{"id":15240,"date":"2026-07-27T08:03:14","date_gmt":"2026-07-27T06:03:14","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/nordstream-sprengung-das-schweigen-der-maechtigen\/"},"modified":"2026-07-27T08:03:14","modified_gmt":"2026-07-27T06:03:14","slug":"nordstream-sprengung-das-schweigen-der-maechtigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/nordstream-sprengung-das-schweigen-der-maechtigen\/","title":{"rendered":"Nordstream-Sprengung: Das Schweigen der M\u00e4chtigen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Wenn Staatswohl zur Selbstbeg\u00fcnstigung wird<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Dirk Ellerbrock.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Bundesregierung hat sich vollst\u00e4ndig geweigert, eine schriftliche Frage aus dem Bundestag zu beantworten. Die AfD-Abgeordnete Anna Rathert hatte das Bundeskanzleramt gefragt, ob der damalige Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt (SPD) Hinweise ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste \u00fcber die bevorstehende Sprengung der Nord-Stream-Pipelines erhalten habe \u2013 und ob Deutschland trotzdem keinerlei Vorsorgema\u00dfnahmen ergriffen habe. Das Kanzleramt unter dem k\u00fcnftigen CDU-Fraktionschef Thorsten Frei antwortete mit einem dreiseitigen Papier, das die Verweigerung begr\u00fcndet, ohne die Frage selbst zu ber\u00fchren \u2013 nicht einmal Einsicht in der Geheimschutzstelle wurde gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung verweigert damit nicht die Antwort auf eine komplexe geheimdienstliche Bewertungsfrage, sondern auf eine bin\u00e4re Tatsachenfrage: Wusste man vorab oder nicht. Die Begr\u00fcndung \u2013 die Auskunftsverweigerung sei \u201eweder als Best\u00e4tigung noch als Verneinung&#8220; zu verstehen \u2013 widerlegt sich selbst. <\/p>\n<p>In vergleichbaren F\u00e4llen hat Berlin eine fehlende Vorabinformation stets offen verneint, ohne sich dabei auf das Staatswohl zu berufen: bei der US-Kommandooperation gegen Osama bin Laden 2011 ebenso wie bei der T\u00f6tung des iranischen Generals Qasem Soleimani 2020. In beiden F\u00e4llen offenbarte die Verneinung keine Methode, keine Quelle \u2013 nur das eigene Nichtwissen. W\u00e4hlt das Kanzleramt diese risikolose Option im Nord-Stream-Fall nicht, dann deshalb, weil die ehrliche Antwort offenbar nicht \u201ewir wussten nichts&#8220; lautet.<\/p>\n<p>Diese Vermutung steht nicht im luftleeren Raum: Bereits 2023 berichtete das Wall Street Journal, die CIA habe europ\u00e4ische Dienste, darunter den BND, vor einem m\u00f6glichen Anschlag durch eine ukrainische Gruppe gewarnt. Spiegel und Cicero berichteten sp\u00e4ter \u2013 letzteres in einer Recherche, die den Informationsfluss von Den Haag \u00fcber Langley bis zum Schreibtisch des Kanzleramtsministers minuti\u00f6s rekonstruiert \u2013 der BND habe entsprechende Warnungen auch vom niederl\u00e4ndischen Dienst AIVD\/MIVD erhalten. Das Kanzleramt aber habe sie als \u201eGeschichten&#8220; bzw. \u201eR\u00e4uberpistole&#8220; abgetan.<\/p>\n<p>Das eigentliche Problem liegt in der strukturellen Konstellation: Dieselbe Exekutive, die m\u00f6glicherweise fahrl\u00e4ssig auf eine Vorwarnung nicht reagiert hat, entscheidet zugleich selbst dar\u00fcber, ob diese Fahrl\u00e4ssigkeit \u00f6ffentlich wird. Die Kontrollinstanz wird durch die Instanz neutralisiert, die kontrolliert werden soll \u2013 mit dem Vokabular des \u201eStaatswohls&#8220; als Rechtfertigungsformel. Es geht dabei nicht um eine Petitesse, sondern um den schwerwiegendsten Anschlag auf kritische Infrastruktur der Bundesrepublik seit Jahrzehnten, mit direkten Folgen f\u00fcr Energiepreise und industrielle Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Sollte sich best\u00e4tigen, dass BND und Kanzleramt konkrete Warnungen abtaten, w\u00e4re das nicht nur ein Versagen der Sicherheitsarchitektur, sondern der Beleg, dass eine unterlassene Schutzhandlung Konsequenzen erzeugt hat, die bestimmten Interessen \u2013 etwa der Neuausrichtung auf teureres US-LNG \u2013 durchaus dienlich waren.<\/p>\n<p>Das Parlament ist keine Bittsteller-Institution, sondern das Kontrollorgan der Exekutive. Wenn nicht einmal die Geheimschutzstelle ge\u00f6ffnet wird, degradiert sich die parlamentarische Kontrolle selbst zur Farce. Transparenz steht dem Staatswohl nicht entgegen \u2013 sie ist seine einzige Legitimationsgrundlage. Ein Staatswohl, das sich vor der eigenen Bev\u00f6lkerung sch\u00fctzen muss, ist keines mehr.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Erfahren Sie mehr \u00fcber das Thema &#8222;Nordstream-Sprengung&#8220; im j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten apolut-Interview: Im Gespr\u00e4ch: Moritz Enders | Der Film \u201eNordstream \u2013 Die Sprengung\u201c <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/apolut.net\/im-gespraech-moritz-enders\/\">https:\/\/apolut.net\/im-gespraech-moritz-enders\/<\/a><\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bildquelle: <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/g\/tomasragina?ref=apolut.net\">Tomas Ragina<\/a> \/ shutterstock<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ): Kanzleramt verweigert Auskunft zu Nord-Stream-Warnung<\/p>\n<p>Cicero (Ulrich Thiele, April 2026): Nord-Stream-Saboteure sind Kinder der CIA<br \/>Journalistenwatch: Vertuschter Landesverrat?<\/p>\n<p>Freitag (Wolfgang Michal): \u201eSpiegel&#8220; zu CIA-Rolle<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Staatswohl zur Selbstbeg\u00fcnstigung wird Ein Meinungsbeitrag von Dirk Ellerbrock. 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