{"id":15206,"date":"2026-07-26T19:03:01","date_gmt":"2026-07-26T17:03:01","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/china-die-global-fuehrende-wissenschaftsmacht\/"},"modified":"2026-07-26T19:03:01","modified_gmt":"2026-07-26T17:03:01","slug":"china-die-global-fuehrende-wissenschaftsmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/china-die-global-fuehrende-wissenschaftsmacht\/","title":{"rendered":"China \u2013 die global f\u00fchrende Wissenschaftsmacht"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p>China ist seit mindestens 2020 klarer Weltf\u00fchrer bei der internationalen Anmeldung wissenschaftlicher Patente. Das Land meldete in den fr\u00fchen 2020er-Jahren bereits deutlich \u00fcber 1,5 Millionen Patente pro Jahr an \u2013 mit starkem Anstieg auf fast 1,8 Millionen im Jahr 2024. Die n\u00e4chsten vier L\u00e4nder, USA, Japan, S\u00fcdkorea und Deutschland, liegen weit abgeschlagen hinter China und kommen zusammengez\u00e4hlt auf nur drei Viertel der chinesischen Patente. Dabei handelt es sich um reine Erfindungspatente, d.h. wissenschaftliche oder technische Patente, nicht Patente auf Gebrauchsmuster oder Designs!<\/p>\n<p>F\u00fcr den auf seinem Gebiet weltbekannten russischen Chemiker und Materialwissenschaftler Prof. Artem Oganow ist die internationale Zusammenarbeit auf allen Wissenschaftsbereichen, vor allem mit China, nicht nur ein Motor des Fortschritts, sondern auch eine Br\u00fccke zwischen V\u00f6lkern und Kulturen. Dem zum Trotz haben die im neoliberalen Nullsummenspiel verhafteten EU-Eliten in Br\u00fcssel in ihrem j\u00fcngsten Strategie-Dokument ihren Mitgliedsl\u00e4ndern die Distanz zu China verordnet und diese damit auf den selbstm\u00f6rderischen Weg in den Untergang geschickt.<\/p>\n<p>Prof. Oganow ist vergangene Woche \u2013 zusammen mit acht weiteren internationalen Wissenschaftlern \u2013 w\u00e4hrend einer Zeremonie in Beijing von Pr\u00e4sident Xi Jinping pers\u00f6nlich mit Chinas h\u00f6chster internationaler Wissenschaftsauszeichnung geehrt worden. Die diesj\u00e4hrigen Preistr\u00e4ger der chinesischen Auszeichnung kamen aus Russland, den USA, Belgien, Portugal, Australien, Deutschland, den Niederlanden und Frankreich \u2013 darunter war auch der Nobelpreistr\u00e4ger Jean-Marie Lehn.<\/p>\n<p>Laut der in Hong Kong erscheinenden <em>South China Morning Post<\/em> hatte der weitsichtige Prof. Oganow bereits im Jahr 2008 nach einem Besuch in China seinen Kollegen in Europa mitgeteilt, das Land sei auf dem Weg zur Nummer eins in Industrie und Wissenschaft. Damals sei seine Einsch\u00e4tzung auf gro\u00dfe Skepsis gesto\u00dfen. Achtzehn Jahre sp\u00e4ter, am letzten Montag, best\u00e4tigte Oganow jedoch der Zeitung, dass &#8222;China l\u00e4ngst zur Nummer eins geworden ist: in der Industrie, in der Wirtschaft und tats\u00e4chlich auch in der Wissenschaft&#8220;.<\/p>\n<p>Professor Oganows beeindruckender Lebenslauf zeigt, dass er wei\u00df, wovon er spricht. Denn mit seinen umfangreichen wissenschaftlichen Erfahrungen in Ost und West und in China ist er wahrscheinlich besser platziert als jeder andere, um den internationalen Wissenschaftsstand zu vergleichen.<\/p>\n<p>Geboren 1975, schloss Oganow 1997 sein Studium an der Moskauer Staatsuniversit\u00e4t ab und promovierte 2002 am University College London. Danach war er Senior Scientist und Gruppenleiter an der ETH Z\u00fcrich, wo er 2007 habilitiert wurde. Von 2008 bis 2017 lehrte er als Professor an der Stony Brook University in New York. Seit 2015 ist er Professor am Skolkovo Institut f\u00fcr Wissenschaft und Technologie in Moskau und fungiert zudem als Chef-Wissenschaftsbeauftragter der russischen SberUniversit\u00e4t.<\/p>\n<p>Unter anderem ist Oganow weltbekannt f\u00fcr die Entwicklung des USPEX-Programms zur Vorhersage von Kristallstrukturen, das weltweit f\u00fcr Durchbr\u00fcche in der Materialforschung genutzt wird. Oganows Beziehungen zu China begannen bereits Ende der 1990er Jahre w\u00e4hrend seiner Zeit am University College London. Damals stellte er fest, dass seine Freunde haupts\u00e4chlich Russen und Chinesen waren. Denn &#8222;f\u00fcr viele westliche Menschen&#8220; seien &#8222;Russen und Chinesen Menschen zweiter Klasse&#8220; gewesen. Leider werden diese Stereotype auch heute noch unterschwellig von vielen westlichen Medien verbreitet.