{"id":15222,"date":"2026-07-26T21:03:58","date_gmt":"2026-07-26T19:03:58","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/um-erdoel-einzusparen-saudi-arabien-steigt-in-die-atomenergie-ein\/"},"modified":"2026-07-26T21:03:58","modified_gmt":"2026-07-26T19:03:58","slug":"um-erdoel-einzusparen-saudi-arabien-steigt-in-die-atomenergie-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/um-erdoel-einzusparen-saudi-arabien-steigt-in-die-atomenergie-ein\/","title":{"rendered":"Um Erd\u00f6l einzusparen: Saudi-Arabien steigt in die Atomenergie ein"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Jewgeni Posdnjakow<\/em><\/p>\n<p>Donald Trump hat ein Abkommen mit Saudi-Arabien gebilligt, das es dem Land erm\u00f6glicht, im Rahmen seines zivilen Atomprogramms auf eigenem Territorium eine Infrastruktur zur Urananreicherung aufzubauen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur <em>Associated Press<\/em> k\u00f6nnte das endg\u00fcltige Dokument eine bilaterale Zusammenarbeit im Bereich der friedlichen Nutzung der Atomenergie \u00fcber einen Zeitraum von 30\u00a0Jahren vorsehen.<\/p>\n<p>Die Zeitung <em>Washington Post<\/em> berichtet ausf\u00fchrlicher \u00fcber die Einzelheiten des Abkommens. Dem Blatt zufolge verpflichten sich die USA, ein Atomkraftwerk und die dazugeh\u00f6rige Infrastruktur in dem nah\u00f6stlichen Land zu errichten. Dabei beabsichtigen Washington und Riad, innerhalb von zwei Jahren nach Unterzeichnung des Dokuments eine gemeinsame Studie durchzuf\u00fchren, die die Zweckm\u00e4\u00dfigkeit der Errichtung einer Urananreicherungsanlage im Land pr\u00fcfen soll.<\/p>\n<p>Sollte sich der Aufbau einer solchen Infrastruktur als gerechtfertigt erweisen, w\u00fcrden die USA nach dem &#8222;Black-Box&#8220;-Prinzip vorgehen, das hei\u00dft, sensible Technologien werden nicht an Saudi-Arabien weitergegeben. Auf diese Weise will Washington sicherstellen, dass spaltbare Stoffe ausschlie\u00dflich f\u00fcr friedliche Zwecke genutzt werden. Hauptnutznie\u00dfer der Vereinbarungen k\u00f6nnte das US-amerikanische Unternehmen Westinghouse Electric werden, das von den Parteien als Lieferant von AP1000-Reaktoren mit einer Leistung von jeweils rund 1.100\u00a0Megawatt in Betracht gezogen wird.<\/p>\n<p>Allerdings hat das geplante Abkommen auch zahlreiche Gegner. Eine ganze Reihe von US-Gesetzgebern ist der Ansicht, dass solche Ma\u00dfnahmen andere L\u00e4nder im Nahen Osten dazu anregen k\u00f6nnten, eigene Atomprogramme zu starten.<\/p>\n<p>Kritiker betonen zudem, dass Riad sich geweigert habe, dem Zusatzprotokoll der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) beizutreten, das erweiterte internationale Inspektionen von Nuklearanlagen vorsieht. Im Wei\u00dfen Haus ist man jedoch der Ansicht, dass das Dokument an sich bereits alle notwendigen Kontrollmechanismen enth\u00e4lt. Der Energieexperte Alexei Anpilogow sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Kohlenwasserstoffvorkommen Saudi-Arabiens sind nicht unbegrenzt, daher wird das neue Atomkraftwerk die Energiesituation des K\u00f6nigreichs verbessern.<\/em><\/p>\n<p><em>Dort wird zwar Gas gef\u00f6rdert, dieses wird jedoch ausschlie\u00dflich f\u00fcr den Eigenbedarf genutzt, da sowohl die Bev\u00f6lkerung als auch die verarbeitende Industrie wachsen. Erd\u00f6l hingegen wird exportiert.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Saudi-Arabien setze auf &#8222;gr\u00fcne&#8220; Energie und suche nach alternativen Stromquellen, pflichtet der Orientologe Kirill Semenow bei. Er erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das K\u00f6nigreich diversifiziert sowohl seine Exportlieferungen als auch den Binnenverbrauch. Anlagen, mit denen Energie nicht nur aus \u00d6l und Gas gewonnen werden kann, kommen im K\u00f6nigreich bereits zum Einsatz.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich belegt Riad zwar weltweit den zweiten Platz bei den nachgewiesenen \u00d6lreserven (das Land verf\u00fcgt \u00fcber rund 267\u00a0Milliarden Barrel, was 15\u00a0Prozent der weltweiten Gesamtmenge entspricht), doch bei der derzeitigen F\u00f6rdermenge reichen die Vorkommen laut Berechnungen des Dienstes Worldometer nur noch f\u00fcr 77\u00a0Jahre.<\/p>\n<p>Man ist sich des Problems in Saudi-Arabien bewusst\u00a0\u2013 genau aus diesem Grund wurde die Notwendigkeit, an der Atomenergie zu arbeiten, in das nationale Entwicklungsprogramm &#8222;Vision\u00a02030&#8220; aufgenommen. Eines der erkl\u00e4rten Ziele ist, die Kohlenstoffdioxidemissionen zu senken und Erd\u00f6l f\u00fcr den weiteren Export freizusetzen.