CSD in Berlin fuhr ein mutma\u00dflicher Islamist mit dem Auto in eine Menschenmenge. Dabei kam eine Person ums Leben, 16 weitere wurden verletzt \u2013 zum Teil lebensbedrohlich und schwer. Der mutma\u00dfliche T\u00e4ter ist deutscher Staatsb\u00fcrger libanesischer Herkunft. Das Ereignis ist von gro\u00dfer Tragik.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Politik beeilt sich, mit den \u00fcblichen Floskeln die Tat zu verurteilen. &#8222;Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben&#8220;, sagte beispielsweise Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier. Die Stellungnahmen anderer deutscher Politiker sind im Ton weitgehend \u00e4hnlich: Wir hier in Deutschland leben Freiheit und Vielfalt. Das wird von Missg\u00fcnstigen, Neidern und ewig Gestrigen bedroht. Wir werden uns zu verteidigen wissen, lassen sich die Wortmeldungen von Merz und Co. zusammenfassen.<\/p>\n<p>Sollte sich der Verdacht erh\u00e4rten und es sich tats\u00e4chlich um einen religi\u00f6s motivierten Anschlag auf sexuelle Minderheiten handeln, w\u00e4re das die Folge einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung der letzten Jahrzehnte, die von jenen Politikern aktiv unterst\u00fctzt wurde, die nun in gestanzten Phrasen die Tat verurteilen. Die Frage, die sich angesichts des Attentats n\u00e4mlich stellt, ist, ob das der deutschen und den westlichen Gesellschaften verordnete Konzept von Freiheit und Vielfalt im \u00f6ffentlichen Raum \u00fcberhaupt lebbar ist. Es ist es nicht, werde ich zeigen. Und das ganz unabh\u00e4ngig von Islam und mutma\u00dflicher islamistischer T\u00e4terschaft. Zuwanderung ist nur ein Aspekt der tragischen deutschen Konstellation, auf den sich nicht alles abschieben l\u00e4sst und auf den man die aktuelle Tat nicht reduzieren sollte. Das w\u00fcrde zu kurz greifen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Die Erfindung des Privaten<\/strong><\/p>\n<p>Eine der gro\u00dfen Errungenschaften der Aufkl\u00e4rung und der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts war die Trennung von privat und \u00f6ffentlich. Das Private wurde dem Einblick und dem Zugriff von au\u00dfen entzogen. Sinnbildlich f\u00fcr diese Entwicklung steht die Etablierung des Boudoirs in den st\u00e4dtischen Wohnungen des B\u00fcrgertums. Das private Ankleidezimmer erlaubte Intimit\u00e4t, Nacktheit und Individualit\u00e4t, da es der \u00d6ffentlichkeit nicht zug\u00e4nglich war. Es war ein Raum der pers\u00f6nlichen Freiheit.\u00a0<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens mit Beginn des laufenden Jahrhunderts wurden in westlichen Gesellschaften die Grenzen zwischen \u00f6ffentlich und privat wieder aufgel\u00f6st. Das zuvor Private wurde in den \u00f6ffentlichen Raum getragen. Der Vorgang wurde als Akt der Emanzipation und Befreiung geframt. Das Intime, Sexualit\u00e4t und sexuelle Orientierung wurden ins Scheinwerferlicht, auf die Stra\u00dfen und die \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tze gezerrt. Die Gay Prides sind ein exemplarischer Ausdruck davon.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Zurschaustellung des zuvor Privaten musste und muss zu Abwehrreaktionen f\u00fchren \u2013 Verst\u00f6rung, Ablehnung, Unverst\u00e4ndnis, Zur\u00fcckweisung, Entsetzen, Ekel. Das kann man moralisch verurteilen, \u00e4ndern kann man es nicht. Vor diesen Abwehrreaktionen kann der Staat auch nicht sch\u00fctzen. Das Ausma\u00df an Toleranz,\u00a0das eine umfassende und andauernde Ver\u00f6ffentlichung des Privaten gesellschaftlich einfordert, l\u00e4sst sich nicht gesetzlich verordnen. Es l\u00e4sst sich nicht staatlich durchsetzen, wenn man dem Gedanken der freiheitlichen Gesellschaft verpflichtet bleiben will. Versucht man es doch, f\u00fchrt die staatliche Verpflichtung zur Toleranz in den Autoritarismus. Das ist die aktuelle Entwicklung in der EU.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Das Private im \u00d6ffentlichen<\/strong><\/p>\n<p>Die Trennung von privat und \u00f6ffentlich stellte einen zivilisatorischen Fortschritt dar. Sie erm\u00f6glichte das Ausleben von Individualit\u00e4t in einem begrenzten Rahmen und schuf gleichzeitig den \u00f6ffentlichen Raum, in dem das Intime keinen Platz hatte und formale Regeln zu beachten waren, die ein Zusammenleben ohne Br\u00fcskierungen, ohne Impertinenz, ohne Verletzung der Gef\u00fchle anderer erm\u00f6glichen sollten. Das gelang sicherlich nicht immer, aber es gelang besser als heute.