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich steuert China mittlerweile ein Drittel aller weltweiten wissenschaftlichen Publikationen zur Weltwissenschaft bei. Nicht nur die Quantit\u00e4t sei angewachsen, sondern auch die Qualit\u00e4t habe sich stark verbessert, so Oganow. Unter Verweis auf den &#8222;Nature Index&#8220; \u2013 benannt nach der gleichnamigen international renommierten Wissenschaftszeitschrift \u2013 betonte der russische Wissenschaftler, dass eine weltweite Analyse von \u00fcber 125.000 Forschungsartikeln in 178 f\u00fchrenden Zeitschriften aus dem Jahr 2025 diese Entwicklung best\u00e4tigt habe. Demnach liegt China weit vorn an erster Stelle, gefolgt von den USA auf Platz zwei. Vier der f\u00fcnf weltweit f\u00fchrenden Institutionen sind \u2013 gemessen am Forschungsoutput \u2013 ebenfalls chinesisch, darunter die Chinese Academy of Sciences (CAS) auf Rang eins, die in Fachbereichen wie Biologie, Physik und Chemie global an der Spitze liegt. Oganow betonte laut der <em>SCMP<\/em>, dass die Zukunft denjenigen geh\u00f6re, die Br\u00fccken bauten. W\u00f6rtlich sagte er:<\/p>\n<p><em>&#8222;Wir leben jetzt in sehr dramatischen Zeiten, in denen Politiker, vor allem westliche Politiker, Br\u00fccken niederbrennen. [\u2026] Die Zukunft geh\u00f6rt der internationalen Zusammenarbeit. Wissenschaft kann nicht isoliert werden. Wenn Wissenschaft in einem Land isoliert wird, stirbt sie.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Er sieht die Welt auf einen dritten Weltkrieg zusteuern, wobei einige Regionen bereits einen Informations- oder Wirtschaftskrieg f\u00fchrten. Dennoch erwartet er, dass am Ende &#8222;der Frieden siegen&#8220; werde, denn:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Zukunft geh\u00f6rt denen, die Br\u00fccken bauen, nicht denen, die sie niederbrennen. Und die nat\u00fcrlichste Br\u00fccke zwischen verschiedenen Kulturen und Nationen ist die Wissenschaft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Zum Schluss wollen wir uns noch die f\u00fcnf f\u00fchrenden Nationen bei der Anmeldung wissenschaftlicher Patente seit dem Jahr 2020 anschauen. An erster Stelle steht China, dann die USA, Japan, die Republik Korea (S\u00fcdkorea) und Deutschland abgeschlagen an f\u00fcnfter.<\/p>\n<p>Diese Rangliste basiert auf <a href=\"https:\/\/www.wipo.int\/web-publications\/world-intellectual-property-indicators-2025-highlights\/en\/patents-highlights.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Daten der WIPO<\/a> (World Intellectual Property Organization) f\u00fcr Patentanmeldungen nach Herkunftsland (Anmeldungen von Einwohnern des jeweiligen Landes, einschlie\u00dflich inl\u00e4ndischer und ausl\u00e4ndischer Anmeldungen). China hat in diesem Zeitraum mit gro\u00dfem Abstand dominiert und kontinuierlich starkes Wachstum gezeigt, w\u00e4hrend die anderen L\u00e4nder stabilere oder leicht schwankende Zahlen aufweisen. Die Angaben beziehen sich auf Erfindungspatente (wissenschaftliche\/technische Patente), nicht auf Gebrauchsmuster oder Designs.<\/p>\n<p>Die neusten, f\u00fcr alle 5 L\u00e4nder vollst\u00e4ndig <a href=\"https:\/\/www.wipo.int\/en\/ipfactsandfigures\/patents\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">verf\u00fcgbaren Daten<\/a> gibt es nur f\u00fcr bis zum Jahr 2024:<\/p>\n<p><strong>China<\/strong> 1.796.738<\/p>\n<p><strong>Vereinigte Staaten<\/strong> 503.271<\/p>\n<p><strong>Japan<\/strong> 420.991<\/p>\n<p><strong>Republik Korea<\/strong> 296.037<\/p>\n<p><strong>Deutschland<\/strong> 133.784<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Zum Vergleich die Daten aus 2023:<\/p>\n<p><strong>China<\/strong> 1.642.643<\/p>\n<p><strong>Vereinigte Staaten<\/strong> 521.382<\/p>\n<p><strong>Japan<\/strong> 414.599<\/p>\n<p><strong>Republik Korea<\/strong> 288.199<\/p>\n<p><strong>Deutschland<\/strong> 134.000\u00a0<\/p>\n<p>China verzeichnete in den letzten Jahren das st\u00e4rkste Wachstum (z. B. +9,4 % von 2023 auf 2024), getrieben vor allem durch inl\u00e4ndische Anmeldungen. Die Vereinigten Staaten verzeichneten einen leichten R\u00fcckgang (-3,5 %), w\u00e4hrend Japan (+1,5 %) und S\u00fcdkorea (+2,7 %) moderate Zuw\u00e4chse zeigten. Deutschland blieb stabil, international immer noch im oberen Bereich, aber es w\u00e4chst nicht und scheint nur noch von seiner Substanz zu zehren.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0<strong>\u2013<\/strong>\u00a0<a href=\"https:\/\/freedert.online\/international\/286372-eu-kommission-chinesischer-online-haendler\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">EU-Kommission: Rekordstrafe f\u00fcr chinesischen Online-H\u00e4ndler AliExpress<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7aygta\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Rainer Rupp China ist seit mindestens 2020 klarer Weltf\u00fchrer bei der internationalen Anmeldung wissenschaftlicher Patente. 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