{"id":15284,"date":"2026-07-27T13:02:17","date_gmt":"2026-07-27T11:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/die-eurasische-achse-eine-neue-geometrie-der-macht-von-dirk-ellerbrock\/"},"modified":"2026-07-27T13:02:17","modified_gmt":"2026-07-27T11:02:17","slug":"die-eurasische-achse-eine-neue-geometrie-der-macht-von-dirk-ellerbrock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/die-eurasische-achse-eine-neue-geometrie-der-macht-von-dirk-ellerbrock\/","title":{"rendered":"Die eurasische Achse \u2013 eine neue Geometrie der Macht | Von Dirk Ellerbrock"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Dirk Ellerbrock<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Als Donald Trump k\u00fcrzlich erstmals von einer \u201eeurasischen Achse&#8220; sprach \u2013 China, Russland, Iran, Nordkorea \u2013, war das mehr als eine rhetorische Fu\u00dfnote. Pepe Escobar hat den Begriff in seinem j\u00fcngsten Briefing bei <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gJQwtWk85rU&amp;ref=apolut.net\"><u>Transition Protocol<\/u><\/a> (25.\/26.7.) aufgegriffen und eingeordnet: Washington greift damit unfreiwillig ein Ph\u00e4nomen auf, das sich seit Jahren verdichtet, aber bislang kaum benannt wurde.<\/p>\n<p><strong>Von der \u201eAchse des B\u00f6sen&#8220; zur \u201eeurasischen Achse&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Die \u201eAchse des B\u00f6sen&#8220; von 2002 fasste Iran, Irak und Nordkorea unter einem gemeinsamen Feindbild zusammen. Das Modell dahinter war NATO-f\u00f6rmig gedacht: Man sucht nach Vertr\u00e4gen, Mitgliedslisten, Kommandostrukturen. Genau das ist laut Escobar bei der heutigen Konstellation nicht zu finden \u2013 und genau das macht sie schwerer greifbar. An die Stelle des Irak sind China und Russland getreten, Nordkorea bleibt bestehen. Doch entstanden ist kein geschlossenes B\u00fcndnis mit Gr\u00fcndungsvertrag, sondern ein Netzwerk \u00fcberlappender bilateraler Beziehungen: strategische Partnerschaften, Energieverbindungen, diplomatische Kan\u00e4le, wirtschaftliche Verflechtung. China unterh\u00e4lt enge Beziehungen zu Russland und Iran, Russland zu China und Iran, Iran zu beiden, Nordkorea zu Russland und China. Pakistan wiederum tritt als Vermittler zwischen Iran und den arabischen Golfstaaten auf \u2013 nach Escobars Darstellung mit chinesischer R\u00fcckendeckung.<\/p>\n<p><strong>Die SCO als Beispiel<\/strong><\/p>\n<p>Wie diese Logik in der Praxis funktioniert, zeigte sich laut Escobar bei dem Au\u00dfenminister-Treffen der Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit (SCO) in Kirgisistan in dieser Woche. Die SCO wurde im Juni 2001 \u2013 drei Monate vor dem 11. September \u2013 als \u201eShanghai 5&#8243; gegr\u00fcndet, urspr\u00fcnglich zur Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und Separatismus in Zentralasien. Heute, so Escobar, ist sie vor allem eine geopolitische und geo\u00f6konomische Plattform, ausdr\u00fccklich kein Milit\u00e4rb\u00fcndnis: Eine Struktur nach dem Vorbild einer \u201easiatischen NATO&#8220; gilt Moskau und Peking als unn\u00f6tige Provokation gegen\u00fcber den USA. Bei dem Treffen sa\u00dfen die Au\u00dfenminister Irans, Russlands, Chinas und Pakistans an einem Tisch, dazu bilaterale Gespr\u00e4che am Rande \u2013 etwa zwischen dem iranischen Au\u00dfenminister Araghchi und seinem russischen und chinesischen Amtskollegen. Indien war zwar anwesend, spielte laut Escobar aber eine untergeordnete Rolle.<\/p>\n<p>Nach Wang Yis Angaben unterst\u00fctzt China ausdr\u00fccklich die Vermittlungsbem\u00fchungen Pakistans zwischen Iran und den USA und dr\u00e4ngt beide Seiten, zum unterzeichneten Memorandum of Understanding zur\u00fcckzukehren \u2013 ein Signal, das sich laut Escobar auch an die Golfkooperationsstaaten richtet, mit denen China enge Energiebeziehungen unterh\u00e4lt, insbesondere im \u00d6limport aus Saudi-Arabien.