<\/p>\n<p>Nach Angaben der Nachrichtenagentur <em>Reuters<\/em> wurden im Jahr 2024 in Saudi-Arabien 68\u00a0Prozent der Elektrizit\u00e4t durch die Verbrennung von Gas und 32\u00a0Prozent durch die Verbrennung von Erd\u00f6l erzeugt, wobei im Spitzenmonat Juni t\u00e4glich 1,4\u00a0Millionen Barrel Roh\u00f6l zur Stromerzeugung verwendet wurden.<\/p>\n<p>Es wird davon ausgegangen, dass die Atomenergie einen Teil der Kosten ausgleichen wird, darunter auch die f\u00fcr energieintensive Prozesse wie die Meerwasserentsalzung und die Klimatisierung. Anpilogow meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das hei\u00dft, Riad l\u00f6st sich von der Abh\u00e4ngigkeit von Kohlenwasserstoffen, auf der historisch gesehen buchst\u00e4blich alles aufgebaut war. Selbst die grundlegendsten Aufgaben im Staat wurden durch die Verbrennung von Roh\u00f6l gel\u00f6st. Im Grunde wird dieses Gesch\u00e4ft dazu beitragen, den Energiesektor des Landes durch eine weitere Quelle\u00a0\u2013 Kernbrennstoff\u00a0\u2013 zu st\u00e4rken.<\/em><\/p>\n<p><em>In der Regel ist im Rahmen solcher Abkommen jedoch die Lieferung eines fertigen US-amerikanischen Reaktors und von Brennstoff in Form von Brennelementen vorgesehen. Dabei nehmen die USA den bestrahlten Abfall in der Regel nicht aus den L\u00e4ndern zur\u00fcck, in denen er verwendet wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Genau dieser abgebrannte Brennstoff enth\u00e4lt Plutonium in Form einer Isotopenmischung: Plutonium-239 zusammen mit Plutonium-240 und Plutonium-241. F\u00fcr waffenf\u00e4hige Zwecke ist er ungeeignet, und es ist praktisch unm\u00f6glich, die gew\u00fcnschte Komponente daraus zu gewinnen. Die Trennung der Plutoniumisotope ist um ein Vielfaches schwieriger als die von Uran, da im letzteren Fall die Zentrifuge mit einer Differenz von drei Masseneinheiten arbeitet, hier hingegen nur mit einer.<\/em><\/p>\n<p><em>Deshalb haben L\u00e4nder, die selbst Atomwaffen entwickelt haben, spezielle Reaktoren mit kurzen Bestrahlungszyklen verwendet und keinen Brennstoff aus herk\u00f6mmlichen Atomkraftwerken.<\/em><\/p>\n<p><em>Dementsprechend beinhalten die Lieferung von Brennstoff und der Umgang damit im Rahmen dieses Abkommens keinen Transfer von Technologien oder Ausr\u00fcstung, die f\u00fcr die Herstellung von Waffen kritisch sind.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Einen weiteren Aspekt des sich abzeichnenden Prozesses hebt Semenow hervor. Er erinnert daran, dass Riad bestrebt sei, in die Riege der f\u00fchrenden Industrienationen aufzusteigen. Der Experte sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Genau daf\u00fcr ist eine Verringerung der Abh\u00e4ngigkeit von Kohlenwasserstoffen notwendig. Das eine steht dabei nicht im Widerspruch zum anderen: Auch Russland lebt in vielerlei Hinsicht von \u00d6l und Gas, baut aber parallel dazu seine Atomenergie-Kapazit\u00e4ten aus.<\/em><\/p>\n<p><em>Einen milit\u00e4rischen Hintergrund gibt es hier nicht. Die USA werden niemandem gestatten, diese Infrastruktur zur Herstellung von Atomwaffen zu nutzen, da dies f\u00fcr sie selbst eine ziemlich ernsthafte Bedrohung darstellt. Sie haben auch nicht die Absicht, das Projekt der Kontrolle der IAEA zu unterstellen, da sie davon ausgehen, dass die Beh\u00f6rde die \u00dcberwachung nicht bew\u00e4ltigen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Grunde handelt es sich um US-amerikanische Infrastruktur auf saudischem Territorium, die im Rahmen des US-Atomenergiesystems betrieben wird. Die Technologie, der Brennstoff und die entscheidenden L\u00f6sungen bleiben unter der Kontrolle der Vereinigten Staaten, was jegliche Risiken einer m\u00f6glichen unbefugten Nutzung von Kernbrennstoff auf ein Minimum reduziert.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/world\/2026\/7\/22\/1436931.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 22.\u00a0Juli 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Jewgeni Posdnjakow<\/strong> ist ein russischer Journalist, Fernseh- und Radiomoderator.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong><em> \u2013<\/em>\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/286376-jemens-huthis-erklaeren-seeblockade-gegen\/\">Jemen: Huthi erkl\u00e4ren Seeblockade gegen Saudi-Arabien<\/a><em><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/286376-jemens-huthis-erklaeren-seeblockade-gegen\/\"> <\/a><\/em><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7ayiky\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Jewgeni Posdnjakow Donald Trump hat ein Abkommen mit Saudi-Arabien gebilligt, das es dem Land erm\u00f6glicht, im Rahmen seines zivilen Atomprogramms auf eigenem Territorium eine Infrastruktur zur Urananreicherung aufzubauen. 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