<\/p>\n<\/p>\n<p>Durch die Aufhebung der Grenzen zwischen privat und \u00f6ffentlich wurde dieser Schutzmechanismus zerst\u00f6rt. Man muss die Impertinenz anderer ertragen \u2013 das ist die aktuelle Norm der Idee von gesellschaftlicher Freiheit in westlichen Gesellschaften. Die Gay-Prides sind Ausdruck dieses Aufzwingens von Privatheit. Sie l\u00f6sen daher Abwehrreaktionen aus. Wer meint, diese Abwehrreaktionen lie\u00dfen sich verbieten und kontrollieren, wird sich get\u00e4uscht sehen. Der Versuch, es dennoch zu tun, f\u00fchrt im Gegenteil in die Repression. Der Prozess der Entgrenzung des Privaten ist insgesamt ein zivilisatorischer R\u00fcckschritt.\u00a0<\/p>\n<p>Kehrt man im westlichen Teil Europas nicht zur Trennung von privat und \u00f6ffentlich zur\u00fcck, werden sich Anschl\u00e4ge auf die Zurschaustellung des Privaten verstetigen. Gewalt gegen queere Menschen nimmt zu, wird inzwischen ganz regelm\u00e4\u00dfig konstatiert. Dar\u00fcber nachgedacht, warum das so ist, wird jedoch nicht. Man muss die Homophoben zur Toleranz zwingen, ist dagegen das einf\u00e4ltige Konzept, mit dem man dem Ph\u00e4nomen begegnen will. Auf diese Art wird sich das Problem nicht l\u00f6sen lassen, sondern sich im Gegenteil verstetigen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Verordnete Toleranz und der Weg in die Diktatur<\/strong><\/p>\n<p>Verstetigen werden sich damit auch die gestanzten Phrasen von Politikern, die eine Aufl\u00f6sung der Grenze von Privat und \u00d6ffentlich zur Freiheit verkl\u00e4ren und diese Freiheit zur \u00f6ffentlichen Selbstdarstellung unter einen besonderen Schutz stellen. Damit werden sich nicht nur die Anschl\u00e4ge, sondern auch die Abkehr von den Grundprinzipien demokratischer, b\u00fcrgerlicher Gesellschaft bef\u00f6rdern. Zugespitzt gesagt: Im Namen der Toleranz wird die EU zur Diktatur und die westeurop\u00e4ischen Gesellschaften werden immer tiefer gespalten.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Wer dann noch Zuwanderung aus anderen Kulturen mit einem g\u00e4nzlich anderen Wertesystem als L\u00f6sung f\u00fcr die wirtschaftspolitischen Vers\u00e4umnisse hiesiger Politik fordert, der handelt nicht nur fahrl\u00e4ssig, sondern rein destruktiv. Diese beiden Ans\u00e4tze, die Aufhebung des Privaten einerseits und Zuwanderung aus anderen Gesellschaftssystemen andererseits, stehen diametral zueinander. Wer das will und fordert, hat die Absicht, die deutsche Gesellschaft zu zersetzen und zu fragmentieren. Die Widerspr\u00fcchlichkeit ist schon nach kurzem Nachdenken offenkundig. Wer dennoch daran festh\u00e4lt, handelt daher vors\u00e4tzlich. Wer das tut, will den Druck auf den gesellschaftlichen Kessel erh\u00f6hen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Der Anschlag auf Teilnehmer des Berliner CSD ist tragisch. Aber er f\u00e4llt nicht vom Himmel. Er ist das Ergebnis konkreter gesellschaftlicher Entwicklungen sowie konkreter Politik in Deutschland und der EU der letzten Jahrzehnte. Diese Entwicklung muss dringend einer Revision unterzogen werden, will man weitere Opfer vermeiden. Ob man das tats\u00e4chlich will \u2013 daran sind Zweifel angebracht. Vorerst bleibt daher nur, den Verletzten des Anschlags baldige Genesung, den Angeh\u00f6rigen Beileid, dem Attent\u00e4ter eine gerechte Strafe zu w\u00fcnschen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/286900-schock-beim-christopher-street-day\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Amokfahrt beim CSD: Ein Toter, 16 Verletzte \u2013 Fahrer fl\u00fcchtig<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7b3lqa\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Gert Ewen Ungar Auf dem CSD in Berlin fuhr ein mutma\u00dflicher Islamist mit dem Auto in eine Menschenmenge. Dabei kam eine Person ums Leben, 16 weitere wurden verletzt \u2013 zum Teil lebensbedrohlich und schwer. 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