<\/p>\n<p><strong>Iran als Knotenpunkt einer festgefahrenen Eskalation<\/strong><\/p>\n<p>Den Hintergrund bildet die andauernde Eskalation zwischen den USA und Iran seit Ende Februar. Nach Angaben von Larry Johnson hat Iran mittlerweile die bodengest\u00fctzten Radarstationen der USA in der Region zerst\u00f6rt \u2013 auf dem Luftwaffenst\u00fctzpunkt Al Udeid in Katar, auf verschiedenen St\u00fctzpunkten in Kuwait sowie am Hauptquartier der 5. Flotte in Bahrain. Die USA seien dadurch faktisch auf Aufkl\u00e4rungsflugzeuge vom Typ P-8 angewiesen, um die entstandene Aufkl\u00e4rungsl\u00fccke zu kompensieren. Das F\u00fchrungshauptquartier des Air Force Central Command musste von Al Udeid auf die Shaw Air Force Base in South Carolina verlegt werden. Johnson berichtet zudem von ausbleibender Kommunikation zwischen den relevanten Kommandostellen als Indiz daf\u00fcr, dass ein gro\u00df angelegter US-Luftschlag kurzfristig nicht vorbereitet wird.<\/p>\n<p>Parallel dazu eskalierte der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den jemenitischen Ansar Allah (Houthi): Nach einem Angriff auf eine Trauerdelegation in Sanaa reagierten die Houthi mit einer Blockade saudischer \u00d6llieferungen durch die Meerenge Bab al-Mandab und griffen anschlie\u00dfend die \u2013 nach Escobars Angaben modernste \u2013 \u00d6lraffinerie Jizan an, die Saudi Aramco geh\u00f6rt; Sch\u00e4tzungen zufolge d\u00fcrfte die Anlage mehrere Monate ausfallen. Ein m\u00f6glicher Angriff auf die \u00d6lh\u00e4fen von Yanbu steht laut Escobar als weitere Eskalationsstufe im Raum.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund berichten Escobar und Johnson, dass sich die Position Teherans nicht ver\u00e4ndert habe: Man sei zur Diplomatie bereit, sofern die USA ihre eigenen Verpflichtungen aus dem Memorandum of Understanding einhalten \u2013 eine Formel, die laut den beiden Autoren in den vergangenen Wochen wiederholt \u00fcber pakistanische Vermittlung an Washington herangetragen wurde.<\/p>\n<p><strong>Die \u201eUnteilbarkeit der Sicherheit&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ein Begriff, den Escobar f\u00fcr zentral h\u00e4lt, ist die \u201eUnteilbarkeit der Sicherheit&#8220; \u2013 die Vorstellung, dass die Sicherheit eines Staates nicht dauerhaft auf Kosten der Sicherheit seiner Nachbarn organisiert werden kann. Dieses Konzept, so Escobar, sei in der eurasischen Diplomatie handlungsleitend, im US-amerikanischen Sicherheitsdenken aber praktisch unbekannt. Das amerikanische Sicherheitssystem beruht seit 1945 auf einem Netz von St\u00fctzpunkten und B\u00fcndnisverpflichtungen, das die eigene Position tendenziell relativ zur Schw\u00e4chung anderer definiert. Ein Konzept, das genau diese Pr\u00e4misse infrage stellt, l\u00e4sst sich mit den etablierten Kategorien kaum verarbeiten.<\/p>\n<p><strong>Verschiebung nach Westasien statt Ukraine<\/strong><\/p>\n<p>Escobars vielleicht bemerkenswerteste These betrifft den Ort der eigentlichen geopolitischen Verschiebung. Lange galt die Ukraine als der Schauplatz, an dem sich die neue eurasische Landkarte entscheidet. Escobar sieht den entscheidenden Bruchpunkt inzwischen in Westasien: an der Stra\u00dfe von Hormus, im Roten Meer, in der Diplomatie zwischen Teheran, Islamabad und Peking. Er verortet den Beginn dieser eurasischen Integration in den 2000er-Jahren, mit zunehmender Dynamik in den 2010er- und beschleunigtem Tempo in den 2020er-Jahren \u2013 ein Prozess, dessen Konsolidierung er auf die 2030er- bis 2040er-Jahre datiert.<\/p>\n<p>Ob man diese Zeiteinsch\u00e4tzung teilt oder nicht: Sie lenkt den Blick auf eine Verschiebung, die sich derzeit weniger entlang der ukrainischen Front als entlang der Handels- und Energiekorridore des Golfs vollzieht \u2013 ein Bild, das sich mit den Beobachtungen zu Hormus-Blockadelogik und Golf-Diplomatie der vergangenen Wochen deckt.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: US-Pr\u00e4sident Donald Trump<br \/>Bildquelle: lev radin \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Dirk Ellerbrock<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Als Donald Trump k\u00fcrzlich erstmals von einer \u201eeurasischen Achse&#8220; sprach \u2013 China, Russland, Iran, Nordkorea \u2013, war das mehr als eine rhetorische Fu\u00dfnote. Pepe Escobar hat den Begriff in seinem j\u00fcngsten Briefing bei <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gJQwtWk85rU&amp;ref=apolut.net\" rel=\"noreferrer\"><u>Transition Protocol<\/u><\/a> (25.\/26.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":15285,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_gspb_post_css":"","_uag_custom_page_level_css":"","fifu_image_url":"","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-15284","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienkritik"],"blocksy_meta":[],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:jAlU.ad3\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Artikel_20260727_Trump_apolut.jpg",1920,1080,false],"thumbnail":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:jAlU.ad3\/w:150\/h:150\/q:mauto\/rt:fill\/g:ce\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Artikel_20260727_Trump_apolut.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:jAlU.ad3\/w:300\/h:169\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Artikel_20260727_Trump_apolut.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:jAlU.ad3\/w:768\/h:432\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Artikel_20260727_Trump_apolut.jpg",768,432,true],"large":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:jAlU.ad3\/w:1024\/h:576\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Artikel_20260727_Trump_apolut.jpg",1024,576,true],"1536x1536":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:jAlU.ad3\/w:1536\/h:864\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Artikel_20260727_Trump_apolut.jpg",1536,864,true],"2048x2048":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:jAlU.ad3\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Artikel_20260727_Trump_apolut.jpg",1920,1080,false],"trp-custom-language-flag":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:jAlU.ad3\/w:18\/h:10\/q:mauto\/f:best\/dpr:2\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Artikel_20260727_Trump_apolut.jpg",18,10,true]},"uagb_author_info":{"display_name":"admin","author_link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/author\/admin\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Ein Meinungsbeitrag von Dirk Ellerbrock.Als Donald Trump k\u00fcrzlich erstmals von einer \u201eeurasischen Achse\" sprach \u2013 China, Russland, Iran, Nordkorea \u2013, war das mehr als eine rhetorische Fu\u00dfnote. Pepe Escobar hat den Begriff in seinem j\u00fcngsten Briefing bei Transition Protocol (25.\/26.","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15284","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15284"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15284\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15285"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15284"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15284"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15284"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}